Benutzer: Martin Böhnert/Werkstatt: Unterschied zwischen den Versionen

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rund um den jährlichen [https://equalcareday.org/ Equal Care Day am 29. Februar], der dieses Jahr zum zehnten Mal begangen wurde, rücken Fragen von Sorge, Verantwortung und Aufmerksamkeit zumindest zeitweise in den Vordergrund. Sie erinnern daran, dass auch Phänomene wie Klimakrise, Nachhaltigkeit oder Anthropozän nicht aus einer einzigen Perspektive zu verstehen sind, sondern als vielschichtige, vielstimmige Zusammenhänge. Vor diesem Hintergrund setzen wir uns in der [[IAG Climate Thinking|interdisziplinären Arbeitsgruppe Climate Thinking]] mit unterschiedlichen Zugängen und Perspektiven zu diesen Feldern auseinander. Der Newsletter greift diese Vielfalt innerhalb der Arbeitsgruppe auf, indem jede Ausgabe im Austausch zweier Mitglieder entsteht, die den Newsletter gemeinsam kuratieren.
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[[Datei:CCC-03.jpg|left|150px|Cover von Reading Nature and Cultures]] Unsere bei transcript herausgegebene Buchreihe [[Climates – Cultures – Contexts]] begreift Klima, Nachhaltigkeit und das Anthropozän nicht als isolierte Themen, sondern als Phänomenkomplex, der in kulturelle, räumliche, zeitliche, materielle und institutionelle Zusammenhänge eingebettet ist.
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Der im Januar veröffentlichte dritte Band [[Reading Nature and Cultures – Interdisciplinary Perspectives on Witi Ihimaera’s „The Whale Rider“ and its Contexts|Reading Nature and Cultures]] versammelt ausgehend von Witi Ihimaeras The Whale Rider Perspektiven darauf, wie Natur, Kultur und Wissen in unterschiedlichen Kontexten gelesen, gedeutet und verhandelt werden. Für April angekündigt ist der vierte Band [[Futurische Idyllen]], der sich mit Zukunftsentwürfen zwischen Nachhaltigkeitsversprechen, Imagination und Kritik auseinandersetzt. Charakteristisch für die Reihe ist auch ihre visuelle Gestaltung: Die Umschläge greifen Pflanzenfotografien von Karl Blossfeldt auf, dessen konturenscharfe Arbeiten die Trennung von Objektivität und Ästhetik, von Naturgegebenem und kultureller Formung irritieren.
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Im Rahmen der Rhein-Main-Universitätsallianz startet Climate Thinking-Mitglied [[Benutzer:Paul.Reszke|Paul Reszke]] (JGU Mainz) gemeinsam mit Lisa Rhein und Niklas Simon (beide TU Darmstadt) das Projekt '''Krähen und Kommunen. Diskursive Konflikte zwischen Gesellschaft und Natur'''. Das Projekt soll ein dreischrittiges Vorgehen zur '''Exploration und Lösung von kommunikativ-diskursiven Konflikten an der Schnittstelle von Gesellschaft und Natur''' ermöglichen, bei dem Perspektiven der Angewandten Linguistik und der Akteur-Netzwerk-Theorie kombiniert und um Aspekte einer (partizipativen) citizen science erweitert werden.
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Als Problemkomplex wird der Umgang mit Krähenpopulationen in der Nähe von Obstbaumplantagen sowie in angrenzenden Wohngebieten in der Rhein-Main-Region bearbeitet. Das '''langfristige Ziel''' ist die Verstetigung dieser Forschungsplattform.
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Detailaufnahme einer studentischen Arbeit zu Stolpersteinen im Kontext von Care-Verhältnissen. Entstanden im Seminar Matters of Care – Sorge als Denk- und Handlungsform in der Philosophie ([[Lehrschwerpunkt Climate Thinking|Universität Kassel: Wintersemester 2025/26]], Leitung [[Benutzer:Martin Böhnert|Martin Böhnert]]).
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Detail view of a student project on Stolpersteine in the context of relations of care. Created in the seminar Matters of Care – Care as a Mode of Thinking and Acting in Philosophy ([[Lehrschwerpunkt Climate Thinking|University of Kassel, winter semester 2025/26]], led by [[Benutzer:Martin Böhnert|Martin Böhnert]]).
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Aktuelle Version vom 23. März 2026, 14:10 Uhr

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Dieser Beitrag ist kein inhaltlicher Bestandteil des Living Handbooks, sondern die persönliche Werkstatt-Seite von Nutzer*in Martin Böhnert. Bitte nehmen Sie keine Änderungen an dieser Seite vor, ohne dies zuvor mit Martin Böhnert abgesprochen zu haben.


Newsletter

english below

Liebe Alle,

rund um den jährlichen Equal Care Day am 29. Februar, der dieses Jahr zum zehnten Mal begangen wurde, rücken Fragen von Sorge, Verantwortung und Aufmerksamkeit zumindest zeitweise in den Vordergrund. Sie erinnern daran, dass auch Phänomene wie Klimakrise, Nachhaltigkeit oder Anthropozän nicht aus einer einzigen Perspektive zu verstehen sind, sondern als vielschichtige, vielstimmige Zusammenhänge. Vor diesem Hintergrund setzen wir uns in der interdisziplinären Arbeitsgruppe Climate Thinking mit unterschiedlichen Zugängen und Perspektiven zu diesen Feldern auseinander. Der Newsletter greift diese Vielfalt innerhalb der Arbeitsgruppe auf, indem jede Ausgabe im Austausch zweier Mitglieder entsteht, die den Newsletter gemeinsam kuratieren.


Publikationen

Zwei neue Open Access-Bände

Cover von Reading Nature and Cultures
Unsere bei transcript herausgegebene Buchreihe Climates – Cultures – Contexts begreift Klima, Nachhaltigkeit und das Anthropozän nicht als isolierte Themen, sondern als Phänomenkomplex, der in kulturelle, räumliche, zeitliche, materielle und institutionelle Zusammenhänge eingebettet ist.

Der im Januar veröffentlichte dritte Band Reading Nature and Cultures versammelt ausgehend von Witi Ihimaeras The Whale Rider Perspektiven darauf, wie Natur, Kultur und Wissen in unterschiedlichen Kontexten gelesen, gedeutet und verhandelt werden. Für April angekündigt ist der vierte Band Futurische Idyllen, der sich mit Zukunftsentwürfen zwischen Nachhaltigkeitsversprechen, Imagination und Kritik auseinandersetzt. Charakteristisch für die Reihe ist auch ihre visuelle Gestaltung: Die Umschläge greifen Pflanzenfotografien von Karl Blossfeldt auf, dessen konturenscharfe Arbeiten die Trennung von Objektivität und Ästhetik, von Naturgegebenem und kultureller Formung irritieren.

Die Reihe ist offen für weitere Publikationsprojekte. Wer über ein Buchvorhaben nachdenkt, das thematisch oder konzeptionell anschließen könnte, ist herzlich eingeladen, mit uns ins Gespräch zu kommen.
Mehr zur Buchreihe


Forschung

Neues Projekt: Krähen und Kommunen

Im Rahmen der Rhein-Main-Universitätsallianz startet Climate Thinking-Mitglied Paul Reszke (JGU Mainz) gemeinsam mit Lisa Rhein und Niklas Simon (beide TU Darmstadt) das Projekt Krähen und Kommunen. Diskursive Konflikte zwischen Gesellschaft und Natur. Das Projekt soll ein dreischrittiges Vorgehen zur Exploration und Lösung von kommunikativ-diskursiven Konflikten an der Schnittstelle von Gesellschaft und Natur ermöglichen, bei dem Perspektiven der Angewandten Linguistik und der Akteur-Netzwerk-Theorie kombiniert und um Aspekte einer (partizipativen) citizen science erweitert werden.

Als Problemkomplex wird der Umgang mit Krähenpopulationen in der Nähe von Obstbaumplantagen sowie in angrenzenden Wohngebieten in der Rhein-Main-Region bearbeitet. Das langfristige Ziel ist die Verstetigung dieser Forschungsplattform.
Ein erster Workshop ist für November 2026 geplant.
Weitere Informationen im Link unter Aktuelles


Transfer

Climate Writing

Ankündigungsposter für die Climate Writing Workshops
In bereits zwei Workshops zum Kreativen Schreiben in, mit und über Umwelt hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, sich schreibend ihrer Umwelt anzunähern und sowohl ihre Wahrnehmung von Natur als auch ihren eigenen Schreibprozess zu reflektieren: Unter der Leitung der CT-Mitglieder Silvie Lang und Lisa Hinterleitner (beide Universität Kassel) erkundeten die Teilnehmenden in unterschiedlichen Wetterlagen beobachtend und schreibend den Campus und die Umgebung. Besonders erfreulich war das Interesse aus unterschiedlichen Fachrichtungen und Statusgruppen. Die Studierenden zeigten großes Interesse an der kreativen Textarbeit, nutzten den Workshop aber auch als Einstieg ins wissenschaftliche Schreiben. Es entstanden kurze Texte, von denen einer bereits im Rahmen der Abschlussfeier der Absolvent:innen des Fachbereichs Geistes- und Kulturwissenschaften der Universität Kassel vorgetragen wurde. Als thematische Gemeinsamkeit erschien dabei besonders die unscharfe Trennlinie von Natur und Kultur.


Eine Veröffentlichung der Texte im Laufe dieses Jahres ist in der Zeitschrift Brennessel – Blätter für Natur, Raum & Wahrnehmung (Edition Dryade) vorgesehen, begleitet von einer Lesung.
Zum Verlag Edition Dryade (PDF)


Momentaufnahme

Ausstellung studentischer Arbeiten

Detailaufnahme einer studentischen Arbeit zu Stolpersteinen im Kontext von Care-Verhältnissen. Entstanden im Seminar Matters of Care – Sorge als Denk- und Handlungsform in der Philosophie (Universität Kassel: Wintersemester 2025/26, Leitung Martin Böhnert). Detailaufnahme einer studentischen Arbeit zu Stolpersteinen im Kontext von Care-Verhältnissen. Entstanden im Seminar Matters of Care – Sorge als Denk- und Handlungsform in der Philosophie (Universität Kassel: Wintersemester 2025/26, Leitung Martin Böhnert).
Weitere Eindrücke zu den studentischen Arbeiten


Danke für die Aufmerksamkeit und herzliche Grüße,
Martin Böhnert & Johannes Thüne
für die IAG Climate Thinking

Martin Böhnert Martin Böhnert Dieser Newsletter wurde gemeinsam verfasst von Martin Böhnert (Universität Kassel), der aus philosophischer Perspektive zu Care, Wissen und Verantwortung im Kontext der Klimakrise arbeitet, und Johannes Thüne (Ruhr-Universität Bochum), der aus der katholischen Theologie heraus Care, Befreiung und Stimmen der Marginalisierten in den Mittelpunkt stellt.




‎English newsletter



Dear all,

Around the annual Equal Care Day on February 29 – celebrated this year for the tenth time – questions of care, responsibility, and attentiveness move, at least temporarily, into the foreground. They remind us that phenomena such as the climate crisis, sustainability, or the Anthropocene cannot be understood from a single perspective, but only as layered, polyphonic constellations. Against this background, the interdisciplinary working group Climate Thinking engages with these fields through a range of different approaches and perspectives. This newsletter reflects the diversity within the group by being jointly curated for each issue by two members in dialogue.


Publications

Two new open-access volumes

Cover of Reading Nature and Cultures
Our book series Climates – Cultures – Contexts, published with transcript, approaches climate, sustainability, and the Anthropocene not as isolated topics but as a complex of phenomena embedded in cultural, spatial, temporal, material, and institutional contexts.

The third volume, Reading Nature and Cultures, published in January, takes Witi Ihimaera’s The Whale Rider as its point of departure and brings together perspectives on how nature, culture, and knowledge are read, interpreted, and negotiated across different contexts. The fourth volume, Futurische Idyllen, announced for April, explores imaginaries of the future situated between promises of sustainability, imagination, and critique. A distinctive feature of the series is its visual design: the covers draw on plant photographs by Karl Blossfeldt, whose sharply contoured works unsettle the separation between objectivity and aesthetics, between what is given by nature and what is shaped culturally.

The series is open to further publication projects. Anyone considering a book project that could connect thematically or conceptually is warmly invited to get in touch with us.
More about the book series


Research

New project: Crows and Communities

Within the framework of the Rhine-Main University Alliance, Climate Thinking member Paul Reszke (JGU Mainz), together with Lisa Rhein and Niklas Simon (both TU Darmstadt), is launching the project Krähen und Kommunen. Diskursive Konflikte zwischen Gesellschaft und Natur (Crows and Communities. Discursive Conflicts between Society and Nature). The project aims to develop a three-step approach for exploring and addressing communicative–discursive conflicts at the interface of society and nature. It combines perspectives from applied linguistics and actor–network theory and extends them through elements of (participatory) citizen science.

As a concrete problem complex, the project focuses on the management of crow populations in the vicinity of fruit orchards as well as in adjacent residential areas in the Rhine–Main region. The long-term goal is to establish this research platform on a sustainable basis.
A first workshop is planned for November 2026.
Further information via the link under Aktuelles


Transfer

Climate Writing

{Poster announcing the Climate Writing workshops. It shows a stylized fountain pen whose nib extends into the roots of a tree.}
In two workshops on Creative Writing in, with, and about the Environment, participants had the opportunity to approach their surroundings through writing and to reflect both on their perception of nature and on their own writing processes. Under the guidance of CT members Silvie Lang und Lisa Hinterleitner (both University of Kassel), participants explored the campus and its surroundings through observation and writing in a variety of weather conditions. Particularly encouraging was the interest shown by participants from different disciplines and status groups. Students expressed strong interest in creative textual work, while also using the workshop as an entry point into academic writing. Short texts emerged from the workshops, one of which has already been read aloud at the graduation ceremony of the Faculty of Humanities and Cultural Studies at the University of Kassel. A recurring thematic thread was the blurred boundary between nature and culture.


Publication of the texts is planned for later this year in the journal Brennessel – Blätter für Natur, Raum & Wahrnehmung (Edition Dryade), accompanied by a public reading.
About the publisher Edition Dryade (PDF)


Snapshot

Exhibition of student work

Detail view of the project. The excerpt shows various objects (photographs of Stolpersteine, printed emails, a spoon used for cleaning) connected with red threads.
Detail view of a student project on Stolpersteine in the context of relations of care. Created in the seminar Matters of Care – Care as a Mode of Thinking and Acting in Philosophy (University of Kassel, winter semester 2025/26, led by Martin Böhnert).
Further impressions of the student work


Thank you for your attention and kind regards,
Martin Böhnert & Johannes Thüne
for the Interdisciplinary Working Group Climate Thinking

Martin Böhnert Martin Böhnert This newsletter was jointly written by Martin Böhnert (University of Kassel), who works from a philosophical perspective on care, knowledge, and responsibility in the context of the climate crisis, and Johannes Thüne (Ruhr University Bochum), who, drawing on Catholic theology, places care, liberation, and marginalized voices at the center of his work.




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AKTUELL


Checken: Tatsache in: Benutzer:Lara_Neugebauer/Werkstatt



- „Aufzeigen, was getan werden soll“[1]

Mit dem Einsatz von Narrativen im Klimawandeldiskurs ist es möglich, der Gesellschaft durch die Verknüpfung von Erzählungen und Fakten die komplexe Problematik näher zu bringen und damit unter Umständen eine Handlungsmotivation zu bewirken.[2]


DUDEN: Orientierung über aktuelle Verwendung der Sprache bieten, Spiegel der zeitgenössischen Sprache und Gesellschaft

Lexikon-Quelle ohne Autorin[3]

Lexikon-Quelle mit Autorin[4]


LH als Forschungsprojekt

Zugang der einzelnen Disziplinen, d.h. eren Methoden, Theorien und Begriffe nutzen um Diskurs zu durchdringen und begrifflich auf neue Weise greifbar machen. Höllein, Dagobert; Wieders-Lohéac, Aline (Hrsg.) (in Vorb.): Fridays for Future. Sprachliche Perspektiven auf eine globale Bewegung.



Tübingen: Narr.


[5]

Vorlesungsreihe 2021 LISTE


Wissen Intro

Eine solche Reflexion eröffnet etwa den Blick auf in Konkurrenz stehende Wissensformen und Debatten um die Rechtfertigung und Begründung von Wissensansprüchen. Vor diesem Hintergrund wird aus dem vermeintlich stabilen und abgeschlossenen Wissensbegriff des Alltags ein komplexes Phänomen.


Aspekte der Wissensreflexion

Objektivität

Ähnlich selbstverständlich wie die Bezugnahme auf Fakten erscheint die Forderung nach Objektivität. Doch auch dieser Begriff ist bei genauerer Betrachtung weniger eindeutig, als unsere alltägliche Bezugnahm suggeriert. So zeigt Lorraine Daston in ihrer wissenschaftshistorischen Arbeit, dass bei der Bezugnahme auf Objektivität oft ganz verschiedene Bereiche miteinander vermengt werden: „Mühelos gleiten wir von Aussagen über die ‚objektive Wahrheit‘ einer wissenschaftlichen Behauptung hinüber zu solchen über die ‚objektiven Verfahren‘, die einen Befunde untermauern, und weiter zu solchen über die ‚objektive Haltung‘, die einen Forscher auszeichnet.“[6] Zudem zeige die historische Entwicklung des Objektivitätsbegriffs, dass – banal ausgedrückt – Objektivität nicht objektiv ist.

Tugenden der Wissensproduktion und -rezeption

„Solange Erkenntnis einen Erkennenden postuliert und solange der Erkennende als potentielle Hilfe oder Hürde für die Erwerbung von Erkenntnis gilt, wird sein Selbst ein erkenntnistheoretisches Thema sein.“ [7] Mit dieser Überlegung gelangt das erkennende Subjekt in den Blick. Damit es der Erkenntnis nicht als Hürde im Weg steht, lassen sich spezifische normative Tugenden formulieren, auf die sich das erkennende Subjekt bei seiner oder ihrer Tätigkeit berufen soll: Dies sind einerseits charakterbezogene Tugenden wie Geduld, Aufmerksamkeit, Genauigkeit, Beharrlichkeit oder Strenge, aber auch verfahrensbezogene Tugenden wie Objektivität, Exaktheit, Einfachheit, Konsistenz und Akkuratheit, die ihrerseits Einfluss auf das Auskommen des Erkenntnisprozesses haben. Die Philosophin Helen Longino stellt mit Blick auf epistemische Tugenden heraus, dass es sich bei der Einnahme dieser um Entscheidungen des erkennenden Subjekts handelt und dass zwar ein traditionsbedingter, jedoch kein unumstößlicher Kanon bestehe. Daraus folgert sie, dass der Kanon durchaus zur Disposition steht und entsprechend erweitert oder verändert werden könne und schlägt Tugenden wie Heterogenität, methodische Neuartigkeit, die Berücksichtigung der Komplexität von Zusammenhängen oder die Dezentralisierung von Machtverhältnissen als Tugenden vor.[8] Der Philosoph Don Fallis stellt zudem heraus, dass sich Tugenden nicht nur in der Wissensproduktion reflektieren lassen, sondern auch die erkenntnistheoretischen Tugenden der Rezipierenden von Wissen reflektieren lassen.


Personen Artikel

René Descartes

Don Fallis

  1. Espinosa, Cristina; Pregernig, Michael; Fischer, Corinna (2017): Narrative und Diskurse in der Umweltpolitik: Möglichkeiten und Grenzen ihrer strategischen Nutzung. Umweltbundesamt Texte (86), Online, zuletzt abgerufen am 12.01.2022.
  2. Vgl. Hulme, Mike (07.12.2020): Ein Problem, das sich nicht lösen lässt. In: Welt-Sichten. Online, zuletzt abgerufen am 11.01.2022.
  3. [Lemma] Gurke. In: Müller, Johnny (Hrsg.): Lexikon der Gemüsesorten, Bd. 3, Bottrop: Pittiplatsch (1991), S. 456.
  4. Hennef, Helga: [Lemma] Gurke. In: Müller, Johnny (Hrsg.): Lexikon der Gemüsesorten, Bd. 3, Essen: PuttiPlutsch (1991), S. 123.
  5. Höllein, Dagobert; Wieders-Lohéac, Aline (Hrsg.) (in Vorb.): Fridays for Future. Sprachliche Perspektiven auf eine globale Bewegung. Tübingen: Narr.
  6. Daston, Lorraine (2001): Objektivität und die Flucht aus der Perspektive. In: Daston, Lorraine (Hrsg.): Wunder, Beweise und Tatsachen, Frankfurt: Fischer, S. 127-156, hier S. 127.
  7. Daston, Lorraine; Galison, Peter (2007): Objektivität. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 43.
  8. Vgl. Longino, Helen (1994): In Search of Feminist Epistemology. In: The Monist 77(4), S. 472-485, hier S. 476.