<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de">
	<id>http://www.climate-thinking.de/api.php?action=feedcontributions&amp;feedformat=atom&amp;user=Nele+Fuchs</id>
	<title>wiki.climate-thinking.de - Benutzerbeiträge [de]</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="http://www.climate-thinking.de/api.php?action=feedcontributions&amp;feedformat=atom&amp;user=Nele+Fuchs"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Spezial:Beitr%C3%A4ge/Nele_Fuchs"/>
	<updated>2026-10-02T20:17:48Z</updated>
	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.35.0</generator>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Virtual_Witnessing_am_Beispiel_von_e-Mission&amp;diff=7106</id>
		<title>Virtual Witnessing am Beispiel von e-Mission</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Virtual_Witnessing_am_Beispiel_von_e-Mission&amp;diff=7106"/>
		<updated>2026-09-25T12:49:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox-Brettspiele}}Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der '''Analyse des Brettspiels e-Missio'''n anhand der literarischen Technologie des '''Virtual Witnessing'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Brettspiel e-Mission ==&lt;br /&gt;
Im Klima-Brettspiel [[e-Mission]] schlüpfen die Spielenden in die Rolle von ein bis vier globalen ‚Weltmächten’&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=1}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und versuchen durch das strategische und kooperative Ausspielen von Projekten, die Klimaerwärmung aufzuhalten, indem sie den Ausstoß von CO2-Emissionen verringern. Das Spiel eröffnet so ein Szenario, in dem die Spielenden „gemeinsam die gleiche Mission [verfolgen], den Klimawandel aufzuhalten“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=1}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Laut den Spielentwicklern Matteo Menapace und Matt Leacock sollen sich die Spielenden dadurch „empowered“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel=Why We Made Daybreak|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/why-we-made-daybreak-e7f30b3112ba?gi=774af4ef8b01|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, also befähigt oder ermächtigt, fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll die literarische Technologie des [[Virtual Witnessing]] (dt.: virtuelles Bezeugen)&lt;br /&gt;
nach Steven Shapin und Simon Schaffer auf das Brettspiel e-Mission angewendet werden. Mithilfe dieser Methode wird Rezipient*innen ermöglicht, ein beschriebenes Phänomen so nachzuvollziehen, als ob sie selbst bei dessen Beobachtung dabei gewesen wären.&lt;br /&gt;
Mit Hilfe dieses Konzeptes soll untersucht werden, inwiefern e-Mission den Spielenden das Gefühl gibt, dass sie ‚wie in echt‘ dabei sind, den Klimawandel aufzuhalten, und wodurch dabei eine ermächtigende Wirkung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Virtual Witnessing in e-Mission: „If we can imagine it, we can make it happen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  == &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anschließend soll nun untersucht werden, wie die literarische Technologie des ‚virtual witnessing‘&lt;br /&gt;
im Spiel e-Mission eingesetzt wird. Dazu wird exemplarisch die Spielkarte „Kreislaufwirtschaft“&lt;br /&gt;
daraufhin untersucht, durch welche gestalterischen Mittel den Spielenden der Eindruck vermittelt werden soll, dass sie es mit dem ‚echten’ Klimawandel zu tun haben und bei dessen Aufhalten &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=1}}&amp;lt;/ref&amp;gt; tatsächlich dabei sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ausspielen der Projektkarte „Kreislaufwirtschaft“ eraubt es der Spielenden, eine beliebige ‚schmutzige Energie‘ &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=3}}&amp;lt;/ref&amp;gt; aus dem Energiehaushalt ihrer Weltmacht zu entfernen bzw. sogar zusätzlich noch den Energiebedarf ihrer Weltmacht herunterzusetzen. Während e-Mission die Klimakrise unter dem Aspekt des Ausgleiches von Emissionsausstoß und Emissionsbindung verhandelt und die braunen Würfel, die CO2 symbolisieren sollen, auch ein prominenter Aspekt der Spielmechanik sind, geht das Spielgeschehen dennoch über ein bloßes Entfernen dieser CO2-Würfel hinaus. Auf den Projektkarten steht nicht „-1 CO2-Würfel&amp;quot;, sondern man verändert die Verbrauchsgewohnheiten ‚seiner‘ Weltmacht, baut einen Solarpark oder führt eine Luxussteuer ein. Indem so die Bekämpfung des Klimawandels an konkrete Projekte und vorstellbare Initiativen gebunden und von dem abstrakten Phänomen des Emissionsausstoßes und der Emissionsbindung losgelöst wird, wird ‚virtual witnessing‘ ermöglicht: Die Spielenden können sich vorstellen, dass das Einführen einer Kreislaufwirtschaft im Kontrast zu Wegwerfgesellschaften die Entstehung von Abfall minimiert und einen Ressourcen schonenderen Umgang mit Produkten ermöglicht, sodass ‚ihre Weltmacht‘ weniger Energie aufwenden muss, um neue Produkte herzustellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Karte „Kreislaufwirtschaft“ ist dabei nur eine von 133 Projektkarten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=5}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, die verschiedene Strategien zur Bekämpfung des Klimawandels anbieten: Vom Ausbau ‚sauberer‘ und Abbau ‚schmutziger‘ Energie&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. beide {{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=5}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und dem Schaffen von stabiler Natur, Gesellschaft oder Infrastruktur bis hin zum Abmildern von gesellschaftlichem Notstand und dem Aufforsten von Wäldern können unterschiedlichste Strategien genutzt werden, um den Klimawandel aufzuhalten bzw. um die Gesellschaft der ‚Weltmacht‘ resilienter gegen die Folgen des Klimawandels zu machen. Aus der Vielfalt dieser Projekte zieht jede*r Spieler*in jede Runde fünf Karten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=10}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, die er oder sie taktisch klug einsetzen muss. Durch die Vielfalt der Karten und das von den Spielenden verlangte taktische und gemeinsam abgestimmte Vorgehen wird die Bekämpfung des Klimawandels immersiv und erlebbar. Dies verhindert, dass sich die sogenannte „Emissionsphase“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=8}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, während der das von den ‚Weltmächten‘ produzierte CO2 zusammengezählt und möglichst gebunden wird, sich wie trockenes CO2-Würfel-Management anfühlt. Außerdem unterstreicht die Vielfalt der sehr detaillierten Projektkarten die Botschaft der Spielemacher: „Climate action is not merely a war on carbon“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; – das Spiel geht über den Emissions-Zyklus hinaus und bildet auch die Bemühungen ab, Menschen und Orte vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spielkarten sind darüber hinaus alle illustriert, was wiederum noch weiter das ‚virtual witnessing‘ verstärkt. Dabei sind die Illustrationen nicht (wie [[Virtual Witnessing | Robert Boyle]] es gefordert hätte) möglichst naturgetreu, sondern offensichtlich künstlerische Interpretationen bzw. Annäherungen an die Projekte. Gerade diejenigen der bei e-Mission spielbaren Projekte und Technologien zur Bekämpfung des Klimawandels, die in echt (noch) nicht existieren oder umgesetzt werden, profitieren durch die Illustration dadurch, dass sie anschaulich, damit vorstellbar und dadurch eines Tages vielleicht auch umsetzbar werden (so argumentiert zumindest Menapace im Entwicklungstagebuch: „If we can imagine it, we can make it happen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;). Aber auch für die bereits existierenden Technologien und Projekte sind die eher schematischen Darstellungen von Nutzen: Wären sie an einen konkreten Ort oder eine echt existierende Initiative gebunden, hätten sie einen weniger universellen Charakter. Durch die schematische Darstellung lässt sich bspw. die Vorstellung einer Windkraftanlage überall hin übertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem die Illustrationen der Krisenkarten zeichnen sich durch ihren impressionistischen Stil&lt;br /&gt;
aus. Dieser fängt auch die Stimmung des Ereignisses ein (im Falle der Karte „Trinkwassermangel“&lt;br /&gt;
werden beispielsweise durch die rote Tönung Gefühle von Hitze und Austrocknung, aber auch&lt;br /&gt;
Gefahr evoziert; die schemenhafte, kauernde Figur vermittelt ein Gefühl der Hoffnungs- oder Aussichtslosigkeit, noch einer anderen Art des Mangels als der Titel gebende Wassermangel). Aufgrund des gewählten Stils geht das Dargestellte noch über den bloßen Sachverhalt Trinkwassermangel hinaus. Somit decken die Illustrationen eine Komponente der Erfahrbarkeit ab, die eine naturalistische Zeichnung nicht unbedingt leisten könnte, und binden den dargestellten Sachverhalt stärker an das körperliche und seelische Erleben als nur die rein visuelle Vorstellung. Anstelle sich nur sehr realistisch vorstellen zu können, an einem ausgetrockneten Fluss zu kauern, ermöglichen die Illustrationen ein Hineinversetzen in die Lebenssituation, wie es sich anfühlen würde, in einer Welt mit Wassermangel zu leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als letzter ‚virtual witnessing‘ ermöglichender Aspekt lässt sich noch der QR-Code anführen, über&lt;br /&gt;
den jede Spielkarte verfügt. Er führt zu zusätzlichen Informationen über das abgebildete Projekt&lt;br /&gt;
bzw. die abgebildete Krise. Die Texte mit Hintergrund- bzw. weiterführendem Wissen wurden von&lt;br /&gt;
Expert*innen extra für e-Mission geschrieben und darüber hinaus gibt es auch weiterführende&lt;br /&gt;
Links zu externen Seiten. Obwohl diese Zusatzinformationen das Spielgeschehen an sich nicht&lt;br /&gt;
beeinflussen und wahrscheinlich nur von sehr interessierten Spielenden tatsächlich abgerufen&lt;br /&gt;
werden, suggeriert die Präsenz des QR-Codes den Spielenden dennoch, dass die Spielinhalte&lt;br /&gt;
stimmen: Die Spieleautoren haben viel recherchiert, sogar Expert*innen kontaktiert und externe&lt;br /&gt;
Quellen angegeben. Die QR-Codes erhöhen so die Glaubhaftigkeit der Inhalte und stärken das&lt;br /&gt;
Vertrauen der Spielenden in die Autoren, dass diese den Klimawandel, seine Folgen und Gegenmaßnahmen im Spiel so realitätsgetreu wie möglich dargestellt haben: Die Spielenden haben es mit dem echten Klimawandel zu tun, soll der QR-Code ausdrücken. Ein Hinweis in der Spielanleitung macht den Realitätsanspruch auch transparent, während die Spielemacher gleichzeitig zugestehen, dass das Spiel: „keine Simulation [ist]. Zusammenhänge wurden daher vereinfacht oder verkürzt dargestellt, um eine gute Spielbarkeit zu gewährleisten. Gleichzeitig wurde aber versucht, möglichst nahe an der Realität zu bleiben“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=24}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der ausgedrückte Realitätsanspruch in Kombination mit dem Zugeständnis, dass eine Vereinfachung der Inhalte vorgenommen wurde, stärkt auch wieder das Vertrauen in die Autoren: Denn diese Transparenz beim Spieldesign zeigt, dass den Spielenden nichts vorenthalten wird, wodurch die Spielmacher ehrlich und zuverlässig wirken. Dies steigert auch wieder die Glaubhaftigkeit der Inhalte, denn zu zeigen, dass man sich über bestimmte Leerstellen oder Defizite bewusst ist, beweist, wie gründlich man sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückführung auf Boyle ==&lt;br /&gt;
e-Mission ermöglicht ‚virtual witnessing‘ über QR-Codes, Illustrationen und den Einsatz konkreter&lt;br /&gt;
Projekte. Dies unterscheidet sich von den sprachlichen Mitteln, die der Naturforscher Robert&lt;br /&gt;
Boyle in seinen Berichten einsetzte. Die Funktion ist dennoch die Gleiche: Via ‚virtual witnessing’&lt;br /&gt;
wird eine Erfahrung an ‚unbeteiligte‘ Personen vermittelt und Rezipient*innen trotz Abwesenheit&lt;br /&gt;
ein Gefühl des Dabeiseins und Miterlebens gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend nutzte Boyle die ‚virtual witnessing‘-Technologie in seinen Versuchsprotokollen, damit auch nicht beim Experiment anwesende Menschen seine wissenschaftlichen Experimente nachvollziehen können und so den experimentellen Befund als Fakt beglaubigen. So wie Boyle für das Experiment, generieren die Spielemacher via ‚virtual witnessing‘ ein Gefühl des Dabeiseins. Was bei Boyle dazu führen soll, dass sich seine Methode als verlässlich verbreitet, führt bei e-Mission dazu, dass die Klimakrise in ihrer Dringlichkeit erlebt wird und die Spielenden dadurch ein Gefühl des ‚empowerments‘ empfinden. Dieses ‚empowerment‘ stellt sich laut den Spielmachern auch ein, wenn das Spiel verloren wird. Denn unabhängig vom Ausgang des Spiels konnten die Spielenden ihre Handlungsmöglichkeiten im komplexen Themenfeld der Klimakrise ausloten und echte Lösungsansätze erproben: „[You feel] empowered as you play Daybreak because your individual contributions are unique, powerful, and specialised. And empowered after you play it — whether your team is successful or not — because you’ve had a chance to explore climate science and real world solutions“. &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel=Why We Made Daybreak|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/why-we-made-daybreak-e7f30b3112ba?gi=774af4ef8b01|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kontrast zu Boyle setzt e-Mission nicht auf präzise, ausführliche Beschreibungen der konkreten wissenschaftlichen Experimente, die das Wissen über die Klimakrise generiert haben, oder auf naturgetreue Abbildungen der in den Experimenten genutzten Gerätschaften, um das ‚virtual witnessing’ zu ermöglichen und das besagte ‚empowerment’ zu erreichen. Viel eher löst sich e-Mission vom wissenschaftlichen Prozess und setzt wissenschaftliche Erkenntnisse als Teil der Spielmechanik bzw. als Unterbau ein, um Spielenden das Gefühl zu geben, dass sie es tatsächlich mit ‚dem echten Klimawandel‘ zu tun haben (mit [[Bruno Latour|Bruno Latour]] gesprochen könnte man auch sagen, dass es bei Boyle um [[Tatsache (wissenschaftssoziologisch)|„science in the making“]] geht, während e-Mission bereits mit konkreten Ergebnisse von Experimenten, also Fakten, arbeitet, also [[Tatsache (wissenschaftssoziologisch)|„ready made science“]]&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Latour, Bruno|Titel=Science in Action. How to follow scientists and engineers through society|Ort=Cambridge|Verlag=Harvard University Press|Jahr=1987}}&amp;lt;/ref&amp;gt; nutzt). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So macht das Spiel globale und zeitlich ausgedehnte ökologische Zusammenhänge vereinfacht erkenn- und erlebbar (Timothy Morton prägte für solche schwer erfassbaren Phänomene den Begriff ‚hyperobject‘&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Morton, Timothy|Titel=Hyperobjects. Philosophy and Ecology after the End of the World|Ort=Minneapolis|Verlag= University of Minnesota Press|Jahr=2013}}&amp;lt;/ref&amp;gt;). Auf dieser Basis können dann emotionale Impulse wie „viscerally experienc[ing] the emissions piling up on the board and their knock-on effects“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel=Why We Made Daybreak|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/why-we-made-daybreak-e7f30b3112ba?gi=774af4ef8b01|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Tragen kommen. e-Mission arbeitet also nicht mit der literarischen Technologie des ‚virtual witnessing‘, um die Validität von Klima-Experimenten und die somit etablierten Fakten in der breiteren Öffentlichkeit durchzusetzen, sondern um die Bedeutung der schon etablierten Fakten für die Öffentlichkeit (vor allem emotional) herauszuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
Im Kern ermöglicht das Konzept des ‚virtual witnessing‘ abwesenden Rezipient*innen, ein Phänomen (wie ein Experiment oder hier den Klimawandel) indirekt mitanzusehen oder mitzuerleben, indem es durch sprachliche Mittel so realitätsnah wie möglich dargestellt wird.&lt;br /&gt;
Dieser Ansatz wurde im vorliegenden Artikel auf das Spiel e-Mission übertragen, um zu&lt;br /&gt;
untersuchen, wie den Spielenden die Erfahrung zugänglich gemacht werden soll, den&lt;br /&gt;
Klimawandel zu erleben und ihn aufzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Analyse hat gezeigt, dass das ‚virtual witnessing‘ in e-Mission durch den Einsatz verschiedener gestalterischer Mittel gelingt: Über die QR-Codes auf jeder Spielkarte wird Vertrauen in die Autoren aufgebaut und die Glaubhaftigkeit der Inhalte erhöht. Dies führt dazu, dass die Spielenden das Gefühl haben, dass sie ‚den echten Klimawandel‘ inklusive seiner Folgen und möglicher Lösungsansätze erfahren. Auch über das Angebot konkreter Projekte und Lösungsansätze und die Illustrationen stellt e-Mission die Klimakrise so unmittelbar dar und bindet die Spielenden so stark in ihre Bekämpfung ein, dass sie sich als Teil des im Spiel eröffneten Szenarios fühlen, das Klima zu retten. Die in e-Mission genutzten gestalterischen Mittel binden die Rezipient*innen somit so stark in die Situation ein, wie es der boylsche Text versucht: Man wird zur virtuellen Zeugin dessen, was es bedeutet, im Angesicht der Krise einen Windpark aufzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass die Spielenden in e-Mission den ‚echten Klimawandel‘ erleben, mag zunächst ironisch klingen, da die Spielenden bereits in einer Welt leben, in der die Klimakrise real ist und sie somit eigentlich sogar direkte Zeug*innen der Klimakrise und ihrer Bedrohung sind. In ihrer Realität als&lt;br /&gt;
„hyperobject“, also als lokal und zeitlich sehr ausgedehntes Phänomen, ist die Klimakrise allerdings mitunter schwer zu begreifen. Hier bietet e-Mission die Gelegenheit, einen Überblick über einige der relevantesten Mechanismen der Klimakrise (bzw. die im Klimawandel-Diskurs relevantesten Aspekte) zu gewinnen, wie bspw. CO2 als (Haupt-)Verursacher der Klimaerwärmung oder das Verhindern eines Temperaturanstieg um 2 Grad, was Ziel des Pariser Abkommens&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=United Nations Climate Change|Titel=The Paris Agreement|Jahr=2026|Website=UNFCC|Online=https://unfccc.int/process-and-meetings/the-paris-agreement|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und Ziel des Spiels ist. Auch Erdsysteme wie Permafrostböden, arktisches Eis und der Amazonas-Regenwald, die seit Jahren eine große Rolle in der Berichterstattung zur Klimakrise spielen, werden mit einbezogen. In diesem Sinne haben die Spielentwickler Menapace und Leacock tatsächlich ein „interactive model that helps us make sense of what is happening (or not happening) on the climate front […]“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; gebaut, das den Spieler*innen erlaubt, die ‚Gesamtheit‘ der Klimakrise zu erleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fast noch wichtiger als die Funktion des Überblicks ist die des ‚Ermächtigens’, die Leacock und&lt;br /&gt;
Menapace bei der Spielentwicklung anstrebten: Die Spielenden werden in e-Mission nicht nur&lt;br /&gt;
indirekt Zeug*innen der Funktionsweise des Klimawandels, sie werden auch in die Position&lt;br /&gt;
versetzt, Lösungsansätze und Gegenmaßnahmen auszuprobieren, was in der Realität leider&lt;br /&gt;
immer noch ein größtenteils fiktives Szenario ist. Dieses Erproben von Lösungsansätzen und das&lt;br /&gt;
Beschäftigen mit ‚climate science‘ generell hat laut den Spielentwicklern eine ‚ermächtigende’&lt;br /&gt;
Wirkung. Diese wurzelt im ‚virtual witnessing‘: Dadurch, dass das Spiel viele detaillierte&lt;br /&gt;
Lösungsansätze anbietet und dadurch Technologien und Maßnahmen überhaupt erstmal konkret&lt;br /&gt;
vorstellbar macht, ist ein erster Schritt in Richtung Umsetzbarkeit getan: „[…] playing Daybreak&lt;br /&gt;
changed how they [the players] understand the problem and its potential solutions. […] [A]ll&lt;br /&gt;
this is possible. If we can imagine it, we can make it happen“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft|Vorname=Nele|Nachname=Fuchs|Vorname2= |Nachname2= |Tag=07|Monat=09|Jahr=2026 |Bearbeitung-Vorname=Nele| Bearbeitung-Nachname=Fuchs|Bearbeitung-Vorname2= | Bearbeitung-Nachname2= |Bearbeitung-Tag=|Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Virtual_Witnessing&amp;diff=7105</id>
		<title>Virtual Witnessing</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Virtual_Witnessing&amp;diff=7105"/>
		<updated>2026-09-25T12:39:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;In diesem Artikel wird die literarische Technologie des '''virtual witnessing''' (dt.: virtuelles Bezeugen) nach Steven Shapin und Simon Schaffer vorgestellt. Mithilfe dieser Methode wird Rezipient*innen ermöglicht, insbesondere wissenschaftlich beschriebene Phänomene so nachzuvollziehen, als ob sie selbst bei dessen Beobachtung dabei gewesen wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wissenschaftsgeschichtliche Hintergründe der Debatte ==&lt;br /&gt;
In ihrem 1985 erschienenen Werk ''Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life'' zeichnen die Wissenschaftshistoriker Steven Shapin und Simon Schaffer die Debatte nach, die Thomas Hobbes und Robert Boyle Mitte des 17. Jahrhunderts um Boyles Experimente mit einer Luftpumpe führten. Diese Debatte trug maßgeblich dazu bei, dass sich das Experiment als wissenschaftliche Methode gegenüber anderen Erkenntnisformen durchsetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn in den späten 1650 und frühen 1660er Jahren, als der irische Naturwissenschaftler Robert&lt;br /&gt;
Boyle in England die sogenannten pneumatischen Experimente durchführte, waren Experimente&lt;br /&gt;
als gültige wissenschaftliche Methode nicht so etabliert, wie sie es für uns heutzutage sind.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass er also im Gegensatz zu zeitgenössisch gleichermaßen anerkannten alternativen Programmen der Wissensproduktion (eig. Übersetzung)&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026, eig. Übersetzung}}&amp;lt;/ref&amp;gt; hauptsächlich Experimente als Mittel der&lt;br /&gt;
Wissensgenerierung nutzte, brachte ihm einen Streit mit dem Philosophen Thomas Hobbes ein.&lt;br /&gt;
Im Zentrum dieses Streits über die Experimente mit der Luftpumpe standen die Fragen, „how&lt;br /&gt;
claims were to be authenticated as knowledge. What was to count as knowledge, or ‚science‘?&lt;br /&gt;
How was this to be distinguished from other epistemological categories, such as ‚belief’ and ‚opinion‘?“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Die grundlegende Frage, ob Experimente überhaupt ein geeignetes Mittel sind,&lt;br /&gt;
um etwas über –hier – die Eigenschaften der Luft zu erfahren, war zu diesem Zeitpunkt also noch nicht geklärt und die Validität der experimentellen Methode musste sich noch durchsetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Schaffer und Shapin so die Bedeutung dieser Debatte für die Geschichte der Wissensproduktion herausarbeiten, stellen sie fest, dass Boyle drei zusammenhängende Technologien&lt;br /&gt;
nutzt, um Tatsachen zu erfassen: eine materielle, eine soziale und eine literarische.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die i) ''materielle Technologie'' ist der Apparat oder die Maschine, mit der das Experiment durchgeführt wird. Dieses Gerät soll “subjektunabhängige ‘matter[s] of fact’”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; hervorbringen, „denn indem&lt;br /&gt;
Phänomene qua Apparat und damit mechanisch hervorgebracht wurden, sollte ihre Gemachtheit&lt;br /&gt;
durch Menschenhand verdeckt werden“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;: Die Maschine liefert [[Aperspektivische Objektivität|‚objektive’ Tatsachen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ii) ''soziale Technologie'' bezeichnet den Umstand, dass ein Experiment mit dem Apparat vor anderen vorgeführt wurde, um es mehr Menschen (d. h. in Boyles Fall in erster Linie Wissenschaftlern und der englischen ‚high society‘) zugänglich zu machen und es von ihnen beglaubigen zu&lt;br /&gt;
lassen. Dies erhöhe den experimentellen Befund noch weiter, weil er durch das Kollektiv aus gebildeten Augenzeugen abgesichert war.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Erst durch die kollektive Bezeugung&lt;br /&gt;
der unmittelbar anwesenden Personen gewinnen das Experiment und dessen Ergebnisse an Faktizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um jedoch die Mehrheit derjenigen von den experimentellen Tatsachen zu überzeugen, die dem&lt;br /&gt;
Experiment nicht beiwohnen konnten und auch nicht über die Möglichkeit verfügen, es selber zu&lt;br /&gt;
wiederholen, bediente sich Boyle schließlich der iii) ''literarischen Technologie'' des ‚virtual witnessing‘. Shapin und Schaffer verstehen darunter „the production in a 'reader’s' mind of such an image of an experimental scene as obviates the necessity for either direct witness or replication. Through virtual witnessing the multiplication of witnesses could be, in principle, unlimited“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=60, Herv. im Orig. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ‚virtuelle Bezeugen’ ermögliche so auch dem Publikum außerhalb des Labors durch literarische Beschreibung und naturgetreue Abbildung des Experiments, indirekt Zeug*innen des Experiments zu werden und den Hergang des Experiments vor ihrem inneren Auge‘ nachzuvollziehen.&lt;br /&gt;
Dadurch, dass so umlimitiert viele Menschen Zeug*innen eines Experiments werden können, würden die experimentellen Befunde noch stärker als Tatsachen abgesichert. Die virtuelle Bezeugung&lt;br /&gt;
ermöglichte so erst das Entstehen „eine[r] wissenschaftliche[n] Öffentlichkeit […], der die Rolle&lt;br /&gt;
zukam, die experimentell erhobenen Tatsachen zu beglaubigen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und verhalf so&lt;br /&gt;
dem Aufstieg experimenteller Methoden im 17. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Merkmale des ‚virtual witnessing‘ bei Boyle ==&lt;br /&gt;
Boyle ermöglichte das ‚virtual witnessing‘ mit dem Schreiben eines Versuchsprotokolls (das Boyle&lt;br /&gt;
als gleichermaßen wichtig wie das Experimentieren selbst erachtete&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) sowie mit naturalistischen Zeichnungen, die den Zeug*innen als Ergänzung oder „visual assistance“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=61 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Text dienen sollten. Das ideale Versuchsprotokoll war für Boyle ein weitschweifiger Bericht über das Experiment in allen Einzelheiten. Diese Detailfülle sah er als notwendig an, weil sie erstens die Replikation des Experiments erleichterte und zweitens die Experimente den Lesenden unbekannt waren und daher die Beweise und Konklusionen gut kontextualisiert&lt;br /&gt;
werden mussten, damit man ihnen traute. Drittens ermöglichte die extreme Ausführlichkeit überhaupt erst das virtuelle Bezeugen: „If one wrote experimental reports in the correct way, the rea-&lt;br /&gt;
der could take on trust that these things happened. Further, it would be as if that reader had been&lt;br /&gt;
present at the proceedings“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62f.}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Denn würde das Protokoll nur die Ergebnisse des Experiments anführen, könnten sich die Lesenden die experimentelle Szene nicht vorstellen. Durch den umfassenden Charakter des Protokolls können die Lesenden erst zu virtuellen Zeug*innen werden und sind dann in der Position, experimentelle Phänomene als Tatsachen zu validieren.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=63 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Boyle scheute in seinen Versuchsprotokollen auch nicht vor extrem wortreichen, verklausulierten&lt;br /&gt;
Sätze mit vielen Appositionen zurück: Diese sollten die Direktheit und Gleichzeitigkeit der Geschehnisse verdeutlichen, sodass das Beschriebene so realitätsnah wie möglich wirkte. Auch gescheiterte Experimente waren zu beschreiben, denn dies würde die Lesenden überzeugen, dass keine Informationen vorenthalten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=64}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die Geschehnisse in ihrer Gesamtheit geschildert würden. Darüber hinaus helfe dies Boyle, sich als vertrauenswürdigen Mann von Charakter&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Rolle von Vertrauen im Kontext wissenschaftlicher Forschung siehe auch {{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=The way we trust now: The Authority of science and the character of the scientist|Herausgeber*in=Hoodbhoy, P.; Glaser, S.; Shapin, S.|Sammelband=Trust Me, I'm a Scientist|Ort=London|Verlag=The British Council|Jahr=2004}}&amp;lt;/ref&amp;gt; zu inszenieren, da es suggeriert, dass seine eigenes Erkenntnisinteresse nicht die Objektivität seiner Forschung verzerre: „his accounts [served] as unclouded and undistorted mirrors of nature“.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der trockene und komplizierte Stil des Versuchsprotokolls sollte funktional wirken und den Eindruck erwecken, dass man den Lesenden „‚the eye-glasses of a telescope‘“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=66}}&amp;lt;/ref&amp;gt; aufsetzen würde, dass sie also wie mit eigenen Augen auf die Experimentierszene blicken könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese stilistischen Entscheidungen dienten dazu, dass seinen Texten geglaubt würde, man uneingeschränkt Zeug*in seiner experimentellen Erzählungen werden konnte&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die so etablierten Behauptungen auch als Tatsachen auffassen würde. Dabei ist es wichtig her-&lt;br /&gt;
auszustellen, dass das Versuchsprotokoll nicht einfach ein Bericht ist „of what was done elsewhe-&lt;br /&gt;
re; we are dealing with a most important form of experience and the means for extending and va-&lt;br /&gt;
lidating experience“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=484|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das virtuelle Bezeugen stellt somit in erster Linie eine Technik dar, Erfahrung zu vermitteln und zu bestätigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das anhand von Boyles historischem Beispiel entwickelte Konzept des ‚virtual witnessing‘ ist&lt;br /&gt;
auch heute noch für die Wissensproduktion relevant. Denn: „The popularization of science is&lt;br /&gt;
usually understood as the extension of experience from the few to the many“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=481|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Ausdehnung der Erfahrung aus einem kleinen Expert*innenkreis von Wissenschaftler*innen, die unmittelbar an einem Experiment beteiligt sind, auf ein breiteres Publikum wird über die Technik der virtuellen Bezeugung geleistet, da diese es – wie herausgestellt – ermöglicht, das Beschriebene vor dem inneren Auge so konkret nachzuvollziehen, dass man ihm Glauben schenkt. Über die ‚virtual witnessing‘-Technologie lassen sich so wissenschaftliche Konzepte in der Öffentlichkeit verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass mithilfe der Technik des ‚virtual witnessing‘ eine&lt;br /&gt;
„stellvertretende Erfahrung“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026, eig. Übersetzung}}&amp;lt;/ref&amp;gt;  produziert werden soll, die den Leser*innen ermöglicht, ihre Zustimmung zu einem Sachverhalt zu erteilen, als ob sie tatsächlich&lt;br /&gt;
dabei gewesen wären, als ein Experiment durchgeführt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026, eig. Übersetzung }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Historiker*innen und Wissenschaftssoziolog*innen haben Shapins und Schaffers Definition des&lt;br /&gt;
‚virtual witnessing‘ erweitert, sodass ‚virtual witnessing’ generell jeden Versuch umfasst, andere&lt;br /&gt;
von einer wissenschaftlichen Erklärung zu überzeugen, ohne dass diese das Experiment oder&lt;br /&gt;
überhaupt das Phänomen selbst erleben müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55, eig. Übersetzung}}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können auch andere Medienformen als wissenschaftliche Texte ‚virtual witnessing‘ ermöglichen wie z. B. Filme, die das Publikum die dargestellten Phänomene als real erleben lassen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, oder [[Virtual Witnessing am Beispiel von e-Mission|Brettspiele]]. Zusammen mit materiellen und sozialen Techniken dient diese literarische Technik der Wissensproduktion dazu, die Gewissheit einer Tatsache zu verbreiten.&lt;br /&gt;
Damit das ‚virtual witnessing‘ funktioniert, werden verschiedene sprachliche Mittel eingesetzt, die&lt;br /&gt;
das Beschriebene für die Rezipient*innen so realitätsnah wie möglich wirken lassen, bspw. eine&lt;br /&gt;
hohe Detailfülle oder bei Boyle ein komplexer Satzbau. Aber auch realistische Illustrationen oder&lt;br /&gt;
(heutzutage in Versuchsprotokollen häufiger eingesetzt) Skizzen des Experimentaufbaus werden&lt;br /&gt;
eingesetzt, um den Leser*innen zu ermöglichen, sich das Beschriebene genau vorzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier dargestellte Konzept des ‚virtual witnessing‘ wurde von Steven Shapin und Simon&lt;br /&gt;
Schaffer anhand des Beispiels von Robert Boyle und seinen Experimenten im 17. Jahrhundert&lt;br /&gt;
herausgearbeitet. Boyles ausführliche Beschreibungen und detaillierte Illustrationen sollten selbst&lt;br /&gt;
weit entfernten Wissenschaftlern ermöglichen, seine Experimente indirekt anzusehen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55, eig. Übersetzung}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, sodass sie seine experimentellen Befunde beglaubigen konnten.&lt;br /&gt;
Im Kern ermöglicht ‚virtual witnessing‘ somit abwesenden Rezipient*innen, ein Phänomen (wie bspw. ein Experiment) indirekt mitanzusehen oder mitzuerleben, indem es durch&lt;br /&gt;
sprachliche Mittel so realitätsnah wie möglich dargestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft|Vorname=Nele|Nachname=Fuchs|Vorname2= |Nachname2= |Tag=06|Monat=09|Jahr=2026 |Bearbeitung-Vorname=| Bearbeitung-Nachname=|Bearbeitung-Vorname2= | Bearbeitung-Nachname2= |Bearbeitung-Tag=|Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissenschaftsgeschichte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissenschaftsphilosophie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Theorien]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Steven Shapin]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Simon Schaffer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Robert Boyle]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Jonas_Raschendorfer/Werkstatt&amp;diff=7103</id>
		<title>Benutzer:Jonas Raschendorfer/Werkstatt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Jonas_Raschendorfer/Werkstatt&amp;diff=7103"/>
		<updated>2026-09-22T15:18:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird das preisgekrönte Brettspiel '''e-Mission''' vorgestellt. Es wird auf die Intentionen der Spielentwickler sowie auf Ziele, Konzepte und Potentiale des Spiels eingegangen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Spiel im Überblick ==&lt;br /&gt;
[[Datei:e-mission.jpg|thumb|Die Spiel-Box von e-Mission. Der englische Titel ''Daybreak'' weist auf die Zuversicht und das Gefühl von empowerment hin, dass die Spielemacher anstreben.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e-Mission (im Original Daybreak) ist ein kooperatives Brettspiel der Spieleentwickler Matteo Menapace und Matt Leacock. Thematischer Schwerpunkt ist die menschengemachte, globale Klimaerwärmung. Maximal vier Spieler schlüpfen dafür in die Rolle von je einer für den globalen CO2-Ausstoß relevanten Weltregion (USA, China, Europa und der globale Süden). Durch verschiedene nationale und internationale Projekte versuchen die unterschiedlichen Parteien Runde für Runde, den CO2-Ausstoß ihrer Industrie- und Energiesektoren zu minimieren. Überschüssiges CO2, das auf der Weltkarte des Brettspiels nicht von Wäldern und Ozeanen gebunden werden kann, sammelt sich auf einem großen, roten Thermometer und lässt dort die globale Durchschnittstemperatur steigen. Mit jedem Temperaturanstieg um ein Zehntel-Grad werden Krisen ausgelöst, denen sich die Spielenden stellen müssen. Die Krisen beeinflussen die gesellschaftliche und infrastrukturelle Stabilität der Weltregionen und das Wohlbefinden der Bevölkerung, aber auch den Zustand der Natur. Die Destabilisierung von Natur, Gesellschaft und Infrastruktur und die Abnahme des gesellschaftlichen Wohlbefindens hat negative Folgen sowohl für die Handlungsfähigkeiten der global player als auch für die Speicherkapazitäten der Wälder und Meere in der nächsten Runde. Das Spielziel besteht darin, die globalen CO2-Emissionen in einer begrenzten Anzahl von Runden so weit zu reduzieren, dass die verbleibenden Emissionen vollständig von Wäldern und Ozeanen gebunden werden können, bevor ein Temperaturanstieg von mehr als 2,5 Grad das Spiel beendet&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa &amp;amp; Thuro, Frank |Titel=e-Mission. Spielanleitung |Herausgeber*in=Menapace, Matteo &amp;amp; Lealock, Matt |Sammelband=e-Mission Spielbox |Ort=Berlin |Verlag=Schmidt Spiele GmbH |Jahr=2023 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Entstehung des Spiels ==&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im Zeitraum von 2004 bis 2008 entwickelte Matt Leacock während der SARS-Epidemie das Spiel Pandemie (im Original Pandemic), in dem viele der Überlegungen für das Spiel e-Mission gründen, wie beispielsweise der kooperative Spielmechanismus zur Bewältigung einer globalen Krise. Pandemie erfreute sich großen Erfolges und führte zur ersten Kontaktaufnahme zwischen Leacock und Menapace über Twitter, um sich über Ziele und Wirkmechanismen von Spielen auszutauschen, was letztendlich zur gemeinsamen Entwicklung von e-Mission führte. Im April desselben Jahres trafen sie sich das erste Mal, um ein Spielkonzept zu entwerfen, das der Komplexität des globalen Klimawandels gerecht würde. Nach zahlreichen Anpassungen und Vereinfachungen der Spielmechaniken wird das Spiel im März 2021 in Zusammenarbeit mit Klimaexpert*innen finalisiert. Im Jahr 2023 erschien das Spiel unter dem Originaltitel Daybreak schließlich beim amerikanischen Verlag CMYK und noch im selben Jahr in deutscher Fassung als e-Mission beim Verlag Schmidt Spiele. In Deutschland wurde es außerdem zum Kennerspiel des Jahres 2024 ausgezeichnet &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in= |Titel=e-mission |Jahr=2024 |Website=Spiel des Jahres |Online=https://www.spiel-des-jahres.de/spiele/e-mission/ |Abruf=15.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ziele und Konzepte des Spiels ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spieleautor Menapace dokumentierte den Entstehungsprozess von e-Mission ausführlich in seinem Produktionstagebuch, das online frei zugänglich ist&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo |Titel=Why we made Daybreak |Jahr=2022 |Website=Medium |Online=https:https://blog.daybreakgame.org/why-we-made-daybreak-e7f30b3112ba |Abruf=15.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Darin erläutert er die zugrundeliegenden Überlegungen zu den Fragen, aus welchem Grund das Spiel entwickelt wurde, welchen Beitrag es in Bezug auf den Klimawandel leisten und über welche Spielmechanismen und Konzeptionen dies erreicht werden soll. Die Idee zur Spielentwicklung entstand ursprünglich aus einer intensiven Auseinandersetzung mit der Klimakrise in Folge der globalen Fridays for Future-Streiks ab 2019. Leacock spielte mit dem Gedanken, ein Spiel zu dem Thema zu entwickeln, war jedoch überwältigt von der schieren Größe und Komplexität des Themas und darüber hinaus von dem ambivalenten Gefühl zwischen Angst und Hoffnung. Das Spiel sollte in erster Linie als Ventil dienen, um die Fragen und Informationen rund um das Thema Klimakrise zu verarbeiten. Daraus ergaben sich einige grundlegende Zielsetzungen, die für das Spiel prägend sein sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== globale Lösungsansätze ohne Moralisierung ===&lt;br /&gt;
[[Datei:material.jpg|thumb|e-Mission hat eine Vielzahl an Karten, Spielbrettern, Markern und Plättchen. Auf dem Spielbrett mit der Weltkarte findet Co2-Emissionsbildung und -Bindung statt.]]&lt;br /&gt;
Das Spiel sollte erstens systemische und wirksame Lösungen für die Klimakrise anbieten und diese als globales Problem darstellen, das nur durch kollektive Aktionen und systemische Anpassungen gelöst werden kann. Damit sollte individualistischen Lösungsansätzen, die häufig zur Ablenkung von der entscheidenden Rolle der fossilen Wirtschaft instrumentalisiert werden, eine klare Absage erteilt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens sollte das Spiel ein realistisches Erlebnis bieten, ohne dabei belehrend oder moralisierend zu wirken. e-Mission sollte die Spielenden also nicht mit erhobenem Zeigefinger instruieren, „das Richtige zu tun“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo |Titel=Why we made Daybreak |Jahr=2022 |Website=Medium |Online=https:https://blog.daybreakgame.org/why-we-made-daybreak-e7f30b3112ba |Abruf=15.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (eigene Übersetzung). Vielmehr sollen diese bedeutungsvolle Wahloptionen erhalten. Dabei sollte die Klimakrise nicht ausschließlich  als „war on carbon emissions“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo |Titel=Why we made Daybreak |Jahr=2022 |Website=Medium |Online=https:https://blog.daybreakgame.org/why-we-made-daybreak-e7f30b3112ba |Abruf=15.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; begriffen werden, sondern diese an Menschen und die Gesellschaft binden (bspw. durch die Gesellschaftsstabilitätsmarker etc.). Das Spiel sollte zudem verdeutlichen, dass es keine Einheitslösung gegen den Klimawandel gibt: Es benötige eher viele unterschiedliche Maßnahmen, die zusammen gut ausgespielt zum Ziel führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kooperativ statt Kompetitiv ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drittens waren die Entwickler davon überzeugt, dass dem Thema Klimakrise nur ein Spiel gerecht würde, das nicht kompetitiv, sondern auf totale Kooperation ausgerichtet ist. Setting des Spiels soll eine Welt sein, in der gemeinsam auf ein Ziel hingearbeitet wird. Als jeweilige global player soll so ein Gleichgewicht aus Kooperation und individueller Autonomie geschaffen werden. Menapace schreibt Kooperationsspielen generell einen unterschätzten Stellenwert zu; man werde sich erst neuerdings deren Spieldynamik bewusst: „for millennia we have been thinking of games mostly as a form of competition. We’re not used (yet) to fully cooperate with our fellow players”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo |Titel=What does Pandemic (the game) teach us about the COVID-19 pandemic? |Jahr=2020 |Website=Medium |Online=https://medium.com/theuglymonster/what-does-pandemic-the-game-teach-us-about-the-covid-19-pandemic-bbf8a60f08a5 |Abruf=15.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Schon bei  seinem Spiel Pandemie sprach er sich für kooperative Spielmechaniken aus, weil so  die Moral des Spiels sei, dass man einen mächtigen Gegner nur gemeinsam bezwingen könne: „We desperately need cooperation and solidarity in these tough times. It’s our civic duty”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo |Titel=What does Pandemic (the game) teach us about the COVID-19 pandemic? |Jahr=2020 |Website=Medium |Online=https://medium.com/theuglymonster/what-does-pandemic-the-game-teach-us-about-the-covid-19-pandemic-bbf8a60f08a5 |Abruf=15.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Mit welcher Effektivität Kooperation und Solidarität spielmechanisch sinnvoll in das Spiel eingebaut wurden, soll [[Das Spiel e-Mission aus Ökofeministischer Perspektive |hier aus einer feministischen Perspektive]] erörtert werden.  Weitere Vorzüge einer kooperativen Spieldynamik sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Spielende verbünden sich gegen eine antagonistische Kraft&lt;br /&gt;
* Spielende übernehmen eine individuelle Rolle, einen Beitrag zur Lösung leistet &lt;br /&gt;
* Spielende müssen kommunizieren, und das klar und effizient&lt;br /&gt;
* Spielende müssen ihre Pläne effizient koordinieren, um das Ziel zu erreichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Empowerment durch Handlungsmöglichkeiten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus waren die Entwickler davon überzeugt, dass e-Mission die Spielenden emotional fesseln müsse. Viertens einigten sich Leacock und Menapace deshalb darauf, dass das Spiel eine emotionale Reaktion des “empowerments”, also der Ermächtigiung oder Befähigung, hervorrufen soll. Unabhängig davon, ob das Spiel gewonnen oder verloren wird, sollen die Spielenden hinsichtlich ihrer Handlungsmöglichkeiten im komplexen Themenfeld der Klimakrise ein Gefühl von Selbstwirksamkeit und Zuversicht entwickeln: “it’s true that you can’t solve the climate crisis alone, it’s even more true that we can’t solve it without you. It’s a team sport. [So] do what you’re good at. And do your best”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heglar, Mary A. |Titel=“We Can’t Tackle Climate Change Without You.” |Jahr=2020 |Website=Wired |Online=https://www.wired.com/story/what-you-can-do-solve-climate-change/ |Abruf=15.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Potential von Spielen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das italienische Wort für Spaß/Spiel „divertimento“ bedeutet gleichzeitig auch Ablenkung. Spiele sollen und können eine Ablenkung vom Ernst des Lebens sein. Wie passt also ein Spiel, das wichtige globale Probleme aufgreift, in die Grundanforderungen von Spielen? Ist es vielleicht sogar geschmacklos, zu einem ernsten Thema wie dem Klimawandel, von dem Menschenleben betroffen sind, ein Spiel zu entwickeln, das Freude macht? Menapace (der auch während der SARS-Epidemie das Spiel Pandemie entwickelte und sich dabei bereits mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sah) ist der Auffassung, dass Spiele nicht ausschließlich auf Spaß ausgerichtet sein müssen. Dabei behilft er sich eines Vergleiches mit Kunstformen. Hier würde niemand fragen, ob gewisse Themen nicht zu Objekten der Auseinandersetzung gemacht werden dürften. Inhaltliche Auseinandersetzung auch mit schweren Themen im Spiel sei eine normale, menschliche Form der Bewältigung: „To me, such activity is a natural way to cope with our new reality. It gives people a chance to confront their fears, make sense of the situation and perhaps even feel somewhat in control as they defiantly attempt to defeat the big bad themselves”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Leacock, Matt |Titel=No Single Player Can Win This Board Game. It’s Called Pandemic. |Jahr=2020 |Website=New York Times |Online=https://www.nytimes.com/2020/03/25/opinion/pandemic-game-covid.html |Abruf=15.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Eine herausragende positive Eigenschaft von Spielen sei seiner Meinung nach, komplexe Systeme zu simulieren und ungewisse Situationen verständlich zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BILD&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spieleautoren sind davon überzeugt, dass Spiele didaktischen Wert haben können und sollten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo |Titel=Why we made Daybreak |Jahr=2022 |Website=Medium |Online=https:https://blog.daybreakgame.org/why-we-made-daybreak-e7f30b3112ba |Abruf=15.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Vor allem könnten sie die Spielenden lehren, ihre Stärken auszuspielen. Spiele sollten darüber hinaus dazu befähigen, Bedrohungen gegen langfristige Ziele abzuwägen und gegenüber dem gemeinsamen Wohl Opfer zu bringen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Leacock, Matt |Titel=No Single Player Can Win This Board Game. It’s Called Pandemic. |Jahr=2020 |Website=New York Times |Online=https://www.nytimes.com/2020/03/25/opinion/pandemic-game-covid.html |Abruf=15.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Auch Kommunikation, gemeinsame Koordination und effektive Kooperation seien Fähigkeiten, die im Spiel vergegenwärtigt und deren positive Eigenschaften erfahren und trainiert werden könnten: “If we can communicate, coordinate and cooperate effectively we might better overcome this uncaring, relentless and frightening opponent”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Leacock, Matt |Titel=No Single Player Can Win This Board Game. It’s Called Pandemic. |Jahr=2020 |Website=New York Times |Online=https://www.nytimes.com/2020/03/25/opinion/pandemic-game-covid.html |Abruf=15.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Hannes |Nachname2=Kleinheinrich |Vorname3=Marlena |Nachname3=Koch |Vorname4=Jonas |Nachname4=Raschendorfer |Vorname5= |Nachname5= |Tag=15 |Monat=09 |Jahr=2026 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname2= | Bearbeitung-Nachname2= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7031</id>
		<title>Benutzer:Nele Fuchs/Werkstatt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7031"/>
		<updated>2026-09-08T16:33:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird die literarische Technologie des '''virtual witnessing''' (dt.: virtuelles Bezeugen) nach Steven Shapin und Simon Schaffer vorgestellt. Mithilfe dieser Methode wird Rezipient*innen ermöglicht, ein beschriebenes Phänomen so nachzuvollziehen, als ob sie selbst bei dessen Beobachtung dabei gewesen wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wissenschaftsgeschichtliche Hintergründe der Debatte ==&lt;br /&gt;
In ihrem 1985 erschienenen Werk ''Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life'' zeichnen die Wissenschaftshistoriker Steven Shapin und Simon Schaffer die Debatte nach, die Thomas Hobbes und Robert Boyle Mitte des 17. Jahrhunderts um Boyles Experimente mit einer Luftpumpe führten. Diese Debatte trug maßgeblich dazu bei, dass sich das Experiment als wissenschaftliche Methode gegenüber anderen Erkenntnisformen durchsetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn in den späten 1650 und frühen 1660er Jahren, als der irische Naturwissenschaftler Robert&lt;br /&gt;
Boyle in England die sogenannten pneumatischen Experimente durchführte, waren Experimente&lt;br /&gt;
als gültige wissenschaftliche Methode nicht so etabliert, wie sie es für uns heutzutage sind.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass er also im Gegensatz zu zeitgenössisch gleichermaßen anerkannten alternativen Programmen der Wissensproduktion&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026, eig. Übersetzung}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. ebd., eig. Übersetzung) hauptsächlich Experimente als Mittel der&lt;br /&gt;
Wissensgenerierung nutzte, brachte ihm einen Streit mit dem Philosophen Thomas Hobbes ein.&lt;br /&gt;
Im Zentrum dieses Streits über die Experimente mit der Luftpumpe standen die Fragen, „how&lt;br /&gt;
claims were to be authenticated as knowledge. What was to count as knowledge, or ‚science‘?&lt;br /&gt;
How was this to be distinguished from other epistemological categories, such as ‚belief’ and ‚opinion‘?“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Die grundlegende Frage, ob Experimente überhaupt ein geeignetes Mittel sind,&lt;br /&gt;
um etwas über –hier – die Eigenschaften der Luft zu erfahren, war zu diesem Zeitpunkt also noch nicht geklärt und die Validität der experimentellen Methode musste sich noch durchsetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Schaffer und Shapin so die Bedeutung dieser Debatte für die Geschichte der Wissensproduktion herausarbeiten, stellen sie fest, dass Boyle drei zusammenhängende Technologien&lt;br /&gt;
nutzt, um Tatsachen zu erfassen: eine materielle, eine soziale und eine literarische. Die materielle&lt;br /&gt;
Technologie ist der Apparat oder die Maschine, mit der das Experiment durchgeführt wird. Dieses&lt;br /&gt;
Gerät soll “subjektunabhängige ‘matter[s] of fact’”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; hervorbringen, „denn indem&lt;br /&gt;
Phänomene qua Apparat und damit mechanisch hervorgebracht wurden, sollte ihre Gemachtheit&lt;br /&gt;
durch Menschenhand verdeckt werden“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;: Die Maschine liefert [[Aperspektivische Objektivität|‚objektive’ Tatsachen]].&lt;br /&gt;
Die soziale Technologie bezeichnet den Umstand, dass ein Experiment mit dem Apparat vor anderen vorgeführt wurde, um es mehr Menschen (d. h. in Boyles Fall in erster Linie Wissenschaftlern und der englischen ‚high society‘) zugänglich zu machen und es von ihnen beglaubigen zu&lt;br /&gt;
lassen. Dies erhöhe den experimentellen Befund noch weiter, weil er durch das Kollektiv aus gebildeten Augenzeugen abgesichert war.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Erst durch die kollektive Bezeugung&lt;br /&gt;
der unmittelbar anwesenden Personen gewinnen das Experiment und dessen Ergebnisse an Faktizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um jedoch die Mehrheit derjenigen von den experimentellen Tatsachen zu überzeugen, die dem&lt;br /&gt;
Experiment nicht beiwohnen konnten und auch nicht über die Möglichkeit verfügen, es selber zu&lt;br /&gt;
wiederholen, bediente sich Boyle schließlich der literarischen Technologie des ‚virtual witnessing‘. Shapin und Schaffer verstehen darunter &amp;quot;the production in a 'reader’s' mind of such an image of an experimental scene as obviates the necessity for either direct witness or replication. Through virtual witnessing the multiplication of witnesses could be, in principle, unlimited“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=60, Herv. im Orig. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ‚virtuelle Bezeugen’ ermögliche so auch dem Publikum außerhalb des Labors durch literarische Beschreibung und naturgetreue Abbildung des Experiments, indirekt Zeug*innen des Experiments zu werden und den Hergang des Experiments vor ihrem inneren Auge‘ nachzuvollziehen.&lt;br /&gt;
Dadurch, dass so umlimitiert viele Menschen Zeug*innen eines Experiments werden können, würden die experimentellen Befunde noch stärker als Tatsachen abgesichert. Die virtuelle Bezeugung&lt;br /&gt;
ermöglichte so erst das Entstehen „eine[r] wissenschaftliche[n] Öffentlichkeit […], der die Rolle&lt;br /&gt;
zukam, die experimentell erhobenen Tatsachen zu beglaubigen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und verhalf so&lt;br /&gt;
dem Aufstieg experimenteller Methoden im 17. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Merkmale des ‚virtual witnessing‘ bei Boyle ==&lt;br /&gt;
Boyle ermöglichte das ‚virtual witnessing‘ mit dem Schreiben eines Versuchsprotokolls (das Boyle&lt;br /&gt;
als gleichermaßen wichtig wie das Experimentieren selbst erachtete&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) sowie mit naturalistischen Zeichnungen, die den Zeug*innen als Ergänzung oder „visual assistance“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=61 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Text dienen sollten. Das ideale Versuchsprotokoll war für Boyle ein weitschweifiger Bericht über das Experiment in allen Einzelheiten. Diese Detailfülle sah er als notwendig an, weil sie erstens die Replikation des Experiments erleichterte und zweitens die Experimente den Lesenden unbekannt waren und daher die Beweise und Konklusionen gut kontextualisiert&lt;br /&gt;
werden mussten, damit man ihnen traute. Drittens ermöglichte die extreme Ausführlichkeit überhaupt erst das virtuelle Bezeugen: „If one wrote experimental reports in the correct way, the rea-&lt;br /&gt;
der could take on trust that these things happened. Further, it would be as if that reader had been&lt;br /&gt;
present at the proceedings“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62f.}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Denn würde das Protokoll nur die Ergebnisse des Experiments anführen, könnten sich die Lesenden die experimentelle Szene nicht vorstellen. Durch den umfassenden Charakter des Protokolls können die Lesenden erst zu virtuellen Zeug*innen werden und sind dann in der Position, experimentelle Phänomene als Tatsachen zu validieren.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=63 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Boyle scheute in seinen Versuchsprotokollen auch nicht vor extrem wortreichen, verklausulierten&lt;br /&gt;
Sätze mit vielen Appositionen zurück: Diese sollten die Direktheit und Gleichzeitigkeit der Geschehnisse verdeutlichen, sodass das Beschriebene so realitätsnah wie möglich wirkte. Auch gescheiterte Experimente waren zu beschreiben, denn dies würde die Lesenden überzeugen, dass keine Informationen vorenthalten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=64}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die Geschehnisse in ihrer Gesamtheit geschildert würden. Darüber hinaus helfe dies Boyle, sich als vertrauenswürdigen Mann von Charakter&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Rolle von Vertrauen im Kontext wissenschaftlicher Forschung siehe auch {{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=The way we trust now: The Authority of science and the character of the scientist|Herausgeber*in=Hoodbhoy, P.; Glaser, S.; Shapin, S.|Sammelband=Trust Me, I'm a Scientist|Ort=London|Verlag=The British Council|Jahr=2004}}&amp;lt;/ref&amp;gt; zu inszenieren, da es suggeriert, dass seine eigenes Erkenntnisinteresse nicht die Objektivität seiner Forschung verzerre: „his accounts [served] as unclouded and undistorted mirrors of nature“.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der trockene und komplizierte Stil des Versuchsprotokolls sollte funktional wirken und den Eindruck erwecken, dass man den Lesenden „‚the eye-glasses of a telescope‘“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=66}}&amp;lt;/ref&amp;gt; aufsetzen würde, dass sie also wie mit eigenen Augen auf die Experimentierszene blicken könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese stilistischen Entscheidungen dienten dazu, dass seinen Texten geglaubt würde, man uneingeschränkt Zeug*in seiner experimentellen Erzählungen werden konnte&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die so etablierten Behauptungen auch als Tatsachen auffassen würde. Dabei ist es wichtig her-&lt;br /&gt;
auszustellen, dass das Versuchsprotokoll nicht einfach ein Bericht ist „of what was done elsewhe-&lt;br /&gt;
re; we are dealing with a most important form of experience and the means for extending and va-&lt;br /&gt;
lidating experience“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=484|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das virtuelle Bezeugen stellt somit in erster Linie eine Technik dar, Erfahrung zu vermitteln und zu bestätigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das anhand von Boyles historischem Beispiel entwickelte Konzept des ‚virtual witnessing‘ ist&lt;br /&gt;
auch heute noch für die Wissensproduktion relevant. Denn: „The popularization of science is&lt;br /&gt;
usually understood as the extension of experience from the few to the many“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=481|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Ausdehnung der Erfahrung aus einem kleinen Expert*innenkreis von Wissenschaftler*innen, die unmittelbar an einem Experiment beteiligt sind, auf ein breiteres Publikum wird über die Technik der virtuellen Bezeugung geleistet, da diese es – wie herausgestellt – ermöglicht, das Beschriebene vor dem inneren Auge so konkret nachzuvollziehen, dass man ihm Glauben schenkt. Über die ‚virtual witnessing‘-Technologie lassen sich so wissenschaftliche Konzepte in der Öffentlichkeit verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass mithilfe der Technik des ‚virtual witnessing‘ eine&lt;br /&gt;
„stellvertretende Erfahrung“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026, eig. Übersetzung}}&amp;lt;/ref&amp;gt;  produziert werden soll, die den Leser*innen ermöglicht, ihre Zustimmung zu einem Sachverhalt zu erteilen, als ob sie tatsächlich&lt;br /&gt;
dabei gewesen wären, als ein Experiment durchgeführt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026, eig. Übersetzung }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Historiker*innen und Wissenschaftssoziolog*innen haben Shapins und Schaffers Definition des&lt;br /&gt;
‚virtual witnessing‘ erweitert, sodass ‚virtual witnessing’ generell jeden Versuch umfasst, andere&lt;br /&gt;
von einer wissenschaftlichen Erklärung zu überzeugen, ohne dass diese das Experiment oder&lt;br /&gt;
überhaupt das Phänomen selbst erleben müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55, eig. Übersetzung}}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können auch andere Medienformen als wissenschaftliche Texte ‚virtual witnessing‘ ermöglichen wie z. B. Filme, die das Publikum die dargestellten Phänomene als real erleben lassen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, oder [[Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission|Brettspiele]]. Zusammen mit materiellen und sozialen Techniken dient&lt;br /&gt;
diese literarische Technik der Wissensproduktion dazu, die Gewissheit einer Tatsache zu verbreiten.&lt;br /&gt;
Damit das ‚virtual witnessing‘ funktioniert, werden verschiedene sprachliche Mittel eingesetzt, die&lt;br /&gt;
das Beschriebene für die Rezipient*innen so realitätsnah wie möglich wirken lassen, bspw. eine&lt;br /&gt;
hohe Detailfülle oder bei Boyle ein komplexer Satzbau. Aber auch realistische Illustrationen oder&lt;br /&gt;
(heutzutage in Versuchsprotokollen häufiger eingesetzt) Skizzen des Experimentaufbaus werden&lt;br /&gt;
eingesetzt, um den Leser*innen zu ermöglichen, sich das Beschriebene genau vorzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier dargestellte Konzept des ‚virtual witnessing‘ wurde von Steven Shapin und Simon&lt;br /&gt;
Schaffer anhand des Beispiels von Robert Boyle und seinen Experimenten im 17. Jahrhundert&lt;br /&gt;
herausgearbeitet. Boyles ausführliche Beschreibungen und detaillierte Illustrationen sollten selbst&lt;br /&gt;
weit entfernten Wissenschaftlern ermöglichen, seine Experimente indirekt anzusehen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55, eig. Übersetzung}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, sodass sie seine experimentellen Befunde beglaubigen konnten.&lt;br /&gt;
Im Kern ermöglicht ‚virtual witnessing‘ somit abwesenden Rezipient*innen, ein Phänomen (wie bspw. ein Experiment) indirekt mitanzusehen oder mitzuerleben, indem es durch&lt;br /&gt;
sprachliche Mittel so realitätsnah wie möglich dargestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Belege==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft|Vorname=Nele|Nachname=Fuchs|Vorname2= |Nachname2= |Tag=06|Monat=09|Jahr=2026 |Bearbeitung-Vorname=Nele| Bearbeitung-Nachname=Fuchs|Bearbeitung-Vorname2= | Bearbeitung-Nachname2= |Bearbeitung-Tag=|Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Klima-Brettspiel [[e-Mission]] schlüpfen die Spielenden in die Rolle von ein bis vier globalen ‚Weltmächten’&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=1}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und versuchen durch das strategische und kooperative Ausspielen von Projekten, die Klimaerwärmung aufzuhalten, indem sie den Ausstoß von CO2-Emissionen verringern. Das Spiel eröffnet so ein Szenario, in dem die Spielenden „gemeinsam die gleiche Mission [verfolgen], den Klimawandel aufzuhalten“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=1}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Laut den Spielentwicklern Matteo Menapace und Matt Leacock sollen sich die Spielenden dadurch „empowered“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel=Why We Made Daybreak|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/why-we-made-daybreak-e7f30b3112ba?gi=774af4ef8b01|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, also befähigt oder ermächtigt, fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll die literarische Technologie des [[‚virtual witnessing‘]] (dt.: virtuelles Bezeugen)&lt;br /&gt;
nach Steven Shapin und Simon Schaffer auf das Brettspiel e-Mission angewendet werden. Mithilfe dieser Methode wird Rezipient*innen ermöglicht, ein beschriebenes Phänomen so nachzuvollziehen, als ob sie selbst bei dessen Beobachtung dabei gewesen wären.&lt;br /&gt;
Mit Hilfe dieses Konzeptes soll untersucht werden, inwiefern e-Mission den Spielenden das Gefühl gibt, dass sie ‚wie in echt‘ dabei sind, den Klimawandel aufzuhalten, und wodurch dabei eine ermächtigende Wirkung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==‚Virtual witnessing‘ in e-Mission: „If we can imagine it, we can make it happen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  == &lt;br /&gt;
Anschließend soll nun untersucht werden, wie die literarische Technologie des ‚virtual witnessing‘&lt;br /&gt;
im Spiel e-Mission eingesetzt wird. Dazu wird exemplarisch die Spielkarte „Kreislaufwirtschaft“&lt;br /&gt;
daraufhin untersucht, durch welche gestalterischen Mittel den Spielenden der Eindruck vermittelt werden soll, dass sie es mit dem ‚echten’ Klimawandel zu tun haben und bei dessen Aufhalten &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=1}}&amp;lt;/ref&amp;gt; tatsächlich dabei sind. Das Ausspielen der Projektkarte „Kreislaufwirtschaft“ eraubt es der Spielenden, eine beliebige ‚schmutzige Energie‘ &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=3}}&amp;lt;/ref&amp;gt; aus dem Energiehaushalt ihrer Weltmacht zu entfernen bzw. sogar zusätzlich noch den Energiebedarf ihrer Weltmacht herunterzusetzen. Während e-Mission die Klimakrise unter dem Aspekt des Ausgleiches von Emissionsausstoß und Emissionsbindung verhandelt und die braunen Würfel, die CO2 symbolisieren sollen, auch ein prominenter Aspekt der Spielmechanik sind, geht das Spielgeschehen dennoch über ein bloßes Entfernen dieser CO2-Würfel hinaus. Auf den Projektkarten steht nicht „-1 CO2-Würfel&amp;quot;, sondern man verändert die Verbrauchsgewohnheiten ‚seiner‘ Weltmacht, baut einen Solarpark oder führt eine Luxussteuer ein. Indem so die Bekämpfung des Klimawandels an konkrete Projekte und vorstellbare Initiativen gebunden und von dem abstrakten Phänomen des Emissionsausstoßes und der Emissionsbindung losgelöst wird, wird ‚virtual witnessing‘ ermöglicht: Die Spielenden können sich vorstellen, dass das Einführen einer Kreislaufwirtschaft im Kontrast zu Wegwerfgesellschaften die Entstehung von Abfall minimiert und einen Ressourcen schonenderen Umgang mit Produkten ermöglicht, sodass ‚ihre Weltmacht‘ weniger Energie aufwenden muss, um neue Produkte herzustellen. Die Karte „Kreislaufwirtschaft“ ist dabei nur eine von 133 Projektkarten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=5}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, die verschiedene Strategien zur Bekämpfung des Klimawandels anbieten: Vom Ausbau ‚sauberer‘ und Abbau ‚schmutziger‘ Energie&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. beide {{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=5}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und dem Schaffen von stabiler Natur, Gesellschaft oder Infrastruktur bis hin zum Abmildern von gesellschaftlichem Notstand und dem Aufforsten von Wäldern können unterschiedlichste Strategien genutzt werden, um den Klimawandel aufzuhalten bzw. um die Gesellschaft der ‚Weltmacht‘ resilienter gegen die Folgen des Klimawandels zu machen. Aus der Vielfalt dieser Projekte zieht jede*r Spieler*in jede Runde fünf Karten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=10}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, die er oder sie taktisch klug einsetzen muss. Durch die Vielfalt der Karten und das von den Spielenden verlangte taktische und gemeinsam abgestimmte Vorgehen wird die Bekämpfung des Klimawandels immersiv und erlebbar. Dies verhindert, dass sich die sogenannte „Emissionsphase“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=8}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, während der das von den ‚Weltmächten‘ produzierte CO2 zusammengezählt und möglichst gebunden wird, sich wie trockenes CO2-Würfel-Management anfühlt. Außerdem unterstreicht die Vielfalt der sehr detaillierten Projektkarten die Botschaft der Spielemacher: „Climate action is not merely a war on carbon“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; – das Spiel geht über den Emissions-Zyklus hinaus und bildet auch die Bemühungen ab, Menschen und Orte vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Spielkarten sind darüber hinaus alle illustriert, was wiederum noch weiter das ‚virtual witnessing‘ verstärkt. Dabei sind die Illustrationen nicht (wie Robert Boyle es gefordert hätte) möglichst naturgetreu, sondern offensichtlich künstlerische Interpretationen bzw. Annäherungen an die Projekte. Gerade diejenigen der bei e-Mission spielbaren Projekte und Technologien zur Bekämpfung des Klimawandels, die in echt (noch) nicht existieren oder umgesetzt werden, profitieren durch die Illustration dadurch, dass sie anschaulich, damit vorstellbar und dadurch eines Tages vielleicht auch umsetzbar werden (so argumentiert zumindest Menapace im Entwicklungstagebuch: „If we can imagine it, we can make it happen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;). Aber auch für die bereits existierenden Technologien und Projekte sind die eher schematischen Darstellungen von Nutzen: Wären sie an einen konkreten Ort oder eine echt existierende Initiative gebunden, hätten sie einen weniger universellen Charakter. Durch die schematische Darstellung lässt sich bspw. die Vorstellung einer Windkraftanlage überall hin übertragen.&lt;br /&gt;
Vor allem die Illustrationen der Krisenkarten zeichnen sich durch ihren impressionistischen Stil&lt;br /&gt;
aus. Dieser fängt auch die Stimmung des Ereignisses ein (im Falle der Karte „Trinkwassermangel“&lt;br /&gt;
werden beispielsweise durch die rote Tönung Gefühle von Hitze und Austrocknung, aber auch&lt;br /&gt;
Gefahr evoziert; die schemenhafte, kauernde Figur vermittelt ein Gefühl der Hoffnungs- oder Aussichtslosigkeit, noch einer anderen Art des Mangels als der Titel gebende Wassermangel). Aufgrund des gewählten Stils geht das Dargestellte noch über den bloßen Sachverhalt Trinkwassermangel hinaus. Somit decken die Illustrationen eine Komponente der Erfahrbarkeit ab, die eine naturalistische Zeichnung nicht unbedingt leisten könnte, und binden den dargestellten Sachverhalt stärker an das körperliche und seelische Erleben als nur die rein visuelle Vorstellung. Anstelle sich nur sehr realistisch vorstellen zu können, an einem ausgetrockneten Fluss zu kauern, ermöglichen die Illustrationen ein Hineinversetzen in die Lebenssituation, wie es sich anfühlen würde, in einer Welt mit Wassermangel zu leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als letzter ‚virtual witnessing‘ ermöglichender Aspekt lässt sich noch der QR-Code anführen, über&lt;br /&gt;
den jede Spielkarte verfügt. Er führt zu zusätzlichen Informationen über das abgebildete Projekt&lt;br /&gt;
bzw. die abgebildete Krise. Die Texte mit Hintergrund- bzw. weiterführendem Wissen wurden von&lt;br /&gt;
Expert*innen extra für e-Mission geschrieben und darüber hinaus gibt es auch weiterführende&lt;br /&gt;
Links zu externen Seiten. Obwohl diese Zusatzinformationen das Spielgeschehen an sich nicht&lt;br /&gt;
beeinflussen und wahrscheinlich nur von sehr interessierten Spielenden tatsächlich abgerufen&lt;br /&gt;
werden, suggeriert die Präsenz des QR-Codes den Spielenden dennoch, dass die Spielinhalte&lt;br /&gt;
stimmen: Die Spieleautoren haben viel recherchiert, sogar Expert*innen kontaktiert und externe&lt;br /&gt;
Quellen angegeben. Die QR-Codes erhöhen so die Glaubhaftigkeit der Inhalte und stärken das&lt;br /&gt;
Vertrauen der Spielenden in die Autoren, dass diese den Klimawandel, seine Folgen und Gegenmaßnahmen im Spiel so realitätsgetreu wie möglich dargestellt haben: Die Spielenden haben es mit dem echten Klimawandel zu tun, soll der QR-Code ausdrücken. Ein Hinweis in der Spielanleitung macht den Realitätsanspruch auch transparent, während die Spielemacher gleichzeitig zugestehen, dass das Spiel: „keine Simulation [ist]. Zusammenhänge wurden daher vereinfacht oder verkürzt dargestellt, um eine gute Spielbarkeit zu gewährleisten. Gleichzeitig wurde aber versucht, möglichst nahe an der Realität zu bleiben“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=24}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der ausgedrückte Realitätsanspruch in Kombination mit dem Zugeständnis, dass eine Vereinfachung der Inhalte vorgenommen wurde, stärkt auch wieder das Vertrauen in die Autoren: Denn diese Transparenz beim Spieldesign zeigt, dass den Spielenden nichts vorenthalten wird, wodurch die Spielmacher ehrlich und zuverlässig wirken. Dies steigert auch wieder die Glaubhaftigkeit der Inhalte, denn zu zeigen, dass man sich über bestimmte Leerstellen oder Defizite bewusst ist, beweist, wie gründlich man sich mit&lt;br /&gt;
dem Thema auseinandergesetzt hat.&lt;br /&gt;
Rückführung auf Boyle&lt;br /&gt;
e-Mission ermöglicht ‚virtual witnessing‘ über QR-Codes, Illustrationen und den Einsatz konkreter&lt;br /&gt;
Projekte. Dies unterscheidet sich von den sprachlichen Mitteln, die der Naturforscher Robert&lt;br /&gt;
Boyle in seinen Berichten einsetzte. Die Funktion ist dennoch die Gleiche: Via ‚virtual witnessing’&lt;br /&gt;
wird eine Erfahrung an ‚unbeteiligte‘ Personen vermittelt und Rezipient*innen trotz Abwesenheit&lt;br /&gt;
ein Gefühl des Dabeiseins und Miterlebens gegeben.&lt;br /&gt;
Dementsprechend nutzte Boyle die ‚virtual witnessing‘-Technologie in seinen Versuchsprotokollen, damit auch nicht beim Experiment anwesende Menschen seine wissenschaftlichen Experimente nachvollziehen können und so den experimentellen Befund als Fakt beglaubigen. So wie Boyle für das Experiment, generieren die Spielemacher via ‚virtual witnessing‘ ein Gefühl des Dabeiseins. Was bei Boyle dazu führen soll, dass sich seine Methode als verlässlich verbreitet, führt bei e-Mission dazu, dass die Klimakrise in ihrer Dringlichkeit erlebt wird und die Spielenden dadurch ein Gefühl des ‚empowerments‘ empfinden. Dieses ‚empowerment‘ stellt sich laut den Spielmachern auch ein, wenn das Spiel verloren wird. Denn unabhängig vom Ausgang des Spiels konnten die Spielenden ihre Handlungsmöglichkeiten im komplexen Themenfeld der Klimakrise ausloten und echte Lösungsansätze erproben: „[You feel] empowered as you play Daybreak because your individual contributions are unique, powerful, and specialised. And empowered after you play it — whether your team is successful or not — because you’ve had a chance to explore climate science and real world solutions“. &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel=Why We Made Daybreak|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/why-we-made-daybreak-e7f30b3112ba?gi=774af4ef8b01|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Kontrast zu Boyle setzt e-Mission nicht auf präzise, ausführliche Beschreibungen der konkreten wissenschaftlichen Experimente, die das Wissen über die Klimakrise generiert haben, oder auf naturgetreue Abbildungen der in den Experimenten genutzten Gerätschaften, um das ‚virtual witnessing’ zu ermöglichen und das besagte ‚empowerment’ zu erreichen. Viel eher löst sich e-Mission vom wissenschaftlichen Prozess und setzt wissenschaftliche Erkenntnisse als Teil der Spielmechanik bzw. als Unterbau ein, um Spielenden das Gefühl zu geben, dass sie es tatsächlich mit ‚dem echten Klimawandel‘ zu tun haben (mit [[Bruno Latour|Latour]] gesprochen könnte man auch sagen, dass es bei Boyle um [[Tatsache (wissenschaftssoziologisch)|„science in the making“]] geht, während e-Mission bereits mit konkreten Ergebnisse von Experimenten, also Fakten, arbeitet, also [[Tatsache (wissenschaftssoziologisch)|„ready made science“]]&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Latour, Bruno|Titel=Science in Action. How to follow scientists and engineers through society|Ort=Cambridge|Verlag=Harvard University Press|Jahr=1987}}&amp;lt;/ref&amp;gt; nutzt). So macht das Spiel globale und zeitlich ausgedehnte ökologische Zusammenhänge vereinfacht erkenn- und erlebbar (Timothy Morton prägte für solche schwer erfassbaren Phänomene den Begriff ‚hyperobject‘&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Morton, Timothy|Titel=Hyperobjects. Philosophy and Ecology after the End of the World|Ort=Minneapolis|Verlag= University of Minnesota Press|Jahr=2013}}&amp;lt;/ref&amp;gt;). Auf dieser Basis können dann emotionale Impulse wie „viscerally experienc[ing] the emissions piling up on the board and their knock-on effects“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel=Why We Made Daybreak|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/why-we-made-daybreak-e7f30b3112ba?gi=774af4ef8b01|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Tragen kommen. e-Mission arbeitet also nicht mit der literarischen Technologie des ‚virtual witnessing‘, um die Validität von Klima-Experimenten und die somit etablierten Fakten in der breiteren Öffentlichkeit durchzusetzen, sondern um die Bedeutung der schon etablierten Fakten für die Öffentlichkeit (vor allem emotional) herauszuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
Im Kern ermöglicht das Konzept des ‚virtual witnessing‘ abwesenden Rezipient*innen, ein Phänomen (wie ein Experiment oder hier den Klimawandel) indirekt mitanzusehen oder mitzuerleben, indem es durch sprachliche Mittel so realitätsnah wie möglich dargestellt wird.&lt;br /&gt;
Dieser Ansatz wurde im vorliegenden Artikel auf das Spiel e-Mission übertragen, um zu&lt;br /&gt;
untersuchen, wie den Spielenden die Erfahrung zugänglich gemacht werden soll, den&lt;br /&gt;
Klimawandel zu erleben und ihn aufzuhalten.&lt;br /&gt;
Die Analyse hat gezeigt, dass das ‚virtual witnessing‘ in e-Mission durch den Einsatz verschiedener gestalterischer Mittel gelingt: Über die QR-Codes auf jeder Spielkarte wird Vertrauen in die Autoren aufgebaut und die Glaubhaftigkeit der Inhalte erhöht. Dies führt dazu, dass die Spielenden das Gefühl haben, dass sie ‚den echten Klimawandel‘ inklusive seiner Folgen und möglicher Lösungsansätze erfahren. Auch über das Angebot konkreter Projekte und Lösungsansätze und die Illustrationen stellt e-Mission die Klimakrise so unmittelbar dar und bindet die Spielenden so stark in ihre Bekämpfung ein, dass sie sich als Teil des im Spiel eröffneten Szenarios fühlen, das Klima zu retten. Die in e-Mission genutzten gestalterischen Mittel binden die Rezipient*innen somit so stark in die Situation ein, wie es der boylsche Text versucht: Man wird zur virtuellen Zeugin dessen, was es bedeutet, im Angesicht der Krise einen Windpark aufzubauen.&lt;br /&gt;
Dass die Spielenden in e-Mission den ‚echten Klimawandel‘ erleben, mag zunächst ironisch klingen, da die Spielenden bereits in einer Welt leben, in der die Klimakrise real ist und sie somit eigentlich sogar direkte Zeug*innen der Klimakrise und ihrer Bedrohung sind. In ihrer Realität als&lt;br /&gt;
„hyperobject“, also als lokal und zeitlich sehr ausgedehntes Phänomen, ist die Klimakrise allerdings mitunter schwer zu begreifen. Hier bietet e-Mission die Gelegenheit, einen Überblick über einige der relevantesten Mechanismen der Klimakrise (bzw. die im Klimawandel-Diskurs relevantesten Aspekte) zu gewinnen, wie bspw. CO2 als (Haupt-)Verursacher der Klimaerwärmung oder das Verhindern eines Temperaturanstieg um 2 Grad, was Ziel des Pariser Abkommens&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=United Nations Climate Change|Titel=The Paris Agreement|Jahr=2026|Website=UNFCC|Online=https://unfccc.int/process-and-meetings/the-paris-agreement|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und Ziel des Spiels ist. Auch Erdsysteme wie Permafrostböden, arktisches Eis und der Amazonas-Regenwald, die seit Jahren eine große Rolle in der Berichterstattung zur Klimakrise spielen, werden mit einbezogen. In diesem Sinne haben die Spielentwickler Menapace und Leacock tatsächlich ein „interactive model that helps us make sense of what is happening (or not happening) on the climate front […]“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; gebaut, das den Spieler*innen erlaubt, die ‚Gesamtheit‘ der Klimakrise zu erleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fast noch wichtiger als die Funktion des Überblicks ist die des ‚Ermächtigens’, die Leacock und&lt;br /&gt;
Menapace bei der Spielentwicklung anstrebten: Die Spielenden werden in e-Mission nicht nur&lt;br /&gt;
indirekt Zeug*innen der Funktionsweise des Klimawandels, sie werden auch in die Position&lt;br /&gt;
versetzt, Lösungsansätze und Gegenmaßnahmen auszuprobieren, was in der Realität leider&lt;br /&gt;
immer noch ein größtenteils fiktives Szenario ist. Dieses Erproben von Lösungsansätzen und das&lt;br /&gt;
Beschäftigen mit ‚climate science‘ generell hat laut den Spielentwicklern eine ‚ermächtigende’&lt;br /&gt;
Wirkung. Diese wurzelt im ‚virtual witnessing‘: Dadurch, dass das Spiel viele detaillierte&lt;br /&gt;
Lösungsansätze anbietet und dadurch Technologien und Maßnahmen überhaupt erstmal konkret&lt;br /&gt;
vorstellbar macht, ist ein erster Schritt in Richtung Umsetzbarkeit getan: „[…] playing Daybreak&lt;br /&gt;
changed how they [the players] understand the problem and its potential solutions. […] […] [A]ll&lt;br /&gt;
this is possible. If we can imagine it, we can make it happen“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Belege==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft|Vorname=Nele|Nachname=Fuchs|Vorname2= |Nachname2= |Tag=07|Monat=09|Jahr=2026 |Bearbeitung-Vorname=Nele| Bearbeitung-Nachname=Fuchs|Bearbeitung-Vorname2= | Bearbeitung-Nachname2= |Bearbeitung-Tag=|Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7030</id>
		<title>Benutzer:Nele Fuchs/Werkstatt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7030"/>
		<updated>2026-09-08T16:31:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird die literarische Technologie des '''virtual witnessing''' (dt.: virtuelles Bezeugen) nach Steven Shapin und Simon Schaffer vorgestellt. Mithilfe dieser Methode wird Rezipient*innen ermöglicht, ein beschriebenes Phänomen so nachzuvollziehen, als ob sie selbst bei dessen Beobachtung dabei gewesen wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wissenschaftsgeschichtliche Hintergründe der Debatte ==&lt;br /&gt;
In ihrem 1985 erschienenen Werk ''Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life'' zeichnen die Wissenschaftshistoriker Steven Shapin und Simon Schaffer die Debatte nach, die Thomas Hobbes und Robert Boyle Mitte des 17. Jahrhunderts um Boyles Experimente mit einer Luftpumpe führten. Diese Debatte trug maßgeblich dazu bei, dass sich das Experiment als wissenschaftliche Methode gegenüber anderen Erkenntnisformen durchsetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn in den späten 1650 und frühen 1660er Jahren, als der irische Naturwissenschaftler Robert&lt;br /&gt;
Boyle in England die sogenannten pneumatischen Experimente durchführte, waren Experimente&lt;br /&gt;
als gültige wissenschaftliche Methode nicht so etabliert, wie sie es für uns heutzutage sind.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass er also im Gegensatz zu zeitgenössisch gleichermaßen anerkannten alternativen Programmen der Wissensproduktion&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026, eig. Übersetzung}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. ebd., eig. Übersetzung) hauptsächlich Experimente als Mittel der&lt;br /&gt;
Wissensgenerierung nutzte, brachte ihm einen Streit mit dem Philosophen Thomas Hobbes ein.&lt;br /&gt;
Im Zentrum dieses Streits über die Experimente mit der Luftpumpe standen die Fragen, „how&lt;br /&gt;
claims were to be authenticated as knowledge. What was to count as knowledge, or ‚science‘?&lt;br /&gt;
How was this to be distinguished from other epistemological categories, such as ‚belief’ and ‚opinion‘?“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Die grundlegende Frage, ob Experimente überhaupt ein geeignetes Mittel sind,&lt;br /&gt;
um etwas über –hier – die Eigenschaften der Luft zu erfahren, war zu diesem Zeitpunkt also noch nicht geklärt und die Validität der experimentellen Methode musste sich noch durchsetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Schaffer und Shapin so die Bedeutung dieser Debatte für die Geschichte der Wissensproduktion herausarbeiten, stellen sie fest, dass Boyle drei zusammenhängende Technologien&lt;br /&gt;
nutzt, um Tatsachen zu erfassen: eine materielle, eine soziale und eine literarische. Die materielle&lt;br /&gt;
Technologie ist der Apparat oder die Maschine, mit der das Experiment durchgeführt wird. Dieses&lt;br /&gt;
Gerät soll “subjektunabhängige ‘matter[s] of fact’”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; hervorbringen, „denn indem&lt;br /&gt;
Phänomene qua Apparat und damit mechanisch hervorgebracht wurden, sollte ihre Gemachtheit&lt;br /&gt;
durch Menschenhand verdeckt werden“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;: Die Maschine liefert [[Aperspektivische Objektivität|‚objektive’ Tatsachen]].&lt;br /&gt;
Die soziale Technologie bezeichnet den Umstand, dass ein Experiment mit dem Apparat vor anderen vorgeführt wurde, um es mehr Menschen (d. h. in Boyles Fall in erster Linie Wissenschaftlern und der englischen ‚high society‘) zugänglich zu machen und es von ihnen beglaubigen zu&lt;br /&gt;
lassen. Dies erhöhe den experimentellen Befund noch weiter, weil er durch das Kollektiv aus gebildeten Augenzeugen abgesichert war.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Erst durch die kollektive Bezeugung&lt;br /&gt;
der unmittelbar anwesenden Personen gewinnen das Experiment und dessen Ergebnisse an Faktizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um jedoch die Mehrheit derjenigen von den experimentellen Tatsachen zu überzeugen, die dem&lt;br /&gt;
Experiment nicht beiwohnen konnten und auch nicht über die Möglichkeit verfügen, es selber zu&lt;br /&gt;
wiederholen, bediente sich Boyle schließlich der literarischen Technologie des ‚virtual witnessing‘. Shapin und Schaffer verstehen darunter &amp;quot;the production in a 'reader’s' mind of such an image of an experimental scene as obviates the necessity for either direct witness or replication. Through virtual witnessing the multiplication of witnesses could be, in principle, unlimited“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=60, Herv. im Orig. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ‚virtuelle Bezeugen’ ermögliche so auch dem Publikum außerhalb des Labors durch literarische Beschreibung und naturgetreue Abbildung des Experiments, indirekt Zeug*innen des Experiments zu werden und den Hergang des Experiments vor ihrem inneren Auge‘ nachzuvollziehen.&lt;br /&gt;
Dadurch, dass so umlimitiert viele Menschen Zeug*innen eines Experiments werden können, würden die experimentellen Befunde noch stärker als Tatsachen abgesichert. Die virtuelle Bezeugung&lt;br /&gt;
ermöglichte so erst das Entstehen „eine[r] wissenschaftliche[n] Öffentlichkeit […], der die Rolle&lt;br /&gt;
zukam, die experimentell erhobenen Tatsachen zu beglaubigen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und verhalf so&lt;br /&gt;
dem Aufstieg experimenteller Methoden im 17. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Merkmale des ‚virtual witnessing‘ bei Boyle ==&lt;br /&gt;
Boyle ermöglichte das ‚virtual witnessing‘ mit dem Schreiben eines Versuchsprotokolls (das Boyle&lt;br /&gt;
als gleichermaßen wichtig wie das Experimentieren selbst erachtete&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) sowie mit naturalistischen Zeichnungen, die den Zeug*innen als Ergänzung oder „visual assistance“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=61 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Text dienen sollten. Das ideale Versuchsprotokoll war für Boyle ein weitschweifiger Bericht über das Experiment in allen Einzelheiten. Diese Detailfülle sah er als notwendig an, weil sie erstens die Replikation des Experiments erleichterte und zweitens die Experimente den Lesenden unbekannt waren und daher die Beweise und Konklusionen gut kontextualisiert&lt;br /&gt;
werden mussten, damit man ihnen traute. Drittens ermöglichte die extreme Ausführlichkeit überhaupt erst das virtuelle Bezeugen: „If one wrote experimental reports in the correct way, the rea-&lt;br /&gt;
der could take on trust that these things happened. Further, it would be as if that reader had been&lt;br /&gt;
present at the proceedings“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62f.}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Denn würde das Protokoll nur die Ergebnisse des Experiments anführen, könnten sich die Lesenden die experimentelle Szene nicht vorstellen. Durch den umfassenden Charakter des Protokolls können die Lesenden erst zu virtuellen Zeug*innen werden und sind dann in der Position, experimentelle Phänomene als Tatsachen zu validieren.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=63 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Boyle scheute in seinen Versuchsprotokollen auch nicht vor extrem wortreichen, verklausulierten&lt;br /&gt;
Sätze mit vielen Appositionen zurück: Diese sollten die Direktheit und Gleichzeitigkeit der Geschehnisse verdeutlichen, sodass das Beschriebene so realitätsnah wie möglich wirkte. Auch gescheiterte Experimente waren zu beschreiben, denn dies würde die Lesenden überzeugen, dass keine Informationen vorenthalten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=64}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die Geschehnisse in ihrer Gesamtheit geschildert würden. Darüber hinaus helfe dies Boyle, sich als vertrauenswürdigen Mann von Charakter&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Rolle von Vertrauen im Kontext wissenschaftlicher Forschung siehe auch {{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=The way we trust now: The Authority of science and the character of the scientist|Herausgeber*in=Hoodbhoy, P.; Glaser, S.; Shapin, S.|Sammelband=Trust Me, I'm a Scientist|Ort=London|Verlag=The British Council|Jahr=2004}}&amp;lt;/ref&amp;gt; zu inszenieren, da es suggeriert, dass seine eigenes Erkenntnisinteresse nicht die Objektivität seiner Forschung verzerre: „his accounts [served] as unclouded and undistorted mirrors of nature“.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der trockene und komplizierte Stil des Versuchsprotokolls sollte funktional wirken und den Eindruck erwecken, dass man den Lesenden „‚the eye-glasses of a telescope‘“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=66}}&amp;lt;/ref&amp;gt; aufsetzen würde, dass sie also wie mit eigenen Augen auf die Experimentierszene blicken könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese stilistischen Entscheidungen dienten dazu, dass seinen Texten geglaubt würde, man uneingeschränkt Zeug*in seiner experimentellen Erzählungen werden konnte&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die so etablierten Behauptungen auch als Tatsachen auffassen würde. Dabei ist es wichtig her-&lt;br /&gt;
auszustellen, dass das Versuchsprotokoll nicht einfach ein Bericht ist „of what was done elsewhe-&lt;br /&gt;
re; we are dealing with a most important form of experience and the means for extending and va-&lt;br /&gt;
lidating experience“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=484|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das virtuelle Bezeugen stellt somit in erster Linie eine Technik dar, Erfahrung zu vermitteln und zu bestätigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das anhand von Boyles historischem Beispiel entwickelte Konzept des ‚virtual witnessing‘ ist&lt;br /&gt;
auch heute noch für die Wissensproduktion relevant. Denn: „The popularization of science is&lt;br /&gt;
usually understood as the extension of experience from the few to the many“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=481|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Ausdehnung der Erfahrung aus einem kleinen Expert*innenkreis von Wissenschaftler*innen, die unmittelbar an einem Experiment beteiligt sind, auf ein breiteres Publikum wird über die Technik der virtuellen Bezeugung geleistet, da diese es – wie herausgestellt – ermöglicht, das Beschriebene vor dem inneren Auge so konkret nachzuvollziehen, dass man ihm Glauben schenkt. Über die ‚virtual witnessing‘-Technologie lassen sich so wissenschaftliche Konzepte in der Öffentlichkeit verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass mithilfe der Technik des ‚virtual witnessing‘ eine&lt;br /&gt;
„stellvertretende Erfahrung“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026, eig. Übersetzung}}&amp;lt;/ref&amp;gt;  produziert werden soll, die den Leser*innen ermöglicht, ihre Zustimmung zu einem Sachverhalt zu erteilen, als ob sie tatsächlich&lt;br /&gt;
dabei gewesen wären, als ein Experiment durchgeführt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026, eig. Übersetzung }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Historiker*innen und Wissenschaftssoziolog*innen haben Shapins und Schaffers Definition des&lt;br /&gt;
‚virtual witnessing‘ erweitert, sodass ‚virtual witnessing’ generell jeden Versuch umfasst, andere&lt;br /&gt;
von einer wissenschaftlichen Erklärung zu überzeugen, ohne dass diese das Experiment oder&lt;br /&gt;
überhaupt das Phänomen selbst erleben müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55, eig. Übersetzung}}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können auch andere Medienformen als wissenschaftliche Texte ‚virtual witnessing‘ ermöglichen wie z. B. Filme, die das Publikum die dargestellten Phänomene als real erleben lassen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, oder [[Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission|Brettspiele]]. Zusammen mit materiellen und sozialen Techniken dient&lt;br /&gt;
diese literarische Technik der Wissensproduktion dazu, die Gewissheit einer Tatsache zu verbreiten.&lt;br /&gt;
Damit das ‚virtual witnessing‘ funktioniert, werden verschiedene sprachliche Mittel eingesetzt, die&lt;br /&gt;
das Beschriebene für die Rezipient*innen so realitätsnah wie möglich wirken lassen, bspw. eine&lt;br /&gt;
hohe Detailfülle oder bei Boyle ein komplexer Satzbau. Aber auch realistische Illustrationen oder&lt;br /&gt;
(heutzutage in Versuchsprotokollen häufiger eingesetzt) Skizzen des Experimentaufbaus werden&lt;br /&gt;
eingesetzt, um den Leser*innen zu ermöglichen, sich das Beschriebene genau vorzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier dargestellte Konzept des ‚virtual witnessing‘ wurde von Steven Shapin und Simon&lt;br /&gt;
Schaffer anhand des Beispiels von Robert Boyle und seinen Experimenten im 17. Jahrhundert&lt;br /&gt;
herausgearbeitet. Boyles ausführliche Beschreibungen und detaillierte Illustrationen sollten selbst&lt;br /&gt;
weit entfernten Wissenschaftlern ermöglichen, seine Experimente indirekt anzusehen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55, eig. Übersetzung}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, sodass sie seine experimentellen Befunde beglaubigen konnten.&lt;br /&gt;
Im Kern ermöglicht ‚virtual witnessing‘ somit abwesenden Rezipient*innen, ein Phänomen (wie bspw. ein Experiment) indirekt mitanzusehen oder mitzuerleben, indem es durch&lt;br /&gt;
sprachliche Mittel so realitätsnah wie möglich dargestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Belege==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft|Vorname=Nele|Nachname=Fuchs|Vorname2= |Nachname2= |Tag=07|Monat=09|Jahr=2026 |Bearbeitung-Vorname=Nele| Bearbeitung-Nachname=Fuchs|Bearbeitung-Vorname2= | Bearbeitung-Nachname2= |Bearbeitung-Tag=07|Bearbeitung-Monat=09| Bearbeitung-Jahr=2026 }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Klima-Brettspiel [[e-Mission]] schlüpfen die Spielenden in die Rolle von ein bis vier globalen ‚Weltmächten’&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=1}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und versuchen durch das strategische und kooperative Ausspielen von Projekten, die Klimaerwärmung aufzuhalten, indem sie den Ausstoß von CO2-Emissionen verringern. Das Spiel eröffnet so ein Szenario, in dem die Spielenden „gemeinsam die gleiche Mission [verfolgen], den Klimawandel aufzuhalten“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=1}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Laut den Spielentwicklern Matteo Menapace und Matt Leacock sollen sich die Spielenden dadurch „empowered“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel=Why We Made Daybreak|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/why-we-made-daybreak-e7f30b3112ba?gi=774af4ef8b01|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, also befähigt oder ermächtigt, fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll die literarische Technologie des [[‚virtual witnessing‘]] (dt.: virtuelles Bezeugen)&lt;br /&gt;
nach Steven Shapin und Simon Schaffer auf das Brettspiel e-Mission angewendet werden. Mithilfe dieser Methode wird Rezipient*innen ermöglicht, ein beschriebenes Phänomen so nachzuvollziehen, als ob sie selbst bei dessen Beobachtung dabei gewesen wären.&lt;br /&gt;
Mit Hilfe dieses Konzeptes soll untersucht werden, inwiefern e-Mission den Spielenden das Gefühl gibt, dass sie ‚wie in echt‘ dabei sind, den Klimawandel aufzuhalten, und wodurch dabei eine ermächtigende Wirkung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==‚Virtual witnessing‘ in e-Mission: „If we can imagine it, we can make it happen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  == &lt;br /&gt;
Anschließend soll nun untersucht werden, wie die literarische Technologie des ‚virtual witnessing‘&lt;br /&gt;
im Spiel e-Mission eingesetzt wird. Dazu wird exemplarisch die Spielkarte „Kreislaufwirtschaft“&lt;br /&gt;
daraufhin untersucht, durch welche gestalterischen Mittel den Spielenden der Eindruck vermittelt werden soll, dass sie es mit dem ‚echten’ Klimawandel zu tun haben und bei dessen Aufhalten &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=1}}&amp;lt;/ref&amp;gt; tatsächlich dabei sind. Das Ausspielen der Projektkarte „Kreislaufwirtschaft“ eraubt es der Spielenden, eine beliebige ‚schmutzige Energie‘ &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=3}}&amp;lt;/ref&amp;gt; aus dem Energiehaushalt ihrer Weltmacht zu entfernen bzw. sogar zusätzlich noch den Energiebedarf ihrer Weltmacht herunterzusetzen. Während e-Mission die Klimakrise unter dem Aspekt des Ausgleiches von Emissionsausstoß und Emissionsbindung verhandelt und die braunen Würfel, die CO2 symbolisieren sollen, auch ein prominenter Aspekt der Spielmechanik sind, geht das Spielgeschehen dennoch über ein bloßes Entfernen dieser CO2-Würfel hinaus. Auf den Projektkarten steht nicht „-1 CO2-Würfel&amp;quot;, sondern man verändert die Verbrauchsgewohnheiten ‚seiner‘ Weltmacht, baut einen Solarpark oder führt eine Luxussteuer ein. Indem so die Bekämpfung des Klimawandels an konkrete Projekte und vorstellbare Initiativen gebunden und von dem abstrakten Phänomen des Emissionsausstoßes und der Emissionsbindung losgelöst wird, wird ‚virtual witnessing‘ ermöglicht: Die Spielenden können sich vorstellen, dass das Einführen einer Kreislaufwirtschaft im Kontrast zu Wegwerfgesellschaften die Entstehung von Abfall minimiert und einen Ressourcen schonenderen Umgang mit Produkten ermöglicht, sodass ‚ihre Weltmacht‘ weniger Energie aufwenden muss, um neue Produkte herzustellen. Die Karte „Kreislaufwirtschaft“ ist dabei nur eine von 133 Projektkarten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=5}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, die verschiedene Strategien zur Bekämpfung des Klimawandels anbieten: Vom Ausbau ‚sauberer‘ und Abbau ‚schmutziger‘ Energie&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. beide {{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=5}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und dem Schaffen von stabiler Natur, Gesellschaft oder Infrastruktur bis hin zum Abmildern von gesellschaftlichem Notstand und dem Aufforsten von Wäldern können unterschiedlichste Strategien genutzt werden, um den Klimawandel aufzuhalten bzw. um die Gesellschaft der ‚Weltmacht‘ resilienter gegen die Folgen des Klimawandels zu machen. Aus der Vielfalt dieser Projekte zieht jede*r Spieler*in jede Runde fünf Karten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=10}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, die er oder sie taktisch klug einsetzen muss. Durch die Vielfalt der Karten und das von den Spielenden verlangte taktische und gemeinsam abgestimmte Vorgehen wird die Bekämpfung des Klimawandels immersiv und erlebbar. Dies verhindert, dass sich die sogenannte „Emissionsphase“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=8}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, während der das von den ‚Weltmächten‘ produzierte CO2 zusammengezählt und möglichst gebunden wird, sich wie trockenes CO2-Würfel-Management anfühlt. Außerdem unterstreicht die Vielfalt der sehr detaillierten Projektkarten die Botschaft der Spielemacher: „Climate action is not merely a war on carbon“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; – das Spiel geht über den Emissions-Zyklus hinaus und bildet auch die Bemühungen ab, Menschen und Orte vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Spielkarten sind darüber hinaus alle illustriert, was wiederum noch weiter das ‚virtual witnessing‘ verstärkt. Dabei sind die Illustrationen nicht (wie Robert Boyle es gefordert hätte) möglichst naturgetreu, sondern offensichtlich künstlerische Interpretationen bzw. Annäherungen an die Projekte. Gerade diejenigen der bei e-Mission spielbaren Projekte und Technologien zur Bekämpfung des Klimawandels, die in echt (noch) nicht existieren oder umgesetzt werden, profitieren durch die Illustration dadurch, dass sie anschaulich, damit vorstellbar und dadurch eines Tages vielleicht auch umsetzbar werden (so argumentiert zumindest Menapace im Entwicklungstagebuch: „If we can imagine it, we can make it happen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;). Aber auch für die bereits existierenden Technologien und Projekte sind die eher schematischen Darstellungen von Nutzen: Wären sie an einen konkreten Ort oder eine echt existierende Initiative gebunden, hätten sie einen weniger universellen Charakter. Durch die schematische Darstellung lässt sich bspw. die Vorstellung einer Windkraftanlage überall hin übertragen.&lt;br /&gt;
Vor allem die Illustrationen der Krisenkarten zeichnen sich durch ihren impressionistischen Stil&lt;br /&gt;
aus. Dieser fängt auch die Stimmung des Ereignisses ein (im Falle der Karte „Trinkwassermangel“&lt;br /&gt;
werden beispielsweise durch die rote Tönung Gefühle von Hitze und Austrocknung, aber auch&lt;br /&gt;
Gefahr evoziert; die schemenhafte, kauernde Figur vermittelt ein Gefühl der Hoffnungs- oder Aussichtslosigkeit, noch einer anderen Art des Mangels als der Titel gebende Wassermangel). Aufgrund des gewählten Stils geht das Dargestellte noch über den bloßen Sachverhalt Trinkwassermangel hinaus. Somit decken die Illustrationen eine Komponente der Erfahrbarkeit ab, die eine naturalistische Zeichnung nicht unbedingt leisten könnte, und binden den dargestellten Sachverhalt stärker an das körperliche und seelische Erleben als nur die rein visuelle Vorstellung. Anstelle sich nur sehr realistisch vorstellen zu können, an einem ausgetrockneten Fluss zu kauern, ermöglichen die Illustrationen ein Hineinversetzen in die Lebenssituation, wie es sich anfühlen würde, in einer Welt mit Wassermangel zu leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als letzter ‚virtual witnessing‘ ermöglichender Aspekt lässt sich noch der QR-Code anführen, über&lt;br /&gt;
den jede Spielkarte verfügt. Er führt zu zusätzlichen Informationen über das abgebildete Projekt&lt;br /&gt;
bzw. die abgebildete Krise. Die Texte mit Hintergrund- bzw. weiterführendem Wissen wurden von&lt;br /&gt;
Expert*innen extra für e-Mission geschrieben und darüber hinaus gibt es auch weiterführende&lt;br /&gt;
Links zu externen Seiten. Obwohl diese Zusatzinformationen das Spielgeschehen an sich nicht&lt;br /&gt;
beeinflussen und wahrscheinlich nur von sehr interessierten Spielenden tatsächlich abgerufen&lt;br /&gt;
werden, suggeriert die Präsenz des QR-Codes den Spielenden dennoch, dass die Spielinhalte&lt;br /&gt;
stimmen: Die Spieleautoren haben viel recherchiert, sogar Expert*innen kontaktiert und externe&lt;br /&gt;
Quellen angegeben. Die QR-Codes erhöhen so die Glaubhaftigkeit der Inhalte und stärken das&lt;br /&gt;
Vertrauen der Spielenden in die Autoren, dass diese den Klimawandel, seine Folgen und Gegenmaßnahmen im Spiel so realitätsgetreu wie möglich dargestellt haben: Die Spielenden haben es mit dem echten Klimawandel zu tun, soll der QR-Code ausdrücken. Ein Hinweis in der Spielanleitung macht den Realitätsanspruch auch transparent, während die Spielemacher gleichzeitig zugestehen, dass das Spiel: „keine Simulation [ist]. Zusammenhänge wurden daher vereinfacht oder verkürzt dargestellt, um eine gute Spielbarkeit zu gewährleisten. Gleichzeitig wurde aber versucht, möglichst nahe an der Realität zu bleiben“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=24}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der ausgedrückte Realitätsanspruch in Kombination mit dem Zugeständnis, dass eine Vereinfachung der Inhalte vorgenommen wurde, stärkt auch wieder das Vertrauen in die Autoren: Denn diese Transparenz beim Spieldesign zeigt, dass den Spielenden nichts vorenthalten wird, wodurch die Spielmacher ehrlich und zuverlässig wirken. Dies steigert auch wieder die Glaubhaftigkeit der Inhalte, denn zu zeigen, dass man sich über bestimmte Leerstellen oder Defizite bewusst ist, beweist, wie gründlich man sich mit&lt;br /&gt;
dem Thema auseinandergesetzt hat.&lt;br /&gt;
Rückführung auf Boyle&lt;br /&gt;
e-Mission ermöglicht ‚virtual witnessing‘ über QR-Codes, Illustrationen und den Einsatz konkreter&lt;br /&gt;
Projekte. Dies unterscheidet sich von den sprachlichen Mitteln, die der Naturforscher Robert&lt;br /&gt;
Boyle in seinen Berichten einsetzte. Die Funktion ist dennoch die Gleiche: Via ‚virtual witnessing’&lt;br /&gt;
wird eine Erfahrung an ‚unbeteiligte‘ Personen vermittelt und Rezipient*innen trotz Abwesenheit&lt;br /&gt;
ein Gefühl des Dabeiseins und Miterlebens gegeben.&lt;br /&gt;
Dementsprechend nutzte Boyle die ‚virtual witnessing‘-Technologie in seinen Versuchsprotokollen, damit auch nicht beim Experiment anwesende Menschen seine wissenschaftlichen Experimente nachvollziehen können und so den experimentellen Befund als Fakt beglaubigen. So wie Boyle für das Experiment, generieren die Spielemacher via ‚virtual witnessing‘ ein Gefühl des Dabeiseins. Was bei Boyle dazu führen soll, dass sich seine Methode als verlässlich verbreitet, führt bei e-Mission dazu, dass die Klimakrise in ihrer Dringlichkeit erlebt wird und die Spielenden dadurch ein Gefühl des ‚empowerments‘ empfinden. Dieses ‚empowerment‘ stellt sich laut den Spielmachern auch ein, wenn das Spiel verloren wird. Denn unabhängig vom Ausgang des Spiels konnten die Spielenden ihre Handlungsmöglichkeiten im komplexen Themenfeld der Klimakrise ausloten und echte Lösungsansätze erproben: „[You feel] empowered as you play Daybreak because your individual contributions are unique, powerful, and specialised. And empowered after you play it — whether your team is successful or not — because you’ve had a chance to explore climate science and real world solutions“. &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel=Why We Made Daybreak|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/why-we-made-daybreak-e7f30b3112ba?gi=774af4ef8b01|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Kontrast zu Boyle setzt e-Mission nicht auf präzise, ausführliche Beschreibungen der konkreten wissenschaftlichen Experimente, die das Wissen über die Klimakrise generiert haben, oder auf naturgetreue Abbildungen der in den Experimenten genutzten Gerätschaften, um das ‚virtual witnessing’ zu ermöglichen und das besagte ‚empowerment’ zu erreichen. Viel eher löst sich e-Mission vom wissenschaftlichen Prozess und setzt wissenschaftliche Erkenntnisse als Teil der Spielmechanik bzw. als Unterbau ein, um Spielenden das Gefühl zu geben, dass sie es tatsächlich mit ‚dem echten Klimawandel‘ zu tun haben (mit [[Bruno Latour|Latour]] gesprochen könnte man auch sagen, dass es bei Boyle um [[Tatsache (wissenschaftssoziologisch)|„science in the making“]] geht, während e-Mission bereits mit konkreten Ergebnisse von Experimenten, also Fakten, arbeitet, also [[Tatsache (wissenschaftssoziologisch)|„ready made science“]]&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Latour, Bruno|Titel=Science in Action. How to follow scientists and engineers through society|Ort=Cambridge|Verlag=Harvard University Press|Jahr=1987}}&amp;lt;/ref&amp;gt; nutzt). So macht das Spiel globale und zeitlich ausgedehnte ökologische Zusammenhänge vereinfacht erkenn- und erlebbar (Timothy Morton prägte für solche schwer erfassbaren Phänomene den Begriff ‚hyperobject‘&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Morton, Timothy|Titel=Hyperobjects. Philosophy and Ecology after the End of the World|Ort=Minneapolis|Verlag= University of Minnesota Press|Jahr=2013}}&amp;lt;/ref&amp;gt;). Auf dieser Basis können dann emotionale Impulse wie „viscerally experienc[ing] the emissions piling up on the board and their knock-on effects“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel=Why We Made Daybreak|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/why-we-made-daybreak-e7f30b3112ba?gi=774af4ef8b01|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Tragen kommen. e-Mission arbeitet also nicht mit der literarischen Technologie des ‚virtual witnessing‘, um die Validität von Klima-Experimenten und die somit etablierten Fakten in der breiteren Öffentlichkeit durchzusetzen, sondern um die Bedeutung der schon etablierten Fakten für die Öffentlichkeit (vor allem emotional) herauszuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
Im Kern ermöglicht das Konzept des ‚virtual witnessing‘ abwesenden Rezipient*innen, ein Phänomen (wie ein Experiment oder hier den Klimawandel) indirekt mitanzusehen oder mitzuerleben, indem es durch sprachliche Mittel so realitätsnah wie möglich dargestellt wird.&lt;br /&gt;
Dieser Ansatz wurde im vorliegenden Artikel auf das Spiel e-Mission übertragen, um zu&lt;br /&gt;
untersuchen, wie den Spielenden die Erfahrung zugänglich gemacht werden soll, den&lt;br /&gt;
Klimawandel zu erleben und ihn aufzuhalten.&lt;br /&gt;
Die Analyse hat gezeigt, dass das ‚virtual witnessing‘ in e-Mission durch den Einsatz verschiedener gestalterischer Mittel gelingt: Über die QR-Codes auf jeder Spielkarte wird Vertrauen in die Autoren aufgebaut und die Glaubhaftigkeit der Inhalte erhöht. Dies führt dazu, dass die Spielenden das Gefühl haben, dass sie ‚den echten Klimawandel‘ inklusive seiner Folgen und möglicher Lösungsansätze erfahren. Auch über das Angebot konkreter Projekte und Lösungsansätze und die Illustrationen stellt e-Mission die Klimakrise so unmittelbar dar und bindet die Spielenden so stark in ihre Bekämpfung ein, dass sie sich als Teil des im Spiel eröffneten Szenarios fühlen, das Klima zu retten. Die in e-Mission genutzten gestalterischen Mittel binden die Rezipient*innen somit so stark in die Situation ein, wie es der boylsche Text versucht: Man wird zur virtuellen Zeugin dessen, was es bedeutet, im Angesicht der Krise einen Windpark aufzubauen.&lt;br /&gt;
Dass die Spielenden in e-Mission den ‚echten Klimawandel‘ erleben, mag zunächst ironisch klingen, da die Spielenden bereits in einer Welt leben, in der die Klimakrise real ist und sie somit eigentlich sogar direkte Zeug*innen der Klimakrise und ihrer Bedrohung sind. In ihrer Realität als&lt;br /&gt;
„hyperobject“, also als lokal und zeitlich sehr ausgedehntes Phänomen, ist die Klimakrise allerdings mitunter schwer zu begreifen. Hier bietet e-Mission die Gelegenheit, einen Überblick über einige der relevantesten Mechanismen der Klimakrise (bzw. die im Klimawandel-Diskurs relevantesten Aspekte) zu gewinnen, wie bspw. CO2 als (Haupt-)Verursacher der Klimaerwärmung oder das Verhindern eines Temperaturanstieg um 2 Grad, was Ziel des Pariser Abkommens&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=United Nations Climate Change|Titel=The Paris Agreement|Jahr=2026|Website=UNFCC|Online=https://unfccc.int/process-and-meetings/the-paris-agreement|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und Ziel des Spiels ist. Auch Erdsysteme wie Permafrostböden, arktisches Eis und der Amazonas-Regenwald, die seit Jahren eine große Rolle in der Berichterstattung zur Klimakrise spielen, werden mit einbezogen. In diesem Sinne haben die Spielentwickler Menapace und Leacock tatsächlich ein „interactive model that helps us make sense of what is happening (or not happening) on the climate front […]“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; gebaut, das den Spieler*innen erlaubt, die ‚Gesamtheit‘ der Klimakrise zu erleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fast noch wichtiger als die Funktion des Überblicks ist die des ‚Ermächtigens’, die Leacock und&lt;br /&gt;
Menapace bei der Spielentwicklung anstrebten: Die Spielenden werden in e-Mission nicht nur&lt;br /&gt;
indirekt Zeug*innen der Funktionsweise des Klimawandels, sie werden auch in die Position&lt;br /&gt;
versetzt, Lösungsansätze und Gegenmaßnahmen auszuprobieren, was in der Realität leider&lt;br /&gt;
immer noch ein größtenteils fiktives Szenario ist. Dieses Erproben von Lösungsansätzen und das&lt;br /&gt;
Beschäftigen mit ‚climate science‘ generell hat laut den Spielentwicklern eine ‚ermächtigende’&lt;br /&gt;
Wirkung. Diese wurzelt im ‚virtual witnessing‘: Dadurch, dass das Spiel viele detaillierte&lt;br /&gt;
Lösungsansätze anbietet und dadurch Technologien und Maßnahmen überhaupt erstmal konkret&lt;br /&gt;
vorstellbar macht, ist ein erster Schritt in Richtung Umsetzbarkeit getan: „[…] playing Daybreak&lt;br /&gt;
changed how they [the players] understand the problem and its potential solutions. […] […] [A]ll&lt;br /&gt;
this is possible. If we can imagine it, we can make it happen“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Belege==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft|Vorname=Nele|Nachname=Fuchs|Vorname2= |Nachname2= |Tag=07|Monat=09|Jahr=2026 |Bearbeitung-Vorname=Nele| Bearbeitung-Nachname=Fuchs|Bearbeitung-Vorname2= | Bearbeitung-Nachname2= |Bearbeitung-Tag=07|Bearbeitung-Monat=09| Bearbeitung-Jahr=2026 }}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7023</id>
		<title>Benutzer:Nele Fuchs/Werkstatt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7023"/>
		<updated>2026-09-07T19:28:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird die literarische Technologie des '''virtual witnessing''' (dt.: virtuelles Bezeugen) nach Steven Shapin und Simon Schaffer vorgestellt. Mithilfe dieser Methode wird Rezipient*innen ermöglicht, ein beschriebenes Phänomen so nachzuvollziehen, als ob sie selbst bei dessen Beobachtung dabei gewesen wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wissenschaftsgeschichtliche Hintergründe der Debatte ==&lt;br /&gt;
In ihrem 1985 erschienenen Werk ''Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life'' zeichnen die Wissenschaftshistoriker Steven Shapin und Simon Schaffer die Debatte nach, die Thomas Hobbes und Robert Boyle Mitte des 17. Jahrhunderts um Boyles Experimente mit einer Luftpumpe führten. Diese Debatte trug maßgeblich dazu bei, dass sich das Experiment als wissenschaftliche Methode gegenüber anderen Erkenntnisformen durchsetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn in den späten 1650 und frühen 1660er Jahren, als der irische Naturwissenschaftler Robert&lt;br /&gt;
Boyle in England die sogenannten pneumatischen Experimente durchführte, waren Experimente&lt;br /&gt;
als gültige wissenschaftliche Methode nicht so etabliert, wie sie es für uns heutzutage sind.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass er also im Gegensatz zu zeitgenössisch gleichermaßen anerkannten alternativen Programmen der Wissensproduktion&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026, eig. Übersetzung}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. ebd., eig. Übersetzung) hauptsächlich Experimente als Mittel der&lt;br /&gt;
Wissensgenerierung nutzte, brachte ihm einen Streit mit dem Philosophen Thomas Hobbes ein.&lt;br /&gt;
Im Zentrum dieses Streits über die Experimente mit der Luftpumpe standen die Fragen, „how&lt;br /&gt;
claims were to be authenticated as knowledge. What was to count as knowledge, or ‚science‘?&lt;br /&gt;
How was this to be distinguished from other epistemological categories, such as ‚belief’ and ‚opinion‘?“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Die grundlegende Frage, ob Experimente überhaupt ein geeignetes Mittel sind,&lt;br /&gt;
um etwas über –hier – die Eigenschaften der Luft zu erfahren, war zu diesem Zeitpunkt also noch nicht geklärt und die Validität der experimentellen Methode musste sich noch durchsetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Schaffer und Shapin so die Bedeutung dieser Debatte für die Geschichte der Wissensproduktion herausarbeiten, stellen sie fest, dass Boyle drei zusammenhängende Technologien&lt;br /&gt;
nutzt, um Tatsachen zu erfassen: eine materielle, eine soziale und eine literarische. Die materielle&lt;br /&gt;
Technologie ist der Apparat oder die Maschine, mit der das Experiment durchgeführt wird. Dieses&lt;br /&gt;
Gerät soll “subjektunabhängige ‘matter[s] of fact’”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; hervorbringen, „denn indem&lt;br /&gt;
Phänomene qua Apparat und damit mechanisch hervorgebracht wurden, sollte ihre Gemachtheit&lt;br /&gt;
durch Menschenhand verdeckt werden“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;: Die Maschine liefert [[Aperspektivische Objektivität|‚objektive’ Tatsachen]].&lt;br /&gt;
Die soziale Technologie bezeichnet den Umstand, dass ein Experiment mit dem Apparat vor anderen vorgeführt wurde, um es mehr Menschen (d. h. in Boyles Fall in erster Linie Wissenschaftlern und der englischen ‚high society‘) zugänglich zu machen und es von ihnen beglaubigen zu&lt;br /&gt;
lassen. Dies erhöhe den experimentellen Befund noch weiter, weil er durch das Kollektiv aus gebildeten Augenzeugen abgesichert war.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Erst durch die kollektive Bezeugung&lt;br /&gt;
der unmittelbar anwesenden Personen gewinnen das Experiment und dessen Ergebnisse an Faktizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um jedoch die Mehrheit derjenigen von den experimentellen Tatsachen zu überzeugen, die dem&lt;br /&gt;
Experiment nicht beiwohnen konnten und auch nicht über die Möglichkeit verfügen, es selber zu&lt;br /&gt;
wiederholen, bediente sich Boyle schließlich der literarischen Technologie des ‚virtual witnessing‘. Shapin und Schaffer verstehen darunter &amp;quot;the production in a 'reader’s' mind of such an image of an experimental scene as obviates the necessity for either direct witness or replication. Through virtual witnessing the multiplication of witnesses could be, in principle, unlimited“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=60, Herv. im Orig. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ‚virtuelle Bezeugen’ ermögliche so auch dem Publikum außerhalb des Labors durch literarische Beschreibung und naturgetreue Abbildung des Experiments, indirekt Zeug*innen des Experiments zu werden und den Hergang des Experiments vor ihrem inneren Auge‘ nachzuvollziehen.&lt;br /&gt;
Dadurch, dass so umlimitiert viele Menschen Zeug*innen eines Experiments werden können, würden die experimentellen Befunde noch stärker als Tatsachen abgesichert. Die virtuelle Bezeugung&lt;br /&gt;
ermöglichte so erst das Entstehen „eine[r] wissenschaftliche[n] Öffentlichkeit […], der die Rolle&lt;br /&gt;
zukam, die experimentell erhobenen Tatsachen zu beglaubigen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und verhalf so&lt;br /&gt;
dem Aufstieg experimenteller Methoden im 17. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Merkmale des ‚virtual witnessing‘ bei Boyle ==&lt;br /&gt;
Boyle ermöglichte das ‚virtual witnessing‘ mit dem Schreiben eines Versuchsprotokolls (das Boyle&lt;br /&gt;
als gleichermaßen wichtig wie das Experimentieren selbst erachtete&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) sowie mit naturalistischen Zeichnungen, die den Zeug*innen als Ergänzung oder „visual assistance“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=61 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Text dienen sollten. Das ideale Versuchsprotokoll war für Boyle ein weitschweifiger Bericht über das Experiment in allen Einzelheiten. Diese Detailfülle sah er als notwendig an, weil sie erstens die Replikation des Experiments erleichterte und zweitens die Experimente den Lesenden unbekannt waren und daher die Beweise und Konklusionen gut kontextualisiert&lt;br /&gt;
werden mussten, damit man ihnen traute. Drittens ermöglichte die extreme Ausführlichkeit überhaupt erst das virtuelle Bezeugen: „If one wrote experimental reports in the correct way, the rea-&lt;br /&gt;
der could take on trust that these things happened. Further, it would be as if that reader had been&lt;br /&gt;
present at the proceedings“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62f.}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Denn würde das Protokoll nur die Ergebnisse des Experiments anführen, könnten sich die Lesenden die experimentelle Szene nicht vorstellen. Durch den umfassenden Charakter des Protokolls können die Lesenden erst zu virtuellen Zeug*innen werden und sind dann in der Position, experimentelle Phänomene als Tatsachen zu validieren.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=63 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Boyle scheute in seinen Versuchsprotokollen auch nicht vor extrem wortreichen, verklausulierten&lt;br /&gt;
Sätze mit vielen Appositionen zurück: Diese sollten die Direktheit und Gleichzeitigkeit der Geschehnisse verdeutlichen, sodass das Beschriebene so realitätsnah wie möglich wirkte. Auch gescheiterte Experimente waren zu beschreiben, denn dies würde die Lesenden überzeugen, dass keine Informationen vorenthalten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=64}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die Geschehnisse in ihrer Gesamtheit geschildert würden. Darüber hinaus helfe dies Boyle, sich als vertrauenswürdigen Mann von Charakter&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Rolle von Vertrauen im Kontext wissenschaftlicher Forschung siehe auch {{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=The way we trust now: The Authority of science and the character of the scientist|Herausgeber*in=Hoodbhoy, P.; Glaser, S.; Shapin, S.|Sammelband=Trust Me, I'm a Scientist|Ort=London|Verlag=The British Council|Jahr=2004}}&amp;lt;/ref&amp;gt; zu inszenieren, da es suggeriert, dass seine eigenes Erkenntnisinteresse nicht die Objektivität seiner Forschung verzerre: „his accounts [served] as unclouded and undistorted mirrors of nature“.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der trockene und komplizierte Stil des Versuchsprotokolls sollte funktional wirken und den Eindruck erwecken, dass man den Lesenden „‚the eye-glasses of a telescope‘“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=66}}&amp;lt;/ref&amp;gt; aufsetzen würde, dass sie also wie mit eigenen Augen auf die Experimentierszene blicken könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese stilistischen Entscheidungen dienten dazu, dass seinen Texten geglaubt würde, man uneingeschränkt Zeug*in seiner experimentellen Erzählungen werden konnte&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die so etablierten Behauptungen auch als Tatsachen auffassen würde. Dabei ist es wichtig her-&lt;br /&gt;
auszustellen, dass das Versuchsprotokoll nicht einfach ein Bericht ist „of what was done elsewhe-&lt;br /&gt;
re; we are dealing with a most important form of experience and the means for extending and va-&lt;br /&gt;
lidating experience“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=484|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das virtuelle Bezeugen stellt somit in erster Linie eine Technik dar, Erfahrung zu vermitteln und zu bestätigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das anhand von Boyles historischem Beispiel entwickelte Konzept des ‚virtual witnessing‘ ist&lt;br /&gt;
auch heute noch für die Wissensproduktion relevant. Denn: „The popularization of science is&lt;br /&gt;
usually understood as the extension of experience from the few to the many“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=481|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Ausdehnung der Erfahrung aus einem kleinen Expert*innenkreis von Wissenschaftler*innen, die unmittelbar an einem Experiment beteiligt sind, auf ein breiteres Publikum wird über die Technik der virtuellen Bezeugung geleistet, da diese es – wie herausgestellt – ermöglicht, das Beschriebene vor dem inneren Auge so konkret nachzuvollziehen, dass man ihm Glauben schenkt. Über die ‚virtual witnessing‘-Technologie lassen sich so wissenschaftliche Konzepte in der Öffentlichkeit verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass mithilfe der Technik des ‚virtual witnessing‘ eine&lt;br /&gt;
„stellvertretende Erfahrung“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026, eig. Übersetzung}}&amp;lt;/ref&amp;gt;  produziert werden soll, die den Leser*innen ermöglicht, ihre Zustimmung zu einem Sachverhalt zu erteilen, als ob sie tatsächlich&lt;br /&gt;
dabei gewesen wären, als ein Experiment durchgeführt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026, eig. Übersetzung }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Historiker*innen und Wissenschaftssoziolog*innen haben Shapins und Schaffers Definition des&lt;br /&gt;
‚virtual witnessing‘ erweitert, sodass ‚virtual witnessing’ generell jeden Versuch umfasst, andere&lt;br /&gt;
von einer wissenschaftlichen Erklärung zu überzeugen, ohne dass diese das Experiment oder&lt;br /&gt;
überhaupt das Phänomen selbst erleben müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55, eig. Übersetzung}}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können auch&lt;br /&gt;
andere Medienformen als wissenschaftliche Texte ‚virtual witnessing‘ ermöglichen wie z. B. Filme,&lt;br /&gt;
die das Publikum die dargestellten Phänomene als real erleben lassen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, oder [[Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission|Brettspiele]]. Zusammen mit materiellen und sozialen Techniken dient&lt;br /&gt;
diese literarische Technik der Wissensproduktion dazu, die Gewissheit einer Tatsache zu verbreiten.&lt;br /&gt;
Damit das ‚virtual witnessing‘ funktioniert, werden verschiedene sprachliche Mittel eingesetzt, die&lt;br /&gt;
das Beschriebene für die Rezipient*innen so realitätsnah wie möglich wirken lassen, bspw. eine&lt;br /&gt;
hohe Detailfülle oder bei Boyle ein komplexer Satzbau. Aber auch realistische Illustrationen oder&lt;br /&gt;
(heutzutage in Versuchsprotokollen häufiger eingesetzt) Skizzen des Experimentaufbaus werden&lt;br /&gt;
eingesetzt, um den Leser*innen zu ermöglichen, sich das Beschriebene genau vorzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier dargestellte Konzept des ‚virtual witnessing‘ wurde von Steven Shapin und Simon&lt;br /&gt;
Schaffer anhand des Beispiels von Robert Boyle und seinen Experimenten im 17. Jahrhundert&lt;br /&gt;
herausgearbeitet. Boyles ausführliche Beschreibungen und detaillierte Illustrationen sollten selbst&lt;br /&gt;
weit entfernten Wissenschaftlern ermöglichen, seine Experimente indirekt anzusehen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55, eig. Übersetzung}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, sodass sie seine experimentellen Befunde beglaubigen konnten.&lt;br /&gt;
Im Kern ermöglicht ‚virtual witnessing‘ somit abwesenden Rezipient*innen, ein Phänomen (wie bspw. ein Experiment) indirekt mitanzusehen oder mitzuerleben, indem es durch&lt;br /&gt;
sprachliche Mittel so realitätsnah wie möglich dargestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Belege==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Klima-Brettspiel [[e-Mission]] schlüpfen die Spielenden in die Rolle von ein bis vier globalen ‚Weltmächten’&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=1}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und versuchen durch das strategische und kooperative Ausspielen von Projekten, die Klimaerwärmung aufzuhalten, indem sie den Ausstoß von CO2-Emissionen verringern. Das Spiel eröffnet so ein Szenario, in dem die Spielenden „gemeinsam die gleiche Mission [verfolgen], den Klimawandel aufzuhalten“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=1}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Laut den Spielentwicklern Matteo Menapace und Matt Leacock sollen sich die Spielenden dadurch „empowered“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel=Why We Made Daybreak|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/why-we-made-daybreak-e7f30b3112ba?gi=774af4ef8b01|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, also befähigt oder ermächtigt, fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll die literarische Technologie des [[‚virtual witnessing‘]] (dt.: virtuelles Bezeugen)&lt;br /&gt;
nach Steven Shapin und Simon Schaffer auf das Brettspiel e-Mission angewendet werden. Mithilfe dieser Methode wird Rezipient*innen ermöglicht, ein beschriebenes Phänomen so nachzuvollziehen, als ob sie selbst bei dessen Beobachtung dabei gewesen wären.&lt;br /&gt;
Mit Hilfe dieses Konzeptes soll untersucht werden, inwiefern e-Mission den Spielenden das Gefühl gibt, dass sie ‚wie in echt‘ dabei sind, den Klimawandel aufzuhalten, und wodurch dabei eine ermächtigende Wirkung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==‚Virtual witnessing‘ in e-Mission: „If we can imagine it, we can make it happen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  == &lt;br /&gt;
Anschließend soll nun untersucht werden, wie die literarische Technologie des ‚virtual witnessing‘&lt;br /&gt;
im Spiel e-Mission eingesetzt wird. Dazu wird exemplarisch die Spielkarte „Kreislaufwirtschaft“&lt;br /&gt;
daraufhin untersucht, durch welche gestalterischen Mittel den Spielenden der Eindruck vermittelt werden soll, dass sie es mit dem ‚echten’ Klimawandel zu tun haben und bei dessen Aufhalten &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=1}}&amp;lt;/ref&amp;gt; tatsächlich dabei sind. Das Ausspielen der Projektkarte „Kreislaufwirtschaft“ eraubt es der Spielenden, eine beliebige ‚schmutzige Energie‘ &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=3}}&amp;lt;/ref&amp;gt; aus dem Energiehaushalt ihrer Weltmacht zu entfernen bzw. sogar zusätzlich noch den Energiebedarf ihrer Weltmacht herunterzusetzen. Während e-Mission die Klimakrise unter dem Aspekt des Ausgleiches von Emissionsausstoß und Emissionsbindung verhandelt und die braunen Würfel, die CO2 symbolisieren sollen, auch ein prominenter Aspekt der Spielmechanik sind, geht das Spielgeschehen dennoch über ein bloßes Entfernen dieser CO2-Würfel hinaus. Auf den Projektkarten steht nicht „-1 CO2-Würfel&amp;quot;, sondern man verändert die Verbrauchsgewohnheiten ‚seiner‘ Weltmacht, baut einen Solarpark oder führt eine Luxussteuer ein. Indem so die Bekämpfung des Klimawandels an konkrete Projekte und vorstellbare Initiativen gebunden und von dem abstrakten Phänomen des Emissionsausstoßes und der Emissionsbindung losgelöst wird, wird ‚virtual witnessing‘ ermöglicht: Die Spielenden können sich vorstellen, dass das Einführen einer Kreislaufwirtschaft im Kontrast zu Wegwerfgesellschaften die Entstehung von Abfall minimiert und einen Ressourcen schonenderen Umgang mit Produkten ermöglicht, sodass ‚ihre Weltmacht‘ weniger Energie aufwenden muss, um neue Produkte herzustellen. Die Karte „Kreislaufwirtschaft“ ist dabei nur eine von 133 Projektkarten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=5}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, die verschiedene Strategien zur Bekämpfung des Klimawandels anbieten: Vom Ausbau ‚sauberer‘ und Abbau ‚schmutziger‘ Energie&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. beide {{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=5}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und dem Schaffen von stabiler Natur, Gesellschaft oder Infrastruktur bis hin zum Abmildern von gesellschaftlichem Notstand und dem Aufforsten von Wäldern können unterschiedlichste Strategien genutzt werden, um den Klimawandel aufzuhalten bzw. um die Gesellschaft der ‚Weltmacht‘ resilienter gegen die Folgen des Klimawandels zu machen. Aus der Vielfalt dieser Projekte zieht jede*r Spieler*in jede Runde fünf Karten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=10}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, die er oder sie taktisch klug einsetzen muss. Durch die Vielfalt der Karten und das von den Spielenden verlangte taktische und gemeinsam abgestimmte Vorgehen wird die Bekämpfung des Klimawandels immersiv und erlebbar. Dies verhindert, dass sich die sogenannte „Emissionsphase“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=8}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, während der das von den ‚Weltmächten‘ produzierte CO2 zusammengezählt und möglichst gebunden wird, sich wie trockenes CO2-Würfel-Management anfühlt. Außerdem unterstreicht die Vielfalt der sehr detaillierten Projektkarten die Botschaft der Spielemacher: „Climate action is not merely a war on carbon“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; – das Spiel geht über den Emissions-Zyklus hinaus und bildet auch die Bemühungen ab, Menschen und Orte vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Spielkarten sind darüber hinaus alle illustriert, was wiederum noch weiter das ‚virtual witnessing‘ verstärkt. Dabei sind die Illustrationen nicht (wie Robert Boyle es gefordert hätte) möglichst naturgetreu, sondern offensichtlich künstlerische Interpretationen bzw. Annäherungen an die Projekte. Gerade diejenigen der bei e-Mission spielbaren Projekte und Technologien zur Bekämpfung des Klimawandels, die in echt (noch) nicht existieren oder umgesetzt werden, profitieren durch die Illustration dadurch, dass sie anschaulich, damit vorstellbar und dadurch eines Tages vielleicht auch umsetzbar werden (so argumentiert zumindest Menapace im Entwicklungstagebuch: „If we can imagine it, we can make it happen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;). Aber auch für die bereits existierenden Technologien und Projekte sind die eher schematischen Darstellungen von Nutzen: Wären sie an einen konkreten Ort oder eine echt existierende Initiative gebunden, hätten sie einen weniger universellen Charakter. Durch die schematische Darstellung lässt sich bspw. die Vorstellung einer Windkraftanlage überall hin übertragen.&lt;br /&gt;
Vor allem die Illustrationen der Krisenkarten zeichnen sich durch ihren impressionistischen Stil&lt;br /&gt;
aus. Dieser fängt auch die Stimmung des Ereignisses ein (im Falle der Karte „Trinkwassermangel“&lt;br /&gt;
werden beispielsweise durch die rote Tönung Gefühle von Hitze und Austrocknung, aber auch&lt;br /&gt;
Gefahr evoziert; die schemenhafte, kauernde Figur vermittelt ein Gefühl der Hoffnungs- oder Aussichtslosigkeit, noch einer anderen Art des Mangels als der Titel gebende Wassermangel). Aufgrund des gewählten Stils geht das Dargestellte noch über den bloßen Sachverhalt Trinkwassermangel hinaus. Somit decken die Illustrationen eine Komponente der Erfahrbarkeit ab, die eine naturalistische Zeichnung nicht unbedingt leisten könnte, und binden den dargestellten Sachverhalt stärker an das körperliche und seelische Erleben als nur die rein visuelle Vorstellung. Anstelle sich nur sehr realistisch vorstellen zu können, an einem ausgetrockneten Fluss zu kauern, ermöglichen die Illustrationen ein Hineinversetzen in die Lebenssituation, wie es sich anfühlen würde, in einer Welt mit Wassermangel zu leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als letzter ‚virtual witnessing‘ ermöglichender Aspekt lässt sich noch der QR-Code anführen, über&lt;br /&gt;
den jede Spielkarte verfügt. Er führt zu zusätzlichen Informationen über das abgebildete Projekt&lt;br /&gt;
bzw. die abgebildete Krise. Die Texte mit Hintergrund- bzw. weiterführendem Wissen wurden von&lt;br /&gt;
Expert*innen extra für e-Mission geschrieben und darüber hinaus gibt es auch weiterführende&lt;br /&gt;
Links zu externen Seiten. Obwohl diese Zusatzinformationen das Spielgeschehen an sich nicht&lt;br /&gt;
beeinflussen und wahrscheinlich nur von sehr interessierten Spielenden tatsächlich abgerufen&lt;br /&gt;
werden, suggeriert die Präsenz des QR-Codes den Spielenden dennoch, dass die Spielinhalte&lt;br /&gt;
stimmen: Die Spieleautoren haben viel recherchiert, sogar Expert*innen kontaktiert und externe&lt;br /&gt;
Quellen angegeben. Die QR-Codes erhöhen so die Glaubhaftigkeit der Inhalte und stärken das&lt;br /&gt;
Vertrauen der Spielenden in die Autoren, dass diese den Klimawandel, seine Folgen und Gegenmaßnahmen im Spiel so realitätsgetreu wie möglich dargestellt haben: Die Spielenden haben es mit dem echten Klimawandel zu tun, soll der QR-Code ausdrücken. Ein Hinweis in der Spielanleitung macht den Realitätsanspruch auch transparent, während die Spielemacher gleichzeitig zugestehen, dass das Spiel: „keine Simulation [ist]. Zusammenhänge wurden daher vereinfacht oder verkürzt dargestellt, um eine gute Spielbarkeit zu gewährleisten. Gleichzeitig wurde aber versucht, möglichst nahe an der Realität zu bleiben“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Prohaska, Lisa; Thuro, Frank (Übers.)|Titel=Spielanleitung von e-Mission|Herausgeber*in=Menapace, Matteo; Leacock, Matt|Sammelband=e-Mission|Ort=Berlin|Verlag=Schmidt Spiele|Jahr=2023|Seite=24}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der ausgedrückte Realitätsanspruch in Kombination mit dem Zugeständnis, dass eine Vereinfachung der Inhalte vorgenommen wurde, stärkt auch wieder das Vertrauen in die Autoren: Denn diese Transparenz beim Spieldesign zeigt, dass den Spielenden nichts vorenthalten wird, wodurch die Spielmacher ehrlich und zuverlässig wirken. Dies steigert auch wieder die Glaubhaftigkeit der Inhalte, denn zu zeigen, dass man sich über bestimmte Leerstellen oder Defizite bewusst ist, beweist, wie gründlich man sich mit&lt;br /&gt;
dem Thema auseinandergesetzt hat.&lt;br /&gt;
Rückführung auf Boyle&lt;br /&gt;
e-Mission ermöglicht ‚virtual witnessing‘ über QR-Codes, Illustrationen und den Einsatz konkreter&lt;br /&gt;
Projekte. Dies unterscheidet sich von den sprachlichen Mitteln, die der Naturforscher Robert&lt;br /&gt;
Boyle in seinen Berichten einsetzte. Die Funktion ist dennoch die Gleiche: Via ‚virtual witnessing’&lt;br /&gt;
wird eine Erfahrung an ‚unbeteiligte‘ Personen vermittelt und Rezipient*innen trotz Abwesenheit&lt;br /&gt;
ein Gefühl des Dabeiseins und Miterlebens gegeben.&lt;br /&gt;
Dementsprechend nutzte Boyle die ‚virtual witnessing‘-Technologie in seinen Versuchsprotokollen, damit auch nicht beim Experiment anwesende Menschen seine wissenschaftlichen Experimente nachvollziehen können und so den experimentellen Befund als Fakt beglaubigen. So wie Boyle für das Experiment, generieren die Spielemacher via ‚virtual witnessing‘ ein Gefühl des Dabeiseins. Was bei Boyle dazu führen soll, dass sich seine Methode als verlässlich verbreitet, führt bei e-Mission dazu, dass die Klimakrise in ihrer Dringlichkeit erlebt wird und die Spielenden dadurch ein Gefühl des ‚empowerments‘ empfinden. Dieses ‚empowerment‘ stellt sich laut den Spielmachern auch ein, wenn das Spiel verloren wird. Denn unabhängig vom Ausgang des Spiels konnten die Spielenden ihre Handlungsmöglichkeiten im komplexen Themenfeld der Klimakrise ausloten und echte Lösungsansätze erproben: „[You feel] empowered as you play Daybreak because your individual contributions are unique, powerful, and specialised. And empowered after you play it — whether your team is successful or not — because you’ve had a chance to explore climate science and real world solutions“. &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel=Why We Made Daybreak|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/why-we-made-daybreak-e7f30b3112ba?gi=774af4ef8b01|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Kontrast zu Boyle setzt e-Mission nicht auf präzise, ausführliche Beschreibungen der konkreten wissenschaftlichen Experimente, die das Wissen über die Klimakrise generiert haben, oder auf naturgetreue Abbildungen der in den Experimenten genutzten Gerätschaften, um das ‚virtual witnessing’ zu ermöglichen und das besagte ‚empowerment’ zu erreichen. Viel eher löst sich e-Mission vom wissenschaftlichen Prozess und setzt wissenschaftliche Erkenntnisse als Teil der Spielmechanik bzw. als Unterbau ein, um Spielenden das Gefühl zu geben, dass sie es tatsächlich mit ‚dem echten Klimawandel‘ zu tun haben (mit [[Bruno Latour|Latour]] gesprochen könnte man auch sagen, dass es bei Boyle um [[Tatsache (wissenschaftssoziologisch)|„science in the making“]] geht, während e-Mission bereits mit konkreten Ergebnisse von Experimenten, also Fakten, arbeitet, also [[Tatsache (wissenschaftssoziologisch)|„ready made science“]]&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Latour, Bruno|Titel=Science in Action. How to follow scientists and engineers through society|Ort=Cambridge|Verlag=Harvard University Press|Jahr=1987}}&amp;lt;/ref&amp;gt; nutzt). So macht das Spiel globale und zeitlich ausgedehnte ökologische Zusammenhänge vereinfacht erkenn- und erlebbar (Timothy Morton prägte für solche schwer erfassbaren Phänomene den Begriff ‚hyperobject‘&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Morton, Timothy|Titel=Hyperobjects. Philosophy and Ecology after the End of the World|Ort=Minneapolis|Verlag= University of Minnesota Press|Jahr=2013}}&amp;lt;/ref&amp;gt;). Auf dieser Basis können dann emotionale Impulse wie „viscerally experienc[ing] the emissions piling up on the board and their knock-on effects“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel=Why We Made Daybreak|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/why-we-made-daybreak-e7f30b3112ba?gi=774af4ef8b01|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Tragen kommen. e-Mission arbeitet also nicht mit der literarischen Technologie des ‚virtual witnessing‘, um die Validität von Klima-Experimenten und die somit etablierten Fakten in der breiteren Öffentlichkeit durchzusetzen, sondern um die Bedeutung der schon etablierten Fakten für die Öffentlichkeit (vor allem emotional) herauszuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
Im Kern ermöglicht das Konzept des ‚virtual witnessing‘ abwesenden Rezipient*innen, ein Phänomen (wie ein Experiment oder hier den Klimawandel) indirekt mitanzusehen oder mitzuerleben, indem es durch sprachliche Mittel so realitätsnah wie möglich dargestellt wird.&lt;br /&gt;
Dieser Ansatz wurde im vorliegenden Artikel auf das Spiel e-Mission übertragen, um zu&lt;br /&gt;
untersuchen, wie den Spielenden die Erfahrung zugänglich gemacht werden soll, den&lt;br /&gt;
Klimawandel zu erleben und ihn aufzuhalten.&lt;br /&gt;
Die Analyse hat gezeigt, dass das ‚virtual witnessing‘ in e-Mission durch den Einsatz verschiedener gestalterischer Mittel gelingt: Über die QR-Codes auf jeder Spielkarte wird Vertrauen in die Autoren aufgebaut und die Glaubhaftigkeit der Inhalte erhöht. Dies führt dazu, dass die Spielenden das Gefühl haben, dass sie ‚den echten Klimawandel‘ inklusive seiner Folgen und möglicher Lösungsansätze erfahren. Auch über das Angebot konkreter Projekte und Lösungsansätze und die Illustrationen stellt e-Mission die Klimakrise so unmittelbar dar und bindet die Spielenden so stark in ihre Bekämpfung ein, dass sie sich als Teil des im Spiel eröffneten Szenarios fühlen, das Klima zu retten. Die in e-Mission genutzten gestalterischen Mittel binden die Rezipient*innen somit so stark in die Situation ein, wie es der boylsche Text versucht: Man wird zur virtuellen Zeugin dessen, was es bedeutet, im Angesicht der Krise einen Windpark aufzubauen.&lt;br /&gt;
Dass die Spielenden in e-Mission den ‚echten Klimawandel‘ erleben, mag zunächst ironisch klingen, da die Spielenden bereits in einer Welt leben, in der die Klimakrise real ist und sie somit eigentlich sogar direkte Zeug*innen der Klimakrise und ihrer Bedrohung sind. In ihrer Realität als&lt;br /&gt;
„hyperobject“, also als lokal und zeitlich sehr ausgedehntes Phänomen, ist die Klimakrise allerdings mitunter schwer zu begreifen. Hier bietet e-Mission die Gelegenheit, einen Überblick über einige der relevantesten Mechanismen der Klimakrise (bzw. die im Klimawandel-Diskurs relevantesten Aspekte) zu gewinnen, wie bspw. CO2 als (Haupt-)Verursacher der Klimaerwärmung oder das Verhindern eines Temperaturanstieg um 2 Grad, was Ziel des Pariser Abkommens&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=United Nations Climate Change|Titel=The Paris Agreement|Jahr=2026|Website=UNFCC|Online=https://unfccc.int/process-and-meetings/the-paris-agreement|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und Ziel des Spiels ist. Auch Erdsysteme wie Permafrostböden, arktisches Eis und der Amazonas-Regenwald, die seit Jahren eine große Rolle in der Berichterstattung zur Klimakrise spielen, werden mit einbezogen. In diesem Sinne haben die Spielentwickler Menapace und Leacock tatsächlich ein „interactive model that helps us make sense of what is happening (or not happening) on the climate front […]“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; gebaut, das den Spieler*innen erlaubt, die ‚Gesamtheit‘ der Klimakrise zu erleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fast noch wichtiger als die Funktion des Überblicks ist die des ‚Ermächtigens’, die Leacock und&lt;br /&gt;
Menapace bei der Spielentwicklung anstrebten: Die Spielenden werden in e-Mission nicht nur&lt;br /&gt;
indirekt Zeug*innen der Funktionsweise des Klimawandels, sie werden auch in die Position&lt;br /&gt;
versetzt, Lösungsansätze und Gegenmaßnahmen auszuprobieren, was in der Realität leider&lt;br /&gt;
immer noch ein größtenteils fiktives Szenario ist. Dieses Erproben von Lösungsansätzen und das&lt;br /&gt;
Beschäftigen mit ‚climate science‘ generell hat laut den Spielentwicklern eine ‚ermächtigende’&lt;br /&gt;
Wirkung. Diese wurzelt im ‚virtual witnessing‘: Dadurch, dass das Spiel viele detaillierte&lt;br /&gt;
Lösungsansätze anbietet und dadurch Technologien und Maßnahmen überhaupt erstmal konkret&lt;br /&gt;
vorstellbar macht, ist ein erster Schritt in Richtung Umsetzbarkeit getan: „[…] playing Daybreak&lt;br /&gt;
changed how they [the players] understand the problem and its potential solutions. […] […] [A]ll&lt;br /&gt;
this is possible. If we can imagine it, we can make it happen“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Menapace, Matteo|Titel= Daybreak 6: winning and losing|Jahr=2022|Website=Medium|Online= https://blog.daybreakgame.org/daybreak-winning-and-losing-1d614bdb5b45|Abruf=07.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Belege==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7022</id>
		<title>Benutzer:Nele Fuchs/Werkstatt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7022"/>
		<updated>2026-09-07T18:36:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird die literarische Technologie des '''virtual witnessing''' (dt.: virtuelles Bezeugen) nach Steven Shapin und Simon Schaffer vorgestellt. Mithilfe dieser Methode wird Rezipient*innen ermöglicht, ein beschriebenes Phänomen so nachzuvollziehen, als ob sie selbst bei dessen Beobachtung dabei gewesen wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wissenschaftsgeschichtliche Hintergründe der Debatte ==&lt;br /&gt;
In ihrem 1985 erschienenen Werk ''Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life'' zeichnen die Wissenschaftshistoriker Steven Shapin und Simon Schaffer die Debatte nach, die Thomas Hobbes und Robert Boyle Mitte des 17. Jahrhunderts um Boyles Experimente mit einer Luftpumpe führten. Diese Debatte trug maßgeblich dazu bei, dass sich das Experiment als wissenschaftliche Methode gegenüber anderen Erkenntnisformen durchsetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn in den späten 1650 und frühen 1660er Jahren, als der irische Naturwissenschaftler Robert&lt;br /&gt;
Boyle in England die sogenannten pneumatischen Experimente durchführte, waren Experimente&lt;br /&gt;
als gültige wissenschaftliche Methode nicht so etabliert, wie sie es für uns heutzutage sind.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass er also im Gegensatz zu zeitgenössisch gleichermaßen anerkannten alternativen Programmen der Wissensproduktion&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026, eig. Übersetzung}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. ebd., eig. Übersetzung) hauptsächlich Experimente als Mittel der&lt;br /&gt;
Wissensgenerierung nutzte, brachte ihm einen Streit mit dem Philosophen Thomas Hobbes ein.&lt;br /&gt;
Im Zentrum dieses Streits über die Experimente mit der Luftpumpe standen die Fragen, „how&lt;br /&gt;
claims were to be authenticated as knowledge. What was to count as knowledge, or ‚science‘?&lt;br /&gt;
How was this to be distinguished from other epistemological categories, such as ‚belief’ and ‚opinion‘?“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Die grundlegende Frage, ob Experimente überhaupt ein geeignetes Mittel sind,&lt;br /&gt;
um etwas über –hier – die Eigenschaften der Luft zu erfahren, war zu diesem Zeitpunkt also noch nicht geklärt und die Validität der experimentellen Methode musste sich noch durchsetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Schaffer und Shapin so die Bedeutung dieser Debatte für die Geschichte der Wissensproduktion herausarbeiten, stellen sie fest, dass Boyle drei zusammenhängende Technologien&lt;br /&gt;
nutzt, um Tatsachen zu erfassen: eine materielle, eine soziale und eine literarische. Die materielle&lt;br /&gt;
Technologie ist der Apparat oder die Maschine, mit der das Experiment durchgeführt wird. Dieses&lt;br /&gt;
Gerät soll “subjektunabhängige ‘matter[s] of fact’”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; hervorbringen, „denn indem&lt;br /&gt;
Phänomene qua Apparat und damit mechanisch hervorgebracht wurden, sollte ihre Gemachtheit&lt;br /&gt;
durch Menschenhand verdeckt werden“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;: Die Maschine liefert [[Aperspektivische Objektivität|‚objektive’ Tatsachen]].&lt;br /&gt;
Die soziale Technologie bezeichnet den Umstand, dass ein Experiment mit dem Apparat vor anderen vorgeführt wurde, um es mehr Menschen (d. h. in Boyles Fall in erster Linie Wissenschaftlern und der englischen ‚high society‘) zugänglich zu machen und es von ihnen beglaubigen zu&lt;br /&gt;
lassen. Dies erhöhe den experimentellen Befund noch weiter, weil er durch das Kollektiv aus gebildeten Augenzeugen abgesichert war.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Erst durch die kollektive Bezeugung&lt;br /&gt;
der unmittelbar anwesenden Personen gewinnen das Experiment und dessen Ergebnisse an Faktizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um jedoch die Mehrheit derjenigen von den experimentellen Tatsachen zu überzeugen, die dem&lt;br /&gt;
Experiment nicht beiwohnen konnten und auch nicht über die Möglichkeit verfügen, es selber zu&lt;br /&gt;
wiederholen, bediente sich Boyle schließlich der literarischen Technologie des ‚virtual witnessing‘. Shapin und Schaffer verstehen darunter &amp;quot;the production in a 'reader’s' mind of such an image of an experimental scene as obviates the necessity for either direct witness or replication. Through virtual witnessing the multiplication of witnesses could be, in principle, unlimited“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=60 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Shapin und Schaffer, S. 60, Herv. im Orig.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ‚virtuelle Bezeugen’ ermögliche so auch dem Publikum außerhalb des Labors durch literarische Beschreibung und naturgetreue Abbildung des Experiments, indirekt Zeug*innen des Experiments zu werden und den Hergang des Experiments vor ihrem inneren Auge‘ nachzuvollziehen.&lt;br /&gt;
Dadurch, dass so umlimitiert viele Menschen Zeug*innen eines Experiments werden können, würden die experimentellen Befunde noch stärker als Tatsachen abgesichert. Die virtuelle Bezeugung&lt;br /&gt;
ermöglichte so erst das Entstehen „eine[r] wissenschaftliche[n] Öffentlichkeit […], der die Rolle&lt;br /&gt;
zukam, die experimentell erhobenen Tatsachen zu beglaubigen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und verhalf so&lt;br /&gt;
dem Aufstieg experimenteller Methoden im 17. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Merkmale des ‚virtual witnessing‘ bei Boyle ==&lt;br /&gt;
Boyle ermöglichte das ‚virtual witnessing‘ mit dem Schreiben eines Versuchsprotokolls (das Boyle&lt;br /&gt;
als gleichermaßen wichtig wie das Experimentieren selbst erachtete&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) sowie mit naturalistischen Zeichnungen, die den Zeug*innen als Ergänzung oder „visual assistance“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=61 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Text dienen sollten. Das ideale Versuchsprotokoll war für Boyle ein weitschweifiger Bericht über das Experiment in allen Einzelheiten. Diese Detailfülle sah er als notwendig an, weil sie erstens die Replikation des Experiments erleichterte und zweitens die Experimente den Lesenden unbekannt waren und daher die Beweise und Konklusionen gut kontextualisiert&lt;br /&gt;
werden mussten, damit man ihnen traute. Drittens ermöglichte die extreme Ausführlichkeit überhaupt erst das virtuelle Bezeugen: „If one wrote experimental reports in the correct way, the rea-&lt;br /&gt;
der could take on trust that these things happened. Further, it would be as if that reader had been&lt;br /&gt;
present at the proceedings“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62f.}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Denn würde das Protokoll nur die Ergebnisse des Experiments anführen, könnten sich die Lesenden die experimentelle Szene nicht vorstellen. Durch den umfassenden Charakter des Protokolls können die Lesenden erst zu virtuellen Zeug*innen werden und sind dann in der Position, experimentelle Phänomene als Tatsachen zu validieren.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=63 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Boyle scheute in seinen Versuchsprotokollen auch nicht vor extrem wortreichen, verklausulierten&lt;br /&gt;
Sätze mit vielen Appositionen zurück: Diese sollten die Direktheit und Gleichzeitigkeit der Geschehnisse verdeutlichen, sodass das Beschriebene so realitätsnah wie möglich wirkte. Auch gescheiterte Experimente waren zu beschreiben, denn dies würde die Lesenden überzeugen, dass keine Informationen vorenthalten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=64}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die Geschehnisse in ihrer Gesamtheit geschildert würden. Darüber hinaus helfe dies Boyle, sich als vertrauenswürdigen Mann von Charakter&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Rolle von Vertrauen im Kontext wissenschaftlicher Forschung siehe auch {{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=The way we trust now: The Authority of science and the character of the scientist|Herausgeber*in=Hoodbhoy, P.; Glaser, S.; Shapin, S.|Sammelband=Trust Me, I'm a Scientist|Ort=London|Verlag=The British Council|Jahr=2004}}&amp;lt;/ref&amp;gt; zu inszenieren, da es suggeriert, dass seine eigenes Erkenntnisinteresse nicht die Objektivität seiner Forschung verzerre: „his accounts [served] as unclouded and undistorted mirrors of nature“.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der trockene und komplizierte Stil des Versuchsprotokolls sollte funktional wirken und den Eindruck erwecken, dass man den Lesenden „‚the eye-glasses of a telescope‘“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=66}}&amp;lt;/ref&amp;gt; aufsetzen würde, dass sie also wie mit eigenen Augen auf die Experimentierszene blicken könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese stilistischen Entscheidungen dienten dazu, dass seinen Texten geglaubt würde, man uneingeschränkt Zeug*in seiner experimentellen Erzählungen werden konnte&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die so etablierten Behauptungen auch als Tatsachen auffassen würde. Dabei ist es wichtig her-&lt;br /&gt;
auszustellen, dass das Versuchsprotokoll nicht einfach ein Bericht ist „of what was done elsewhe-&lt;br /&gt;
re; we are dealing with a most important form of experience and the means for extending and va-&lt;br /&gt;
lidating experience“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=484|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das virtuelle Bezeugen stellt somit in erster Linie eine Technik dar, Erfahrung zu vermitteln und zu bestätigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das anhand von Boyles historischem Beispiel entwickelte Konzept des ‚virtual witnessing‘ ist&lt;br /&gt;
auch heute noch für die Wissensproduktion relevant. Denn: „The popularization of science is&lt;br /&gt;
usually understood as the extension of experience from the few to the many“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=481|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Ausdehnung der Erfahrung aus einem kleinen Expert*innenkreis von Wissenschaftler*innen, die unmittelbar an einem Experiment beteiligt sind, auf ein breiteres Publikum wird über die Technik der virtuellen Bezeugung geleistet, da diese es – wie herausgestellt – ermöglicht, das Beschriebene vor dem inneren Auge so konkret nachzuvollziehen, dass man ihm Glauben schenkt. Über die ‚virtual witnessing‘-Technologie lassen sich so wissenschaftliche Konzepte in der Öffentlichkeit verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass mithilfe der Technik des ‚virtual witnessing‘ eine&lt;br /&gt;
„stellvertretende Erfahrung“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Cunningham, S. 208, eig. Übers.) produziert werden soll, die den Leser*innen ermöglicht, ihre Zustimmung zu einem Sachverhalt zu erteilen, als ob sie tatsächlich&lt;br /&gt;
dabei gewesen wären, als ein Experiment durchgeführt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. ebd., eig. Übers.)&lt;br /&gt;
Historiker*innen und Wissenschaftssoziolog*innen haben Shapins und Schaffers Definition des&lt;br /&gt;
‚virtual witnessing‘ erweitert, sodass ‚virtual witnessing’ generell jeden Versuch umfasst, andere&lt;br /&gt;
von einer wissenschaftlichen Erklärung zu überzeugen, ohne dass diese das Experiment oder&lt;br /&gt;
überhaupt das Phänomen selbst erleben müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. Kirby, S. 55, eig. Übers.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können auch&lt;br /&gt;
andere Medienformen als wissenschaftliche Texte ‚virtual witnessing‘ ermöglichen wie z. B. Filme,&lt;br /&gt;
die das Publikum die dargestellten Phänomene als real erleben lassen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, oder [[Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission|Brettspiele]]. Zusammen mit materiellen und sozialen Techniken dient&lt;br /&gt;
diese literarische Technik der Wissensproduktion dazu, die Gewissheit einer Tatsache zu verbreiten.&lt;br /&gt;
Damit das ‚virtual witnessing‘ funktioniert, werden verschiedene sprachliche Mittel eingesetzt, die&lt;br /&gt;
das Beschriebene für die Rezipient*innen so realitätsnah wie möglich wirken lassen, bspw. eine&lt;br /&gt;
hohe Detailfülle oder bei Boyle ein komplexer Satzbau. Aber auch realistische Illustrationen oder&lt;br /&gt;
(heutzutage in Versuchsprotokollen häufiger eingesetzt) Skizzen des Experimentaufbaus werden&lt;br /&gt;
eingesetzt, um den Leser*innen zu ermöglichen, sich das Beschriebene genau vorzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier dargestellte Konzept des ‚virtual witnessing‘ wurde von Steven Shapin und Simon&lt;br /&gt;
Schaffer anhand des Beispiels von Robert Boyle und seinen Experimenten im 17. Jahrhundert&lt;br /&gt;
herausgearbeitet. Boyles ausführliche Beschreibungen und detaillierte Illustrationen sollten selbst&lt;br /&gt;
weit entfernten Wissenschaftlern ermöglichen, seine Experimente indirekt anzusehen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. Kirby,&lt;br /&gt;
S. 55, eig. Übers.), sodass sie seine experimentellen Befunde beglaubigen konnten.&lt;br /&gt;
Im Kern ermöglicht ‚virtual witnessing‘ somit abwesenden Rezipient*innen, ein Phänomen (wie bspw. ein Experiment) indirekt mitanzusehen oder mitzuerleben, indem es durch&lt;br /&gt;
sprachliche Mittel so realitätsnah wie möglich dargestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Rolle von Vertrauen im Kontext wissenschaftlicher Forschung siehe auch Shapin, Steven (2004): &amp;quot;The way we trust now: The authority of science and the character of the scientist.“ Trust Me, I'm a Scientist, hg. von P. Hoodbhoy, D. Glaser und S. Shapin, S. 42-63, London: The British Council.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Belege==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7020</id>
		<title>Benutzer:Nele Fuchs/Werkstatt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7020"/>
		<updated>2026-09-06T19:24:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird die literarische Technologie des '''virtual witnessing''' (dt.: virtuelles Bezeugen) nach Steven Shapin und Simon Schaffer vorgestellt. Mithilfe dieser Methode wird Rezipient*innen ermöglicht, ein beschriebenes Phänomen so nachzuvollziehen, als ob sie selbst bei dessen Beobachtung dabei gewesen wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wissenschaftsgeschichtliche Hintergründe der Debatte ==&lt;br /&gt;
In ihrem 1985 erschienenen Werk ''Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life'' zeichnen die Autoren Steven Shapin und Simon Schaffer die Debatte nach, die Thomas Hobbes und Robert Boyle Mitte des 17. Jahrhunderts um Boyles Experimente mit einer Luftpumpe führten. Diese Debatte trug maßgeblich dazu bei, dass sich das Experiment als wissenschaftliche Methode gegenüber anderen Wissensformen durchsetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn in den späten 1650 und frühen 1660er Jahren, als der irische Naturwissenschaftler Robert&lt;br /&gt;
Boyle in England die sogenannten pneumatischen Experimente durchführte, waren Experimente&lt;br /&gt;
als gültige wissenschaftliche Methode nicht so etabliert, wie sie es für uns heutzutage sind.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass er also im Gegensatz zu zeitgenössisch gleichermaßen anerkannten alternativen Programmen der Wissensproduktion&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026, eig. Übersetzung}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. ebd., eig. Übersetzung) hauptsächlich Experimente als Mittel der&lt;br /&gt;
Wissensgenerierung nutzte, brachte ihm einen Streit mit dem Philosophen Thomas Hobbes ein.&lt;br /&gt;
Im Zentrum dieses Streits über die Experimente mit der Luftpumpe standen die Fragen, „how&lt;br /&gt;
claims were to be authenticated as knowledge. What was to count as knowledge, or ‚science‘?&lt;br /&gt;
How was this to be distinguished from other epistemological categories, such as ‚belief’ and ‚opinion‘?“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Die grundlegende Frage, ob Experimente überhaupt ein geeignetes Mittel sind,&lt;br /&gt;
um etwas über die Eigenschaften der Luft zu erfahren, war zu diesem Zeitpunkt also noch nicht&lt;br /&gt;
geklärt und die Validität der experimentellen Methode musste sich noch durchsetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Schaffer und Shapin so die Bedeutung dieser Debatte für die Geschichte der Wissensproduktion herausarbeiten, stellen sie fest, dass Boyle drei zusammenhängende Technologien&lt;br /&gt;
nutzt, um Tatsachen zu erfassen: eine materielle, eine soziale und eine literarische. Die materielle&lt;br /&gt;
Technologie ist der Apparat oder die Maschine, mit der das Experiment durchgeführt wird. Dieses&lt;br /&gt;
Gerät soll “subjektunabhängige ‘matter[s] of fact’”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; hervorbringen, „denn indem&lt;br /&gt;
Phänomene qua Apparat und damit mechanisch hervorgebracht wurden, sollte ihre Gemachtheit&lt;br /&gt;
durch Menschenhand verdeckt werden“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;: Die Maschine liefert [[Aperspektivische Objektivität|‚objektive’ Tatsachen]].&lt;br /&gt;
Die soziale Technologie bezeichnet den Umstand, dass ein Experiment mit dem Apparat vor anderen vorgeführt wurde, um es mehr Menschen (d. h. in Boyles Fall in erster Linie Wissenschaftlern und der englischen ‚high society‘) zugänglich zu machen und es von ihnen beglaubigen zu&lt;br /&gt;
lassen. Dies erhöhe den experimentellen Befund noch weiter, weil er durch das Kollektiv aus gebildeten Augenzeugen abgesichert war.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Erst durch die kollektive Bezeugung&lt;br /&gt;
der unmittelbar anwesenden Personen gewinnen das Experiment und dessen Ergebnisse an Faktizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um jedoch die Mehrheit derjenigen von den experimentellen Tatsachen zu überzeugen, die dem&lt;br /&gt;
Experiment nicht beiwohnen konnten und auch nicht über die Möglichkeit verfügen, es selber zu&lt;br /&gt;
wiederholen, bediente sich Boyle schließlich der literarischen Technologie des ‚virtual witnessing‘. Shapin und Schaffer verstehen darunter &amp;quot;the production in a 'reader’s' mind of such an image of an experimental scene as obviates the necessity for either direct witness or replication. Through virtual witnessing the multiplication of witnesses could be, in principle, unlimited“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=60 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Shapin und Schaffer, S. 60, Herv. im Orig.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ‚virtuelle Bezeugen’ ermögliche so auch dem Publikum außerhalb des Labors durch literarische Beschreibung und naturgetreue Abbildung des Experiments, indirekt Zeug*innen des Experiments zu werden und den Hergang des Experiments vor ihrem inneren Auge‘ nachzuvollziehen.&lt;br /&gt;
Dadurch, dass so umlimitiert viele Menschen Zeug*innen eines Experiments werden können, würden die experimentellen Befunde noch stärker als Tatsachen abgesichert. Die virtuelle Bezeugung&lt;br /&gt;
ermöglichte so erst das Entstehen „eine[r] wissenschaftliche[n] Öffentlichkeit […], der die Rolle&lt;br /&gt;
zukam, die experimentell erhobenen Tatsachen zu beglaubigen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und verhalf so&lt;br /&gt;
dem Aufstieg experimenteller Methoden im 17. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Merkmale des ‚virtual witnessing‘ bei Boyle ==&lt;br /&gt;
Boyle ermöglichte das ‚virtual witnessing‘ mit dem Schreiben eines Versuchsprotokolls (das Boyle&lt;br /&gt;
als gleichermaßen wichtig wie das Experimentieren selbst erachtete&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) sowie mit naturalistischen Zeichnungen, die den Zeug*innen als Ergänzung oder „visual assistance“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=61 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Text dienen sollten. Das ideale Versuchsprotokoll war für Boyle ein weitschweifiger Bericht über das Experiment in allen Einzelheiten. Diese Detailfülle sah er als notwendig an, weil sie erstens die Replikation des Experiments erleichterte und zweitens die Experimente den Lesenden unbekannt waren und daher die Beweise und Konklusionen gut kontextualisiert&lt;br /&gt;
werden mussten, damit man ihnen traute. Drittens ermöglichte die extreme Ausführlichkeit überhaupt erst das virtuelle Bezeugen: „If one wrote experimental reports in the correct way, the rea-&lt;br /&gt;
der could take on trust that these things happened. Further, it would be as if that reader had been&lt;br /&gt;
present at the proceedings“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62f.}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Denn würde das Protokoll nur die Ergebnisse des Experiments anführen, könnten sich die Lesenden die experimentelle Szene nicht vorstellen. Durch den umfassenden Charakter des Protokolls können die Lesenden erst zu virtuellen Zeug*innen werden und sind dann in der Position, experimentelle Phänomene als Tatsachen zu validieren.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=63 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Boyle scheute in seinen Versuchsprotokollen auch nicht vor extrem wortreichen, verklausulierten&lt;br /&gt;
Sätze mit vielen Appositionen zurück: Diese sollten die Direktheit und Gleichzeitigkeit der Geschehnisse verdeutlichen, sodass das Beschriebene so realitätsnah wie möglich wirkte. Auch gescheiterte Experimente waren zu beschreiben, denn dies würde die Lesenden überzeugen, dass keine Informationen vorenthalten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=64}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die Geschehnisse in ihrer Gesamtheit geschildert würden. Darüber hinaus helfe dies Boyle, sich als vertrauenswürdigen Mann von Charakter&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Rolle von Vertrauen im Kontext wissenschaftlicher Forschung siehe auch {{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=The way we trust now: The Authority of science and the character of the scientist|Herausgeber*in=Hoodbhoy, P.; Glaser, S.; Shapin, S.|Sammelband=Trust Me, I'm a Scientist|Ort=London|Verlag=The British Council|Jahr=2004}}&amp;lt;/ref&amp;gt; zu inszenieren, da es suggeriert, dass seine eigenes Erkenntnisinteresse nicht die Objektivität seiner Forschung verzerre: „his accounts [served] as unclouded and undistorted mirrors of nature“.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der trockene und komplizierte Stil des Versuchsprotokolls sollte funktional wirken und den Eindruck erwecken, dass man den Lesenden „‚the eye-glasses of a telescope‘“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=66}}&amp;lt;/ref&amp;gt; aufsetzen würde, dass sie also wie mit eigenen Augen auf die Experimentierszene blicken könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese stilistischen Entscheidungen dienten dazu, dass seinen Texten geglaubt würde, man uneingeschränkt Zeug*in seiner experimentellen Erzählungen werden konnte&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die so etablierten Behauptungen auch als Tatsachen auffassen würde. Dabei ist es wichtig her-&lt;br /&gt;
auszustellen, dass das Versuchsprotokoll nicht einfach ein Bericht ist „of what was done elsewhe-&lt;br /&gt;
re; we are dealing with a most important form of experience and the means for extending and va-&lt;br /&gt;
lidating experience“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=484|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das virtuelle Bezeugen stellt somit in erster Linie eine Technik dar, Erfahrung zu vermitteln und zu bestätigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das anhand von Boyles historischem Beispiel entwickelte Konzept des ‚virtual witnessing‘ ist&lt;br /&gt;
auch heute noch für die Wissensproduktion relevant. Denn: „The popularization of science is&lt;br /&gt;
usually understood as the extension of experience from the few to the many“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=481|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Ausdehnung der Erfahrung aus einem kleinen Expert*innenkreis von Wissenschaftler*innen, die unmittelbar an einem Experiment beteiligt sind, auf ein breiteres Publikum wird über die Technik der virtuellen Bezeugung geleistet, da diese es – wie herausgestellt – ermöglicht, das Beschriebene vor dem inneren Auge so konkret nachzuvollziehen, dass man ihm Glauben schenkt. Über die ‚virtual witnessing‘-Technologie lassen sich so wissenschaftliche Konzepte in der Öffentlichkeit verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass mithilfe der Technik des ‚virtual witnessing‘ eine&lt;br /&gt;
„stellvertretende Erfahrung“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Cunningham, S. 208, eig. Übers.) produziert werden soll, die den Leser*innen ermöglicht, ihre Zustimmung zu einem Sachverhalt zu erteilen, als ob sie tatsächlich&lt;br /&gt;
dabei gewesen wären, als ein Experiment durchgeführt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. ebd., eig. Übers.)&lt;br /&gt;
Historiker*innen und Wissenschaftssoziolog*innen haben Shapins und Schaffers Definition des&lt;br /&gt;
‚virtual witnessing‘ erweitert, sodass ‚virtual witnessing’ generell jeden Versuch umfasst, andere&lt;br /&gt;
von einer wissenschaftlichen Erklärung zu überzeugen, ohne dass diese das Experiment oder&lt;br /&gt;
überhaupt das Phänomen selbst erleben müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. Kirby, S. 55, eig. Übers.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können auch&lt;br /&gt;
andere Medienformen als wissenschaftliche Texte ‚virtual witnessing‘ ermöglichen wie z. B. Filme,&lt;br /&gt;
die das Publikum die dargestellten Phänomene als real erleben lassen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, oder [[Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission|Brettspiele]]. Zusammen mit materiellen und sozialen Techniken dient&lt;br /&gt;
diese literarische Technik der Wissensproduktion dazu, die Gewissheit einer Tatsache zu verbreiten.&lt;br /&gt;
Damit das ‚virtual witnessing‘ funktioniert, werden verschiedene sprachliche Mittel eingesetzt, die&lt;br /&gt;
das Beschriebene für die Rezipient*innen so realitätsnah wie möglich wirken lassen, bspw. eine&lt;br /&gt;
hohe Detailfülle oder bei Boyle ein komplexer Satzbau. Aber auch realistische Illustrationen oder&lt;br /&gt;
(heutzutage in Versuchsprotokollen häufiger eingesetzt) Skizzen des Experimentaufbaus werden&lt;br /&gt;
eingesetzt, um den Leser*innen zu ermöglichen, sich das Beschriebene genau vorzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier dargestellte Konzept des ‚virtual witnessing‘ wurde von Steven Shapin und Simon&lt;br /&gt;
Schaffer anhand des Beispiels von Robert Boyle und seinen Experimenten im 17. Jahrhundert&lt;br /&gt;
herausgearbeitet. Boyles ausführliche Beschreibungen und detaillierte Illustrationen sollten selbst&lt;br /&gt;
weit entfernten Wissenschaftlern ermöglichen, seine Experimente indirekt anzusehen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. Kirby,&lt;br /&gt;
S. 55, eig. Übers.), sodass sie seine experimentellen Befunde beglaubigen konnten.&lt;br /&gt;
Im Kern ermöglicht ‚virtual witnessing‘ somit abwesenden Rezipient*innen, ein Phänomen (wie bspw. ein Experiment) indirekt mitanzusehen oder mitzuerleben, indem es durch&lt;br /&gt;
sprachliche Mittel so realitätsnah wie möglich dargestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Rolle von Vertrauen im Kontext wissenschaftlicher Forschung siehe auch Shapin, Steven (2004): &amp;quot;The way we trust now: The authority of science and the character of the scientist.“ Trust Me, I'm a Scientist, hg. von P. Hoodbhoy, D. Glaser und S. Shapin, S. 42-63, London: The British Council.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Belege==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7019</id>
		<title>Benutzer:Nele Fuchs/Werkstatt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7019"/>
		<updated>2026-09-06T19:23:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird die literarische Technologie des '''virtual witnessing''' (dt.: virtuelles Bezeugen) nach Steven Shapin und Simon Schaffer vorgestellt. Mithilfe dieser Methode wird Rezipient*innen ermöglicht, ein beschriebenes Phänomen so nachzuvollziehen, als ob sie selbst bei dessen Beobachtung dabei gewesen wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wissenschaftsgeschichtliche Hintergründe der Debatte ==&lt;br /&gt;
In ihrem 1985 erschienenen Werk ''Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life'' zeichnen die Autoren Steven Shapin und Simon Schaffer die Debatte nach, die Thomas Hobbes und Robert Boyle Mitte des 17. Jahrhunderts um Boyles Experimente mit einer Luftpumpe führten. Diese Debatte trug maßgeblich dazu bei, dass sich das Experiment als wissenschaftliche Methode gegenüber anderen Wissensformen durchsetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn in den späten 1650 und frühen 1660er Jahren, als der irische Naturwissenschaftler Robert&lt;br /&gt;
Boyle in England die sogenannten pneumatischen Experimente durchführte, waren Experimente&lt;br /&gt;
als gültige wissenschaftliche Methode nicht so etabliert, wie sie es für uns heutzutage sind.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass er also im Gegensatz zu zeitgenössisch gleichermaßen anerkannten alternativen Programmen der Wissensproduktion&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026, eig. Übersetzung}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. ebd., eig. Übersetzung) hauptsächlich Experimente als Mittel der&lt;br /&gt;
Wissensgenerierung nutzte, brachte ihm einen Streit mit dem Philosophen Thomas Hobbes ein.&lt;br /&gt;
Im Zentrum dieses Streits über die Experimente mit der Luftpumpe standen die Fragen, „how&lt;br /&gt;
claims were to be authenticated as knowledge. What was to count as knowledge, or ‚science‘?&lt;br /&gt;
How was this to be distinguished from other epistemological categories, such as ‚belief’ and ‚opinion‘?“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Die grundlegende Frage, ob Experimente überhaupt ein geeignetes Mittel sind,&lt;br /&gt;
um etwas über die Eigenschaften der Luft zu erfahren, war zu diesem Zeitpunkt also noch nicht&lt;br /&gt;
geklärt und die Validität der experimentellen Methode musste sich noch durchsetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Schaffer und Shapin so die Bedeutung dieser Debatte für die Geschichte der Wissensproduktion herausarbeiten, stellen sie fest, dass Boyle drei zusammenhängende Technologien&lt;br /&gt;
nutzt, um Tatsachen zu erfassen: eine materielle, eine soziale und eine literarische. Die materielle&lt;br /&gt;
Technologie ist der Apparat oder die Maschine, mit der das Experiment durchgeführt wird. Dieses&lt;br /&gt;
Gerät soll “subjektunabhängige ‘matter[s] of fact’”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; hervorbringen, „denn indem&lt;br /&gt;
Phänomene qua Apparat und damit mechanisch hervorgebracht wurden, sollte ihre Gemachtheit&lt;br /&gt;
durch Menschenhand verdeckt werden“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;: Die Maschine liefert [[Aperspektivische Objektivität|‚objektive’ Tatsachen]].&lt;br /&gt;
Die soziale Technologie bezeichnet den Umstand, dass ein Experiment mit dem Apparat vor anderen vorgeführt wurde, um es mehr Menschen (d. h. in Boyles Fall in erster Linie Wissenschaftlern und der englischen ‚high society‘) zugänglich zu machen und es von ihnen beglaubigen zu&lt;br /&gt;
lassen. Dies erhöhe den experimentellen Befund noch weiter, weil er durch das Kollektiv aus gebildeten Augenzeugen abgesichert war.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Erst durch die kollektive Bezeugung&lt;br /&gt;
der unmittelbar anwesenden Personen gewinnen das Experiment und dessen Ergebnisse an Faktizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um jedoch die Mehrheit derjenigen von den experimentellen Tatsachen zu überzeugen, die dem&lt;br /&gt;
Experiment nicht beiwohnen konnten und auch nicht über die Möglichkeit verfügen, es selber zu&lt;br /&gt;
wiederholen, bediente sich Boyle schließlich der literarischen Technologie des ‚virtual witnessing‘. Shapin und Schaffer verstehen darunter &amp;quot;the production in a 'reader’s' mind of such an image of an experimental scene as obviates the necessity for either direct witness or replication. Through virtual witnessing the multiplication of witnesses could be, in principle, unlimited“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=60 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Shapin und Schaffer, S. 60, Herv. im Orig.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ‚virtuelle Bezeugen’ ermögliche so auch dem Publikum außerhalb des Labors durch literarische Beschreibung und naturgetreue Abbildung des Experiments, indirekt Zeug*innen des Experiments zu werden und den Hergang des Experiments vor ihrem inneren Auge‘ nachzuvollziehen.&lt;br /&gt;
Dadurch, dass so umlimitiert viele Menschen Zeug*innen eines Experiments werden können, würden die experimentellen Befunde noch stärker als Tatsachen abgesichert. Die virtuelle Bezeugung&lt;br /&gt;
ermöglichte so erst das Entstehen „eine[r] wissenschaftliche[n] Öffentlichkeit […], der die Rolle&lt;br /&gt;
zukam, die experimentell erhobenen Tatsachen zu beglaubigen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und verhalf so&lt;br /&gt;
dem Aufstieg experimenteller Methoden im 17. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Merkmale des ‚virtual witnessing‘ bei Boyle ==&lt;br /&gt;
Boyle ermöglichte das ‚virtual witnessing‘ mit dem Schreiben eines Versuchsprotokolls (das Boyle&lt;br /&gt;
als gleichermaßen wichtig wie das Experimentieren selbst erachtete&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) sowie mit naturalistischen Zeichnungen, die den Zeug*innen als Ergänzung oder „visual assistance“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=61 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Text dienen sollten. Das ideale Versuchsprotokoll war für Boyle ein weitschweifiger Bericht über das Experiment in allen Einzelheiten. Diese Detailfülle sah er als notwendig an, weil sie erstens die Replikation des Experiments erleichterte und zweitens die Experimente den Lesenden unbekannt waren und daher die Beweise und Konklusionen gut kontextualisiert&lt;br /&gt;
werden mussten, damit man ihnen traute. Drittens ermöglichte die extreme Ausführlichkeit überhaupt erst das virtuelle Bezeugen: „If one wrote experimental reports in the correct way, the rea-&lt;br /&gt;
der could take on trust that these things happened. Further, it would be as if that reader had been&lt;br /&gt;
present at the proceedings“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62f.}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Denn würde das Protokoll nur die Ergebnisse des Experiments anführen, könnten sich die Lesenden die experimentelle Szene nicht vorstellen. Durch den umfassenden Charakter des Protokolls können die Lesenden erst zu virtuellen Zeug*innen werden und sind dann in der Position, experimentelle Phänomene als Tatsachen zu validieren.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=63 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Boyle scheute in seinen Versuchsprotokollen auch nicht vor extrem wortreichen, verklausulierten&lt;br /&gt;
Sätze mit vielen Appositionen zurück: Diese sollten die Direktheit und Gleichzeitigkeit der Geschehnisse verdeutlichen, sodass das Beschriebene so realitätsnah wie möglich wirkte. Auch gescheiterte Experimente waren zu beschreiben, denn dies würde die Lesenden überzeugen, dass keine Informationen vorenthalten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=64}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die Geschehnisse in ihrer Gesamtheit geschildert würden. Darüber hinaus helfe dies Boyle, sich als vertrauenswürdigen Mann von Charakter&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Rolle von Vertrauen im Kontext wissenschaftlicher Forschung siehe auch {{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=The way we trust now: The Authority of science and the character of the scientist|Herausgeber*in=Hoodbhoy, P.; Glaser, S.; Shapin, S.|Sammelband=Trust Me, I'm a Scientist|Ort=London|Verlag=The British Council|Jahr=2004}}&amp;lt;/ref&amp;gt; zu inszenieren, da es suggeriert, dass seine eigenes Erkenntnisinteresse nicht die Objektivität seiner Forschung verzerre: „his accounts [served] as unclouded and undistorted mirrors of nature“.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der trockene, unansprechende und komplizierte Stil des Versuchsprotokolls sollte funktional wirken und den Eindruck erwecken, dass man den Lesenden „‚the eye-glasses of a telescope‘“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=66}}&amp;lt;/ref&amp;gt; aufsetzen würde, dass sie also wie mit eigenen Augen auf die Experimentierszene blicken könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese stilistischen Entscheidungen dienten dazu, dass seinen Texten geglaubt würde, man un-&lt;br /&gt;
eingeschränkt Zeug*in seiner experimentellen Erzählungen werden konnte&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die so etablierten Behauptungen auch als Tatsachen auffassen würde. Dabei ist es wichtig her-&lt;br /&gt;
auszustellen, dass das Versuchsprotokoll nicht einfach ein Bericht ist „of what was done elsewhe-&lt;br /&gt;
re; we are dealing with a most important form of experience and the means for extending and va-&lt;br /&gt;
lidating experience“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=484|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das virtuelle Bezeugen stellt somit in erster Linie eine Technik dar, Erfahrung zu vermitteln und zu bestätigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das anhand von Boyles historischem Beispiel entwickelte Konzept des ‚virtual witnessing‘ ist&lt;br /&gt;
auch heute noch für die Wissensproduktion relevant. Denn: „The popularization of science is&lt;br /&gt;
usually understood as the extension of experience from the few to the many“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=481|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Ausdehnung der Erfahrung aus einem kleinen Expert*innenkreis von Wissenschaftler*innen, die unmittelbar an einem Experiment beteiligt sind, auf ein breiteres Publikum wird über die Technik der virtuellen Bezeugung geleistet, da diese es – wie herausgestellt – ermöglicht, das Beschriebene vor dem inneren Auge so konkret nachzuvollziehen, dass man ihm Glauben schenkt. Über die ‚virtual witnessing‘-Technologie lassen sich so wissenschaftliche Konzepte in der Öffentlichkeit verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass mithilfe der Technik des ‚virtual witnessing‘ eine&lt;br /&gt;
„stellvertretende Erfahrung“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Cunningham, S. 208, eig. Übers.) produziert werden soll, die den Leser*innen ermöglicht, ihre Zustimmung zu einem Sachverhalt zu erteilen, als ob sie tatsächlich&lt;br /&gt;
dabei gewesen wären, als ein Experiment durchgeführt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. ebd., eig. Übers.)&lt;br /&gt;
Historiker*innen und Wissenschaftssoziolog*innen haben Shapins und Schaffers Definition des&lt;br /&gt;
‚virtual witnessing‘ erweitert, sodass ‚virtual witnessing’ generell jeden Versuch umfasst, andere&lt;br /&gt;
von einer wissenschaftlichen Erklärung zu überzeugen, ohne dass diese das Experiment oder&lt;br /&gt;
überhaupt das Phänomen selbst erleben müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. Kirby, S. 55, eig. Übers.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können auch&lt;br /&gt;
andere Medienformen als wissenschaftliche Texte ‚virtual witnessing‘ ermöglichen wie z. B. Filme,&lt;br /&gt;
die das Publikum die dargestellten Phänomene als real erleben lassen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, oder [[Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission|Brettspiele]]. Zusammen mit materiellen und sozialen Techniken dient&lt;br /&gt;
diese literarische Technik der Wissensproduktion dazu, die Gewissheit einer Tatsache zu verbreiten.&lt;br /&gt;
Damit das ‚virtual witnessing‘ funktioniert, werden verschiedene sprachliche Mittel eingesetzt, die&lt;br /&gt;
das Beschriebene für die Rezipient*innen so realitätsnah wie möglich wirken lassen, bspw. eine&lt;br /&gt;
hohe Detailfülle oder bei Boyle ein komplexer Satzbau. Aber auch realistische Illustrationen oder&lt;br /&gt;
(heutzutage in Versuchsprotokollen häufiger eingesetzt) Skizzen des Experimentaufbaus werden&lt;br /&gt;
eingesetzt, um den Leser*innen zu ermöglichen, sich das Beschriebene genau vorzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier dargestellte Konzept des ‚virtual witnessing‘ wurde von Steven Shapin und Simon&lt;br /&gt;
Schaffer anhand des Beispiels von Robert Boyle und seinen Experimenten im 17. Jahrhundert&lt;br /&gt;
herausgearbeitet. Boyles ausführliche Beschreibungen und detaillierte Illustrationen sollten selbst&lt;br /&gt;
weit entfernten Wissenschaftlern ermöglichen, seine Experimente indirekt anzusehen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. Kirby,&lt;br /&gt;
S. 55, eig. Übers.), sodass sie seine experimentellen Befunde beglaubigen konnten.&lt;br /&gt;
Im Kern ermöglicht ‚virtual witnessing‘ somit abwesenden Rezipient*innen, ein Phänomen (wie bspw. ein Experiment) indirekt mitanzusehen oder mitzuerleben, indem es durch&lt;br /&gt;
sprachliche Mittel so realitätsnah wie möglich dargestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Rolle von Vertrauen im Kontext wissenschaftlicher Forschung siehe auch Shapin, Steven (2004): &amp;quot;The way we trust now: The authority of science and the character of the scientist.“ Trust Me, I'm a Scientist, hg. von P. Hoodbhoy, D. Glaser und S. Shapin, S. 42-63, London: The British Council.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Belege==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7018</id>
		<title>Benutzer:Nele Fuchs/Werkstatt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7018"/>
		<updated>2026-09-06T19:22:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird die literarische Technologie des '''virtual witnessing''' (dt.: virtuelles Bezeugen) nach Steven Shapin und Simon Schaffer vorgestellt. Mithilfe dieser Methode wird Rezipient*innen ermöglicht, ein beschriebenes Phänomen so nachzuvollziehen, als ob sie selbst bei dessen Beobachtung dabei gewesen wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wissenschaftsgeschichtliche Hintergründe der Debatte ==&lt;br /&gt;
In ihrem 1985 erschienenen Werk ''Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life'' zeichnen die Autoren Steven Shapin und Simon Schaffer die Debatte nach, die Thomas Hobbes und Robert Boyle Mitte des 17. Jahrhunderts um Boyles Experimente mit einer Luftpumpe führten. Diese Debatte trug maßgeblich dazu bei, dass sich das Experiment als wissenschaftliche Methode gegenüber anderen Wissensformen durchsetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn in den späten 1650 und frühen 1660er Jahren, als der irische Naturwissenschaftler Robert&lt;br /&gt;
Boyle in England die sogenannten pneumatischen Experimente durchführte, waren Experimente&lt;br /&gt;
als gültige wissenschaftliche Methode nicht so etabliert, wie sie es für uns heutzutage sind.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass er also im Gegensatz zu zeitgenössisch gleichermaßen anerkannten alternativen Programmen der Wissensproduktion&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026, eig. Übersetzung}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. ebd., eig. Übersetzung) hauptsächlich Experimente als Mittel der&lt;br /&gt;
Wissensgenerierung nutzte, brachte ihm einen Streit mit dem Philosophen Thomas Hobbes ein.&lt;br /&gt;
Im Zentrum dieses Streits über die Experimente mit der Luftpumpe standen die Fragen, „how&lt;br /&gt;
claims were to be authenticated as knowledge. What was to count as knowledge, or ‚science‘?&lt;br /&gt;
How was this to be distinguished from other epistemological categories, such as ‚belief’ and ‚opinion‘?“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Die grundlegende Frage, ob Experimente überhaupt ein geeignetes Mittel sind,&lt;br /&gt;
um etwas über die Eigenschaften der Luft zu erfahren, war zu diesem Zeitpunkt also noch nicht&lt;br /&gt;
geklärt und die Validität der experimentellen Methode musste sich noch durchsetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Schaffer und Shapin so die Bedeutung dieser Debatte für die Geschichte der Wissensproduktion herausarbeiten, stellen sie fest, dass Boyle drei zusammenhängende Technologien&lt;br /&gt;
nutzt, um Tatsachen zu erfassen: eine materielle, eine soziale und eine literarische. Die materielle&lt;br /&gt;
Technologie ist der Apparat oder die Maschine, mit der das Experiment durchgeführt wird. Dieses&lt;br /&gt;
Gerät soll “subjektunabhängige ‘matter[s] of fact’”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; hervorbringen, „denn indem&lt;br /&gt;
Phänomene qua Apparat und damit mechanisch hervorgebracht wurden, sollte ihre Gemachtheit&lt;br /&gt;
durch Menschenhand verdeckt werden“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;: Die Maschine liefert [[Aperspektivische Objektivität|‚objektive’ Tatsachen]].&lt;br /&gt;
Die soziale Technologie bezeichnet den Umstand, dass ein Experiment mit dem Apparat vor anderen vorgeführt wurde, um es mehr Menschen (d. h. in Boyles Fall in erster Linie Wissenschaftlern und der englischen ‚high society‘) zugänglich zu machen und es von ihnen beglaubigen zu&lt;br /&gt;
lassen. Dies erhöhe den experimentellen Befund noch weiter, weil er durch das Kollektiv aus gebildeten Augenzeugen abgesichert war.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Erst durch die kollektive Bezeugung&lt;br /&gt;
der unmittelbar anwesenden Personen gewinnen das Experiment und dessen Ergebnisse an Faktizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um jedoch die Mehrheit derjenigen von den experimentellen Tatsachen zu überzeugen, die dem&lt;br /&gt;
Experiment nicht beiwohnen konnten und auch nicht über die Möglichkeit verfügen, es selber zu&lt;br /&gt;
wiederholen, bediente sich Boyle schließlich der literarischen Technologie des ‚virtual witnessing‘. Shapin und Schaffer verstehen darunter &amp;quot;the production in a 'reader’s' mind of such an image of an experimental scene as obviates the necessity for either direct witness or replication. Through virtual witnessing the multiplication of witnesses could be, in principle, unlimited“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=60 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Shapin und Schaffer, S. 60, Herv. im Orig.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ‚virtuelle Bezeugen’ ermögliche so auch dem Publikum außerhalb des Labors durch literarische Beschreibung und naturgetreue Abbildung des Experiments, indirekt Zeug*innen des Experiments zu werden und den Hergang des Experiments vor ihrem inneren Auge‘ nachzuvollziehen.&lt;br /&gt;
Dadurch, dass so umlimitiert viele Menschen Zeug*innen eines Experiments werden können, würden die experimentellen Befunde noch stärker als Tatsachen abgesichert. Die virtuelle Bezeugung&lt;br /&gt;
ermöglichte so erst das Entstehen „eine[r] wissenschaftliche[n] Öffentlichkeit […], der die Rolle&lt;br /&gt;
zukam, die experimentell erhobenen Tatsachen zu beglaubigen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und verhalf so&lt;br /&gt;
dem Aufstieg experimenteller Methoden im 17. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Merkmale des ‚virtual witnessing‘ bei Boyle ==&lt;br /&gt;
Boyle ermöglichte das ‚virtual witnessing‘ mit dem Schreiben eines Versuchsprotokolls (das Boyle&lt;br /&gt;
als gleichermaßen wichtig wie das Experimentieren selbst erachtete&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) sowie mit naturalistischen Zeichnungen, die den Zeug*innen als Ergänzung oder „visual assistance“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=61 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Text dienen sollten. Das ideale Versuchsprotokoll war für Boyle ein weitschweifiger Bericht über das Experiment in allen Einzelheiten. Diese Detailfülle sah er als notwendig an, weil sie erstens die Replikation des Experiments erleichterte und zweitens die Experimente den Lesenden unbekannt waren und daher die Beweise und Konklusionen gut kontextualisiert&lt;br /&gt;
werden mussten, damit man ihnen traute. Drittens ermöglichte die extreme Ausführlichkeit überhaupt erst das virtuelle Bezeugen: „If one wrote experimental reports in the correct way, the rea-&lt;br /&gt;
der could take on trust that these things happened. Further, it would be as if that reader had been&lt;br /&gt;
present at the proceedings“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62f.}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Denn würde das Protokoll nur die Ergebnisse des Experiments anführen, könnten sich die Lesenden die experimentelle Szene nicht vorstellen. Durch den umfassenden Charakter des Protokolls können die Lesenden erst zu virtuellen Zeug*innen werden und sind dann in der Position, experimentelle Phänomene als Tatsachen zu validieren.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=63 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Boyle scheute in seinen Versuchsprotokollen auch nicht vor extrem wortreichen, verklausulierten&lt;br /&gt;
Sätze mit vielen Appositionen zurück: Diese sollten die Direktheit und Gleichzeitigkeit der Geschehnisse verdeutlichen, sodass das Beschriebene so realitätsnah wie möglich wirkte. Auch gescheiterte Experimente waren zu beschreiben, denn dies würde die Lesenden überzeugen, dass keine Informationen vorenthalten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=64}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die Geschehnisse in ihrer Gesamtheit geschildert würden. Darüber hinaus helfe dies Boyle, sich als vertrauenswürdigen Mann von Charakter&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in= |Titel= |Ort= |Verlag= |Jahr= }}&amp;lt;/ref&amp;gt; zu inszenieren, da es suggeriert, dass seine eigenes Erkenntnisinteresse nicht die Objektivität seiner Forschung verzerre: „his accounts [served] as unclouded and undistorted mirrors of nature“.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der trockene, unansprechende und komplizierte Stil des Versuchsprotokolls sollte funktional wirken und den Eindruck erwecken, dass man den Lesenden „‚the eye-glasses of a telescope‘“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=66}}&amp;lt;/ref&amp;gt; aufsetzen würde, dass sie also wie mit eigenen Augen auf die Experimentierszene blicken könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese stilistischen Entscheidungen dienten dazu, dass seinen Texten geglaubt würde, man un-&lt;br /&gt;
eingeschränkt Zeug*in seiner experimentellen Erzählungen werden konnte&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die so etablierten Behauptungen auch als Tatsachen auffassen würde. Dabei ist es wichtig her-&lt;br /&gt;
auszustellen, dass das Versuchsprotokoll nicht einfach ein Bericht ist „of what was done elsewhe-&lt;br /&gt;
re; we are dealing with a most important form of experience and the means for extending and va-&lt;br /&gt;
lidating experience“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=484|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das virtuelle Bezeugen stellt somit in erster Linie eine Technik dar, Erfahrung zu vermitteln und zu bestätigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das anhand von Boyles historischem Beispiel entwickelte Konzept des ‚virtual witnessing‘ ist&lt;br /&gt;
auch heute noch für die Wissensproduktion relevant. Denn: „The popularization of science is&lt;br /&gt;
usually understood as the extension of experience from the few to the many“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=481|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Ausdehnung der Erfahrung aus einem kleinen Expert*innenkreis von Wissenschaftler*innen, die unmittelbar an einem Experiment beteiligt sind, auf ein breiteres Publikum wird über die Technik der virtuellen Bezeugung geleistet, da diese es – wie herausgestellt – ermöglicht, das Beschriebene vor dem inneren Auge so konkret nachzuvollziehen, dass man ihm Glauben schenkt. Über die ‚virtual witnessing‘-Technologie lassen sich so wissenschaftliche Konzepte in der Öffentlichkeit verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass mithilfe der Technik des ‚virtual witnessing‘ eine&lt;br /&gt;
„stellvertretende Erfahrung“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Cunningham, S. 208, eig. Übers.) produziert werden soll, die den Leser*innen ermöglicht, ihre Zustimmung zu einem Sachverhalt zu erteilen, als ob sie tatsächlich&lt;br /&gt;
dabei gewesen wären, als ein Experiment durchgeführt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. ebd., eig. Übers.)&lt;br /&gt;
Historiker*innen und Wissenschaftssoziolog*innen haben Shapins und Schaffers Definition des&lt;br /&gt;
‚virtual witnessing‘ erweitert, sodass ‚virtual witnessing’ generell jeden Versuch umfasst, andere&lt;br /&gt;
von einer wissenschaftlichen Erklärung zu überzeugen, ohne dass diese das Experiment oder&lt;br /&gt;
überhaupt das Phänomen selbst erleben müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. Kirby, S. 55, eig. Übers.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können auch&lt;br /&gt;
andere Medienformen als wissenschaftliche Texte ‚virtual witnessing‘ ermöglichen wie z. B. Filme,&lt;br /&gt;
die das Publikum die dargestellten Phänomene als real erleben lassen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, oder [[Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission|Brettspiele]]. Zusammen mit materiellen und sozialen Techniken dient&lt;br /&gt;
diese literarische Technik der Wissensproduktion dazu, die Gewissheit einer Tatsache zu verbreiten.&lt;br /&gt;
Damit das ‚virtual witnessing‘ funktioniert, werden verschiedene sprachliche Mittel eingesetzt, die&lt;br /&gt;
das Beschriebene für die Rezipient*innen so realitätsnah wie möglich wirken lassen, bspw. eine&lt;br /&gt;
hohe Detailfülle oder bei Boyle ein komplexer Satzbau. Aber auch realistische Illustrationen oder&lt;br /&gt;
(heutzutage in Versuchsprotokollen häufiger eingesetzt) Skizzen des Experimentaufbaus werden&lt;br /&gt;
eingesetzt, um den Leser*innen zu ermöglichen, sich das Beschriebene genau vorzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier dargestellte Konzept des ‚virtual witnessing‘ wurde von Steven Shapin und Simon&lt;br /&gt;
Schaffer anhand des Beispiels von Robert Boyle und seinen Experimenten im 17. Jahrhundert&lt;br /&gt;
herausgearbeitet. Boyles ausführliche Beschreibungen und detaillierte Illustrationen sollten selbst&lt;br /&gt;
weit entfernten Wissenschaftlern ermöglichen, seine Experimente indirekt anzusehen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. Kirby,&lt;br /&gt;
S. 55, eig. Übers.), sodass sie seine experimentellen Befunde beglaubigen konnten.&lt;br /&gt;
Im Kern ermöglicht ‚virtual witnessing‘ somit abwesenden Rezipient*innen, ein Phänomen (wie bspw. ein Experiment) indirekt mitanzusehen oder mitzuerleben, indem es durch&lt;br /&gt;
sprachliche Mittel so realitätsnah wie möglich dargestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Rolle von Vertrauen im Kontext wissenschaftlicher Forschung siehe auch Shapin, Steven (2004): &amp;quot;The way we trust now: The authority of science and the character of the scientist.“ Trust Me, I'm a Scientist, hg. von P. Hoodbhoy, D. Glaser und S. Shapin, S. 42-63, London: The British Council.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Belege==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7017</id>
		<title>Benutzer:Nele Fuchs/Werkstatt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7017"/>
		<updated>2026-09-06T19:17:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird die literarische Technologie des '''virtual witnessing''' (dt.: virtuelles Bezeugen) nach Steven Shapin und Simon Schaffer vorgestellt. Mithilfe dieser Methode wird Rezipient*innen ermöglicht, ein beschriebenes Phänomen so nachzuvollziehen, als ob sie selbst bei dessen Beobachtung dabei gewesen wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wissenschaftsgeschichtliche Hintergründe der Debatte ==&lt;br /&gt;
In ihrem 1985 erschienenen Werk ''Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life'' zeichnen die Autoren Steven Shapin und Simon Schaffer die Debatte nach, die Thomas Hobbes und Robert Boyle Mitte des 17. Jahrhunderts um Boyles Experimente mit einer Luftpumpe führten. Diese Debatte trug maßgeblich dazu bei, dass sich das Experiment als wissenschaftliche Methode gegenüber anderen Wissensformen durchsetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn in den späten 1650 und frühen 1660er Jahren, als der irische Naturwissenschaftler Robert&lt;br /&gt;
Boyle in England die sogenannten pneumatischen Experimente durchführte, waren Experimente&lt;br /&gt;
als gültige wissenschaftliche Methode nicht so etabliert, wie sie es für uns heutzutage sind.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass er also im Gegensatz zu zeitgenössisch gleichermaßen anerkannten alternativen Programmen der Wissensproduktion&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026, eig. Übersetzung}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. ebd., eig. Übersetzung) hauptsächlich Experimente als Mittel der&lt;br /&gt;
Wissensgenerierung nutzte, brachte ihm einen Streit mit dem Philosophen Thomas Hobbes ein.&lt;br /&gt;
Im Zentrum dieses Streits über die Experimente mit der Luftpumpe standen die Fragen, „how&lt;br /&gt;
claims were to be authenticated as knowledge. What was to count as knowledge, or ‚science‘?&lt;br /&gt;
How was this to be distinguished from other epistemological categories, such as ‚belief’ and ‚opinion‘?“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Die grundlegende Frage, ob Experimente überhaupt ein geeignetes Mittel sind,&lt;br /&gt;
um etwas über die Eigenschaften der Luft zu erfahren, war zu diesem Zeitpunkt also noch nicht&lt;br /&gt;
geklärt und die Validität der experimentellen Methode musste sich noch durchsetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Schaffer und Shapin so die Bedeutung dieser Debatte für die Geschichte der Wissensproduktion herausarbeiten, stellen sie fest, dass Boyle drei zusammenhängende Technologien&lt;br /&gt;
nutzt, um Tatsachen zu erfassen: eine materielle, eine soziale und eine literarische. Die materielle&lt;br /&gt;
Technologie ist der Apparat oder die Maschine, mit der das Experiment durchgeführt wird. Dieses&lt;br /&gt;
Gerät soll “subjektunabhängige ‘matter[s] of fact’”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; hervorbringen, „denn indem&lt;br /&gt;
Phänomene qua Apparat und damit mechanisch hervorgebracht wurden, sollte ihre Gemachtheit&lt;br /&gt;
durch Menschenhand verdeckt werden“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;: Die Maschine liefert [[Aperspektivische Objektivität|‚objektive’ Tatsachen]].&lt;br /&gt;
Die soziale Technologie bezeichnet den Umstand, dass ein Experiment mit dem Apparat vor anderen vorgeführt wurde, um es mehr Menschen (d. h. in Boyles Fall in erster Linie Wissenschaftlern und der englischen ‚high society‘) zugänglich zu machen und es von ihnen beglaubigen zu&lt;br /&gt;
lassen. Dies erhöhe den experimentellen Befund noch weiter, weil er durch das Kollektiv aus gebildeten Augenzeugen abgesichert war.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Erst durch die kollektive Bezeugung&lt;br /&gt;
der unmittelbar anwesenden Personen gewinnen das Experiment und dessen Ergebnisse an Faktizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um jedoch die Mehrheit derjenigen von den experimentellen Tatsachen zu überzeugen, die dem&lt;br /&gt;
Experiment nicht beiwohnen konnten und auch nicht über die Möglichkeit verfügen, es selber zu&lt;br /&gt;
wiederholen, bediente sich Boyle schließlich der literarischen Technologie des ‚virtual witnessing‘. Shapin und Schaffer verstehen darunter &amp;quot;the production in a 'reader’s' mind of such an image of an experimental scene as obviates the necessity for either direct witness or replication. Through virtual witnessing the multiplication of witnesses could be, in principle, unlimited“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=60 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Shapin und Schaffer, S. 60, Herv. im Orig.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ‚virtuelle Bezeugen’ ermögliche so auch dem Publikum außerhalb des Labors durch literarische Beschreibung und naturgetreue Abbildung des Experiments, indirekt Zeug*innen des Experiments zu werden und den Hergang des Experiments vor ihrem inneren Auge‘ nachzuvollziehen.&lt;br /&gt;
Dadurch, dass so umlimitiert viele Menschen Zeug*innen eines Experiments werden können, würden die experimentellen Befunde noch stärker als Tatsachen abgesichert. Die virtuelle Bezeugung&lt;br /&gt;
ermöglichte so erst das Entstehen „eine[r] wissenschaftliche[n] Öffentlichkeit […], der die Rolle&lt;br /&gt;
zukam, die experimentell erhobenen Tatsachen zu beglaubigen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und verhalf so&lt;br /&gt;
dem Aufstieg experimenteller Methoden im 17. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Merkmale des ‚virtual witnessing‘ bei Boyle ==&lt;br /&gt;
Boyle ermöglichte das ‚virtual witnessing‘ mit dem Schreiben eines Versuchsprotokolls (das Boyle&lt;br /&gt;
als gleichermaßen wichtig wie das Experimentieren selbst erachtete&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) sowie mit naturalistischen Zeichnungen, die den Zeug*innen als Ergänzung oder „visual assistance“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=61 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Text dienen sollten. Das ideale Versuchsprotokoll war für Boyle ein weitschweifiger Bericht über das Experiment in allen Einzelheiten. Diese Detailfülle sah er als notwendig an, weil sie erstens die Replikation des Experiments erleichterte und zweitens die Experimente den Lesenden unbekannt waren und daher die Beweise und Konklusionen gut kontextualisiert&lt;br /&gt;
werden mussten, damit man ihnen traute. Drittens ermöglichte die extreme Ausführlichkeit überhaupt erst das virtuelle Bezeugen: „If one wrote experimental reports in the correct way, the rea-&lt;br /&gt;
der could take on trust that these things happened. Further, it would be as if that reader had been&lt;br /&gt;
present at the proceedings“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62f.}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Denn würde das Protokoll nur die Ergebnisse des Experiments anführen, könnten sich die Lesenden die experimentelle Szene nicht vorstellen. Durch den umfassenden Charakter des Protokolls können die Lesenden erst zu virtuellen Zeug*innen werden und sind dann in der Position, experimentelle Phänomene als Tatsachen zu validieren.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=63 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Boyle scheute in seinen Versuchsprotokollen auch nicht vor extrem wortreichen, verklausulierten&lt;br /&gt;
Sätze mit vielen Appositionen zurück: Diese sollten die Direktheit und Gleichzeitigkeit der Ge-&lt;br /&gt;
schehnisse verdeutlichen&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Rolle von Vertrauen im Kontext wissenschaftlicher Forschung siehe auch {{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=The way we trust now: The Authority of science and the character of the scientist|Herausgeber*in=Hoodbhoy, P.; Glaser, S.; Shapin, S.|Sammelband=Trust Me, I'm a Scientist|Ort=London|Verlag=The British Council|Jahr=2004}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, sodass das Beschriebene so realitätsnah wie möglich wirkte. Auch gescheiterte Experimente waren zu beschreiben, denn dies würde die Lesenden überzeugen, dass keine Informationen vorenthalten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=64}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die Geschehnisse in ihrer Gesamtheit geschildert würden. Darüber hinaus helfe dies Boyle, sich als vertrauenswürdigen Mann von Charakter&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in= |Titel= |Ort= |Verlag= |Jahr= }}&amp;lt;/ref&amp;gt; zu inszenieren, da es suggeriert, dass seine eigenes Erkenntnisinteresse nicht die Objektivität seiner Forschung verzerre: „his accounts [served] as unclouded and undistorted mirrors of nature“.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der trockene, unansprechende und komplizierte Stil des Versuchsprotokolls sollte funktional wirken und den Eindruck erwecken, dass man den Lesenden „‚the eye-glasses of a telescope‘“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=66}}&amp;lt;/ref&amp;gt; aufsetzen würde, dass sie also wie mit eigenen Augen auf die Experimentierszene blicken könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese stilistischen Entscheidungen dienten dazu, dass seinen Texten geglaubt würde, man un-&lt;br /&gt;
eingeschränkt Zeug*in seiner experimentellen Erzählungen werden konnte&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die so etablierten Behauptungen auch als Tatsachen auffassen würde. Dabei ist es wichtig her-&lt;br /&gt;
auszustellen, dass das Versuchsprotokoll nicht einfach ein Bericht ist „of what was done elsewhe-&lt;br /&gt;
re; we are dealing with a most important form of experience and the means for extending and va-&lt;br /&gt;
lidating experience“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=484|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das virtuelle Bezeugen stellt somit in erster Linie eine Technik dar, Erfahrung zu vermitteln und zu bestätigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das anhand von Boyles historischem Beispiel entwickelte Konzept des ‚virtual witnessing‘ ist&lt;br /&gt;
auch heute noch für die Wissensproduktion relevant. Denn: „The popularization of science is&lt;br /&gt;
usually understood as the extension of experience from the few to the many“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=481|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Ausdehnung der Erfahrung aus einem kleinen Expert*innenkreis von Wissenschaftler*innen, die unmittelbar an einem Experiment beteiligt sind, auf ein breiteres Publikum wird über die Technik der virtuellen Bezeugung geleistet, da diese es – wie herausgestellt – ermöglicht, das Beschriebene vor dem inneren Auge so konkret nachzuvollziehen, dass man ihm Glauben schenkt. Über die ‚virtual witnessing‘-Technologie lassen sich so wissenschaftliche Konzepte in der Öffentlichkeit verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass mithilfe der Technik des ‚virtual witnessing‘ eine&lt;br /&gt;
„stellvertretende Erfahrung“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Cunningham, S. 208, eig. Übers.) produziert werden soll, die den Leser*innen ermöglicht, ihre Zustimmung zu einem Sachverhalt zu erteilen, als ob sie tatsächlich&lt;br /&gt;
dabei gewesen wären, als ein Experiment durchgeführt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. ebd., eig. Übers.)&lt;br /&gt;
Historiker*innen und Wissenschaftssoziolog*innen haben Shapins und Schaffers Definition des&lt;br /&gt;
‚virtual witnessing‘ erweitert, sodass ‚virtual witnessing’ generell jeden Versuch umfasst, andere&lt;br /&gt;
von einer wissenschaftlichen Erklärung zu überzeugen, ohne dass diese das Experiment oder&lt;br /&gt;
überhaupt das Phänomen selbst erleben müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. Kirby, S. 55, eig. Übers.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können auch&lt;br /&gt;
andere Medienformen als wissenschaftliche Texte ‚virtual witnessing‘ ermöglichen wie z. B. Filme,&lt;br /&gt;
die das Publikum die dargestellten Phänomene als real erleben lassen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, oder [[Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission|Brettspiele]]. Zusammen mit materiellen und sozialen Techniken dient&lt;br /&gt;
diese literarische Technik der Wissensproduktion dazu, die Gewissheit einer Tatsache zu verbreiten.&lt;br /&gt;
Damit das ‚virtual witnessing‘ funktioniert, werden verschiedene sprachliche Mittel eingesetzt, die&lt;br /&gt;
das Beschriebene für die Rezipient*innen so realitätsnah wie möglich wirken lassen, bspw. eine&lt;br /&gt;
hohe Detailfülle oder bei Boyle ein komplexer Satzbau. Aber auch realistische Illustrationen oder&lt;br /&gt;
(heutzutage in Versuchsprotokollen häufiger eingesetzt) Skizzen des Experimentaufbaus werden&lt;br /&gt;
eingesetzt, um den Leser*innen zu ermöglichen, sich das Beschriebene genau vorzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier dargestellte Konzept des ‚virtual witnessing‘ wurde von Steven Shapin und Simon&lt;br /&gt;
Schaffer anhand des Beispiels von Robert Boyle und seinen Experimenten im 17. Jahrhundert&lt;br /&gt;
herausgearbeitet. Boyles ausführliche Beschreibungen und detaillierte Illustrationen sollten selbst&lt;br /&gt;
weit entfernten Wissenschaftlern ermöglichen, seine Experimente indirekt anzusehen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. Kirby,&lt;br /&gt;
S. 55, eig. Übers.), sodass sie seine experimentellen Befunde beglaubigen konnten.&lt;br /&gt;
Im Kern ermöglicht ‚virtual witnessing‘ somit abwesenden Rezipient*innen, ein Phänomen (wie bspw. ein Experiment) indirekt mitanzusehen oder mitzuerleben, indem es durch&lt;br /&gt;
sprachliche Mittel so realitätsnah wie möglich dargestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Rolle von Vertrauen im Kontext wissenschaftlicher Forschung siehe auch Shapin, Steven (2004): &amp;quot;The way we trust now: The authority of science and the character of the scientist.“ Trust Me, I'm a Scientist, hg. von P. Hoodbhoy, D. Glaser und S. Shapin, S. 42-63, London: The British Council.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Belege==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7016</id>
		<title>Benutzer:Nele Fuchs/Werkstatt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7016"/>
		<updated>2026-09-06T19:16:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird die literarische Technologie des '''virtual witnessing''' (dt.: virtuelles Bezeugen) nach Steven Shapin und Simon Schaffer vorgestellt. Mithilfe dieser Methode wird Rezipient*innen ermöglicht, ein beschriebenes Phänomen so nachzuvollziehen, als ob sie selbst bei dessen Beobachtung dabei gewesen wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wissenschaftsgeschichtliche Hintergründe der Debatte ==&lt;br /&gt;
In ihrem 1985 erschienenen Werk ''Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life'' zeichnen die Autoren Steven Shapin und Simon Schaffer die Debatte nach, die Thomas Hobbes und Robert Boyle Mitte des 17. Jahrhunderts um Boyles Experimente mit einer Luftpumpe führten. Diese Debatte trug maßgeblich dazu bei, dass sich das Experiment als wissenschaftliche Methode gegenüber anderen Wissensformen durchsetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn in den späten 1650 und frühen 1660er Jahren, als der irische Naturwissenschaftler Robert&lt;br /&gt;
Boyle in England die sogenannten pneumatischen Experimente durchführte, waren Experimente&lt;br /&gt;
als gültige wissenschaftliche Methode nicht so etabliert, wie sie es für uns heutzutage sind.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass er also im Gegensatz zu zeitgenössisch gleichermaßen anerkannten alternativen Programmen der Wissensproduktion&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026}}, eig. Übersetzung&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. ebd., eig. Übersetzung) hauptsächlich Experimente als Mittel der&lt;br /&gt;
Wissensgenerierung nutzte, brachte ihm einen Streit mit dem Philosophen Thomas Hobbes ein.&lt;br /&gt;
Im Zentrum dieses Streits über die Experimente mit der Luftpumpe standen die Fragen, „how&lt;br /&gt;
claims were to be authenticated as knowledge. What was to count as knowledge, or ‚science‘?&lt;br /&gt;
How was this to be distinguished from other epistemological categories, such as ‚belief’ and ‚opinion‘?“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Die grundlegende Frage, ob Experimente überhaupt ein geeignetes Mittel sind,&lt;br /&gt;
um etwas über die Eigenschaften der Luft zu erfahren, war zu diesem Zeitpunkt also noch nicht&lt;br /&gt;
geklärt und die Validität der experimentellen Methode musste sich noch durchsetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Schaffer und Shapin so die Bedeutung dieser Debatte für die Geschichte der Wissensproduktion herausarbeiten, stellen sie fest, dass Boyle drei zusammenhängende Technologien&lt;br /&gt;
nutzt, um Tatsachen zu erfassen: eine materielle, eine soziale und eine literarische. Die materielle&lt;br /&gt;
Technologie ist der Apparat oder die Maschine, mit der das Experiment durchgeführt wird. Dieses&lt;br /&gt;
Gerät soll “subjektunabhängige ‘matter[s] of fact’”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; hervorbringen, „denn indem&lt;br /&gt;
Phänomene qua Apparat und damit mechanisch hervorgebracht wurden, sollte ihre Gemachtheit&lt;br /&gt;
durch Menschenhand verdeckt werden“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;: Die Maschine liefert [[Aperspektivische Objektivität|‚objektive’ Tatsachen]].&lt;br /&gt;
Die soziale Technologie bezeichnet den Umstand, dass ein Experiment mit dem Apparat vor anderen vorgeführt wurde, um es mehr Menschen (d. h. in Boyles Fall in erster Linie Wissenschaftlern und der englischen ‚high society‘) zugänglich zu machen und es von ihnen beglaubigen zu&lt;br /&gt;
lassen. Dies erhöhe den experimentellen Befund noch weiter, weil er durch das Kollektiv aus gebildeten Augenzeugen abgesichert war.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Erst durch die kollektive Bezeugung&lt;br /&gt;
der unmittelbar anwesenden Personen gewinnen das Experiment und dessen Ergebnisse an Faktizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um jedoch die Mehrheit derjenigen von den experimentellen Tatsachen zu überzeugen, die dem&lt;br /&gt;
Experiment nicht beiwohnen konnten und auch nicht über die Möglichkeit verfügen, es selber zu&lt;br /&gt;
wiederholen, bediente sich Boyle schließlich der literarischen Technologie des ‚virtual witnessing‘. Shapin und Schaffer verstehen darunter &amp;quot;the production in a 'reader’s' mind of such an image of an experimental scene as obviates the necessity for either direct witness or replication. Through virtual witnessing the multiplication of witnesses could be, in principle, unlimited“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=60 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Shapin und Schaffer, S. 60, Herv. im Orig.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ‚virtuelle Bezeugen’ ermögliche so auch dem Publikum außerhalb des Labors durch literarische Beschreibung und naturgetreue Abbildung des Experiments, indirekt Zeug*innen des Experiments zu werden und den Hergang des Experiments vor ihrem inneren Auge‘ nachzuvollziehen.&lt;br /&gt;
Dadurch, dass so umlimitiert viele Menschen Zeug*innen eines Experiments werden können, würden die experimentellen Befunde noch stärker als Tatsachen abgesichert. Die virtuelle Bezeugung&lt;br /&gt;
ermöglichte so erst das Entstehen „eine[r] wissenschaftliche[n] Öffentlichkeit […], der die Rolle&lt;br /&gt;
zukam, die experimentell erhobenen Tatsachen zu beglaubigen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und verhalf so&lt;br /&gt;
dem Aufstieg experimenteller Methoden im 17. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Merkmale des ‚virtual witnessing‘ bei Boyle ==&lt;br /&gt;
Boyle ermöglichte das ‚virtual witnessing‘ mit dem Schreiben eines Versuchsprotokolls (das Boyle&lt;br /&gt;
als gleichermaßen wichtig wie das Experimentieren selbst erachtete&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) sowie mit naturalistischen Zeichnungen, die den Zeug*innen als Ergänzung oder „visual assistance“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=61 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Text dienen sollten. Das ideale Versuchsprotokoll war für Boyle ein weitschweifiger Bericht über das Experiment in allen Einzelheiten. Diese Detailfülle sah er als notwendig an, weil sie erstens die Replikation des Experiments erleichterte und zweitens die Experimente den Lesenden unbekannt waren und daher die Beweise und Konklusionen gut kontextualisiert&lt;br /&gt;
werden mussten, damit man ihnen traute. Drittens ermöglichte die extreme Ausführlichkeit überhaupt erst das virtuelle Bezeugen: „If one wrote experimental reports in the correct way, the rea-&lt;br /&gt;
der could take on trust that these things happened. Further, it would be as if that reader had been&lt;br /&gt;
present at the proceedings“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62f.}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Denn würde das Protokoll nur die Ergebnisse des Experiments anführen, könnten sich die Lesenden die experimentelle Szene nicht vorstellen. Durch den umfassenden Charakter des Protokolls können die Lesenden erst zu virtuellen Zeug*innen werden und sind dann in der Position, experimentelle Phänomene als Tatsachen zu validieren.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=63 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Boyle scheute in seinen Versuchsprotokollen auch nicht vor extrem wortreichen, verklausulierten&lt;br /&gt;
Sätze mit vielen Appositionen zurück: Diese sollten die Direktheit und Gleichzeitigkeit der Ge-&lt;br /&gt;
schehnisse verdeutlichen&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Rolle von Vertrauen im Kontext wissenschaftlicher Forschung siehe auch {{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=The way we trust now: The Authority of science and the character of the scientist|Herausgeber*in=Hoodbhoy, P.; Glaser, S.; Shapin, S.|Sammelband=Trust Me, I'm a Scientist|Ort=London|Verlag=The British Council|Jahr=2004}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, sodass das Beschriebene so realitätsnah wie möglich wirkte. Auch gescheiterte Experimente waren zu beschreiben, denn dies würde die Lesenden überzeugen, dass keine Informationen vorenthalten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=64}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die Geschehnisse in ihrer Gesamtheit geschildert würden. Darüber hinaus helfe dies Boyle, sich als vertrauenswürdigen Mann von Charakter&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in= |Titel= |Ort= |Verlag= |Jahr= }}&amp;lt;/ref&amp;gt; zu inszenieren, da es suggeriert, dass seine eigenes Erkenntnisinteresse nicht die Objektivität seiner Forschung verzerre: „his accounts [served] as unclouded and undistorted mirrors of nature“.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der trockene, unansprechende und komplizierte Stil des Versuchsprotokolls sollte funktional wirken und den Eindruck erwecken, dass man den Lesenden „‚the eye-glasses of a telescope‘“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=66}}&amp;lt;/ref&amp;gt; aufsetzen würde, dass sie also wie mit eigenen Augen auf die Experimentierszene blicken könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese stilistischen Entscheidungen dienten dazu, dass seinen Texten geglaubt würde, man un-&lt;br /&gt;
eingeschränkt Zeug*in seiner experimentellen Erzählungen werden konnte&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die so etablierten Behauptungen auch als Tatsachen auffassen würde. Dabei ist es wichtig her-&lt;br /&gt;
auszustellen, dass das Versuchsprotokoll nicht einfach ein Bericht ist „of what was done elsewhe-&lt;br /&gt;
re; we are dealing with a most important form of experience and the means for extending and va-&lt;br /&gt;
lidating experience“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=484|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das virtuelle Bezeugen stellt somit in erster Linie eine Technik dar, Erfahrung zu vermitteln und zu bestätigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das anhand von Boyles historischem Beispiel entwickelte Konzept des ‚virtual witnessing‘ ist&lt;br /&gt;
auch heute noch für die Wissensproduktion relevant. Denn: „The popularization of science is&lt;br /&gt;
usually understood as the extension of experience from the few to the many“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=481|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Ausdehnung der Erfahrung aus einem kleinen Expert*innenkreis von Wissenschaftler*innen, die unmittelbar an einem Experiment beteiligt sind, auf ein breiteres Publikum wird über die Technik der virtuellen Bezeugung geleistet, da diese es – wie herausgestellt – ermöglicht, das Beschriebene vor dem inneren Auge so konkret nachzuvollziehen, dass man ihm Glauben schenkt. Über die ‚virtual witnessing‘-Technologie lassen sich so wissenschaftliche Konzepte in der Öffentlichkeit verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass mithilfe der Technik des ‚virtual witnessing‘ eine&lt;br /&gt;
„stellvertretende Erfahrung“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Cunningham, S. 208, eig. Übers.) produziert werden soll, die den Leser*innen ermöglicht, ihre Zustimmung zu einem Sachverhalt zu erteilen, als ob sie tatsächlich&lt;br /&gt;
dabei gewesen wären, als ein Experiment durchgeführt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. ebd., eig. Übers.)&lt;br /&gt;
Historiker*innen und Wissenschaftssoziolog*innen haben Shapins und Schaffers Definition des&lt;br /&gt;
‚virtual witnessing‘ erweitert, sodass ‚virtual witnessing’ generell jeden Versuch umfasst, andere&lt;br /&gt;
von einer wissenschaftlichen Erklärung zu überzeugen, ohne dass diese das Experiment oder&lt;br /&gt;
überhaupt das Phänomen selbst erleben müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. Kirby, S. 55, eig. Übers.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können auch&lt;br /&gt;
andere Medienformen als wissenschaftliche Texte ‚virtual witnessing‘ ermöglichen wie z. B. Filme,&lt;br /&gt;
die das Publikum die dargestellten Phänomene als real erleben lassen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, oder [[Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission|Brettspiele]]. Zusammen mit materiellen und sozialen Techniken dient&lt;br /&gt;
diese literarische Technik der Wissensproduktion dazu, die Gewissheit einer Tatsache zu verbreiten.&lt;br /&gt;
Damit das ‚virtual witnessing‘ funktioniert, werden verschiedene sprachliche Mittel eingesetzt, die&lt;br /&gt;
das Beschriebene für die Rezipient*innen so realitätsnah wie möglich wirken lassen, bspw. eine&lt;br /&gt;
hohe Detailfülle oder bei Boyle ein komplexer Satzbau. Aber auch realistische Illustrationen oder&lt;br /&gt;
(heutzutage in Versuchsprotokollen häufiger eingesetzt) Skizzen des Experimentaufbaus werden&lt;br /&gt;
eingesetzt, um den Leser*innen zu ermöglichen, sich das Beschriebene genau vorzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier dargestellte Konzept des ‚virtual witnessing‘ wurde von Steven Shapin und Simon&lt;br /&gt;
Schaffer anhand des Beispiels von Robert Boyle und seinen Experimenten im 17. Jahrhundert&lt;br /&gt;
herausgearbeitet. Boyles ausführliche Beschreibungen und detaillierte Illustrationen sollten selbst&lt;br /&gt;
weit entfernten Wissenschaftlern ermöglichen, seine Experimente indirekt anzusehen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. Kirby,&lt;br /&gt;
S. 55, eig. Übers.), sodass sie seine experimentellen Befunde beglaubigen konnten.&lt;br /&gt;
Im Kern ermöglicht ‚virtual witnessing‘ somit abwesenden Rezipient*innen, ein Phänomen (wie bspw. ein Experiment) indirekt mitanzusehen oder mitzuerleben, indem es durch&lt;br /&gt;
sprachliche Mittel so realitätsnah wie möglich dargestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Rolle von Vertrauen im Kontext wissenschaftlicher Forschung siehe auch Shapin, Steven (2004): &amp;quot;The way we trust now: The authority of science and the character of the scientist.“ Trust Me, I'm a Scientist, hg. von P. Hoodbhoy, D. Glaser und S. Shapin, S. 42-63, London: The British Council.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Belege==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7015</id>
		<title>Benutzer:Nele Fuchs/Werkstatt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7015"/>
		<updated>2026-09-06T19:09:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird die literarische Technologie des '''virtual witnessing''' (dt.: virtuelles Bezeugen) nach Steven Shapin und Simon Schaffer vorgestellt. Mithilfe dieser Methode wird Rezipient*innen ermöglicht, ein beschriebenes Phänomen so nachzuvollziehen, als ob sie selbst bei dessen Beobachtung dabei gewesen wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wissenschaftsgeschichtliche Hintergründe der Debatte ==&lt;br /&gt;
In ihrem 1985 erschienenen Werk ''Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life'' zeichnen die Autoren Steven Shapin und Simon Schaffer die Debatte nach, die Thomas Hobbes und Robert Boyle Mitte des 17. Jahrhunderts um Boyles Experimente mit einer Luftpumpe führten. Diese Debatte trug maßgeblich dazu bei, dass sich das Experiment als wissenschaftliche Methode gegenüber anderen Wissensformen durchsetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn in den späten 1650 und frühen 1660er Jahren, als der irische Naturwissenschaftler Robert&lt;br /&gt;
Boyle in England die sogenannten pneumatischen Experimente durchführte, waren Experimente&lt;br /&gt;
als gültige wissenschaftliche Methode nicht so etabliert, wie sie es für uns heutzutage sind.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass er also im Gegensatz zu zeitgenössisch gleichermaßen anerkannten alternativen Programmen der Wissensproduktion&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. ebd., eig. Übersetzung) hauptsächlich Experimente als Mittel der&lt;br /&gt;
Wissensgenerierung nutzte, brachte ihm einen Streit mit dem Philosophen Thomas Hobbes ein.&lt;br /&gt;
Im Zentrum dieses Streits über die Experimente mit der Luftpumpe standen die Fragen, „how&lt;br /&gt;
claims were to be authenticated as knowledge. What was to count as knowledge, or ‚science‘?&lt;br /&gt;
How was this to be distinguished from other epistemological categories, such as ‚belief’ and ‚opinion‘?“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Die grundlegende Frage, ob Experimente überhaupt ein geeignetes Mittel sind,&lt;br /&gt;
um etwas über die Eigenschaften der Luft zu erfahren, war zu diesem Zeitpunkt also noch nicht&lt;br /&gt;
geklärt und die Validität der experimentellen Methode musste sich noch durchsetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Schaffer und Shapin so die Bedeutung dieser Debatte für die Geschichte der Wissensproduktion herausarbeiten, stellen sie fest, dass Boyle drei zusammenhängende Technologien&lt;br /&gt;
nutzt, um Tatsachen zu erfassen: eine materielle, eine soziale und eine literarische. Die materielle&lt;br /&gt;
Technologie ist der Apparat oder die Maschine, mit der das Experiment durchgeführt wird. Dieses&lt;br /&gt;
Gerät soll “subjektunabhängige ‘matter[s] of fact’”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; hervorbringen, „denn indem&lt;br /&gt;
Phänomene qua Apparat und damit mechanisch hervorgebracht wurden, sollte ihre Gemachtheit&lt;br /&gt;
durch Menschenhand verdeckt werden“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;: Die Maschine liefert [[Aperspektivische Objektivität|‚objektive’ Tatsachen]].&lt;br /&gt;
Die soziale Technologie bezeichnet den Umstand, dass ein Experiment mit dem Apparat vor anderen vorgeführt wurde, um es mehr Menschen (d. h. in Boyles Fall in erster Linie Wissenschaftlern und der englischen ‚high society‘) zugänglich zu machen und es von ihnen beglaubigen zu&lt;br /&gt;
lassen. Dies erhöhe den experimentellen Befund noch weiter, weil er durch das Kollektiv aus gebildeten Augenzeugen abgesichert war.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Erst durch die kollektive Bezeugung&lt;br /&gt;
der unmittelbar anwesenden Personen gewinnen das Experiment und dessen Ergebnisse an Faktizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um jedoch die Mehrheit derjenigen von den experimentellen Tatsachen zu überzeugen, die dem&lt;br /&gt;
Experiment nicht beiwohnen konnten und auch nicht über die Möglichkeit verfügen, es selber zu&lt;br /&gt;
wiederholen, bediente sich Boyle schließlich der literarischen Technologie des ‚virtual witnessing‘. Shapin und Schaffer verstehen darunter &amp;quot;the production in a 'reader’s' mind of such an image of an experimental scene as obviates the necessity for either direct witness or replication. Through virtual witnessing the multiplication of witnesses could be, in principle, unlimited“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=60 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Shapin und Schaffer, S. 60, Herv. im Orig.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ‚virtuelle Bezeugen’ ermögliche so auch dem Publikum außerhalb des Labors durch literarische Beschreibung und naturgetreue Abbildung des Experiments, indirekt Zeug*innen des Experiments zu werden und den Hergang des Experiments vor ihrem inneren Auge‘ nachzuvollziehen.&lt;br /&gt;
Dadurch, dass so umlimitiert viele Menschen Zeug*innen eines Experiments werden können, würden die experimentellen Befunde noch stärker als Tatsachen abgesichert. Die virtuelle Bezeugung&lt;br /&gt;
ermöglichte so erst das Entstehen „eine[r] wissenschaftliche[n] Öffentlichkeit […], der die Rolle&lt;br /&gt;
zukam, die experimentell erhobenen Tatsachen zu beglaubigen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und verhalf so&lt;br /&gt;
dem Aufstieg experimenteller Methoden im 17. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Merkmale des ‚virtual witnessing‘ bei Boyle ==&lt;br /&gt;
Boyle ermöglichte das ‚virtual witnessing‘ mit dem Schreiben eines Versuchsprotokolls (das Boyle&lt;br /&gt;
als gleichermaßen wichtig wie das Experimentieren selbst erachtete&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) sowie mit naturalistischen Zeichnungen, die den Zeug*innen als Ergänzung oder „visual assistance“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=61 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Text dienen sollten. Das ideale Versuchsprotokoll war für Boyle ein weitschweifiger Bericht über das Experiment in allen Einzelheiten. Diese Detailfülle sah er als notwendig an, weil sie erstens die Replikation des Experiments erleichterte und zweitens die Experimente den Lesenden unbekannt waren und daher die Beweise und Konklusionen gut kontextualisiert&lt;br /&gt;
werden mussten, damit man ihnen traute. Drittens ermöglichte die extreme Ausführlichkeit überhaupt erst das virtuelle Bezeugen: „If one wrote experimental reports in the correct way, the rea-&lt;br /&gt;
der could take on trust that these things happened. Further, it would be as if that reader had been&lt;br /&gt;
present at the proceedings“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62f.}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Denn würde das Protokoll nur die Ergebnisse des Experiments anführen, könnten sich die Lesenden die experimentelle Szene nicht vorstellen. Durch den umfassenden Charakter des Protokolls können die Lesenden erst zu virtuellen Zeug*innen werden und sind dann in der Position, experimentelle Phänomene als Tatsachen zu validieren.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=63 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Boyle scheute in seinen Versuchsprotokollen auch nicht vor extrem wortreichen, verklausulierten&lt;br /&gt;
Sätze mit vielen Appositionen zurück: Diese sollten die Direktheit und Gleichzeitigkeit der Ge-&lt;br /&gt;
schehnisse verdeutlichen&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Rolle von Vertrauen im Kontext wissenschaftlicher Forschung siehe auch {{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=The way we trust now: The Authority of science and the character of the scientist|Herausgeber*in=Hoodbhoy, P.; Glaser, S.; Shapin, S.|Sammelband=Trust Me, I'm a Scientist|Ort=London|Verlag=The British Council|Jahr=2004}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, sodass das Beschriebene so realitätsnah wie möglich wirkte. Auch gescheiterte Experimente waren zu beschreiben, denn dies würde die Lesenden überzeugen, dass keine Informationen vorenthalten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=64}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die Geschehnisse in ihrer Gesamtheit geschildert würden. Darüber hinaus helfe dies Boyle, sich als vertrauenswürdigen Mann von Charakter&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in= |Titel= |Ort= |Verlag= |Jahr= }}&amp;lt;/ref&amp;gt; zu inszenieren, da es suggeriert, dass seine eigenes Erkenntnisinteresse nicht die Objektivität seiner Forschung verzerre: „his accounts [served] as unclouded and undistorted mirrors of nature“.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der trockene, unansprechende und komplizierte Stil des Versuchsprotokolls sollte funktional wirken und den Eindruck erwecken, dass man den Lesenden „‚the eye-glasses of a telescope‘“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=66}}&amp;lt;/ref&amp;gt; aufsetzen würde, dass sie also wie mit eigenen Augen auf die Experimentierszene blicken könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese stilistischen Entscheidungen dienten dazu, dass seinen Texten geglaubt würde, man un-&lt;br /&gt;
eingeschränkt Zeug*in seiner experimentellen Erzählungen werden konnte&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die so etablierten Behauptungen auch als Tatsachen auffassen würde. Dabei ist es wichtig her-&lt;br /&gt;
auszustellen, dass das Versuchsprotokoll nicht einfach ein Bericht ist „of what was done elsewhe-&lt;br /&gt;
re; we are dealing with a most important form of experience and the means for extending and va-&lt;br /&gt;
lidating experience“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=484|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das virtuelle Bezeugen stellt somit in erster Linie eine Technik dar, Erfahrung zu vermitteln und zu bestätigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das anhand von Boyles historischem Beispiel entwickelte Konzept des ‚virtual witnessing‘ ist&lt;br /&gt;
auch heute noch für die Wissensproduktion relevant. Denn: „The popularization of science is&lt;br /&gt;
usually understood as the extension of experience from the few to the many“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=481|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Ausdehnung der Erfahrung aus einem kleinen Expert*innenkreis von Wissenschaftler*innen, die unmittelbar an einem Experiment beteiligt sind, auf ein breiteres Publikum wird über die Technik der virtuellen Bezeugung geleistet, da diese es – wie herausgestellt – ermöglicht, das Beschriebene vor dem inneren Auge so konkret nachzuvollziehen, dass man ihm Glauben schenkt. Über die ‚virtual witnessing‘-Technologie lassen sich so wissenschaftliche Konzepte in der Öffentlichkeit verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass mithilfe der Technik des ‚virtual witnessing‘ eine&lt;br /&gt;
„stellvertretende Erfahrung“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Cunningham, S. 208, eig. Übers.) produziert werden soll, die den Leser*innen ermöglicht, ihre Zustimmung zu einem Sachverhalt zu erteilen, als ob sie tatsächlich&lt;br /&gt;
dabei gewesen wären, als ein Experiment durchgeführt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. ebd., eig. Übers.)&lt;br /&gt;
Historiker*innen und Wissenschaftssoziolog*innen haben Shapins und Schaffers Definition des&lt;br /&gt;
‚virtual witnessing‘ erweitert, sodass ‚virtual witnessing’ generell jeden Versuch umfasst, andere&lt;br /&gt;
von einer wissenschaftlichen Erklärung zu überzeugen, ohne dass diese das Experiment oder&lt;br /&gt;
überhaupt das Phänomen selbst erleben müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. Kirby, S. 55, eig. Übers.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können auch&lt;br /&gt;
andere Medienformen als wissenschaftliche Texte ‚virtual witnessing‘ ermöglichen wie z. B. Filme,&lt;br /&gt;
die das Publikum die dargestellten Phänomene als real erleben lassen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, oder [[Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission|Brettspiele]]. Zusammen mit materiellen und sozialen Techniken dient&lt;br /&gt;
diese literarische Technik der Wissensproduktion dazu, die Gewissheit einer Tatsache zu verbreiten.&lt;br /&gt;
Damit das ‚virtual witnessing‘ funktioniert, werden verschiedene sprachliche Mittel eingesetzt, die&lt;br /&gt;
das Beschriebene für die Rezipient*innen so realitätsnah wie möglich wirken lassen, bspw. eine&lt;br /&gt;
hohe Detailfülle oder bei Boyle ein komplexer Satzbau. Aber auch realistische Illustrationen oder&lt;br /&gt;
(heutzutage in Versuchsprotokollen häufiger eingesetzt) Skizzen des Experimentaufbaus werden&lt;br /&gt;
eingesetzt, um den Leser*innen zu ermöglichen, sich das Beschriebene genau vorzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier dargestellte Konzept des ‚virtual witnessing‘ wurde von Steven Shapin und Simon&lt;br /&gt;
Schaffer anhand des Beispiels von Robert Boyle und seinen Experimenten im 17. Jahrhundert&lt;br /&gt;
herausgearbeitet. Boyles ausführliche Beschreibungen und detaillierte Illustrationen sollten selbst&lt;br /&gt;
weit entfernten Wissenschaftlern ermöglichen, seine Experimente indirekt anzusehen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. Kirby,&lt;br /&gt;
S. 55, eig. Übers.), sodass sie seine experimentellen Befunde beglaubigen konnten.&lt;br /&gt;
Im Kern ermöglicht ‚virtual witnessing‘ somit abwesenden Rezipient*innen, ein Phänomen (wie bspw. ein Experiment) indirekt mitanzusehen oder mitzuerleben, indem es durch&lt;br /&gt;
sprachliche Mittel so realitätsnah wie möglich dargestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Rolle von Vertrauen im Kontext wissenschaftlicher Forschung siehe auch Shapin, Steven (2004): &amp;quot;The way we trust now: The authority of science and the character of the scientist.“ Trust Me, I'm a Scientist, hg. von P. Hoodbhoy, D. Glaser und S. Shapin, S. 42-63, London: The British Council.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Belege==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7014</id>
		<title>Benutzer:Nele Fuchs/Werkstatt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7014"/>
		<updated>2026-09-06T19:05:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird die literarische Technologie des '''virtual witnessing''' (dt.: virtuelles Bezeugen) nach Steven Shapin und Simon Schaffer vorgestellt. Mithilfe dieser Methode wird Rezipient*innen ermöglicht, ein beschriebenes Phänomen so nachzuvollziehen, als ob sie selbst bei dessen Beobachtung dabei gewesen wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wissenschaftsgeschichtliche Hintergründe der Debatte ==&lt;br /&gt;
In ihrem 1985 erschienenen Werk ''Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life'' zeichnen die Autoren Steven Shapin und Simon Schaffer die Debatte nach, die Thomas Hobbes und Robert Boyle Mitte des 17. Jahrhunderts um Boyles Experimente mit einer Luftpumpe führten. Diese Debatte trug maßgeblich dazu bei, dass sich das Experiment als wissenschaftliche Methode gegenüber anderen Wissensformen durchsetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn in den späten 1650 und frühen 1660er Jahren, als der irische Naturwissenschaftler Robert&lt;br /&gt;
Boyle in England die sogenannten pneumatischen Experimente durchführte, waren Experimente&lt;br /&gt;
als gültige wissenschaftliche Methode nicht so etabliert, wie sie es für uns heutzutage sind.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass er also im Gegensatz zu zeitgenössisch gleichermaßen anerkannten alternativen Programmen der Wissensproduktion&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. ebd., eig. Übersetzung) hauptsächlich Experimente als Mittel der&lt;br /&gt;
Wissensgenerierung nutzte, brachte ihm einen Streit mit dem Philosophen Thomas Hobbes ein.&lt;br /&gt;
Im Zentrum dieses Streits über die Experimente mit der Luftpumpe standen die Fragen, „how&lt;br /&gt;
claims were to be authenticated as knowledge. What was to count as knowledge, or ‚science‘?&lt;br /&gt;
How was this to be distinguished from other epistemological categories, such as ‚belief’ and ‚opinion‘?“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Die grundlegende Frage, ob Experimente überhaupt ein geeignetes Mittel sind,&lt;br /&gt;
um etwas über die Eigenschaften der Luft zu erfahren, war zu diesem Zeitpunkt also noch nicht&lt;br /&gt;
geklärt und die Validität der experimentellen Methode musste sich noch durchsetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Schaffer und Shapin so die Bedeutung dieser Debatte für die Geschichte der Wissensproduktion herausarbeiten, stellen sie fest, dass Boyle drei zusammenhängende Technologien&lt;br /&gt;
nutzt, um Tatsachen zu erfassen: eine materielle, eine soziale und eine literarische. Die materielle&lt;br /&gt;
Technologie ist der Apparat oder die Maschine, mit der das Experiment durchgeführt wird. Dieses&lt;br /&gt;
Gerät soll “subjektunabhängige ‘matter[s] of fact’”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; hervorbringen, „denn indem&lt;br /&gt;
Phänomene qua Apparat und damit mechanisch hervorgebracht wurden, sollte ihre Gemachtheit&lt;br /&gt;
durch Menschenhand verdeckt werden“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;: Die Maschine liefert [[Aperspektivische Objektivität|‚objektive’ Tatsachen]].&lt;br /&gt;
Die soziale Technologie bezeichnet den Umstand, dass ein Experiment mit dem Apparat vor anderen vorgeführt wurde, um es mehr Menschen (d. h. in Boyles Fall in erster Linie Wissenschaftlern und der englischen ‚high society‘) zugänglich zu machen und es von ihnen beglaubigen zu&lt;br /&gt;
lassen. Dies erhöhe den experimentellen Befund noch weiter, weil er durch das Kollektiv aus gebildeten Augenzeugen abgesichert war.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Erst durch die kollektive Bezeugung&lt;br /&gt;
der unmittelbar anwesenden Personen gewinnen das Experiment und dessen Ergebnisse an Faktizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um jedoch die Mehrheit derjenigen von den experimentellen Tatsachen zu überzeugen, die dem&lt;br /&gt;
Experiment nicht beiwohnen konnten und auch nicht über die Möglichkeit verfügen, es selber zu&lt;br /&gt;
wiederholen, bediente sich Boyle schließlich der literarischen Technologie des ‚virtual witnessing‘. Shapin und Schaffer verstehen darunter &amp;quot;the production in a 'reader’s' mind of such an image of an experimental scene as obviates the necessity for either direct witness or replication. Through virtual witnessing the multiplication of witnesses could be, in principle, unlimited“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=60 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Shapin und Schaffer, S. 60, Herv. im Orig.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ‚virtuelle Bezeugen’ ermögliche so auch dem Publikum außerhalb des Labors durch literarische Beschreibung und naturgetreue Abbildung des Experiments, indirekt Zeug*innen des Experiments zu werden und den Hergang des Experiments vor ihrem inneren Auge‘ nachzuvollziehen.&lt;br /&gt;
Dadurch, dass so umlimitiert viele Menschen Zeug*innen eines Experiments werden können, würden die experimentellen Befunde noch stärker als Tatsachen abgesichert. Die virtuelle Bezeugung&lt;br /&gt;
ermöglichte so erst das Entstehen „eine[r] wissenschaftliche[n] Öffentlichkeit […], der die Rolle&lt;br /&gt;
zukam, die experimentell erhobenen Tatsachen zu beglaubigen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und verhalf so&lt;br /&gt;
dem Aufstieg experimenteller Methoden im 17. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Merkmale des ‚virtual witnessing‘ bei Boyle ==&lt;br /&gt;
Boyle ermöglichte das ‚virtual witnessing‘ mit dem Schreiben eines Versuchsprotokolls (das Boyle&lt;br /&gt;
als gleichermaßen wichtig wie das Experimentieren selbst erachtete&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) sowie mit naturalistischen Zeichnungen, die den Zeug*innen als Ergänzung oder „visual assistance“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=61 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Text dienen sollten. Das ideale Versuchsprotokoll war für Boyle ein weitschweifiger Bericht über das Experiment in allen Einzelheiten. Diese Detailfülle sah er als notwendig an, weil sie erstens die Replikation des Experiments erleichterte und zweitens die Experimente den Lesenden unbekannt waren und daher die Beweise und Konklusionen gut kontextualisiert&lt;br /&gt;
werden mussten, damit man ihnen traute. Drittens ermöglichte die extreme Ausführlichkeit überhaupt erst das virtuelle Bezeugen: „If one wrote experimental reports in the correct way, the rea-&lt;br /&gt;
der could take on trust that these things happened. Further, it would be as if that reader had been&lt;br /&gt;
present at the proceedings“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62f.}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Denn würde das Protokoll nur die Ergebnisse des Experiments anführen, könnten sich die Lesenden die experimentelle Szene nicht vorstellen. Durch den umfassenden Charakter des Protokolls können die Lesenden erst zu virtuellen Zeug*innen werden und sind dann in der Position, experimentelle Phänomene als Tatsachen zu validieren.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=63 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Boyle scheute in seinen Versuchsprotokollen auch nicht vor extrem wortreichen, verklausulierten&lt;br /&gt;
Sätze mit vielen Appositionen zurück: Diese sollten die Direktheit und Gleichzeitigkeit der Ge-&lt;br /&gt;
schehnisse verdeutlichen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=63f.}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, sodass das Beschriebene so realitätsnah wie möglich wirkte. Auch gescheiterte Experimente waren zu beschreiben, denn dies würde die Lesenden überzeugen, dass keine Informationen vorenthalten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=64}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die Geschehnisse in ihrer Gesamtheit geschildert würden. Darüber hinaus helfe dies Boyle, sich als vertrauenswürdigen Mann von Charakter zu inszenieren, da es suggeriert, dass seine eigenes Erkenntnisinteresse nicht die Objektivität seiner Forschung verzerre: „his accounts [served] as unclouded and undistorted mirrors of nature“.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der trockene, unansprechende und komplizierte Stil des Versuchsprotokolls sollte funktional wirken und den Eindruck erwecken, dass man den Lesenden „‚the eye-glasses of a telescope‘“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=66}}&amp;lt;/ref&amp;gt; aufsetzen würde, dass sie also wie mit eigenen Augen auf die Experimentierszene blicken könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese stilistischen Entscheidungen dienten dazu, dass seinen Texten geglaubt würde, man un-&lt;br /&gt;
eingeschränkt Zeug*in seiner experimentellen Erzählungen werden konnte&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die so etablierten Behauptungen auch als Tatsachen auffassen würde. Dabei ist es wichtig her-&lt;br /&gt;
auszustellen, dass das Versuchsprotokoll nicht einfach ein Bericht ist „of what was done elsewhe-&lt;br /&gt;
re; we are dealing with a most important form of experience and the means for extending and va-&lt;br /&gt;
lidating experience“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=484|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das virtuelle Bezeugen stellt somit in erster Linie eine Technik dar, Erfahrung zu vermitteln und zu bestätigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das anhand von Boyles historischem Beispiel entwickelte Konzept des ‚virtual witnessing‘ ist&lt;br /&gt;
auch heute noch für die Wissensproduktion relevant. Denn: „The popularization of science is&lt;br /&gt;
usually understood as the extension of experience from the few to the many“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=481|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Ausdehnung der Erfahrung aus einem kleinen Expert*innenkreis von Wissenschaftler*innen, die unmittelbar an einem Experiment beteiligt sind, auf ein breiteres Publikum wird über die Technik der virtuellen Bezeugung geleistet, da diese es – wie herausgestellt – ermöglicht, das Beschriebene vor dem inneren Auge so konkret nachzuvollziehen, dass man ihm Glauben schenkt. Über die ‚virtual witnessing‘-Technologie lassen sich so wissenschaftliche Konzepte in der Öffentlichkeit verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass mithilfe der Technik des ‚virtual witnessing‘ eine&lt;br /&gt;
„stellvertretende Erfahrung“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Cunningham, S. 208, eig. Übers.) produziert werden soll, die den Leser*innen ermöglicht, ihre Zustimmung zu einem Sachverhalt zu erteilen, als ob sie tatsächlich&lt;br /&gt;
dabei gewesen wären, als ein Experiment durchgeführt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. ebd., eig. Übers.)&lt;br /&gt;
Historiker*innen und Wissenschaftssoziolog*innen haben Shapins und Schaffers Definition des&lt;br /&gt;
‚virtual witnessing‘ erweitert, sodass ‚virtual witnessing’ generell jeden Versuch umfasst, andere&lt;br /&gt;
von einer wissenschaftlichen Erklärung zu überzeugen, ohne dass diese das Experiment oder&lt;br /&gt;
überhaupt das Phänomen selbst erleben müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. Kirby, S. 55, eig. Übers.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können auch&lt;br /&gt;
andere Medienformen als wissenschaftliche Texte ‚virtual witnessing‘ ermöglichen wie z. B. Filme,&lt;br /&gt;
die das Publikum die dargestellten Phänomene als real erleben lassen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, oder [[Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission|Brettspiele]]. Zusammen mit materiellen und sozialen Techniken dient&lt;br /&gt;
diese literarische Technik der Wissensproduktion dazu, die Gewissheit einer Tatsache zu verbreiten.&lt;br /&gt;
Damit das ‚virtual witnessing‘ funktioniert, werden verschiedene sprachliche Mittel eingesetzt, die&lt;br /&gt;
das Beschriebene für die Rezipient*innen so realitätsnah wie möglich wirken lassen, bspw. eine&lt;br /&gt;
hohe Detailfülle oder bei Boyle ein komplexer Satzbau. Aber auch realistische Illustrationen oder&lt;br /&gt;
(heutzutage in Versuchsprotokollen häufiger eingesetzt) Skizzen des Experimentaufbaus werden&lt;br /&gt;
eingesetzt, um den Leser*innen zu ermöglichen, sich das Beschriebene genau vorzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier dargestellte Konzept des ‚virtual witnessing‘ wurde von Steven Shapin und Simon&lt;br /&gt;
Schaffer anhand des Beispiels von Robert Boyle und seinen Experimenten im 17. Jahrhundert&lt;br /&gt;
herausgearbeitet. Boyles ausführliche Beschreibungen und detaillierte Illustrationen sollten selbst&lt;br /&gt;
weit entfernten Wissenschaftlern ermöglichen, seine Experimente indirekt anzusehen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. Kirby,&lt;br /&gt;
S. 55, eig. Übers.), sodass sie seine experimentellen Befunde beglaubigen konnten.&lt;br /&gt;
Im Kern ermöglicht ‚virtual witnessing‘ somit abwesenden Rezipient*innen, ein Phänomen (wie bspw. ein Experiment) indirekt mitanzusehen oder mitzuerleben, indem es durch&lt;br /&gt;
sprachliche Mittel so realitätsnah wie möglich dargestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Rolle von Vertrauen im Kontext wissenschaftlicher Forschung siehe auch Shapin, Steven (2004): &amp;quot;The way we trust now: The authority of science and the character of the scientist.“ Trust Me, I'm a Scientist, hg. von P. Hoodbhoy, D. Glaser und S. Shapin, S. 42-63, London: The British Council.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Belege==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7013</id>
		<title>Benutzer:Nele Fuchs/Werkstatt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Nele_Fuchs/Werkstatt&amp;diff=7013"/>
		<updated>2026-09-06T19:03:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird die literarische Technologie des '''virtual witnessing''' (dt.: virtuelles Bezeugen) nach Steven Shapin und Simon Schaffer vorgestellt. Mithilfe dieser Methode wird Rezipient*innen ermöglicht, ein beschriebenes Phänomen so nachzuvollziehen, als ob sie selbst bei dessen Beobachtung dabei gewesen wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wissenschaftsgeschichtliche Hintergründe der Debatte ==&lt;br /&gt;
In ihrem 1985 erschienenen Werk ''Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life'' zeichnen die Autoren Steven Shapin und Simon Schaffer die Debatte nach, die Thomas Hobbes und Robert Boyle Mitte des 17. Jahrhunderts um Boyles Experimente mit einer Luftpumpe führten. Diese Debatte trug maßgeblich dazu bei, dass sich das Experiment als wissenschaftliche Methode gegenüber anderen Wissensformen durchsetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn in den späten 1650 und frühen 1660er Jahren, als der irische Naturwissenschaftler Robert&lt;br /&gt;
Boyle in England die sogenannten pneumatischen Experimente durchführte, waren Experimente&lt;br /&gt;
als gültige wissenschaftliche Methode nicht so etabliert, wie sie es für uns heutzutage sind.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass er also im Gegensatz zu zeitgenössisch gleichermaßen anerkannten alternativen Programmen der Wissensproduktion&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. ebd., eig. Übersetzung) hauptsächlich Experimente als Mittel der&lt;br /&gt;
Wissensgenerierung nutzte, brachte ihm einen Streit mit dem Philosophen Thomas Hobbes ein.&lt;br /&gt;
Im Zentrum dieses Streits über die Experimente mit der Luftpumpe standen die Fragen, „how&lt;br /&gt;
claims were to be authenticated as knowledge. What was to count as knowledge, or ‚science‘?&lt;br /&gt;
How was this to be distinguished from other epistemological categories, such as ‚belief’ and ‚opinion‘?“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Die grundlegende Frage, ob Experimente überhaupt ein geeignetes Mittel sind,&lt;br /&gt;
um etwas über die Eigenschaften der Luft zu erfahren, war zu diesem Zeitpunkt also noch nicht&lt;br /&gt;
geklärt und die Validität der experimentellen Methode musste sich noch durchsetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=482|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Schaffer und Shapin so die Bedeutung dieser Debatte für die Geschichte der Wissensproduktion herausarbeiten, stellen sie fest, dass Boyle drei zusammenhängende Technologien&lt;br /&gt;
nutzt, um Tatsachen zu erfassen: eine materielle, eine soziale und eine literarische. Die materielle&lt;br /&gt;
Technologie ist der Apparat oder die Maschine, mit der das Experiment durchgeführt wird. Dieses&lt;br /&gt;
Gerät soll “subjektunabhängige ‘matter[s] of fact’”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; hervorbringen, „denn indem&lt;br /&gt;
Phänomene qua Apparat und damit mechanisch hervorgebracht wurden, sollte ihre Gemachtheit&lt;br /&gt;
durch Menschenhand verdeckt werden“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=4|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;: Die Maschine liefert [[Aperspektivische Objektivität|‚objektive’ Tatsachen]].&lt;br /&gt;
Die soziale Technologie bezeichnet den Umstand, dass ein Experiment mit dem Apparat vor anderen vorgeführt wurde, um es mehr Menschen (d. h. in Boyles Fall in erster Linie Wissenschaftlern und der englischen ‚high society‘) zugänglich zu machen und es von ihnen beglaubigen zu&lt;br /&gt;
lassen. Dies erhöhe den experimentellen Befund noch weiter, weil er durch das Kollektiv aus gebildeten Augenzeugen abgesichert war.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Erst durch die kollektive Bezeugung&lt;br /&gt;
der unmittelbar anwesenden Personen gewinnen das Experiment und dessen Ergebnisse an Faktizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um jedoch die Mehrheit derjenigen von den experimentellen Tatsachen zu überzeugen, die dem&lt;br /&gt;
Experiment nicht beiwohnen konnten und auch nicht über die Möglichkeit verfügen, es selber zu&lt;br /&gt;
wiederholen, bediente sich Boyle schließlich der literarischen Technologie des ‚virtual witnessing‘. Shapin und Schaffer verstehen darunter &amp;quot;the production in a 'reader’s' mind of such an image of an experimental scene as obviates the necessity for either direct witness or replication. Through virtual witnessing the multiplication of witnesses could be, in principle, unlimited“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=60 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Shapin und Schaffer, S. 60, Herv. im Orig.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ‚virtuelle Bezeugen’ ermögliche so auch dem Publikum außerhalb des Labors durch literarische Beschreibung und naturgetreue Abbildung des Experiments, indirekt Zeug*innen des Experiments zu werden und den Hergang des Experiments vor ihrem inneren Auge‘ nachzuvollziehen.&lt;br /&gt;
Dadurch, dass so umlimitiert viele Menschen Zeug*innen eines Experiments werden können, würden die experimentellen Befunde noch stärker als Tatsachen abgesichert. Die virtuelle Bezeugung&lt;br /&gt;
ermöglichte so erst das Entstehen „eine[r] wissenschaftliche[n] Öffentlichkeit […], der die Rolle&lt;br /&gt;
zukam, die experimentell erhobenen Tatsachen zu beglaubigen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Gencarelli, Angela|Titel=&amp;quot;Texts in Action&amp;quot;. Zur epistemischen Funktion von Texten in der naturwissenschaftlichen Wissensproduktion|Zeitung=Medienobservationen|Datum=06.05.2022|Seite=5|Online=https://www.medienobservationen.de/2022/0506-gencarelli/|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und verhalf so&lt;br /&gt;
dem Aufstieg experimenteller Methoden im 17. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Merkmale des ‚virtual witnessing‘ bei Boyle ==&lt;br /&gt;
Boyle ermöglichte das ‚virtual witnessing‘ mit dem Schreiben eines Versuchsprotokolls (das Boyle&lt;br /&gt;
als gleichermaßen wichtig wie das Experimentieren selbst erachtete&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) sowie mit naturalistischen Zeichnungen, die den Zeug*innen als Ergänzung oder „visual assistance“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=61 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Text dienen sollten. Das ideale Versuchsprotokoll war für Boyle ein weitschweifiger Bericht über das Experiment in allen Einzelheiten. Diese Detailfülle sah er als notwendig an, weil sie erstens die Replikation des Experiments erleichterte und zweitens die Experimente den Lesenden unbekannt waren und daher die Beweise und Konklusionen gut kontextualisiert&lt;br /&gt;
werden mussten, damit man ihnen traute. Drittens ermöglichte die extreme Ausführlichkeit überhaupt erst das virtuelle Bezeugen: „If one wrote experimental reports in the correct way, the rea-&lt;br /&gt;
der could take on trust that these things happened. Further, it would be as if that reader had been&lt;br /&gt;
present at the proceedings“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=62f.}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Denn würde das Protokoll nur die Ergebnisse des Experiments anführen, könnten sich die Lesenden die experimentelle Szene nicht vorstellen. Durch den umfassenden Charakter des Protokolls können die Lesenden erst zu virtuellen Zeug*innen werden und sind dann in der Position, experimentelle Phänomene als Tatsachen zu validieren.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=63 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Boyle scheute in seinen Versuchsprotokollen auch nicht vor extrem wortreichen, verklausulierten&lt;br /&gt;
Sätze mit vielen Appositionen zurück: Diese sollten die Direktheit und Gleichzeitigkeit der Ge-&lt;br /&gt;
schehnisse verdeutlichen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=63f.}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, sodass das Beschriebene so realitätsnah wie möglich wirkte. Auch gescheiterte Experimente waren zu beschreiben, denn dies würde die Lesenden überzeugen, dass keine Informationen vorenthalten&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=64}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die Geschehnisse in ihrer Gesamtheit geschildert würden. Darüber hinaus helfe dies Boyle, sich als vertrauenswürdigen Mann von Charakter zu inszenieren, da es suggeriert, dass seine eigenes Erkenntnisinteresse nicht die Objektivität seiner Forschung verzerre: „his accounts [served] as unclouded and undistorted mirrors of nature“.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der trockene, unansprechende und komplizierte Stil des Versuchsprotokolls sollte funktional wirken und den Eindruck erwecken, dass man den Lesenden „‚the eye-glasses of a telescope‘“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=66}}&amp;lt;/ref&amp;gt; aufsetzen würde, dass sie also wie mit eigenen Augen auf die Experimentierszene blicken könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese stilistischen Entscheidungen dienten dazu, dass seinen Texten geglaubt würde, man un-&lt;br /&gt;
eingeschränkt Zeug*in seiner experimentellen Erzählungen werden konnte&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven; Schaffer, Simon|Titel=Leviathan and the Air-Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life|Ort=Princeton|Verlag=Princeton University Press|Jahr=1985|Seite=69}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und die so etablierten Behauptungen auch als Tatsachen auffassen würde. Dabei ist es wichtig her-&lt;br /&gt;
auszustellen, dass das Versuchsprotokoll nicht einfach ein Bericht ist „of what was done elsewhe-&lt;br /&gt;
re; we are dealing with a most important form of experience and the means for extending and va-&lt;br /&gt;
lidating experience“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=484|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das virtuelle Bezeugen stellt somit in erster Linie eine Technik dar, Erfahrung zu vermitteln und zu bestätigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das anhand von Boyles historischem Beispiel entwickelte Konzept des ‚virtual witnessing‘ ist&lt;br /&gt;
auch heute noch für die Wissensproduktion relevant. Denn: „The popularization of science is&lt;br /&gt;
usually understood as the extension of experience from the few to the many“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shapin, Steven|Titel=Pump and Circumstance. Robert Boyle’s Literary Technology|Zeitschrift=Social Studies of&lt;br /&gt;
Science|Band=14|Nummer=4|Jahr=1984|Seite=481|Online=http://www.jstor.org/stable/284940|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Ausdehnung der Erfahrung aus einem kleinen Expert*innenkreis von Wissenschaftler*innen, die unmittelbar an einem Experiment beteiligt sind, auf ein breiteres Publikum wird über die Technik der virtuellen Bezeugung geleistet, da diese es – wie herausgestellt – ermöglicht, das Beschriebene vor dem inneren Auge so konkret nachzuvollziehen, dass man ihm Glauben schenkt. Über die ‚virtual witnessing‘-Technologie lassen sich so wissenschaftliche Konzepte in der Öffentlichkeit verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass mithilfe der Technik des ‚virtual witnessing‘ eine&lt;br /&gt;
„stellvertretende Erfahrung“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Cunningham, S. 208, eig. Übers.) produziert werden soll, die den Leser*innen ermöglicht, ihre Zustimmung zu einem Sachverhalt zu erteilen, als ob sie tatsächlich&lt;br /&gt;
dabei gewesen wären, als ein Experiment durchgeführt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Cunningham, Richard|Titel=Virtual Witnessing and the Role of the Reader in a New Natural Philosophy|Zeitschrift=Philosophy &amp;amp; Rhetoric|Band=34|Nummer=4|Jahr=2001|Seite=208|Online=http://www.jstor.org/stable/40238092|Abruf=06.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. ebd., eig. Übers.)&lt;br /&gt;
Historiker*innen und Wissenschaftssoziolog*innen haben Shapins und Schaffers Definition des&lt;br /&gt;
‚virtual witnessing‘ erweitert, sodass ‚virtual witnessing’ generell jeden Versuch umfasst, andere&lt;br /&gt;
von einer wissenschaftlichen Erklärung zu überzeugen, ohne dass diese das Experiment oder&lt;br /&gt;
überhaupt das Phänomen selbst erleben müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. Kirby, S. 55, eig. Übers.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können auch&lt;br /&gt;
andere Medienformen als wissenschaftliche Texte ‚virtual witnessing‘ ermöglichen wie z. B. Filme,&lt;br /&gt;
die das Publikum die dargestellten Phänomene als real erleben lassen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt;, oder  Brettspiele. Zusammen mit materiellen und sozialen Techniken dient&lt;br /&gt;
diese literarische Technik der Wissensproduktion dazu, die Gewissheit einer Tatsache zu verbreiten.&lt;br /&gt;
Damit das ‚virtual witnessing‘ funktioniert, werden verschiedene sprachliche Mittel eingesetzt, die&lt;br /&gt;
das Beschriebene für die Rezipient*innen so realitätsnah wie möglich wirken lassen, bspw. eine&lt;br /&gt;
hohe Detailfülle oder bei Boyle ein komplexer Satzbau. Aber auch realistische Illustrationen oder&lt;br /&gt;
(heutzutage in Versuchsprotokollen häufiger eingesetzt) Skizzen des Experimentaufbaus werden&lt;br /&gt;
eingesetzt, um den Leser*innen zu ermöglichen, sich das Beschriebene genau vorzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier dargestellte Konzept des ‚virtual witnessing‘ wurde von Steven Shapin und Simon&lt;br /&gt;
Schaffer anhand des Beispiels von Robert Boyle und seinen Experimenten im 17. Jahrhundert&lt;br /&gt;
herausgearbeitet. Boyles ausführliche Beschreibungen und detaillierte Illustrationen sollten selbst&lt;br /&gt;
weit entfernten Wissenschaftlern ermöglichen, seine Experimente indirekt anzusehen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kirby, David A.|Titel=Science Advisors, Representation, And Hollywood Films|Zeitschrift=Molecular Interventions|Band=3|Nummer=2|Jahr=2003|Seite=55}}&amp;lt;/ref&amp;gt; (vgl. Kirby,&lt;br /&gt;
S. 55, eig. Übers.), sodass sie seine experimentellen Befunde beglaubigen konnten.&lt;br /&gt;
Im Kern ermöglicht ‚virtual witnessing‘ somit abwesenden Rezipient*innen, ein Phänomen (wie bspw. ein Experiment) indirekt mitanzusehen oder mitzuerleben, indem es durch&lt;br /&gt;
sprachliche Mittel so realitätsnah wie möglich dargestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Rolle von Vertrauen im Kontext wissenschaftlicher Forschung siehe auch Shapin, Steven (2004): &amp;quot;The way we trust now: The authority of science and the character of the scientist.“ Trust Me, I'm a Scientist, hg. von P. Hoodbhoy, D. Glaser und S. Shapin, S. 42-63, London: The British Council.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Belege==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Virtual Witnessing am Beispiel e-Mission&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5490</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5490"/>
		<updated>2022-06-29T14:13:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Warum wir eine feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakrise bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essentialismus Ökofeminismus] definiert sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] anhand von Statistiken erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essentialismus ==&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von [[Umweltkatastrophen]] wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der [[Umweltphilosophie]], die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder des [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern zu erklären.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es steht außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie [[Brian Swimme]], [[Kay Salleh]] oder [[Vandana Shiva]] essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderes Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Warum wir eine feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich bei Betrachtung von Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen in Hinblick auf Umweltkatastrophen. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: So ist die Wahrscheinlichkeit, in einer Umweltkatastrophe zu sterben, für Frauen und Kinder 14 mal höher als für Männer.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie [[Greta Gaard]] stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit nicht angeboren, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der ''gendered vulnerability'' als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung im Bezug auf den Klimawandel.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ein Beispiel für die partizipatorische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] in der Debatte um die Klimakrise findet sich im Fall der Überbevölkerung:&lt;br /&gt;
Überbevölkerung im globalen Süden wird seit Ende der Sechziger Jahre als einer der Gründe für die Klimaerwärmung gesehen und ist dadurch in den Fokus von Umweltschutzbestrebungen des globalen Nordens geraten.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das WorldWatch Institute spricht sich für Bevölkerungsreduktion aus, welche durch verbesserte Bildung, Angebote zur Familienplanung und Förderung der Gleichheit von Frauen und Männern erreicht werden soll. Dieser Ansatz richtet sich, trotz seiner globalen Relevanz, allerdings an Menschen im globalen Süden, die nicht in den Prozess der Maßnahmenfindung einbezogen wurden, sodass unklar ist, ob dies gewünschte oder für sie umsetzbare Ansätze sind.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=15| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem partizipatorischen Ausschluss findet sich ein weiteres Problem im [[Epistemologie|epistemologischen]] Umgang mit der Klimakrise: Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt.&lt;br /&gt;
Durch den Bezug auf ein maskulines Subjekt werden nicht-männliche Perspektiven unsichtbar gemacht. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. [[Michèle Le Deouff]] definiert den Begriff des Maskulinistischen als &amp;quot;'work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.'&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=4 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund dieses Anspruchs auf Vollständigkeit entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=4 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=7 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts und schließt auch nicht-wissenschaftbasiertes Wissen und Perspektiven aus, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können. Nicht-wissenschaftsbasiertes Wissen (auch “''situated knowledge''”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) wird von Menschen durch ihre Lebensweise in einem bestimmten Gebiet generiert. Es wird allerdings nicht als gültig anerkannt, da es nicht durch objektive und wertfreie Forschung gewonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Anna Kaijser]] und [[Annica Kronsell]] sehen ''situated knowledge'' allerdings als “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; an. &lt;br /&gt;
Das Invalidieren des ''situated knowledge'' geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass ein solcher perspektivloser, absolut neutraler Standpunkt existiert, von dem aus Wissenschaft betrieben werden kann. Feministische Epistemolog*innen lehnen dies allerdings ab, da weiße, reiche Männer historisch durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt auch zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse ([[gender data gap]]), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und BIPoC resultiert dabei in einer verzerrten Vorstellung davon, wie mit der Klimakrise umgegangen werden soll:&lt;br /&gt;
Der globale Norden, der für 80% des globalen Treibhausgasaustoßes verantwortlich ist, setzt technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise im globalen Süden durch (beispielsweise sieht das Kyoto Protokoll u.A. den Einsatz von genetisch veränderte Nutzpflanzen vor&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;), anstelle das Problem des Überkonsums im globalen Norden zu behandeln, einen ideologischen Wandel der Mensch-Umwelt-Beziehung bei den Konsumenten voranzutreiben &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12f.| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; oder die vom globalen Süden selbst entwickelten Strategien ernst zu nehmen. Hier wird deutlich, wie durch Wissen Dominanz ausgeübt werden kann.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da sich durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft betrieben wird, mitunter fehlgeleitete politische Strategien ergeben. So basiert beispielsweise die Formulierung des 2-Grad-Ziels als Richtwert für ein vertretbares Maß an Klimaerwärmung auf der Vorstellung, dass sich die Klimaerwärmung an einem bestimmten Punkt stoppen lasse.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer Analyse führt Joni Seager dies zurück auf die maskulinistische Vorstellung von Kontrolle und Dominanz der Umwelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Fokus auf technologische Lösungsansätze ignoriert außerdem das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, und setzt somit nicht an der Wurzel des Problems an. Statt alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwickeln, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; &amp;quot;[...] [C]limate change and first world overconsumption are produced by masculinist ideology, and will not be solved by masculinist techno-science approaches.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist somit die Tatsache, dass aktuelle Ansätze durch die unausgewogene Betrachtung unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen, und somit epistemologisch eingeschränkten, Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von [[Michel Foucault|Macht]], dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oftmals werden die Kategorisierungen als natürliche Unterschiede dargestellt, denen wiederum implizite Machtmuster zu Grunde gelegt werden und die nicht konkret genannt werden müssen. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um Kategorien, deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als Ziel einer intersektionalen Analalyse, die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Denn Wissen ist historisch geschaffen und auch das betroffene Subjekt ist situiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klimakrise und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien, die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen, oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und [[Catriona Sandilands]] beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;Änderung des Slogan vom  Gender &amp;amp; Climate Change Network (genderCC) durch die Autor*in{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich, um ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und Geschlechterdiversität auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+&amp;lt;ref&amp;gt;Gaard betont in ihren Veröffentlichungen anhaltend queer-pespectives und queer sexualities, um dies einzufangen wird hier zusätzlich auch von LGBTQIA+ gesprochen, obwohl sie im Originaltext diese nicht explizit nennt.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen, ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen hinterfragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
=== Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage, wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen, ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht, wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. darüber, wie die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels, die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheidend für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf diese Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Marginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung, wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt. Oder anderenfalls nur einzelne Individuen, da die jeweiligen Erfahrungen von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind. Zusammengefasst werden Diskurse rund um dieses Thema unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin als offen und ambig kritisiert. Einige Forscher*innen wie [[Mieke Verloo]] und [[Leslie McCall]] sprechen sich für klare, universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie, im common sense, gemacht werden. Dennoch als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen, die Bedenken äußern, trotzdem.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, dass Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte [[Janet Biehl]] in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position der [[soziale Ökologie|sozialen Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk am Ökofeminismuss ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essentialismus Essentialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind, soll im Anschluss auf die kritische Beschäftigung mit dem Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Peter Staudenmaier]] nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise [[Asmae Ourkia]] in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt.&amp;lt;ref&amp;gt; Riley benutzt in ihrem Artikel, welcher im Jahre 1993 publiziert wurde, die Worte „Black“ und „People of Color“. Die konzeptuelle Verwendung des Begriffs „BIPoC“ setzte erst im Zuge der Entstehung der Black-Lives-Matter-Bewegung ein. Im hier vorliegenden Artikelabschnitt wird die Begriffsverwendung aufgrund der Auswirkungen des Kolonialismus auf Indigene als sinnvolle Ergänzung erachtet und trotz der Abweichung vom Originaltext eingeführt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In [[Shamara Shantu Rileys]] Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der [[Natur-Kultur Dualismus]] entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin [[Marimba Ani]] wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen, seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem [[157. Verhältnis Mensch – Kunst – Natur|‏‎Verhältnis zur Natur]] als von ihr gespalten an und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin [[Ynestra King]] macht darauf aufmerksam, wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie [[bell hooks]], [[Esther Iverem]] und [[Robert Bullard]] die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung, denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu  |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern, bringt Riley treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu  |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlicher Natur anerkannt, respektiert und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anderes Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich festhalten, dass der afrozentrische Ökowomanismus Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus adressiert. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offen bleibt hierbei, nach welchen Kriterien über die Bezugnahme oder den Ausschluss verschiedener oder gar entgegengesetzter spiritueller Konzepte entschieden wird und inwiefern die Position des afrozentrischen Ökowomanismus auch für queere Belange zugänglich ist und nicht lediglich die Binarität heterosexueller Normen bejaht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5489</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5489"/>
		<updated>2022-06-29T14:11:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakrise bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essentialismus Ökofeminismus] definiert sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] anhand von Statistiken erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essentialismus ==&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von [[Umweltkatastrophen]] wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der [[Umweltphilosophie]], die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder des [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern zu erklären.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es steht außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie [[Brian Swimme]], [[Kay Salleh]] oder [[Vandana Shiva]] essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderes Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Warum wir eine feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich bei Betrachtung von Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen in Hinblick auf Umweltkatastrophen. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: So ist die Wahrscheinlichkeit, in einer Umweltkatastrophe zu sterben, für Frauen und Kinder 14 mal höher als für Männer.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie [[Greta Gaard]] stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit nicht angeboren, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der ''gendered vulnerability'' als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung im Bezug auf den Klimawandel.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ein Beispiel für die partizipatorische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] in der Debatte um die Klimakrise findet sich im Fall der Überbevölkerung:&lt;br /&gt;
Überbevölkerung im globalen Süden wird seit Ende der Sechziger Jahre als einer der Gründe für die Klimaerwärmung gesehen und ist dadurch in den Fokus von Umweltschutzbestrebungen des globalen Nordens geraten.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das WorldWatch Institute spricht sich für Bevölkerungsreduktion aus, welche durch verbesserte Bildung, Angebote zur Familienplanung und Förderung der Gleichheit von Frauen und Männern erreicht werden soll. Dieser Ansatz richtet sich, trotz seiner globalen Relevanz, allerdings an Menschen im globalen Süden, die nicht in den Prozess der Maßnahmenfindung einbezogen wurden, sodass unklar ist, ob dies gewünschte oder für sie umsetzbare Ansätze sind.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=15| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem partizipatorischen Ausschluss findet sich ein weiteres Problem im [[Epistemologie|epistemologischen]] Umgang mit der Klimakrise: Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt.&lt;br /&gt;
Durch den Bezug auf ein maskulines Subjekt werden nicht-männliche Perspektiven unsichtbar gemacht. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. [[Michèle Le Deouff]] definiert den Begriff des Maskulinistischen als &amp;quot;'work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.'&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=4 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund dieses Anspruchs auf Vollständigkeit entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=4 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=7 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts und schließt auch nicht-wissenschaftbasiertes Wissen und Perspektiven aus, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können. Nicht-wissenschaftsbasiertes Wissen (auch “''situated knowledge''”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) wird von Menschen durch ihre Lebensweise in einem bestimmten Gebiet generiert. Es wird allerdings nicht als gültig anerkannt, da es nicht durch objektive und wertfreie Forschung gewonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Anna Kaijser]] und [[Annica Kronsell]] sehen ''situated knowledge'' allerdings als “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; an. &lt;br /&gt;
Das Invalidieren des ''situated knowledge'' geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass ein solcher perspektivloser, absolut neutraler Standpunkt existiert, von dem aus Wissenschaft betrieben werden kann. Feministische Epistemolog*innen lehnen dies allerdings ab, da weiße, reiche Männer historisch durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt auch zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse ([[gender data gap]]), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und BIPoC resultiert dabei in einer verzerrten Vorstellung davon, wie mit der Klimakrise umgegangen werden soll:&lt;br /&gt;
Der globale Norden, der für 80% des globalen Treibhausgasaustoßes verantwortlich ist, setzt technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise im globalen Süden durch (beispielsweise sieht das Kyoto Protokoll u.A. den Einsatz von genetisch veränderte Nutzpflanzen vor&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;), anstelle das Problem des Überkonsums im globalen Norden zu behandeln, einen ideologischen Wandel der Mensch-Umwelt-Beziehung bei den Konsumenten voranzutreiben &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12f.| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; oder die vom globalen Süden selbst entwickelten Strategien ernst zu nehmen. Hier wird deutlich, wie durch Wissen Dominanz ausgeübt werden kann.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da sich durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft betrieben wird, mitunter fehlgeleitete politische Strategien ergeben. So basiert beispielsweise die Formulierung des 2-Grad-Ziels als Richtwert für ein vertretbares Maß an Klimaerwärmung auf der Vorstellung, dass sich die Klimaerwärmung an einem bestimmten Punkt stoppen lasse.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer Analyse führt Joni Seager dies zurück auf die maskulinistische Vorstellung von Kontrolle und Dominanz der Umwelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Fokus auf technologische Lösungsansätze ignoriert außerdem das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, und setzt somit nicht an der Wurzel des Problems an. Statt alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwickeln, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; &amp;quot;[...] [C]limate change and first world overconsumption are produced by masculinist ideology, and will not be solved by masculinist techno-science approaches.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist somit die Tatsache, dass aktuelle Ansätze durch die unausgewogene Betrachtung unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen, und somit epistemologisch eingeschränkten, Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von [[Michel Foucault|Macht]], dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oftmals werden die Kategorisierungen als natürliche Unterschiede dargestellt, denen wiederum implizite Machtmuster zu Grunde gelegt werden und die nicht konkret genannt werden müssen. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um Kategorien, deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als Ziel einer intersektionalen Analalyse, die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Denn Wissen ist historisch geschaffen und auch das betroffene Subjekt ist situiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klimakrise und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien, die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen, oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und [[Catriona Sandilands]] beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;Änderung des Slogan vom  Gender &amp;amp; Climate Change Network (genderCC) durch die Autor*in{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich, um ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und Geschlechterdiversität auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+&amp;lt;ref&amp;gt;Gaard betont in ihren Veröffentlichungen anhaltend queer-pespectives und queer sexualities, um dies einzufangen wird hier zusätzlich auch von LGBTQIA+ gesprochen, obwohl sie im Originaltext diese nicht explizit nennt.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen, ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen hinterfragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
=== Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage, wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen, ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht, wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. darüber, wie die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels, die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheidend für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf diese Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Marginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung, wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt. Oder anderenfalls nur einzelne Individuen, da die jeweiligen Erfahrungen von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind. Zusammengefasst werden Diskurse rund um dieses Thema unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin als offen und ambig kritisiert. Einige Forscher*innen wie [[Mieke Verloo]] und [[Leslie McCall]] sprechen sich für klare, universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie, im common sense, gemacht werden. Dennoch als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen, die Bedenken äußern, trotzdem.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, dass Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte [[Janet Biehl]] in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position der [[soziale Ökologie|sozialen Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk am Ökofeminismuss ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essentialismus Essentialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind, soll im Anschluss auf die kritische Beschäftigung mit dem Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Peter Staudenmaier]] nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise [[Asmae Ourkia]] in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt.&amp;lt;ref&amp;gt; Riley benutzt in ihrem Artikel, welcher im Jahre 1993 publiziert wurde, die Worte „Black“ und „People of Color“. Die konzeptuelle Verwendung des Begriffs „BIPoC“ setzte erst im Zuge der Entstehung der Black-Lives-Matter-Bewegung ein. Im hier vorliegenden Artikelabschnitt wird die Begriffsverwendung aufgrund der Auswirkungen des Kolonialismus auf Indigene als sinnvolle Ergänzung erachtet und trotz der Abweichung vom Originaltext eingeführt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In [[Shamara Shantu Rileys]] Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der [[Natur-Kultur Dualismus]] entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin [[Marimba Ani]] wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen, seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem [[157. Verhältnis Mensch – Kunst – Natur|‏‎Verhältnis zur Natur]] als von ihr gespalten an und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin [[Ynestra King]] macht darauf aufmerksam, wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie [[bell hooks]], [[Esther Iverem]] und [[Robert Bullard]] die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung, denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu  |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern, bringt Riley treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu  |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlicher Natur anerkannt, respektiert und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anderes Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich festhalten, dass der afrozentrische Ökowomanismus Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus adressiert. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offen bleibt hierbei, nach welchen Kriterien über die Bezugnahme oder den Ausschluss verschiedener oder gar entgegengesetzter spiritueller Konzepte entschieden wird und inwiefern die Position des afrozentrischen Ökowomanismus auch für queere Belange zugänglich ist und nicht lediglich die Binarität heterosexueller Normen bejaht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5347</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5347"/>
		<updated>2022-05-04T18:19:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakrise bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essentialismus Ökofeminismus] definiert, sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essentialismus ==&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von [[Umweltkatastrophen]] wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der [[Umweltphilosophie]], die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder des [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern zu erklären.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es steht außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie [[Brian Swimme]], [[Kay Salleh]] oder [[Vandana Shiva]] essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderes Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich bei Betrachtung von Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei Umweltkatastrophen. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: So ist die Wahrscheinlichkeit, in einer Umweltkatastrophe zu sterben, für Frauen und Kinder 14 mal höher als für Männer.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie [[Greta Gaard]] stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit nicht angeboren, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der ''gendered vulnerability'' als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung im Bezug auf den Klimawandel.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ein Beispiel für die partizipatorische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] in der Debatte um die Klimakrise findet sich im Fall der Überbevölkerung:&lt;br /&gt;
Überbevölkerung im globalen Süden wird seit Ende der Sechziger Jahre als einer der Gründe für die Klimaerwärmung gesehen und ist dadurch in den Fokus von Umweltschutzbestrebungen des globalen Nordens geraten.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das WorldWatch Institute spricht sich für Bevölkerungsreduktion aus, welche durch verbesserte Bildung, Angebote zur Familienplanung und Förderung der Gleichheit von Frauen und Männern erreicht werden soll. Dieser Ansatz richtet sich, trotz seiner globalen Relevanz, allerdings an Menschen im globalen Süden, die nicht in den Prozess der Maßnahmenfindung einbezogen wurden, sodass unklar ist, ob dies gewünschte oder für sie umsetzbare Ansätze sind.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=15| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem partizipatorischen Ausschluss findet sich ein weiteres Problem im [[Epistemologie|epistemologischen]] Umgang mit der Klimakrise: Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt.&lt;br /&gt;
Durch den Bezug auf ein maskulines Subjekt werden nicht-männliche Perspektiven ausradiert. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als &amp;quot;'work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.'&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=4 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund dieses Anspruchs auf Vollständigkeit entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=4 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=7 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts und schließt auch nicht-wissenschaftbasiertes Wissen und Perspektiven aus, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können. Nicht-wissenschaftsbasiertes Wissen (auch “''situated knowledge''”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) wird von Menschen durch ihre Lebensweise in einem bestimmten Gebiet generiert. Es wird allerdings nicht als gültig anerkannt, da es nicht durch objektive und wertfreie Forschung gewonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Anna Kaijser]] und [[Annica Kronsell]] sehen ''situated knowledge'' allerdings als “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; an. &lt;br /&gt;
Das Invalidieren des situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass ein solcher perspektivloser, absolut neutraler Standpunkt existiert, von dem aus Wissenschaft betrieben werden kann. Feministische Epistemolog*innen lehnen dies allerdings ab, da weiße, reiche Männer historisch durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt auch zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse ([[gender data gap]]), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und BIPoC resultiert dabei in einer verzerrten Vorstellung davon, wie mit der Klimakrise umgegangen werden soll:&lt;br /&gt;
Der globale Norden, der für 80% des globalen Treibhausgasaustoßes verantwortlich ist, setzt technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise im globalen Süden durch (beispielsweise sieht das Kyoto Protokoll u.A. den Einsatz von genetisch veränderte Nutzpflanzen vor&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;), anstelle das Problem des Überkonsums im globalen Norden zu behandeln, einen ideologischen Wandel der Mensch-Umwelt-Beziehung bei den Konsumenten voranzutreiben &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12f.| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; oder den globalen Süden selbst Strategien entwickeln zu lassen. Hier wird deutlich, wie Wissen Dominanz ausüben kann.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da sich durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft betrieben wird, mitunter fehlgeleitete politische Strategien ergeben. So basiert beispielsweise die Formulierung des 2-Grad-Ziels als Richtwert für ein vertretbares Maß an Klimaerwärmung auf der Vorstellung, dass sich die Klimaerwärmung an einem bestimmten Punkt stoppen lasse.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer Analyse führt Joni Seager dies zurück auf die maskulinistische Vorstellung von Kontrolle und Dominanz der Umwelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Fokus auf technologische Lösungsansätze ignoriert außerdem das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, und setzt somit nicht an der Wurzel des Problems an. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; &amp;quot;[...] [C]limate change and first world overconsumption are produced by masculinist ideology, and will not be solved by masculinist techno-science approaches.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist somit die Tatsache, dass aktuelle Ansätze durch die unausgewogene Betrachtung unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von [[Michel Foucault|Macht]], dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Oftmals werden die Kategorisierungen als natürliche Unterschiede dargestellt. Denen wiederum implizite Machtmuster zu Grunde gelegt werden und nicht konkret genannt werden müssen. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um Kategorien, deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als Ziel einer intersektionalen Analalyse, die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Denn Wissen ist historisch geschaffen und auch das betroffene Subjekt ist situiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klimakrise und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien, die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen, oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und [[Catriona Sandilands]] beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich, um ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und Geschlechterdiversität auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+&amp;lt;ref&amp;gt;Gaard betont in ihren Veröffentlichungen anhaltend queer-pespectives und queer sexualities, um dies einzufangen wird hier zusätzlich auch von LGBTQIA+ gesprochen, obwohl sie im Originaltext diese nicht explizit nennt.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen, ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
=== Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen, ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht, wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. darüber, wie die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels, die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheidend für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Marginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung, wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt. Oder anderenfalls nur einzelne Individuen, da die jeweiligen Erfahrungen von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind. Zusammengefasst werden Diskurse rund um dieses Thema unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für ihre Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie [[Mieke Verloo]] und [[Leslie McCall]] sprechen sich für klare, universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie gemacht werden. Dennoch als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen, die Bedenken äußern, trotzdem.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte [[Janet Biehl]] in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position [[soziale Ökologie|sozialen Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essentialismus Essentialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind soll im Anschluss auf die kritische Beschäftigung mit dem Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Peter Staudenmaier]] nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise [[Asmae Ourkia]] in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt.&amp;lt;ref&amp;gt; Riley benutzt in ihrem Artikel, welcher im Jahre 1993 publiziert wurde, die Worte „Black“ und „People of Color“. Die konzeptuelle Verwendung des Begriffs „BIPoC“ setzte erst im Zuge der Entstehung der Black-Lives-Matter-Bewegung ein. Im hier vorliegenden Artikelabschnitt wird die Begriffsverwendung aufgrund der Auswirkungen des Kolonialismus auf Indigene als sinnvolle Ergänzung erachtet und trotz der Abweichung vom Originaltext eingeführt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In [[Shamara Shantu Rileys]] Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der [[Natur-Kultur Dualismus]] entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin [[Marimba Ani]] wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen, seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem [[157. Verhältnis Mensch – Kunst – Natur|‏‎Verhältnis zur Natur]] als von ihr gespalten an und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin [[Ynestra King]] macht darauf aufmerksam, wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie [[bell hooks]], [[Esther Iverem]] und [[Robert Bullard]] die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung, denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu  |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern, bringt Riley treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu  |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlicher Natur anerkannt, respektiert und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anderes Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5346</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5346"/>
		<updated>2022-05-04T17:43:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakrise bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essentialismus Ökofeminismus] definiert, sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essentialismus ==&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von [[Umweltkatastrophen]] wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der [[Umweltphilosophie]], die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder des [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern zu erklären.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es steht außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie [[Brian Swimme]], [[Kay Salleh]] oder [[Vandana Shiva]] essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderes Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich bei Betrachtung von Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei Umweltkatastrophen. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: So ist die Wahrscheinlichkeit, in einer Umweltkatastrophe zu sterben, für Frauen und Kinder 14 mal höher als für Männer.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie [[Greta Gaard]] stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit nicht angeboren, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der ''gendered vulnerability'' als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung im Bezug auf den Klimawandel.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ein Beispiel für die partizipatorische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] in der Debatte um die Klimakrise findet sich im Fall der Überbevölkerung:&lt;br /&gt;
Überbevölkerung im globalen Süden wird seit Ende der Sechziger Jahre als einer der Gründe für die Klimaerwärmung gesehen und ist dadurch in den Fokus von Umweltschutzbestrebungen des globalen Nordens geraten.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das WorldWatch Institute spricht sich für Bevölkerungsreduktion aus, welche durch verbesserte Bildung, Angebote zur Familienplanung und Förderung der Gleichheit von Frauen und Männern erreicht werden soll. Dieser Ansatz richtet sich, trotz seiner globalen Relevanz, allerdings an Menschen im globalen Süden, die nicht in den Prozess der Maßnahmenfindung einbezogen wurden, sodass unklar ist, ob dies gewünschte oder für sie umsetzbare Ansätze sind.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=15| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem partizipatorischen Ausschluss findet sich ein weiteres Problem im [[Epistemologie|epistemologischen]] Umgang mit der Klimakrise: Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt.&lt;br /&gt;
Durch den Bezug auf ein maskulines Subjekt werden nicht-männliche Perspektiven ausradiert. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als &amp;quot;'work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.'&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=4 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund dieses Anspruchs auf Vollständigkeit entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=4 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=7 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts und schließt auch nicht-wissenschaftbasiertes Wissen und Perspektiven aus, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können. Nicht-wissenschaftsbasiertes Wissen (auch “''situated knowledge''”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) wird von Menschen durch ihre Lebensweise in einem bestimmten Gebiet generiert. Es wird allerdings nicht als gültig anerkannt, da es nicht durch objektive und wertfreie Forschung gewonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Anna Kaijser]] und [[Annica Kronsell]] sehen situated knowledge allerdings als “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; an. &lt;br /&gt;
Das Invalidieren des situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass ein solcher perspektivloser, absolut neutraler Standpunkt existiert, von dem aus Wissenschaft betrieben werden kann. Feministische Epistemolog*innen lehnen dies allerdings ab, da weiße, reiche Männer historisch durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt auch zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse ([[gender data gap]]), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und BIPoC resultiert dabei in einer verzerrten Vorstellung davon, wie mit der Klimakrise umgegangen werden soll:&lt;br /&gt;
Der globale Norden, der für 80% des globalen Treibhausgasaustoßes verantwortlich ist, setzt technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise im globalen Süden durch (beispielsweise sieht das Kyoto Protokoll u.A. den Einsatz von genetisch veränderte Nutzpflanzen vor&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;), anstelle das Problem des Überkonsums im globalen Norden zu behandeln, einen ideologischen Wandel der Mensch-Umwelt-Beziehung bei den Konsumenten voranzutreiben &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12f.| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; oder den globalen Süden selbst Strategien entwickeln zu lassen. Hier wird deutlich, wie Wissen Dominanz ausüben kann.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da sich durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft betrieben wird, mitunter fehlgeleitete politische Strategien ergeben. So basiert beispielsweise die Formulierung des 2-Grad-Ziels als Richtwert für ein vertretbares Maß an Klimaerwärmung auf der Vorstellung, dass sich die Klimaerwärmung an einem bestimmten Punkt stoppen lasse.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer Analyse führt Joni Seager dies zurück auf die maskulinistische Vorstellung von Kontrolle und Dominanz der Umwelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Fokus auf technologische Lösungsansätze ignoriert außerdem das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, und setzt somit nicht an der Wurzel des Problems an. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; &amp;quot;[...] [C]limate change and first world overconsumption are produced by masculinist ideology, and will not be solved by masculinist techno-science approaches.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist somit die Tatsache, dass aktuelle Ansätze durch die unausgewogene Betrachtung unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von [[Michel Foucault|Macht]], dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Oftmals werden die Kategorisierungen als natürliche Unterschiede dargestellt. Denen wiederum implizite Machtmuster zu Grunde gelegt werden und nicht konkret genannt werden müssen. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um Kategorien, deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als Ziel einer intersektionalen Analalyse, die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Denn Wissen ist historisch geschaffen und auch das betroffene Subjekt ist situiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klimakrise und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien, die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen, oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und [[Catriona Sandilands]] beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich, um ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und Geschlechterdiversität auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+&amp;lt;ref&amp;gt;Gaard betont in ihren Veröffentlichungen anhaltend queer-pespectives und queer sexualities, um dies einzufangen wird hier zusätzlich auch von LGBTQIA+ gesprochen, obwohl sie im Originaltext diese nicht explizit nennt.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen, ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
=== Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen, ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht, wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. darüber, wie die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels, die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheidend für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Marginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung, wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt. Oder anderenfalls nur einzelne Individuen, da die jeweiligen Erfahrungen von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind. Zusammengefasst werden Diskurse rund um dieses Thema unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für ihre Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie [[Mieke Verloo]] und [[Leslie McCall]] sprechen sich für klare, universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie gemacht werden. Dennoch als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen, die Bedenken äußern, trotzdem.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte [[Janet Biehl]] in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position [[soziale Ökologie|sozialen Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essentialismus Essentialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind soll im Anschluss auf die kritische Beschäftigung mit dem Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Peter Staudenmaier]] nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise [[Asmae Ourkia]] in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt.&amp;lt;ref&amp;gt; Riley benutzt in ihrem Artikel, welcher im Jahre 1993 publiziert wurde, die Worte „Black“ und „People of Color“. Die konzeptuelle Verwendung des Begriffs „BIPoC“ setzte erst im Zuge der Entstehung der Black-Lives-Matter-Bewegung ein. Im hier vorliegenden Artikelabschnitt wird die Begriffsverwendung aufgrund der Auswirkungen des Kolonialismus auf Indigene als sinnvolle Ergänzung erachtet und trotz der Abweichung vom Originaltext eingeführt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In [[Shamara Shantu Rileys]] Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der [[Natur-Kultur Dualismus]] entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin [[Marimba Ani]] wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen, seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem [[157. Verhältnis Mensch – Kunst – Natur|‏‎Verhältnis zur Natur]] als von ihr gespalten an und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin [[Ynestra King]] macht darauf aufmerksam, wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie [[bell hooks]], [[Esther Iverem]] und [[Robert Bullard]] die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung, denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu  |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern, bringt Riley treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu  |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlicher Natur anerkannt, respektiert und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anderes Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5270</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5270"/>
		<updated>2022-04-12T10:00:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[WEITERE KORREKTUREN FOLGEN IN KW 14]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakrise bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essentialismus Ökofeminismus] definiert, sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essentialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von [[Umweltkatastrophen]] wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der [[Umweltphilosophie]], die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder des [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern zu erklären.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es steht außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie [[Brian Swimme]], [[Kay Salleh]] oder [[Vandana Shiva]] essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderes Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Nele''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich bei Betrachtung von Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei Umweltkatastrophen. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: So ist die Wahrscheinlichkeit, in einer Umweltkatastrophe zu sterben, für Frauen und Kinder 14 mal höher als für Männer.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie [[Greta Gaard]] stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit nicht angeboren, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der ''gendered vulnerability'' als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung im Bezug auf den Klimawandel.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ein Beispiel für die partizipatorische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] in der Debatte um die Klimakrise findet sich im Fall der Überbevölkerung:&lt;br /&gt;
Überbevölkerung im globalen Süden wird seit Ende der Sechziger Jahre als einer der Gründe für die Klimaerwärmung gesehen und ist dadurch in den Fokus von Umweltschutzbestrebungen des globalen Nordens geraten.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das WorldWatch Institute spricht sich für Bevölkerungsreduktion aus, welche durch verbesserte Bildung, Angebote zur Familienplanung und Förderung der Gleichheit von Frauen und Männern erreicht werden soll. Dieser Ansatz richtet sich, trotz seiner globalen Relevanz, allerdings an Menschen im globalen Süden, die nicht in den Prozess der Maßnahmenfindung einbezogen wurden, sodass unklar ist, ob dies gewünschte oder für sie umsetzbare Ansätze sind.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=15| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem partizipatorischen Ausschluss findet sich ein weiteres Problem im [[Epistemologie|epistemologischen]] Umgang mit der Klimakrise: Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt.&lt;br /&gt;
Durch den Bezug auf ein maskulines Subjekt werden nicht-männliche Perspektiven ausradiert. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als &amp;quot;'work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.'&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=4 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=4 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=7 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts und schließt auch nicht-wissenschaftbasiertes Wissen und Perspektiven aus, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können. Nicht-wissenschaftsbasiertes Wissen (auch “situated knowledge”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) wird von Menschen durch ihre Lebensweise in einem bestimmten Gebiet generiert. Es wird allerdings nicht als gültig anerkannt, da es nicht durch objektive und wertfreie Forschung gewonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Anna Kaijser]] und [[Annica Kronsell]] sehen situated knowledge allerdings als “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; an. &lt;br /&gt;
Das Aufgeben des situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass ein solcher perspektivloser, absolut neutraler Standpunkt existiert, von dem aus Wissenschaft betrieben werden kann. Feministische Epistemolog*innen lehnen dies allerdings ab, da weiße, reiche Männer historisch durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt auch zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse ([[gender data gap]]), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und BIPoC resultiert dabei in einer verzerrten Vorstellung davon, wie mit der Klimakrise umgegangen werden soll:&lt;br /&gt;
Der globale Norden, der für 80% des globalen Treibhausgasaustoßes verantwortlich ist, setzt technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise im globalen Süden durch (beispielsweise sieht das Kyoto Protokoll u.A. den Einsatz von genetisch veränderte Nutzpflanzen vor&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;), anstelle das Problem des Überkonsums im globalen Norden zu behandeln, einen ideologischen Wandel der Mensch-Umwelt-Beziehung bei den Konsumenten voranzutreiben &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12f.| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; oder den globalen Süden selbst Strategien entwickeln zu lassen. Hier wird deutlich, wie Wissen Dominanz ausüben kann.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da sich durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft betrieben wird, mitunter fehlgeleitete politische Strategien ergeben. So basiert beispielsweise die Formulierung des 2-Grad-Ziels als Richtwert für ein vertretbares Maß an Klimaerwärmung auf der Vorstellung, dass sich die Klimaerwärmung an einem bestimmten Punkt stoppen lasse.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer Analyse führt Joni Seager dies zurück auf die maskulinistische Vorstellung von Kontrolle und Dominanz der Umwelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Fokus auf technologische Lösungsansätze ignoriert außerdem das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, und setzt somit nicht an der Wurzel des Problems an. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; &amp;quot;[...] climate change and first world overconsumption are produced by masculinist ideology, and will not be solved by masculinist techno-science approaches.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist somit die Tatsache, dass aktuelle Ansätze durch die unausgewogene Betrachtung unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Oftmals werden die Kategorisierungen als natürliche Unterschiede dargestellt. Denen wiederum implizite Machtmuster zu Grunde gelegt werden und nicht konkret genannt werden müssen. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um Kategorien, deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als Ziel einer intersektionalen Analalyse, die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Denn Wissen ist historisch geschaffen und auch das betroffene Subjekt ist situiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klimakrise und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien, die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen, oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich, um ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und Geschlechterdiversität auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+&amp;lt;ref&amp;gt;Gaard betont in ihren Veröffentlichungen anhaltend queer-pespectives und queer sexualities, um dies einzufangen wird hier zusätzlich auch von LGBTQIA+ gesprochen, obwohl sie im Originaltext diese nicht explizit nennt.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen, ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
=== Kritik an Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen, ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht, wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. darüber, wie die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels, die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheidend für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Marginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung, wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt. Oder anderenfalls nur einzelne Individuen, da die jeweiligen Erfahrungen von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind. Zusammengefasst werden Diskurse rund um dieses Thema unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für ihre Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare, universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie gemacht werden. Dennoch als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen, die Bedenken äußern, trotzdem.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Kritik am Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte Janet Biehl in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position [GRAMMATIKALISCH RICHTIG WÄRE POSITION DER SOZIALEN ÖKOLOGIE; ABER...][[soziale Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essentialismus Essentialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind soll im Anschluss auf die kritische Beschäftigung mit dem Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Staudenmaier nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise Asmae Ourkia in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt.&amp;lt;ref&amp;gt; Riley benutzt in ihrem Artikel, welcher im Jahre 1993 publiziert wurde, die Worte „Black“ und „People of Color“. Die konzeptuelle Verwendung des Begriffs „BIPoC“ setzte erst im Zuge der Entstehung der Black-Lives-Matter-Bewegung ein. Im hier vorliegenden Artikelabschnitt wird die Begriffsverwendung aufgrund der Auswirkungen des Kolonialismus auf Indigene als sinnvolle Ergänzung erachtet und trotz der Abweichung vom Originaltext eingeführt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In [[Shamara Shantu Rileys]] Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der [[Natur-Kultur Dualismus]] entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin [[Marimba Ani]] wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen, seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem [[157. Verhältnis Mensch – Kunst – Natur|‏‎Verhältnis zur Natur]] als von ihr gespalten an und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin [[Ynestra King]] macht darauf aufmerksam, wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie [[bell hooks]], [[Esther Iverem]] und [[Robert Bullard]] die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung, denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu  |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern, bringt Riley treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu  |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlicher Natur anerkannt, respektiert und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anderes Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5269</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5269"/>
		<updated>2022-04-12T09:59:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[WEITERE KORREKTUREN FOLGEN IN KW 14]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakrise bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essentialismus Ökofeminismus] definiert, sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essentialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von [[Umweltkatastrophen]] wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der [[Umweltphilosophie]], die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder des [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern zu erklären.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es steht außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie [[Brian Swimme]], [[Kay Salleh]] oder [[Vandana Shiva]] essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderes Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Nele''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich bei Betrachtung von Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei Umweltkatastrophen. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: So ist die Wahrscheinlichkeit, in einer Umweltkatastrophe zu sterben, für Frauen und Kinder 14 mal höher als für Männer.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie [[Greta Gaard]] stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit nicht angeboren, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der ''gendered vulnerability'' als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung im Bezug auf den Klimawandel.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ein Beispiel für die partizipatorische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] in der Debatte um die Klimakrise findet sich im Fall der Überbevölkerung:&lt;br /&gt;
Überbevölkerung im globalen Süden wird seit Ende der Sechziger Jahre als einer der Gründe für die Klimaerwärmung gesehen und ist dadurch in den Fokus von Umweltschutzbestrebungen des globalen Nordens geraten.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das WorldWatch Institute spricht sich für Bevölkerungsreduktion aus, welche durch verbesserte Bildung, Angebote zur Familienplanung und Förderung der Gleichheit von Frauen und Männern erreicht werden soll. Dieser Ansatz richtet sich, trotz seiner globalen Relevanz, allerdings an Menschen im globalen Süden, die nicht in den Prozess der Maßnahmenfindung einbezogen wurden, sodass unklar ist, ob dies gewünschte oder für sie umsetzbare Ansätze sind.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=15| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem partizipatorischen Ausschluss findet sich ein weiteres Problem im [[Epistemologie|epistemologischen Umgang]] mit der Klimakrise: Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt.&lt;br /&gt;
Durch den Bezug auf ein maskulines Subjekt werden nicht-männliche Perspektiven ausradiert. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als &amp;quot;'work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.'&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=4 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=4 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=7 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts und schließt auch nicht-wissenschaftbasiertes Wissen und Perspektiven aus, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können. Nicht-wissenschaftsbasiertes Wissen (auch “situated knowledge”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) wird von Menschen durch ihre Lebensweise in einem bestimmten Gebiet generiert. Es wird allerdings nicht als gültig anerkannt, da es nicht durch objektive und wertfreie Forschung gewonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Anna Kaijser]] und [[Annica Kronsell]] sehen situated knowledge allerdings als “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; an. &lt;br /&gt;
Das Aufgeben des situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass ein solcher perspektivloser, absolut neutraler Standpunkt existiert, von dem aus Wissenschaft betrieben werden kann. Feministische Epistemolog*innen lehnen dies allerdings ab, da weiße, reiche Männer historisch durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt auch zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse ([[gender data gap]]), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und BIPoC resultiert dabei in einer verzerrten Vorstellung davon, wie mit der Klimakrise umgegangen werden soll:&lt;br /&gt;
Der globale Norden, der für 80% des globalen Treibhausgasaustoßes verantwortlich ist, setzt technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise im globalen Süden durch (beispielsweise sieht das Kyoto Protokoll u.A. den Einsatz von genetisch veränderte Nutzpflanzen vor&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;), anstelle das Problem des Überkonsums im globalen Norden zu behandeln, einen ideologischen Wandel der Mensch-Umwelt-Beziehung bei den Konsumenten voranzutreiben &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12f.| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; oder den globalen Süden selbst Strategien entwickeln zu lassen. Hier wird deutlich, wie Wissen Dominanz ausüben kann.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da sich durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft betrieben wird, mitunter fehlgeleitete politische Strategien ergeben. So basiert beispielsweise die Formulierung des 2-Grad-Ziels als Richtwert für ein vertretbares Maß an Klimaerwärmung auf der Vorstellung, dass sich die Klimaerwärmung an einem bestimmten Punkt stoppen lasse.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer Analyse führt Joni Seager dies zurück auf die maskulinistische Vorstellung von Kontrolle und Dominanz der Umwelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Fokus auf technologische Lösungsansätze ignoriert außerdem das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, und setzt somit nicht an der Wurzel des Problems an. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; &amp;quot;[...] climate change and first world overconsumption are produced by masculinist ideology, and will not be solved by masculinist techno-science approaches.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist somit die Tatsache, dass aktuelle Ansätze durch die unausgewogene Betrachtung unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Oftmals werden die Kategorisierungen als natürliche Unterschiede dargestellt. Denen wiederum implizite Machtmuster zu Grunde gelegt werden und nicht konkret genannt werden müssen. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um Kategorien, deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als Ziel einer intersektionalen Analalyse, die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Denn Wissen ist historisch geschaffen und auch das betroffene Subjekt ist situiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klimakrise und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien, die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen, oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich, um ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und Geschlechterdiversität auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+&amp;lt;ref&amp;gt;Gaard betont in ihren Veröffentlichungen anhaltend queer-pespectives und queer sexualities, um dies einzufangen wird hier zusätzlich auch von LGBTQIA+ gesprochen, obwohl sie im Originaltext diese nicht explizit nennt.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen, ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
=== Kritik an Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen, ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht, wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. darüber, wie die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels, die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheidend für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Marginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung, wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt. Oder anderenfalls nur einzelne Individuen, da die jeweiligen Erfahrungen von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind. Zusammengefasst werden Diskurse rund um dieses Thema unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für ihre Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare, universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie gemacht werden. Dennoch als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen, die Bedenken äußern, trotzdem.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Kritik am Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte Janet Biehl in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position [GRAMMATIKALISCH RICHTIG WÄRE POSITION DER SOZIALEN ÖKOLOGIE; ABER...][[soziale Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essentialismus Essentialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind soll im Anschluss auf die kritische Beschäftigung mit dem Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Staudenmaier nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise Asmae Ourkia in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt.&amp;lt;ref&amp;gt; Riley benutzt in ihrem Artikel, welcher im Jahre 1993 publiziert wurde, die Worte „Black“ und „People of Color“. Die konzeptuelle Verwendung des Begriffs „BIPoC“ setzte erst im Zuge der Entstehung der Black-Lives-Matter-Bewegung ein. Im hier vorliegenden Artikelabschnitt wird die Begriffsverwendung aufgrund der Auswirkungen des Kolonialismus auf Indigene als sinnvolle Ergänzung erachtet und trotz der Abweichung vom Originaltext eingeführt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In [[Shamara Shantu Rileys]] Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der [[Natur-Kultur Dualismus]] entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin [[Marimba Ani]] wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen, seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem [[157. Verhältnis Mensch – Kunst – Natur|‏‎Verhältnis zur Natur]] als von ihr gespalten an und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin [[Ynestra King]] macht darauf aufmerksam, wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie [[bell hooks]], [[Esther Iverem]] und [[Robert Bullard]] die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung, denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu  |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern, bringt Riley treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu  |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlicher Natur anerkannt, respektiert und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anderes Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5253</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5253"/>
		<updated>2022-04-10T20:15:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[WEITERE KORREKTUREN FOLGEN IN KW 14]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakrise bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essentialismus Ökofeminismus] definiert, sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essentialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von [[Umweltkatastrophen]] wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der [[Umweltphilosophie]], die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder des [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern zu erklären.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es steht außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderes Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Nele''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei Umweltkatastrophen betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: So ist die Wahrscheinlichkeit, in einer Umweltkatastrophe zu sterben, für Frauen und Kinder 14 mal höher als für Männer.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Greta Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit nicht angeboren, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der ''gendered vulnerability'' als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung im Bezug auf den Klimawandel.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ein Beispiel für die partizipatorische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] in der Debatte um die Klimakrise findet sich im Fall der Überbevölkerung:&lt;br /&gt;
Überbevölkerung im globalen Süden wird seit Ende der Sechziger Jahre als einer der Gründe für die Klimaerwärmung gesehen und ist dadurch in den Fokus von Umweltschutzbestrebungen des globalen Nordens geraten.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das WorldWatch Institute spricht sich für Bevölkerungsreduktion aus, welche durch verbesserte Bildung, Angebote zur Familienplanung und Förderung der Gleichheit von Frauen und Männern erreicht werden soll. '''Dieser Ansatz richtet sich, trotz seiner globalen Relevanz, allerdings an Menschen im globalen Süden, mit denen keine Rücksprache darüber gehalten wurde, ob dies gewünschte oder für sie umsetzbare Ansätze sind.'''&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=15| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem partizipatorischen Ausschluss findet sich ein weiteres Problem im epistemologischen Umgang mit der Klimakrise: Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt.&lt;br /&gt;
Durch den Bezug auf ein maskulines Subjekt werden nicht-männliche Perspektiven ausradiert. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als &amp;quot;'work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.'&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=4 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=4 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=7 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts und schließt auch nicht-wissenschaftbasiertes Wissen und Perspektiven aus, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können. Nicht-wissenschaftsbasiertes Wissen (auch “situated knowledge”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) wird von Menschen durch ihre Lebensweise in einem bestimmten Gebiet generiert. Es wird allerdings nicht als gültig anerkannt, da es nicht durch objektive und wertfreie Forschung gewonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Anna Kaijser und Annica Kronsell sehen situated knowledge allerdings als “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; an. &lt;br /&gt;
Das Aufgeben des situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass dieser perspektivlose, absolut neutrale Standpunkt existiert, von dem aus Wissenschaft betrieben werden kann. Feministische Epistemolog*innen lehnen dies allerdings ab, da weiße, reiche Männer historisch durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt auch zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort [[gender data gap]]), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und BIPoC resultiert dabei in einer verzerrten Vorstellung davon, wie mit der Klimakrise umgegangen werden soll:&lt;br /&gt;
Der globale Norden, der für 80% des globalen Treibhausgasaustoßes verantwortlich ist, setzt technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise im globalen Süden durch (beispielsweise sieht das Kyoto Protokoll u.A. den Einsatz von genetisch veränderte Nutzpflanzen vor&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;), anstelle das Problem des Überkonsums im globalen Norden zu behandeln, einen ideologischen Wandel der Mensch-Umwelt-Beziehung bei den Konsumenten voranzutreiben &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12f.| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; oder den globalen Süden selbst Strategien entwickeln zu lassen. Hier wird deutlich, wie Wissen Dominanz ausüben kann.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da sich durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft betrieben wird, mitunter fehlgeleitete politische Strategien ergeben. So basiert beispielsweise die Formulierung des 2-Grad-Ziels als Richtwert für ein vertretbares Maß an Klimaerwärmung auf der Vorstellung, dass sich die Klimaerwärmung an einem bestimmten Punkt stoppen lasse.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer Analyse führt Joni Seager dies zurück auf die maskulinistische Vorstellung von Kontrolle und Dominanz der Umwelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Fokus auf technologische Lösungsansätze ignoriert außerdem das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, und setzt somit nicht an der Wurzel des Problems an. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; &amp;quot;[...] climate change and first world overconsumption are produced by masculinist ideology, and will not be solved by masculinist techno-science approaches.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist also die Tatsache, dass aktuelle Ansätze durch die unausgewogene Betrachtung unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Oftmals werden die Kategorisierungen als natürliche Unterschiede dargestellt. Denen wiederum implizite Machtmuster zu Grunde gelegt werden und nicht konkret genannt werden müssen. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um Kategorien, deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als Ziel einer intersektionalen Analalyse, die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Denn Wissen ist historisch geschaffen und auch das betroffene Subjekt ist situiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klimakrise und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien, die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen, oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich, um ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und Geschlechterdiversität auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+&amp;lt;ref&amp;gt;Gaard betont in ihren Veröffentlichungen anhaltend queer-pespectives und queer sexualities, um dies einzufangen wird hier zusätzlich auch von LGBTQIA+ gesprochen, obwohl sie im Originaltext diese nicht explizit nennt.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen, ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
=== Kritik an Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen, ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht, wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. darüber, wie die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels, die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheidend für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Marginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung, wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt. Oder anderenfalls nur einzelne Individuen, da die jeweiligen Erfahrungen von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind. Zusammengefasst werden Diskurse rund um dieses Thema unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für ihre Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare, universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie gemacht werden. Dennoch als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen, die Bedenken äußern, trotzdem.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Kritik am Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte Janet Biehl in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position [GRAMMATIKALISCH RICHTIG WÄRE POSITION DER SOZIALEN ÖKOLOGIE; ABER...][[soziale Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essentialismus Essentialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind soll im Anschluss auf die kritische Beschäftigung mit dem Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Staudenmaier nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise Asmae Ourkia in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt.&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Riley benutzt in ihrem Artikel, welcher im Jahre 1993 publiziert wurde, die Worte „Black“ und „People of Color“. Die konzeptuelle Verwendung des Begriffs „BIPoC“ setzte erst im Zuge der Entstehung der Black-Lives-Matter-Bewegung ein. Im hier vorliegenden Artikelabschnitt wird die Begriffsverwendung aufgrund der Auswirkungen des Kolonialismus auf Indigene als sinnvolle Ergänzung erachtet und trotz der Abweichung vom Originaltext eingeführt.}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der [[Natur-Kultur Dualismus]] entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen, seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur als von ihr gespalten an und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam, wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung, denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu  |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern, bringt Riley treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu  |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlicher Natur anerkannt, respektiert und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anderes Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Rileys, Shamara Shantu |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5155</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5155"/>
		<updated>2022-04-01T12:38:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essentialismus Ökofeminismus] definiert, sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essentialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Nele''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: So ist die Wahrscheinlichkeit, in einer Umweltkatastrophe zu sterben, für Frauen und Kinder 14 mal höher als für Männer.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der ''gendered vulnerability'' als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung im Bezug auf den Klimawandel.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ein Beispiel für die partizipatorische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] in der Debatte um die Klimakrise findet sich im Fall der Überbevölkerung:&lt;br /&gt;
Überbevölkerung im globalen Süden wird seit Ende der Sechziger Jahre als einer der Gründe für die Klimaerwärmung gesehen und ist dadurch in den Fokus von Umweltschutzbestrebungen des globalen Nordens geraten.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das WorldWatch Institute spricht sich für Bevölkerungsreduktion aus, welche durch verbesserte Bildung, Angebote zur Familienplanung und Förderung der Gleichheit von Frauen und Männern erreicht werden soll. Dieser Ansatz richtet sich, trotz seiner globalen Relevanz, allerdings an Menschen im globalen Süden, mit denen keine Rücksprache darüber gehalten wurde, ob dies gewünschte oder für sie umsetzbare Ansätze sind.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=15| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem partizipatorischen Ausschluss findet sich ein weiteres Problem im epistemologischen Umgang mit der Klimakrise: Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt.&lt;br /&gt;
Durch den Bezug auf ein maskulines Subjekt werden nicht-männliche Perspektiven ausradiert. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als &amp;quot;'work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.'&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=4 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=4 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 |Seite=7 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts und schließt auch nicht-wissenschaftbasiertes Wissen und Perspektiven aus, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können. Nicht-wissenschaftsbasiertes Wissen (auch “situated knowledge”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) wird von Menschen durch ihre Lebensweise in einem bestimmten Gebiet generiert. Es wird allerdings nicht als gültig anerkannt, da es nicht durch objektive und wertfreie Forschung gewonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Kaijser und Kronsell sehen situated knowledge allerdings als “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; an. &lt;br /&gt;
Das ‘Opfern’ der situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass dieser perspektivlose, absolut neutrale Standpunkt existiert, von dem aus Wissenschaft betrieben werden kann. Feministische Epistemolog*innen lehnen dies allerdings ab, da weiße, reiche Männer historisch durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt auch zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und BIPoC resultiert dabei in einer verzerrten Vorstellung davon, wie mit der Klimakrise umgegangen werden soll:&lt;br /&gt;
Der globale Norden, der für 80% des globalen Treibhausgasaustoßes verantwortlich ist, setzt technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise im globalen Süden durch (beispielsweise sieht das Kyoto Protokoll u.A. den Einsatz von genetisch veränderte Nutzpflanzen vor&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;), anstelle das Problem des Überkonsums im globalen Norden zu behandeln, einen ideologischen Wandel der Mensch-Umwelt-Beziehung bei den Konsumenten voranzutreiben &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12f.| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; oder den globalen Süden selbst Strategien entwickeln zu lassen. Hier wird deutlich, wie Wissen eine Dominanzfunktion ausüben kann.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da sich durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, mitunter fehlgeleitete politische Strategien ergeben. So basiert beispielsweise die Formulierung des 2-Grad-Ziels als Richtwert für ein vertretbares Maß an Klimaerwärmung auf der Vorstellung, dass sich die Klimaerwärmung an einem bestimmten Punkt stoppen lasse.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer Analyse führt Joni Seager dies zurück auf die maskulinistische Vorstellung von Kontrolle und Dominanz der Umwelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Fokus auf technologische Lösungsansätze ignoriert außerdem das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, und setzt somit nicht an der Wurzel des Problems an. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; &amp;quot;[...] climate change and first world overconsumption are produced by masculinist ideology, and will not be solved by masculinist techno-science approaches.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist also die Tatsache, dass aktuelle Ansätze durch die unausgewogene Betrachtung unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Denn Wissen ist historisch geschaffen und auch das betroffene Subjekt ist situiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und Geschlechterdiversität auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+&amp;lt;ref&amp;gt;Gaard betont in ihren Veröffentlichungen anhaltend queer-pespectives und queer sexualities, um dies einzufangen wird hier zusätzlich auch von LGBTQIA+ gesprochen, obwohl sie im Originaltext an dieser Stelle diese nicht explizit nennt.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
=== Kritik an Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Marginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie [im common sense] gemacht werden. Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Kritik am Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte Janet Biehl in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position [[soziale Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essentialismus Essentialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind soll im Anschluss auf das Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Staudenmaier nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise Asmae Ourkia in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5153</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5153"/>
		<updated>2022-04-01T12:18:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essentialismus Ökofeminismus] definiert, sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essentialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Nele''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: So ist die Wahrscheinlichkeit, in einer Umweltkatastrophe zu sterben, für Frauen und Kinder 14 mal höher als für Männer.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der ''gendered vulnerability'' als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung im Bezug auf den Klimawandel.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ein Beispiel für die partizipatorische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] in der Debatte um die Klimakrise findet sich im Fall der Überbevölkerung:&lt;br /&gt;
Überbevölkerung im globalen Süden wird seit Ende der Sechziger Jahre als einer der Gründe für die Klimaerwärmung gesehen und ist dadurch in den Fokus von Umweltschutzbestrebungen des globalen Nordens geraten.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das WorldWatch Institute spricht sich für Bevölkerungsreduktion aus, welche durch verbesserte Bildung, Angebote zur Familienplanung und Förderung der Gleichheit von Frauen und Männern erreicht werden soll. Dieser Ansatz richtet sich, trotz seiner globalen Relevanz, allerdings an Menschen im globalen Süden, mit denen keine Rücksprache darüber gehalten wurde, ob dies gewünschte oder für sie umsetzbare Ansätze sind.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=15| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem partizipatorischen Ausschluss findet sich ein weiteres Problem im epistemologischen Umgang mit der Klimakrise: Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt.&lt;br /&gt;
Durch den Bezug auf ein maskulines Subjekt werden nicht-männliche Perspektiven ausradiert. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als &amp;quot;'work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.'&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion. Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts und schließt auch nicht-wissenschaftbasiertes Wissen und Perspektiven aus, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können. Nicht-wissenschaftsbasiertes Wissen (auch “situated knowledge”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) wird von Menschen durch ihre Lebensweise in einem bestimmten Gebiet generiert. Es wird allerdings nicht als gültig anerkannt, da es nicht durch objektive und wertfreie Forschung gewonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Kaijser und Kronsell sehen situated knowledge allerdings als “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; an. &lt;br /&gt;
Das ‘Opfern’ der situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass dieser perspektivlose, absolut neutrale Standpunkt existiert, von dem aus Wissenschaft betrieben werden kann. Feministische Epistemolog*innen lehnen dies allerdings ab, da weiße, reiche Männer historisch durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt auch zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und BIPoC resultiert dabei in einer verzerrten Vorstellung davon, wie mit der Klimakrise umgegangen werden soll:&lt;br /&gt;
Der globale Norden, der für 80% des globalen Treibhausgasaustoßes verantwortlich ist, setzt technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise im globalen Süden durch (beispielsweise sieht das Kyoto Protokoll u.A. den Einsatz von genetisch veränderte Nutzpflanzen vor&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;), anstelle das Problem des Überkonsums im globalen Norden zu behandeln, einen ideologischen Wandel der Mensch-Umwelt-Beziehung bei den Konsumenten voranzutreiben &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12f.| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; oder den globalen Süden selbst Strategien entwickeln zu lassen. Hier wird deutlich, wie Wissen eine Dominanzfunktion ausüben kann.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da sich durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, mitunter fehlgeleitete politische Strategien ergeben. So basiert beispielsweise die Formulierung des 2-Grad-Ziels als Richtwert für ein vertretbares Maß an Klimaerwärmung auf der Vorstellung, dass sich die Klimaerwärmung an einem bestimmten Punkt stoppen lasse.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer Analyse führt Joni Seager dies zurück auf die maskulinistische Vorstellung von Kontrolle und Dominanz der Umwelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Fokus auf technologische Lösungsansätze ignoriert außerdem das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, und setzt somit nicht an der Wurzel des Problems an. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; &amp;quot;[...] climate change and first world overconsumption are produced by masculinist ideology, and will not be solved by masculinist techno-science approaches.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist also die Tatsache, dass aktuelle Ansätze durch die unausgewogene Betrachtung unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Denn Wissen ist historisch geschaffen und auch das betroffene Subjekt ist situiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; und Geschlechterdiversität auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+&amp;lt;ref&amp;gt;Gaard betont in ihren Veröffentlichungen anhaltend queer-pespectives und queer sexualities, um dies einzufangen wird hier zusätzlich auch von LGBTQIA+ gesprochen, obwohl sie im Originaltext an dieser Stelle diese nicht explizit nennt.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
=== Kritik an Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Marginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie [im common sense] gemacht werden. Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Kritik am Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte Janet Biehl in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position [[soziale Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essentialismus Essentialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind soll im Anschluss auf das Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Staudenmaier nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise Asmae Ourkia in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5127</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5127"/>
		<updated>2022-03-30T10:28:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Nele''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der ''gendered vulnerability'' als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung im Bezug auf den Klimawandel.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ein Beispiel für die partizipatorische Marginalisierung von Frauen und BIPoC in der Debatte um die Klimakrise findet sich im Fall der Überbevölkerung:&lt;br /&gt;
Überbevölkerung im globalen Süden wird seit Ende der Sechziger Jahre als einer der Gründe für die Klimaerwärmung gesehen und ist dadurch in den Fokus des Umweltschutzes des globalen Nordens geraten.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das WorldWatch Institute spricht sich für Bevölkerungsreduktion aus, welche durch verbesserte Bildung, Angebote zur Familienplanung und Förderung der Gleichheit von Frauen und Männern erreicht werden soll. Dieser Ansatz richtet sich, trotz seiner globalen Relevanz, allerdings an Menschen im globalen Süden, mit denen keine Rücksprache darüber gehalten wurde, ob dies gewünschte oder für sie umsetzbare Ansätze sind.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=15| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem partizipatorischen Ausschluss findet sich ein weiteres Problem im epistemologischen Umgang mit der Klimakrise: Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt.&lt;br /&gt;
Durch den Bezug auf ein maskulines Subjekt werden nicht-männliche Perspektiven ausradiert. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’” &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion. Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts und schließt auch nicht-wissenschaftbasiertes Wissen und Perspektiven aus, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können. Nicht-wissenschaftsbasiertes Wissen (auch “situated knowledge”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) wird von Menschen durch ihre Lebensweise in einem bestimmten Gebiet generiert. Es wird allerdings nicht als gültig anerkannt, da es nicht durch objektive und wertfreie Forschung gewonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Kaijser und Kronsell sehen situated knowledge allerdings als “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; an. &lt;br /&gt;
Das ‘Opfern’ der situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass dieser perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt existiert, von dem aus Wissenschaft betrieben werden kann. Feministische Epistemolog*innen lehnen dies allerdings ab, da weiße, reiche Männer historisch durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt auch zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und BIPoC resultiert dabei in einer verzerrten Vorstellung davon, wie mit der Klimakrise umgegangen werden soll:&lt;br /&gt;
Der globale Norden, der für 80% des globalen Treibhausgasaustoßes verantwortlich ist, setzt technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise im globalen Süden durch (beispielsweise sieht das Kyoto Protokoll u.A. den Einsatz von genetisch veränderte Nutzpflanzen vor&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;), anstelle das Problem des Überkonsums im globalen Norden zu behandeln, einen ideologischen Wandel der Mensch-Umwelt-Beziehung bei den Konsumenten voranzutreiben &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12f.| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; oder den globalen Süden selbst Strategien entwickeln zu lassen. Hier wird deutlich, wie Wissen eine Dominanzfunktion ausüben kann.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da sich durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, mitunter fehlgeleitete politische Strategien ergeben. So basiert beispielsweise die Formulierung des 2-Grad-Ziels als Richtwert für ein vertretbares Maß an Klimaerwärmung auf der Vorstellung, dass sich die Klimaerwärmung an einem bestimmten Punkt stoppen lasse.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer Analyse führt Joni Seager dies zurück auf die maskulinistische Vorstellung von Kontrolle und Dominanz der Umwelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Fokus auf technologische Lösungsansätze ignoriert außerdem das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, und setzt somit nicht an der Wurzel des Problems an. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; &amp;quot;[...] climate change and first world overconsumption are produced by masculinist ideology, and will not be solved by masculinist techno-science approaches.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist also die Tatsache, dass aktuelle Ansätze durch die unausgewogene Betrachtung unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
=== Kritik an Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie [im common sense] gemacht werden. Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Kritik am Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte Janet Biehl in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position [[soziale Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind soll im Anschluss auf das Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Staudenmaier nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise Asmae Ourkia in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5054</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5054"/>
		<updated>2022-03-29T08:05:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der ''gendered vulnerability'' als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung im Bezug auf den Klimawandel.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ein Beispiel für die partizipatorische Marginalisierung von Frauen und BIPoC in der Debatte um die Klimakrise findet sich im Fall der Überbevölkerung:&lt;br /&gt;
Überbevölkerung im globalen Süden wird seit Ende der Sechziger Jahre als einer der Gründe für die Klimaerwärmung gesehen und ist dadurch in den Fokus des Umweltschutzes des globalen Nordens geraten.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das WorldWatch Institute spricht sich für Bevölkerungsreduktion aus, welche durch verbesserte Bildung, Angebote zur Familienplanung und Förderung der Gleichheit von Frauen und Männern erreicht werden soll. Dieser Ansatz richtet sich, trotz seiner globalen Relevanz, allerdings an Menschen im globalen Süden, mit denen keine Rücksprache darüber gehalten wurde, ob dies gewünschte oder für sie umsetzbare Ansätze sind.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=15| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem partizipatorischen Ausschluss findet sich ein weiteres Problem im epistemologischen Umgang mit der Klimakrise: Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt.&lt;br /&gt;
Durch den Bezug auf ein maskulines Subjekt werden nicht-männliche Perspektiven ausradiert. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’” &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion. Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts und schließt auch nicht-wissenschaftbasiertes Wissen und Perspektiven aus, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können. Nicht-wissenschaftsbasiertes Wissen (auch “situated knowledge”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) wird von Menschen durch ihre Lebensweise in einem bestimmten Gebiet generiert. Es wird allerdings nicht als gültig anerkannt, da es nicht durch objektive und wertfreie Forschung gewonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Kaijser und Kronsell sehen situated knowledge allerdings als “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; an. &lt;br /&gt;
Das ‘Opfern’ der situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass dieser perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt existiert, von dem aus Wissenschaft betrieben werden kann. Feministische Epistemolog*innen lehnen dies allerdings ab, da weiße, reiche Männer historisch durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt auch zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und BIPoC resultiert dabei in einer verzerrten Vorstellung davon, wie mit der Klimakrise umgegangen werden soll:&lt;br /&gt;
Der globale Norden, der für 80% des globalen Treibhausgasaustoßes verantwortlich ist, setzt technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise im globalen Süden durch (beispielsweise sieht das Kyoto Protokoll u.A. den Einsatz von genetisch veränderte Nutzpflanzen vor&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;), anstelle das Problem des Überkonsums im globalen Norden zu behandeln, einen ideologischen Wandel der Mensch-Umwelt-Beziehung bei den Konsumenten voranzutreiben &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12f.| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; oder den globalen Süden selbst Strategien entwickeln zu lassen. Hier wird deutlich, wie Wissen eine Dominanzfunktion ausüben kann.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da sich durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, mitunter fehlgeleitete politische Strategien ergeben. So basiert beispielsweise die Formulierung des 2-Grad-Ziels als Richtwert für ein vertretbares Maß an Klimaerwärmung auf der Vorstellung, dass sich die Klimaerwärmung an einem bestimmten Punkt stoppen lasse.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer Analyse führt Joni Seager dies zurück auf die maskulinistische Vorstellung von Kontrolle und Dominanz der Umwelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Fokus auf technologische Lösungsansätze ignoriert außerdem das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, und setzt somit nicht an der Wurzel des Problems an. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; &amp;quot;[...] climate change and first world overconsumption are produced by masculinist ideology, and will not be solved by masculinist techno-science approaches.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist also die Tatsache, dass aktuelle Ansätze durch die unausgewogene Betrachtung unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
=== Kritik an Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie [im common sense] gemacht werden. Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Kritik am Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte Janet Biehl in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position [[soziale Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind soll im Anschluss auf das Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Staudenmaier nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise Asmae Ourkia in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5053</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5053"/>
		<updated>2022-03-29T08:03:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der ''gendered vulnerability'' als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung im Bezug auf den Klimawandel.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ein Beispiel für die partizipatorische Marginalisierung von Frauen und BIPoC in der Debatte um die Klimakrise findet sich im Fall der Überbevölkerung:&lt;br /&gt;
Überbevölkerung im globalen Süden wird seit Ende der Sechziger Jahre als einer der Gründe für die Klimaerwärmung gesehen und ist dadurch in den Fokus des Umweltschutzes des globalen Nordens geraten.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das WorldWatch Institute spricht sich für Bevölkerungsreduktion aus, welche durch verbesserte Bildung, Angebote zur Familienplanung und Förderung der Gleichheit von Frauen und Männern erreicht werden soll. Dieser Ansatz richtet sich, trotz seiner globalen Relevanz, allerdings an Menschen im globalen Süden, mit denen keine Rücksprache darüber gehalten wurde, ob dies gewünschte oder für sie umsetzbare Ansätze sind.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=15| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem partizipatorischen Ausschluss findet sich ein weiteres Problem im epistemologischen Umgang mit der Klimakrise: Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt.&lt;br /&gt;
Durch den Bezug auf ein maskulines Subjekt werden nicht-männliche Perspektiven ausradiert. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’” &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion. Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts und schließt auch nicht-wissenschaftbasiertes Wissen und Perspektiven aus, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können. Nicht-wissenschaftsbasiertes Wissen (auch “situated knowledge”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) wird von Menschen durch ihre Lebensweise in einem bestimmten Gebiet generiert. Es wird allerdings nicht als gültig anerkannt, da es nicht durch objektive und wertfreie Forschung gewonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Kaijser und Kronsell sehen situated knowledge allerdings als “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; an. &lt;br /&gt;
Das ‘Opfern’ der situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass dieser perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt existiert, von dem aus Wissenschaft betrieben werden kann. Feministische Epistemolog*innen lehnen dies allerdings ab, da weiße, reiche Männer historisch durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt auch zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und BIPoC resultiert dabei in einer verzerrten Vorstellung davon, wie mit der Klimakrise umgegangen werden soll:&lt;br /&gt;
Der globale Norden, der für 80% des globalen Treibhausgasaustoßes verantwortlich ist, setzt technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise im globalen Süden durch (beispielsweise sieht das Kyoto Protokoll u.A. den Einsatz von genetisch veränderte Nutzpflanzen vor&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;), anstelle das Problem des Überkonsums im globalen Norden zu behandeln, einen ideologischen Wandel der Mensch-Umwelt-Beziehung bei den Konsumenten voranzutreiben &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12f.| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; oder den globalen Süden selbst Strategien entwickeln zu lassen. Hier wird deutlich, wie Wissen eine Dominanzfunktion ausüben kann.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da sich durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, mitunter fehlgeleitete politische Strategien ergeben. So basiert beispielsweise die Formulierung des 2-Grad-Ziels als Richtwert für ein vertretbares Maß an Klimaerwärmung auf der Vorstellung, dass sich die Klimaerwärmung an einem bestimmten Punkt stoppen lasse.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer Analyse führt Joni Seager dies zurück auf die maskulinistische Vorstellung von Kontrolle und Dominanz der Umwelt.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Fokus auf technologische Lösungsansätze ignoriert außerdem das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, und setzt somit nicht an der Wurzel des Problems an. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; &amp;quot;[...] climate change and first world overconsumption are produced by masculinist ideology, and will not be solved by masculinist techno-science approaches.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist also die Tatsache, dass aktuelle Ansätze durch die unausgewogene Betrachtung unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
=== Kritik an Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie [im common sense] gemacht werden. Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Kritik am Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte Janet Biehl in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position [[soziale Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind soll im Anschluss auf das Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Staudenmaier nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise Asmae Ourkia in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5052</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5052"/>
		<updated>2022-03-29T08:00:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der ''gendered vulnerability'' als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung im Bezug auf den Klimawandel.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ein Beispiel für die partizipatorische Marginalisierung von Frauen und BIPoC in der Debatte um die Klimakrise findet sich im Fall der Überbevölkerung:&lt;br /&gt;
Überbevölkerung im globalen Süden wird seit Ende der Sechziger Jahre als einer der Gründe für die Klimaerwärmung gesehen und ist dadurch in den Fokus des Umweltschutzes des globalen Nordens geraten.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das WorldWatch Institute spricht sich für Bevölkerungsreduktion aus, welche durch verbesserte Bildung, Angebote zur Familienplanung und Förderung der Gleichheit von Frauen und Männern erreicht werden soll. Dieser Ansatz richtet sich, trotz seiner globalen Relevanz, allerdings an Menschen im globalen Süden, mit denen keine Rücksprache darüber gehalten wurde, ob dies gewünschte oder für sie umsetzbare Ansätze sind.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=15| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem partizipatorischen Ausschluss findet sich ein weiteres Problem im epistemologischen Umgang mit der Klimakrise: Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt.&lt;br /&gt;
Durch den Bezug auf ein maskulines Subjekt werden nicht-männliche Perspektiven ausradiert. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’” &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion. Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts und schließt auch nicht-wissenschaftbasiertes Wissen und Perspektiven aus, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können. Nicht-wissenschaftsbasiertes Wissen (auch “situated knowledge”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) wird von Menschen durch ihre Lebensweise in einem bestimmten Gebiet generiert. Es wird allerdings nicht als gültig anerkannt, da es nicht durch objektive und wertfreie Forschung gewonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Kaijser und Kronsell sehen situated knowledge allerdings als “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; an. &lt;br /&gt;
Das ‘Opfern’ der situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass dieser perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt existiert, von dem aus Wissenschaft betrieben werden kann. Feministische Epistemolog*innen lehnen dies allerdings ab, da weiße, reiche Männer historisch durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt auch zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und BIPoC resultiert dabei in einer verzerrten Vorstellung davon, wie mit der Klimakrise umgegangen werden soll:&lt;br /&gt;
Der globale Norden, der für 80% des globalen Treibhausgasaustoßes verantwortlich ist, setzt technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise im globalen Süden durch (beispielsweise sieht das Kyoto Protokoll u.A. den Einsatz von genetisch veränderte Nutzpflanzen vor&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;), anstelle das Problem des Überkonsums im globalen Norden zu behandeln, einen ideologischen Wandel der Mensch-Umwelt-Beziehung bei den Konsumenten voranzutreiben &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12f.| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; oder den globalen Süden selbst Strategien entwickeln zu lassen. Hier wird deutlich, wie Wissen eine Dominanzfunktion ausüben kann.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da sich durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, mitunter fehlgeleitete politische Strategien ergeben. So basiert beispielsweise die Formulierung des 2-Grad-Ziels als Richtwert für ein vertretbares Maß an Klimaerwärmung auf der Vorstellung, dass sich die Klimaerwärmung an einem bestimmten Punkt stoppen lasse.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer Analyse führt Joni Seager dies zurück auf die maskulinistische Vorstellung von Kontrolle und Dominanz der Umwelt.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Fokus auf technologische Lösungsansätze ignoriert außerdem das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, und setzt somit nicht an der Wurzel des Problems an. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; &amp;quot;[...] climate change and first world overconsumption are produced by masculinist ideology, and will not be solved by masculinist techno-science approaches.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist also die Tatsache, dass aktuelle Ansätze durch die unausgewogene Betrachtung unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
=== Kritik an Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie [im common sense] gemacht werden. Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Kritik am Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte Janet Biehl in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position [[soziale Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind soll im Anschluss auf das Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Staudenmaier nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise Asmae Ourkia in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5051</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5051"/>
		<updated>2022-03-29T07:59:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der ''gendered vulnerability'' als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung im Bezug auf den Klimawandel.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ein Beispiel für die partizipatorische Marginalisierung von Frauen und BIPoC in der Debatte um die Klimakrise findet sich im Fall der Überbevölkerung:&lt;br /&gt;
Überbevölkerung im globalen Süden wird seit Ende der Sechziger Jahre als einer der Gründe für die Klimaerwärmung gesehen und ist dadurch in den Fokus des Umweltschutzes des globalen Nordens geraten.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das WorldWatch Institute spricht sich für Bevölkerungsreduktion aus, welche durch verbesserte Bildung, Angebote zur Familienplanung und Förderung der Gleichheit von Frauen und Männern erreicht werden soll. Dieser Ansatz richtet sich, trotz seiner globalen Relevanz, allerdings an Menschen im globalen Süden, mit denen keine Rücksprache darüber gehalten wurde, ob dies gewünschte oder für sie umsetzbare Ansätze sind.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=15| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem partizipatorischen Ausschluss findet sich ein weiteres Problem im epistemologischen Umgang mit der Klimakrise: Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt.&lt;br /&gt;
Durch den Bezug auf ein maskulines Subjekt werden nicht-männliche Perspektiven ausradiert. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’” &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion. Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts und schließt auch nicht-wissenschaftbasiertes Wissen und Perspektiven aus, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können. Nicht-wissenschaftsbasiertes Wissen (auch “situated knowledge”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) wird von Menschen durch ihre Lebensweise in einem bestimmten Gebiet generiert. Es wird allerdings nicht als gültig anerkannt, da es nicht durch objektive und wertfreie Forschung gewonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Kajiser und Kronsell sehen situated knowledge allerdings als “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; an. &lt;br /&gt;
Das ‘Opfern’ der situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass dieser perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt existiert, von dem aus Wissenschaft betrieben werden kann. Feministische Epistemolog*innen lehnen dies allerdings ab, da weiße, reiche Männer historisch durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt auch zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und BIPoC resultiert dabei in einer verzerrten Vorstellung davon, wie mit der Klimakrise umgegangen werden soll:&lt;br /&gt;
Der globale Norden, der für 80% des globalen Treibhausgasaustoßes verantwortlich ist, setzt technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise im globalen Süden durch (beispielsweise sieht das Kyoto Protokoll u.A. den Einsatz von genetisch veränderte Nutzpflanzen vor&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;), anstelle das Problem des Überkonsums im globalen Norden zu behandeln, einen ideologischen Wandel der Mensch-Umwelt-Beziehung bei den Konsumenten voranzutreiben &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12f.| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; oder den globalen Süden selbst Strategien entwickeln zu lassen. Hier wird deutlich, wie Wissen eine Dominanzfunktion ausüben kann.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da sich durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, mitunter fehlgeleitete politische Strategien ergeben. So basiert beispielsweise die Formulierung des 2-Grad-Ziels als Richtwert für ein vertretbares Maß an Klimaerwärmung auf der Vorstellung, dass sich die Klimaerwärmung an einem bestimmten Punkt stoppen lasse.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer Analyse führt Joni Seager dies zurück auf die maskulinistische Vorstellung von Kontrolle und Dominanz der Umwelt.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Fokus auf technologische Lösungsansätze ignoriert außerdem das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, und setzt somit nicht an der Wurzel des Problems an. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; &amp;quot;[...] climate change and first world overconsumption are produced by masculinist ideology, and will not be solved by masculinist techno-science approaches.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist also die Tatsache, dass aktuelle Ansätze durch die unausgewogene Betrachtung unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
=== Kritik an Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie [im common sense] gemacht werden. Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Kritik am Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte Janet Biehl in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position [[soziale Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind soll im Anschluss auf das Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Staudenmaier nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise Asmae Ourkia in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5050</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5050"/>
		<updated>2022-03-29T07:58:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der ''gendered vulnerability'' als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung im Bezug auf den Klimawandel.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ein Beispiel für die partizipatorische Marginalisierung von Frauen und BIPoC in der Debatte um die Klimakrise findet sich im Fall der Überbevölkerung:&lt;br /&gt;
Überbevölkerung im globalen Süden wird seit Ende der Sechziger Jahre als einer der Gründe für die Klimaerwärmung gesehen und ist dadurch in den Fokus des Umweltschutzes des globalen Nordens geraten.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das WorldWatch Institute spricht sich für Bevölkerungsreduktion aus, welche durch verbesserte Bildung, Angebote zur Familienplanung und Förderung der Gleichheit von Frauen und Männern erreicht werden soll. Dieser Ansatz richtet sich, trotz seiner globalen Relevanz, allerdings an Menschen im globalen Süden, mit denen keine Rücksprache darüber gehalten wurde, ob dies gewünschte oder für sie umsetzbare Ansätze sind.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=15| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem partizipatorischen Ausschluss findet sich ein weiteres Problem im epistemologischen Umgang mit der Klimakrise: Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt.&lt;br /&gt;
Durch den Bezug auf ein maskulines Subjekt werden nicht-männliche Perspektiven ausradiert. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’” &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion. Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts und schließt auch nicht-wissenschaftbasiertes Wissen und Perspektiven aus, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können. Nicht-wissenschaftsbasiertes Wissen (auch “situated knowledge”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) wird von Menschen durch ihre Lebensweise in einem bestimmten Gebiet generiert. Es wird allerdings nicht als gültig anerkannt, da es nicht durch objektive und wertfreie Forschung gewonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Kajiser und Kronsell sehen situated knowledge allerdings als “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; an. &lt;br /&gt;
Das ‘Opfern’ der situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass dieser perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt existiert, von dem aus Wissenschaft betrieben werden kann. Feministische Epistemolog*innen lehnen dies allerdings ab, da weiße, reiche Männer historisch durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt auch zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und BIPoC resultiert dabei in einer verzerrten Vorstellung davon, wie mit der Klimakrise umgegangen werden soll:&lt;br /&gt;
Der globale Norden, der für 80% des globalen Treibhausgasaustoßes verantwortlich ist, setzt technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise im globalen Süden durch (beispielsweise sieht das Kyoto Protokoll u.A. den Einsatz von genetisch veränderte Nutzpflanzen vor&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;), anstelle das Problem des Überkonsums im globalen Norden zu behandeln, einen ideologischen Wandel der Mensch-Umwelt-Beziehung bei den Konsumenten voranzutreiben &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12f.| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; oder den globalen Süden selbst Strategien entwickeln zu lassen. Hier wird deutlich, wie Wissen eine Dominanzfunktion ausüben kann.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da sich durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, mitunter fehlgeleitete politische Strategien ergeben. So basiert beispielsweise die Formulierung des 2-Grad-Ziels als Richtwert für ein vertretbares Maß an Klimaerwärmung auf der Vorstellung, dass sich die Klimaerwärmung an einem bestimmten Punkt stoppen lasse.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer Analyse führt Joni Seager dies zurück auf die maskulinistische Vorstellung von Kontrolle und Dominanz der Umwelt.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Fokus auf technologische Lösungsansätze ignoriert außerdem das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, und setzt somit nicht an der Wurzel des Problems an. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; &amp;quot;[...] climate change and first world overconsumption are produced by masculinist ideology, and will not be solved by masculinist techno-science approaches.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist also die Tatsache, dass aktuelle Ansätze durch die unausgewogene Betrachtung unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
=== Kritik an Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie [im common sense] gemacht werden. Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Kritik am Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte Janet Biehl in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position [[soziale Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind soll im Anschluss auf das Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Staudenmaier nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise Asmae Ourkia in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5049</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5049"/>
		<updated>2022-03-29T07:55:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]''Nele'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der &amp;quot;gendered vulnerability&amp;quot; als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert “at all levels of decision making regarding climate change”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ein Beispiel für die partizipatorische Marginalisierung von Frauen und BIPoC in der Debatte um die Klimakrise findet sich im Fall der Überbevölkerung:&lt;br /&gt;
Überbevölkerung im globalen Süden wird seit Ende der Sechziger Jahre als einer der Gründe für die Klimaerwärmung gesehen und ist dadurch in den Fokus des Umweltschutzes des globalen Nordens geraten.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das WorldWatch Institute spricht sich für Bevölkerungsreduktion aus, welche durch verbesserte Bildung, Angebote zur Familienplanung und Förderung der Gleichheit von Frauen und Männern erreicht werden soll. Dieser Ansatz richtet sich, trotz seiner globalen Relevanz, allerdings an Menschen im globalen Süden, mit denen keine Rücksprache darüber gehalten wurde, ob dies gewünschte oder für sie umsetzbare Ansätze sind.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=15| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem partizipatorischen Ausschluss findet sich ein weiteres Problem im epistemologischen Umgang mit der Klimakrise: Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt.&lt;br /&gt;
Durch den Bezug auf ein maskulines Subjekt werden nicht-männliche Perspektiven ausradiert. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’” &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion. Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts und schließt auch nicht-wissenschaftbasiertes Wissen und Perspektiven aus, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können. Nicht-wissenschaftsbasiertes Wissen (auch “situated knowledge”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) wird von Menschen durch ihre Lebensweise in einem bestimmten Gebiet generiert. Es wird allerdings nicht als gültig anerkannt, da es nicht durch objektive und wertfreie Forschung gewonnen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Kajiser und Kronsell sehen situated knowledge allerdings als “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; an. &lt;br /&gt;
Das ‘Opfern’ der situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass dieser perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt existiert, von dem aus Wissenschaft betrieben werden kann. Feministische Epistemolog*innen lehnen dies allerdings ab, da weiße, reiche Männer historisch durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt auch zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und BIPoC resultiert dabei in einer verzerrten Vorstellung davon, wie mit der Klimakrise umgegangen werden soll:&lt;br /&gt;
Der globale Norden, der für 80% des globalen Treibhausgasaustoßes verantwortlich ist, setzt technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise im globalen Süden durch (beispielsweise sieht das Kyoto Protokoll u.A. den Einsatz von genetisch veränderte Nutzpflanzen vor&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;), anstelle das Problem des Überkonsums im globalen Norden zu behandeln, einen ideologischen Wandel der Mensch-Umwelt-Beziehung bei den Konsumenten voranzutreiben &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12f.| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; oder den globalen Süden selbst Strategien entwickeln zu lassen. Hier wird deutlich, wie Wissen eine Dominanzfunktion ausüben kann.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da sich durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, mitunter fehlgeleitete politische Strategien ergeben. So basiert beispielsweise die Formulierung des 2-Grad-Ziels als Richtwert für ein vertretbares Maß an Klimaerwärmung auf der Vorstellung, dass sich die Klimaerwärmung an einem bestimmten Punkt stoppen lasse.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihrer Analyse führt Joni Seager dies zurück auf die maskulinistische Vorstellung von Kontrolle und Dominanz der Umwelt.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Fokus auf technologische Lösungsansätze ignoriert außerdem das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, und setzt somit nicht an der Wurzel des Problems an. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; &amp;quot;[...] climate change and first world overconsumption are produced by masculinist ideology, and will not be solved by masculinist techno-science approaches.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist also die Tatsache, dass aktuelle Ansätze durch die unausgewogene Betrachtung unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
=== Kritik an Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie [im common sense] gemacht werden. Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Kritik am Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte Janet Biehl in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position [[soziale Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind soll im Anschluss auf das Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Staudenmaier nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise Asmae Ourkia in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5048</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5048"/>
		<updated>2022-03-29T07:52:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]''Nele'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der &amp;quot;gendered vulnerability&amp;quot; als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert “at all levels of decision making regarding climate change”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  Ein Beispiel für die partizipatorische Marginalisierung von Frauen und BIPoC in der Debatte um die Klimakrise findet sich im Fall der Überbevölkerung:&lt;br /&gt;
Überbevölkerung im globalen Süden wird seit Ende der Sechziger Jahre als einer der Gründe für die Klimaerwärmung gesehen und ist dadurch in den Fokus des Umweltschutzes des globalen Nordens geraten&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Das WorldWatch Institute spricht sich für Bevölkerungsreduktion aus, welche durch verbesserte Bildung, Angebote zur Familienplanung und Förderung der Gleichheit von Frauen und Männern erreicht werden soll. Dieser Ansatz richtet sich, trotz seiner globalen Relevanz, allerdings an Menschen im globalen Süden, mit denen keine Rücksprache darüber gehalten wurde, ob dies gewünschte oder für sie umsetzbare Ansätze sind&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=15| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem partizipatorischen Ausschluss findet sich ein weiteres Problem im epistemologischen Umgang mit der Klimakrise: Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt.&lt;br /&gt;
Durch den Bezug auf ein maskulines Subjekt werden nicht-männliche Perspektiven ausradiert. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’” &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion. Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts und schließt auch nicht-wissenschaftbasiertes Wissen und Perspektiven aus, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können. Nicht-wissenschaftsbasiertes Wissen (auch “situated knowledge”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) wird von Menschen durch ihre Lebensweise in einem bestimmten Gebiet generiert. Es wird allerdings nicht als gültig anerkannt, da es nicht durch objektive und wertfreie Forschung gewonnen wurde&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Kajiser und Kronsell sehen situated knowledge allerdings als “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; an. &lt;br /&gt;
Das ‘Opfern’ der situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass dieser perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt existiert, von dem aus Wissenschaft betrieben werden kann. Feministische Epistemolog*innen lehnen dies allerdings ab, da weiße, reiche Männer historisch durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt auch zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und BIPoC resultiert dabei in einer verzerrten Vorstellung davon, wie mit der Klimakrise umgegangen werden soll:&lt;br /&gt;
Der globale Norden, der für 80% des globalen Treibhausgasaustoßes verantwortlich ist, setzt technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise im globalen Süden durch (beispielsweise sieht das Kyoto Protokoll u.A. den Einsatz von genetisch veränderte Nutzpflanzen vor&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;), anstelle das Problem des Überkonsums im globalen Norden zu behandeln, einen ideologischen Wandel der Mensch-Umwelt-Beziehung bei den Konsumenten voranzutreiben &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12f.| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; oder den globalen Süden selbst Strategien entwickeln zu lassen. Hier wird deutlich, wie Wissen eine Dominanzfunktion ausüben kann&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da sich durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, mitunter fehlgeleitete politische Strategien ergeben. So basiert beispielsweise die Formulierung des 2-Grad-Ziels als Richtwert für ein vertretbares Maß an Klimaerwärmung auf der Vorstellung, dass sich die Klimaerwärmung an einem bestimmten Punkt stoppen lasse&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. In ihrer Analyse führt Joni Seager dies zurück auf die maskulinistische Vorstellung von Kontrolle und Dominanz der Umwelt&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Der Fokus auf technologische Lösungsansätze ignoriert außerdem das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=12| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, und setzt somit nicht an der Wurzel des Problems an. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; &amp;quot;[...] climate change and first world overconsumption are produced by masculinist ideology, and will not be solved by masculinist techno-science approaches.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist also die Tatsache, dass aktuelle Ansätze durch die unausgewogene Betrachtung unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
=== Kritik an Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie [im common sense] gemacht werden. Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Kritik am Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte Janet Biehl in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position [[soziale Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind soll im Anschluss auf das Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Staudenmaier nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise Asmae Ourkia in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5045</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5045"/>
		<updated>2022-03-28T12:15:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]''Nele'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der &amp;quot;gendered vulnerability&amp;quot; als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert “at all levels of decision making regarding climate change”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
+ Beispiel?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
+ Überleitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt.&lt;br /&gt;
Durch den Bezug auf ein maskulines Subjekt werden nicht-männliche Perspektiven ausradiert. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’” &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion. Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts und schließt auch nicht-wissenschaftbasiertes Wissen und Perspektiven aus, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können. Nicht-wissenschaftsbasiertes Wissen (auch “situated knowledge”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) wird von Menschen durch ihre Lebensweise in einem bestimmten Gebiet generiert. Es wird allerdings nicht als gültig anerkannt, da es nicht durch objektive und wertfreie Forschung gewonnen wurde&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bee, Beth A.; Rice, Jennifer; Trauger, Amy|Titel=A Feminist Approach to Climate Change Governance: Everyday and Intimate Politics|Zeitschrift=Geograpyh Compass|Band=9|Nummer=6|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.semanticscholar.org/paper/A-Feminist-Approach-to-Climate-Change-Governance%3A-Bee-Rice/c38a57d2dc12a4f42bd963691606f1f951a977b9|Abruf=28.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Kajiser und Kronsell sehen situated knowledge allerdings als “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; an. &lt;br /&gt;
Das ‘Opfern’ der situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass dieser perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt existiert, von dem aus Wissenschaft betrieben werden kann. Feministische Epistemolog*innen lehnen dies allerdings ab, da weiße, reiche Männer historisch durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt auch zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; &amp;quot;[...] climate change and first world overconsumption are produced by masculinist ideology, and will not be solved by masculinist techno-science approaches.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
______________ Ende Überarbeitung ____________________&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist die Tatsache, dass aktuelle Ansätze unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. BELEG! Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=13| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, während stattdessen antifeministischen Lösungsansätzen wie Populationskontrolle, Militarisierung und Anti-Immigrationsmaßnahmen Tür und Tor geöffnet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der maskulinistische Charakter der Analyse der Klimakrise&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=25| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; lässt sich einerseits durch die hauptsächliche Teilnahme von Männern in politischen Entscheidungsprozessen ('''Statistik noch einsetzen''') zurückführen, andererseits steckt dahinter auch die historische Privilegiertheit des Standpunkts weißer Männer in der Wissensproduktion (&amp;quot;master subject&amp;quot;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu sollte im Rahmen dieser intersektionalen Betrachtung ergänzt werden, dass auch Menschen, die vom eurozentrischen Bild des weißen, heterosexuellen Cis-Mannes abweichen, von der Wissensproduktion ausgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] macht sich in der Debatte um die Klimakrise bemerkbar, wenn der globale Norden beispielsweise technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise für den globalen Süden fordert, ohne spezifische Kenntnisse von der Situation vor Ort zu haben oder anstelle diese eigene Konzepte entwickeln zu lassen. Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, ''mitunter partiell gültige Forschungsergebnisse gewonnen werden''. Es wird des Weiteren kritisiert, dass technologische Lösungsversuche das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur, ignorieren und somit nicht an der Wurzel des Problems ansetzen. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
=== Kritik an Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie [im common sense] gemacht werden. Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Kritik am Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte Janet Biehl in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position [[soziale Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind soll im Anschluss auf das Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Staudenmaier nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise Asmae Ourkia in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5044</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5044"/>
		<updated>2022-03-28T12:05:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]''Nele'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der &amp;quot;gendered vulnerability&amp;quot; als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert “at all levels of decision making regarding climate change”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
+ Beispiel?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
+ Überleitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt.&lt;br /&gt;
Durch den Bezug auf ein maskulines Subjekt werden nicht-männliche Perspektiven ausradiert. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’” &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion. Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts und schließt auch nicht-wissenschaftbasiertes Wissen und Perspektiven aus, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können. Nicht-wissenschaftsbasiertes Wissen (auch “situated knowledge”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) wird von Menschen durch ihre Lebensweise in einem bestimmten Gebiet generiert. Es wird allerdings nicht als gültig anerkannt, da es nicht durch objektive und wertfreie Forschung gewonnen wurde (Bee Rice Trauger p. 4). Kajiser und Kronsell sehen situated knowledge allerdings als “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; an. &lt;br /&gt;
Das ‘Opfern’ der situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass dieser perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt existiert, von dem aus Wissenschaft betrieben werden kann. Feministische Epistemolog*innen lehnen dies allerdings ab, da weiße, reiche Männer historisch durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt auch zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; &amp;quot;[...] climate change and first world overconsumption are produced by masculinist ideology, and will not be solved by masculinist techno-science approaches.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
______________ Ende Überarbeitung ____________________&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist die Tatsache, dass aktuelle Ansätze unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. BELEG! Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=13| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, während stattdessen antifeministischen Lösungsansätzen wie Populationskontrolle, Militarisierung und Anti-Immigrationsmaßnahmen Tür und Tor geöffnet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der maskulinistische Charakter der Analyse der Klimakrise&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=25| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; lässt sich einerseits durch die hauptsächliche Teilnahme von Männern in politischen Entscheidungsprozessen ('''Statistik noch einsetzen''') zurückführen, andererseits steckt dahinter auch die historische Privilegiertheit des Standpunkts weißer Männer in der Wissensproduktion (&amp;quot;master subject&amp;quot;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu sollte im Rahmen dieser intersektionalen Betrachtung ergänzt werden, dass auch Menschen, die vom eurozentrischen Bild des weißen, heterosexuellen Cis-Mannes abweichen, von der Wissensproduktion ausgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] macht sich in der Debatte um die Klimakrise bemerkbar, wenn der globale Norden beispielsweise technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise für den globalen Süden fordert, ohne spezifische Kenntnisse von der Situation vor Ort zu haben oder anstelle diese eigene Konzepte entwickeln zu lassen. Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, ''mitunter partiell gültige Forschungsergebnisse gewonnen werden''. Es wird des Weiteren kritisiert, dass technologische Lösungsversuche das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur, ignorieren und somit nicht an der Wurzel des Problems ansetzen. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
=== Kritik an Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie [im common sense] gemacht werden. Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Kritik am Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte Janet Biehl in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position [[soziale Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind soll im Anschluss auf das Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Staudenmaier nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise Asmae Ourkia in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5043</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5043"/>
		<updated>2022-03-28T12:04:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]''Nele'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der &amp;quot;gendered vulnerability&amp;quot; als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert “at all levels of decision making regarding climate change”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
+ Beispiel?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
+ Überleitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt.&lt;br /&gt;
Durch den Bezug auf ein maskulines Subjekt werden nicht-männliche Perspektiven ausradiert. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’” &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion. Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts und schließt auch nicht-wissenschaftbasiertes Wissen und Perspektiven aus, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können. Nicht-wissenschaftsbasiertes Wissen (auch “situated knowledge”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) wird von Menschen durch ihre Lebensweise in einem bestimmten Gebiet generiert. Es wird allerdings nicht als gültig anerkannt, da es nicht durch objektive und wertfreie Forschung gewonnen wurde (Bee Rice Trauger p. 4). Kajiser und Kronsell sehen situated knowledge allerdings als “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; an. &lt;br /&gt;
Das ‘Opfern’ der situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass dieser perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt existiert, von dem aus Wissenschaft betrieben werden kann. Feministische Epistemolog*innen lehnen dies allerdings ab, da weiße, reiche Männer historisch durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt auch zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; &amp;quot;[...]climate change and first world overconsumption are produced by masculinist ideology, and will not be solved by masculinist techno-science approaches &lt;br /&gt;
.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=4| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
______________ Ende Überarbeitung ____________________&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist die Tatsache, dass aktuelle Ansätze unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. BELEG! Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=13| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, während stattdessen antifeministischen Lösungsansätzen wie Populationskontrolle, Militarisierung und Anti-Immigrationsmaßnahmen Tür und Tor geöffnet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der maskulinistische Charakter der Analyse der Klimakrise&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=25| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; lässt sich einerseits durch die hauptsächliche Teilnahme von Männern in politischen Entscheidungsprozessen ('''Statistik noch einsetzen''') zurückführen, andererseits steckt dahinter auch die historische Privilegiertheit des Standpunkts weißer Männer in der Wissensproduktion (&amp;quot;master subject&amp;quot;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu sollte im Rahmen dieser intersektionalen Betrachtung ergänzt werden, dass auch Menschen, die vom eurozentrischen Bild des weißen, heterosexuellen Cis-Mannes abweichen, von der Wissensproduktion ausgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] macht sich in der Debatte um die Klimakrise bemerkbar, wenn der globale Norden beispielsweise technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise für den globalen Süden fordert, ohne spezifische Kenntnisse von der Situation vor Ort zu haben oder anstelle diese eigene Konzepte entwickeln zu lassen. Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, ''mitunter partiell gültige Forschungsergebnisse gewonnen werden''. Es wird des Weiteren kritisiert, dass technologische Lösungsversuche das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur, ignorieren und somit nicht an der Wurzel des Problems ansetzen. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
=== Kritik an Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie [im common sense] gemacht werden. Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Kritik am Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte Janet Biehl in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position [[soziale Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind soll im Anschluss auf das Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Staudenmaier nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise Asmae Ourkia in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5042</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5042"/>
		<updated>2022-03-28T12:02:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]''Nele'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der &amp;quot;gendered vulnerability&amp;quot; als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert “at all levels of decision making regarding climate change”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
+ Beispiel?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
+ Überleitung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt.&lt;br /&gt;
Durch den Bezug auf ein maskulines Subjekt werden nicht-männliche Perspektiven ausradiert. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’” &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion. Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts und schließt auch nicht-wissenschaftbasiertes Wissen und Perspektiven aus, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können. Nicht-wissenschaftsbasiertes Wissen (auch “situated knowledge”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;) wird von Menschen durch ihre Lebensweise in einem bestimmten Gebiet generiert. Es wird allerdings nicht als gültig anerkannt, da es nicht durch objektive und wertfreie Forschung gewonnen wurde (Bee Rice Trauger p. 4). Kajiser und Kronsell sehen situated knowledge allerdings als “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; an. &lt;br /&gt;
Das ‘Opfern’ der situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass dieser perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt existiert, von dem aus Wissenschaft betrieben werden kann. Feministische Epistemolog*innen lehnen dies allerdings ab, da weiße, reiche Männer historisch durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt auch zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
______________ Ende Überarbeitung ____________________&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist die Tatsache, dass aktuelle Ansätze unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. BELEG! Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=13| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, während stattdessen antifeministischen Lösungsansätzen wie Populationskontrolle, Militarisierung und Anti-Immigrationsmaßnahmen Tür und Tor geöffnet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der maskulinistische Charakter der Analyse der Klimakrise&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=25| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; lässt sich einerseits durch die hauptsächliche Teilnahme von Männern in politischen Entscheidungsprozessen ('''Statistik noch einsetzen''') zurückführen, andererseits steckt dahinter auch die historische Privilegiertheit des Standpunkts weißer Männer in der Wissensproduktion (&amp;quot;master subject&amp;quot;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu sollte im Rahmen dieser intersektionalen Betrachtung ergänzt werden, dass auch Menschen, die vom eurozentrischen Bild des weißen, heterosexuellen Cis-Mannes abweichen, von der Wissensproduktion ausgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] macht sich in der Debatte um die Klimakrise bemerkbar, wenn der globale Norden beispielsweise technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise für den globalen Süden fordert, ohne spezifische Kenntnisse von der Situation vor Ort zu haben oder anstelle diese eigene Konzepte entwickeln zu lassen. Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, ''mitunter partiell gültige Forschungsergebnisse gewonnen werden''. Es wird des Weiteren kritisiert, dass technologische Lösungsversuche das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur, ignorieren und somit nicht an der Wurzel des Problems ansetzen. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
=== Kritik an Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie [im common sense] gemacht werden. Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Kritik am Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte Janet Biehl in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position [[soziale Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind soll im Anschluss auf das Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Staudenmaier nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise Asmae Ourkia in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5041</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5041"/>
		<updated>2022-03-28T10:32:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]''Nele'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Dieses Phänomen der &amp;quot;gendered vulnerability&amp;quot; als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert “at all levels of decision making regarding climate change”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist die Tatsache, dass aktuelle Ansätze unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. BELEG! Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=13| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, während stattdessen antifeministischen Lösungsansätzen wie Populationskontrolle, Militarisierung und Anti-Immigrationsmaßnahmen Tür und Tor geöffnet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der maskulinistische Charakter der Analyse der Klimakrise&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=25| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; lässt sich einerseits durch die hauptsächliche Teilnahme von Männern in politischen Entscheidungsprozessen ('''Statistik noch einsetzen''') zurückführen, andererseits steckt dahinter auch die historische Privilegiertheit des Standpunkts weißer Männer in der Wissensproduktion (&amp;quot;master subject&amp;quot;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. &lt;br /&gt;
Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt. Dadurch werden weibliche Perspektiven ausradiert und Forschungsergebnisse, beispielsweise aus der Medizin, stammen meist aus der Forschung an Männern. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion.  Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. &lt;br /&gt;
Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu sollte im Rahmen dieser intersektionalen Betrachtung ergänzt werden, dass auch Menschen, die vom eurozentrischen Bild des weißen, heterosexuellen Cis-Mannes abweichen, von der Wissensproduktion ausgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei hat die Klimakrise Auswirkungen auf das Leben einer jeden Person. Trotzdem werden die Effekte auf die private Sphäre (Allison, p.153) und die verschiedenartigen, lokalen Ausprägungen des Klimawandels vernachlässigt. Es gibt in der Debatte um die Klimakrise wenig bis keine Aufmerksamkeit für die Art und Weise, wie der Klimawandel (eig. “climate governance”) erlebt und “enacted” wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahrnehmung der Klimakrise als größtenteils wissenschaftlich-politisches Problem ermöglicht es, die konkreten Erfahrungen der Betroffenen auszublenden. Dies ist problematisch, da die Menschen, die in einem bestimmten Gebiet leben, über spezifisches Wissen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (“situated knowledge”, Kajiser and Kronsell p. 423) verfügen, das ihre Lebensweise generiert und welches “highly valuable for addressing climate change issues” &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; sein kann. Dieses ‘Opfern’ von situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass es einen perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt gibt, von dem aus man Wissenschaft betreiben kann. Feministische Epistemolog*Innen lehnen dies allerdings ab, da historisch weiße, reiche Männer durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt allerdings zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] macht sich in der Debatte um die Klimakrise bemerkbar, wenn der globale Norden beispielsweise technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise für den globalen Süden fordert, ohne spezifische Kenntnisse von der Situation vor Ort zu haben oder anstelle diese eigene Konzepte entwickeln zu lassen. Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, ''mitunter partiell gültige Forschungsergebnisse gewonnen werden''. Es wird des Weiteren kritisiert, dass technologische Lösungsversuche das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur, ignorieren und somit nicht an der Wurzel des Problems ansetzen. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
=== Kritik an Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie [im common sense] gemacht werden. Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Kritik am Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte Janet Biehl in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position [[soziale Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind soll im Anschluss auf das Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Staudenmaier nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise Asmae Ourkia in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5040</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=5040"/>
		<updated>2022-03-28T10:28:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung von Diskriminierungsformen auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Betroffenheit feststellen, die je nach Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft oder Hautfarbe spezifische Ausprägungen haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Um die eurozentrischen  Perspektive im Ökofeminismus zu hinterfragen, wird des Weiteren auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]''Nele'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Weitere Faktoren der Gefährdung von Frauen sind &amp;quot;residence on marginal land susceptible to subsidence, erosion, or flooding; precarious or informal employment; increasing exposure to waterborne and vector-borne disease&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=152| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Phänomen der &amp;quot;gendered vulnerability&amp;quot; als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert “at all levels of decision making regarding climate change”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist die Tatsache, dass aktuelle Ansätze unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. BELEG! Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=13| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, während stattdessen antifeministischen Lösungsansätzen wie Populationskontrolle, Militarisierung und Anti-Immigrationsmaßnahmen Tür und Tor geöffnet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der maskulinistische Charakter der Analyse der Klimakrise&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=25| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; lässt sich einerseits durch die hauptsächliche Teilnahme von Männern in politischen Entscheidungsprozessen ('''Statistik noch einsetzen''') zurückführen, andererseits steckt dahinter auch die historische Privilegiertheit des Standpunkts weißer Männer in der Wissensproduktion (&amp;quot;master subject&amp;quot;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. &lt;br /&gt;
Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt. Dadurch werden weibliche Perspektiven ausradiert und Forschungsergebnisse, beispielsweise aus der Medizin, stammen meist aus der Forschung an Männern. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion.  Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. &lt;br /&gt;
Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu sollte im Rahmen dieser intersektionalen Betrachtung ergänzt werden, dass auch Menschen, die vom eurozentrischen Bild des weißen, heterosexuellen Cis-Mannes abweichen, von der Wissensproduktion ausgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei hat die Klimakrise Auswirkungen auf das Leben einer jeden Person. Trotzdem werden die Effekte auf die private Sphäre (Allison, p.153) und die verschiedenartigen, lokalen Ausprägungen des Klimawandels vernachlässigt. Es gibt in der Debatte um die Klimakrise wenig bis keine Aufmerksamkeit für die Art und Weise, wie der Klimawandel (eig. “climate governance”) erlebt und “enacted” wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahrnehmung der Klimakrise als größtenteils wissenschaftlich-politisches Problem ermöglicht es, die konkreten Erfahrungen der Betroffenen auszublenden. Dies ist problematisch, da die Menschen, die in einem bestimmten Gebiet leben, über spezifisches Wissen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (“situated knowledge”, Kajiser and Kronsell p. 423) verfügen, das ihre Lebensweise generiert und welches “highly valuable for addressing climate change issues” &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; sein kann. Dieses ‘Opfern’ von situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass es einen perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt gibt, von dem aus man Wissenschaft betreiben kann. Feministische Epistemolog*Innen lehnen dies allerdings ab, da historisch weiße, reiche Männer durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt allerdings zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] macht sich in der Debatte um die Klimakrise bemerkbar, wenn der globale Norden beispielsweise technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise für den globalen Süden fordert, ohne spezifische Kenntnisse von der Situation vor Ort zu haben oder anstelle diese eigene Konzepte entwickeln zu lassen. Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, ''mitunter partiell gültige Forschungsergebnisse gewonnen werden''. Es wird des Weiteren kritisiert, dass technologische Lösungsversuche das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur, ignorieren und somit nicht an der Wurzel des Problems ansetzen. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser, Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkiya, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
=== Kritik an Intersektionalität ===&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]]&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie [im common sense] gemacht werden. Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Kritik am Ökofeminismus ===&lt;br /&gt;
In der Anfangszeit des Ökofeminismus wurden die Natur und Frauen in Bezug auf ihre Ausbeutung gleichgesetzt. Infolgedessen kritisierte Janet Biehl in den 1990er Jahren diese ihr zufolge mystifizierte Verbindung von Frauen und Natur und prägte die Position [[soziale Ökologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Biehl, Janet |Titel=The Politics of Social Ecology|Jahr=1998|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-the-politics-of-social-ecology |Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer zu nennender Kritikpunk ist der bereits zu Beginn kritisch betrachtete [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen. Zugunsten der Themenbereiche, welche im Ökofeminismus auszuweiten sind soll im Anschluss auf das Risiko zur Verknüpfung von essentialistischen Positionen mit faschistoidem oder faschistischem Gedankengut eingegangen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Staudenmaier nennt in ''Fascist Ecology '' exemplarisch für eine solche Verknüpfung die 1989 stattfindende Lernwerkstatt von Rudolf Bahro. In dieser wurden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, wie Ökofeminismus, Zen-Buddhismus und ganzheitlicher Ernährung, aber auch zur 'deutsche Wesenheit' angeboten. Diese Verbindung von Ökologie und Faschismus findet sich in neuzeitlichen esoterischen Milieus, aber auch in historischen Beispielen wie der [[Völkische Bewegung]] und [[Heimatbewegung]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Staudenmaier, Peter|Titel=Fascist Ecology: The “Green Wing” of the Nazi Party and its Historical Antecedents|Herausgeber*in=Biehl, Janet; Staudenmaier, Peter|Sammelband=Ecofascism: Lessons from the German Experience|Verlag=AK Press|Jahr=1996|Seite=34ff|Online=https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience|Abruf=15.03.2022}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen. Das Ökofeminist*innen davon profitieren könnten, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen, betont beispielsweise Asmae Ourkia in ''Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism''.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter:{{Quellen-Literatur|Autor*in=Ourkia, Asmae|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=Network in Canadian History &amp;amp; Environment|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=23.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche vom Network in Canadian History &amp;amp; Environment veröffentlicht wird und für gewöhnlich unterrepräsentierte Queer-Perspektiven hervorhebt. Auch im Ökofeminismus ist weiter Forschung zur Betroffenheit von LGBTQIA+ und das Einbeziehen der Ergebnisse notwendig.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4771</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4771"/>
		<updated>2022-03-21T15:36:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung Diskriminierung auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Vulnerabilität von maginalisierten Gruppen feststellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie auf die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Des weiteren wird Kritik an Ökofeminsmus und Intersektionalität angeführt und auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]''Nele'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beispiel Hurrikane Katrina. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Weitere Faktoren der Gefährdung von Frauen sind &amp;quot;residence on marginal land susceptible to subsidence, erosion, or flooding; precarious or informal employment; increasing exposure to waterborne and vector-borne disease&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=152| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Phänomen der &amp;quot;gendered vulnerability&amp;quot; als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert “at all levels of decision making regarding climate change”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist die Tatsache, dass aktuelle Ansätze unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. BELEG! Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=13| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, während stattdessen antifeministischen Lösungsansätzen wie Populationskontrolle, Militarisierung und Anti-Immigrationsmaßnahmen Tür und Tor geöffnet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der maskulinistische Charakter der Analyse der Klimakrise&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=25| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; lässt sich einerseits durch die hauptsächliche Teilnahme von Männern in politischen Entscheidungsprozessen ('''Statistik noch einsetzen''') zurückführen, andererseits steckt dahinter auch die historische Privilegiertheit des Standpunkts weißer Männer in der Wissensproduktion (&amp;quot;master subject&amp;quot;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. &lt;br /&gt;
Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt. Dadurch werden weibliche Perspektiven ausradiert und Forschungsergebnisse, beispielsweise aus der Medizin, stammen meist aus der Forschung an Männern. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion.  Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. &lt;br /&gt;
Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu sollte im Rahmen dieser intersektionalen Betrachtung ergänzt werden, dass auch Menschen, die vom eurozentrischen Bild des weißen, heterosexuellen Cis-Mannes abweichen, von der Wissensproduktion ausgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei hat die Klimakrise Auswirkungen auf das Leben einer jeden Person. Trotzdem werden die Effekte auf die private Sphäre (Allison, p.153) und die verschiedenartigen, lokalen Ausprägungen des Klimawandels vernachlässigt. Es gibt in der Debatte um die Klimakrise wenig bis keine Aufmerksamkeit für die Art und Weise, wie der Klimawandel (eig. “climate governance”) erlebt und “enacted” wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahrnehmung der Klimakrise als größtenteils wissenschaftlich-politisches Problem ermöglicht es, die konkreten Erfahrungen der Betroffenen auszublenden. Dies ist problematisch, da die Menschen, die in einem bestimmten Gebiet leben, über spezifisches Wissen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (“situated knowledge”, Kajiser and Kronsell p. 423) verfügen, das ihre Lebensweise generiert und welches “highly valuable for addressing climate change issues” &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; sein kann. Dieses ‘Opfern’ von situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass es einen perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt gibt, von dem aus man Wissenschaft betreiben kann. Feministische Epistemolog*Innen lehnen dies allerdings ab, da historisch weiße, reiche Männer durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt allerdings zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] macht sich in der Debatte um die Klimakrise bemerkbar, wenn der globale Norden beispielsweise technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise für den globalen Süden fordert, ohne spezifische Kenntnisse von der Situation vor Ort zu haben oder anstelle diese eigene Konzepte entwickeln zu lassen. Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, ''mitunter partiell gültige Forschungsergebnisse gewonnen werden''. Es wird des Weiteren kritisiert, dass technologische Lösungsversuche das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur, ignorieren und somit nicht an der Wurzel des Problems ansetzen. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser,Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser,Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter{{Quellen-Literatur|Autor*in=Asmae Ourkiya|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]] Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie, im common sense, gemacht werden. [DIESE COMMON SENSE STELLE IST IRGENDWIE UNSCHÖN; ABER HALT GENAU DAS WORUM ES DA WOHL GEHT] Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kathy Davis|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[DER FOLGENDE ABSCHNITT IST NOCH ZIEMLICH ROH]&lt;br /&gt;
Über den bereits zu Beginn kritisch betrachteten [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen hinweg ist der Ökofeminismus in einigen Bereichen auszubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen.&lt;br /&gt;
https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/ -&amp;gt; Ökofeminist*innen könnten davon profitieren, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4770</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4770"/>
		<updated>2022-03-21T15:34:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung Diskriminierung auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Vulnerabilität von maginalisierten Gruppen feststellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie auf die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Des weiteren wird Kritik an Ökofeminsmus und Intersektionalität angeführt und auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]''Nele'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beispiel Hurrikane Katrina. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Weitere Faktoren der Gefährdung von Frauen sind &amp;quot;residence on marginal land susceptible to subsidence, erosion, or flooding; precarious or informal employment; increasing exposure to waterborne and vector-borne disease&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=152| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Phänomen der &amp;quot;gendered vulnerability&amp;quot; als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert “at all levels of decision making regarding climate change”. &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist die Tatsache, dass aktuelle Ansätze unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. BELEG! Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=13| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, während stattdessen antifeministischen Lösungsansätzen wie Populationskontrolle, Militarisierung und Anti-Immigrationsmaßnahmen Tür und Tor geöffnet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der maskulinistische Charakter der Analyse der Klimakrise&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=25| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; lässt sich einerseits durch die hauptsächliche Teilnahme von Männern in politischen Entscheidungsprozessen ('''Statistik noch einsetzen''') zurückführen, andererseits steckt dahinter auch die historische Privilegiertheit des Standpunkts weißer Männer in der Wissensproduktion (&amp;quot;master subject&amp;quot;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. &lt;br /&gt;
Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt. Dadurch werden weibliche Perspektiven ausradiert und Forschungsergebnisse, beispielsweise aus der Medizin, stammen meist aus der Forschung an Männern. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion.  Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. &lt;br /&gt;
Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu sollte im Rahmen dieser intersektionalen Betrachtung ergänzt werden, dass auch Menschen, die vom eurozentrischen Bild des weißen, heterosexuellen Cis-Mannes abweichen, von der Wissensproduktion ausgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei hat die Klimakrise Auswirkungen auf das Leben einer jeden Person. Trotzdem werden die Effekte auf die private Sphäre (Allison, p.153) und die verschiedenartigen, lokalen Ausprägungen des Klimawandels vernachlässigt. Es gibt in der Debatte um die Klimakrise wenig bis keine Aufmerksamkeit für die Art und Weise, wie der Klimawandel (eig. “climate governance”) erlebt und “enacted” wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahrnehmung der Klimakrise als größtenteils wissenschaftlich-politisches Problem ermöglicht es, die konkreten Erfahrungen der Betroffenen auszublenden. Dies ist problematisch, da die Menschen, die in einem bestimmten Gebiet leben, über spezifisches Wissen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (“situated knowledge”, Kajiser and Kronsell p. 423) verfügen, das ihre Lebensweise generiert und welches “highly valuable for addressing climate change issues” &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; sein kann. Dieses ‘Opfern’ von situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”. &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass es einen perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt gibt, von dem aus man Wissenschaft betreiben kann. Feministische Epistemolog*Innen lehnen dies allerdings ab, da historisch weiße, reiche Männer durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt allerdings zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] macht sich in der Debatte um die Klimakrise bemerkbar, wenn der globale Norden beispielsweise technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise für den globalen Süden fordert, ohne spezifische Kenntnisse von der Situation vor Ort zu haben oder anstelle diese eigene Konzepte entwickeln zu lassen. Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, ''mitunter partiell gültige Forschungsergebnisse gewonnen werden''. Es wird des Weiteren kritisiert, dass technologische Lösungsversuche das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur, ignorieren und somit nicht an der Wurzel des Problems ansetzen. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser,Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser,Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter{{Quellen-Literatur|Autor*in=Asmae Ourkiya|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]] Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie, im common sense, gemacht werden. [DIESE COMMON SENSE STELLE IST IRGENDWIE UNSCHÖN; ABER HALT GENAU DAS WORUM ES DA WOHL GEHT] Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kathy Davis|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[DER FOLGENDE ABSCHNITT IST NOCH ZIEMLICH ROH]&lt;br /&gt;
Über den bereits zu Beginn kritisch betrachteten [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen hinweg ist der Ökofeminismus in einigen Bereichen auszubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen.&lt;br /&gt;
https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/ -&amp;gt; Ökofeminist*innen könnten davon profitieren, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4768</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4768"/>
		<updated>2022-03-21T15:32:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung Diskriminierung auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Vulnerabilität von maginalisierten Gruppen feststellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie auf die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Des weiteren wird Kritik an Ökofeminsmus und Intersektionalität angeführt und auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]''Nele'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beispiel Hurrikane Katrina. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Weitere Faktoren der Gefährdung von Frauen sind &amp;quot;residence on marginal land susceptible to subsidence, erosion, or flooding; precarious or informal employment; increasing exposure to waterborne and vector-borne disease&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=152| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Phänomen der &amp;quot;gendered vulnerability&amp;quot; als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert “at all levels of decision making regarding climate change”. &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist die Tatsache, dass aktuelle Ansätze unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. BELEG! Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=13| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, während stattdessen antifeministischen Lösungsansätzen wie Populationskontrolle, Militarisierung und Anti-Immigrationsmaßnahmen Tür und Tor geöffnet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der maskulinistische Charakter der Analyse der Klimakrise&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=25| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; lässt sich einerseits durch die hauptsächliche Teilnahme von Männern in politischen Entscheidungsprozessen ('''Statistik noch einsetzen''') zurückführen, andererseits steckt dahinter auch die historische Privilegiertheit des Standpunkts weißer Männer in der Wissensproduktion (&amp;quot;master subject&amp;quot;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. &lt;br /&gt;
Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt. Dadurch werden weibliche Perspektiven ausradiert und Forschungsergebnisse, beispielsweise aus der Medizin, stammen meist aus der Forschung an Männern. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion.  Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. &lt;br /&gt;
Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu sollte im Rahmen dieser intersektionalen Betrachtung ergänzt werden, dass auch Menschen, die vom eurozentrischen Bild des weißen, heterosexuellen Cis-Mannes abweichen, von der Wissensproduktion ausgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei hat die Klimakrise Auswirkungen auf das Leben einer jeden Person. Trotzdem werden die Effekte auf die private Sphäre (Allison, p.153) und die verschiedenartigen, lokalen Ausprägungen des Klimawandels vernachlässigt. Es gibt in der Debatte um die Klimakrise wenig bis keine Aufmerksamkeit für die Art und Weise, wie der Klimawandel (eig. “climate governance”) erlebt und “enacted” wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahrnehmung der Klimakrise als größtenteils wissenschaftlich-politisches Problem ermöglicht es, die konkreten Erfahrungen der Betroffenen auszublenden. Dies ist problematisch, da die Menschen, die in einem bestimmten Gebiet leben, über spezifisches Wissen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 (“situated knowledge”, Kajiser and Kronsell p. 423) verfügen, das ihre Lebensweise generiert und welches “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; sein kann. Dieses ‘Opfern’ von situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”. &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass es einen perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt gibt, von dem aus man Wissenschaft betreiben kann. Feministische Epistemolog*Innen lehnen dies allerdings ab, da historisch weiße, reiche Männer durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt allerdings zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] macht sich in der Debatte um die Klimakrise bemerkbar, wenn der globale Norden beispielsweise technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise für den globalen Süden fordert, ohne spezifische Kenntnisse von der Situation vor Ort zu haben oder anstelle diese eigene Konzepte entwickeln zu lassen. Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, ''mitunter partiell gültige Forschungsergebnisse gewonnen werden''. Es wird des Weiteren kritisiert, dass technologische Lösungsversuche das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur, ignorieren und somit nicht an der Wurzel des Problems ansetzen. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser,Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser,Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter{{Quellen-Literatur|Autor*in=Asmae Ourkiya|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]] Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie, im common sense, gemacht werden. [DIESE COMMON SENSE STELLE IST IRGENDWIE UNSCHÖN; ABER HALT GENAU DAS WORUM ES DA WOHL GEHT] Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kathy Davis|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[DER FOLGENDE ABSCHNITT IST NOCH ZIEMLICH ROH]&lt;br /&gt;
Über den bereits zu Beginn kritisch betrachteten [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen hinweg ist der Ökofeminismus in einigen Bereichen auszubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen.&lt;br /&gt;
https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/ -&amp;gt; Ökofeminist*innen könnten davon profitieren, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4766</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4766"/>
		<updated>2022-03-21T15:32:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung Diskriminierung auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Vulnerabilität von maginalisierten Gruppen feststellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie auf die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Des weiteren wird Kritik an Ökofeminsmus und Intersektionalität angeführt und auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]''Nele'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beispiel Hurrikane Katrina. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Weitere Faktoren der Gefährdung von Frauen sind &amp;quot;residence on marginal land susceptible to subsidence, erosion, or flooding; precarious or informal employment; increasing exposure to waterborne and vector-borne disease&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=152| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Phänomen der &amp;quot;gendered vulnerability&amp;quot; als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert “at all levels of decision making regarding climate change”. &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist die Tatsache, dass aktuelle Ansätze unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. BELEG! Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=13| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, während stattdessen antifeministischen Lösungsansätzen wie Populationskontrolle, Militarisierung und Anti-Immigrationsmaßnahmen Tür und Tor geöffnet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=14| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der maskulinistische Charakter der Analyse der Klimakrise&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=25| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; lässt sich einerseits durch die hauptsächliche Teilnahme von Männern in politischen Entscheidungsprozessen ('''Statistik noch einsetzen''') zurückführen, andererseits steckt dahinter auch die historische Privilegiertheit des Standpunkts weißer Männer in der Wissensproduktion (&amp;quot;master subject&amp;quot;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. &lt;br /&gt;
Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt. Dadurch werden weibliche Perspektiven ausradiert und Forschungsergebnisse, beispielsweise aus der Medizin, stammen meist aus der Forschung an Männern. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gillian, Rose|Titel=Feminism and Geography: The Limits of Geographical Knowledge|Ort=Cambridge |Verlag=Polity Press |Jahr=1993 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion.  Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. &lt;br /&gt;
Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu sollte im Rahmen dieser intersektionalen Betrachtung ergänzt werden, dass auch Menschen, die vom eurozentrischen Bild des weißen, heterosexuellen Cis-Mannes abweichen, von der Wissensproduktion ausgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei hat die Klimakrise Auswirkungen auf das Leben einer jeden Person. Trotzdem werden die Effekte auf die private Sphäre (Allison, p.153) und die verschiedenartigen, lokalen Ausprägungen des Klimawandels vernachlässigt. Es gibt in der Debatte um die Klimakrise wenig bis keine Aufmerksamkeit für die Art und Weise, wie der Klimawandel (eig. “climate governance”) erlebt und “enacted” wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahrnehmung der Klimakrise als größtenteils wissenschaftlich-politisches Problem ermöglicht es, die konkreten Erfahrungen der Betroffenen auszublenden. Dies ist problematisch, da die Menschen, die in einem bestimmten Gebiet leben, über spezifisches Wissen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 (“situated knowledge”, Kajiser and Kronsell p. 423) verfügen, das ihre Lebensweise generiert und welches “highly valuable for addressing climate change issues”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser; Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=423| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
 sein kann. Dieses ‘Opfern’ von situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint”. &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison, Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=153| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
 Der westliche Denkstil operiert unter der Annahme, dass es einen perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt gibt, von dem aus man Wissenschaft betreiben kann. Feministische Epistemolog*Innen lehnen dies allerdings ab, da historisch weiße, reiche Männer durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt allerdings zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] macht sich in der Debatte um die Klimakrise bemerkbar, wenn der globale Norden beispielsweise technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise für den globalen Süden fordert, ohne spezifische Kenntnisse von der Situation vor Ort zu haben oder anstelle diese eigene Konzepte entwickeln zu lassen. Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, ''mitunter partiell gültige Forschungsergebnisse gewonnen werden''. Es wird des Weiteren kritisiert, dass technologische Lösungsversuche das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur, ignorieren und somit nicht an der Wurzel des Problems ansetzen. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser,Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser,Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter{{Quellen-Literatur|Autor*in=Asmae Ourkiya|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]] Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie, im common sense, gemacht werden. [DIESE COMMON SENSE STELLE IST IRGENDWIE UNSCHÖN; ABER HALT GENAU DAS WORUM ES DA WOHL GEHT] Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kathy Davis|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[DER FOLGENDE ABSCHNITT IST NOCH ZIEMLICH ROH]&lt;br /&gt;
Über den bereits zu Beginn kritisch betrachteten [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen hinweg ist der Ökofeminismus in einigen Bereichen auszubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen.&lt;br /&gt;
https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/ -&amp;gt; Ökofeminist*innen könnten davon profitieren, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4761</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4761"/>
		<updated>2022-03-21T15:19:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung Diskriminierung auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Vulnerabilität von maginalisierten Gruppen feststellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie auf die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Des weiteren wird Kritik an Ökofeminsmus und Intersektionalität angeführt und auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]''Nele'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beispiel Hurrikane Katrina. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Weitere Faktoren der Gefährdung von Frauen sind &amp;quot;residence on marginal land susceptible to subsidence, erosion, or flooding; precarious or informal employment; increasing exposure to waterborne and vector-borne disease&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=152| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Phänomen der &amp;quot;gendered vulnerability&amp;quot; als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert “at all levels of decision making regarding climate change”. &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser,Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=418| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist die Tatsache, dass aktuelle Ansätze unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können (Gaard, S.13), während stattdessen antifeministischen Lösungsansätzen wie Populationskontrolle, Militarisierung und Anti-Immigrationsmaßnahmen Tür und Tor geöffnet wird (Gaard, S.14). Der maskulinistische Charakter der Analyse der Klimakrise (&amp;quot;masculinist character of climate change analyses&amp;quot;, Gaard, S.25) lässt sich einerseits durch die hauptsächliche Teilnahme von Männern in politischen Entscheidungsprozessen ('''Statistik noch einsetzen''') zurückführen, andererseits steckt dahinter auch die historische Privilegiertheit des Standpunkts weißer Männer in der Wissensproduktion (&amp;quot;master subject&amp;quot;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. &lt;br /&gt;
Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt. Dadurch werden weibliche Perspektiven ausradiert und Forschungsergebnisse, beispielsweise aus der Medizin, stammen meist aus der Forschung an Männern. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’” Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion.  Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. &lt;br /&gt;
Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu sollte im Rahmen dieser intersektionalen Betrachtung ergänzt werden, dass auch Menschen, die vom eurozentrischen Bild des weißen, heterosexuellen Cis-Mannes abweichen, von der Wissensproduktion ausgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei hat die Klimakrise Auswirkungen auf das Leben einer jeden Person. Trotzdem werden die Effekte auf die private Sphäre (Allison, p.153) und die verschiedenartigen, lokalen Ausprägungen des Klimawandels vernachlässigt. Es gibt in der Debatte um die Klimakrise wenig bis keine Aufmerksamkeit für die Art und Weise, wie der Klimawandel (eig. “climate governance”) erlebt und “enacted” wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahrnehmung der Klimakrise als größtenteils wissenschaftlich-politisches Problem ermöglicht es, die konkreten Erfahrungen der Betroffenen auszublenden. Dies ist problematisch, da die Menschen, die in einem bestimmten Gebiet leben, über spezifisches Wissen (“situated knowledge”, Kajiser and Kronsell p. 423) verfügen, das ihre Lebensweise generiert und welches “highly valuable for addressing climate change issues” (ebd.) sein kann. Dieses ‘Opfern’ von situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint” (Allison, p.153). Der westliche Denkstil operiert unter dieser Annahme, dass es einen perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt gibt, von dem aus man Wissenschaft betreiben kann. Feministische Epistemolog*Innen lehnen dies allerdings ab, da historisch weiße, reiche Männer durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt allerdings zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] macht sich in der Debatte um die Klimakrise bemerkbar, wenn der globale Norden beispielsweise technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise für den globalen Süden fordert, ohne spezifische Kenntnisse von der Situation vor Ort zu haben oder anstelle diese eigene Konzepte entwickeln zu lassen. Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, ''mitunter partiell gültige Forschungsergebnisse gewonnen werden''. Es wird des Weiteren kritisiert, dass technologische Lösungsversuche das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur, ignorieren und somit nicht an der Wurzel des Problems ansetzen. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser,Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser,Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter{{Quellen-Literatur|Autor*in=Asmae Ourkiya|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]] Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie, im common sense, gemacht werden. [DIESE COMMON SENSE STELLE IST IRGENDWIE UNSCHÖN; ABER HALT GENAU DAS WORUM ES DA WOHL GEHT] Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kathy Davis|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[DER FOLGENDE ABSCHNITT IST NOCH ZIEMLICH ROH]&lt;br /&gt;
Über den bereits zu Beginn kritisch betrachteten [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen hinweg ist der Ökofeminismus in einigen Bereichen auszubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen.&lt;br /&gt;
https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/ -&amp;gt; Ökofeminist*innen könnten davon profitieren, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4760</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4760"/>
		<updated>2022-03-21T15:16:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung Diskriminierung auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Vulnerabilität von maginalisierten Gruppen feststellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie auf die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Des weiteren wird Kritik an Ökofeminsmus und Intersektionalität angeführt und auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]''Nele'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beispiel Hurrikane Katrina. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=9| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; entsteht. Weitere Faktoren der Gefährdung von Frauen sind &amp;quot;residence on marginal land susceptible to subsidence, erosion, or flooding; precarious or informal employment; increasing exposure to waterborne and vector-borne disease&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Allison Elizabeth|Titel=Toward a Feminist Care Ethic for Climate Change|Zeitschrift=Journal of Feminist Studies in Religion|Band=33|Nummer=2|Jahr=2017|Seite=152| Online=https://www.jstor.org/stable/10.2979/jfemistudreli.33.2.15|Abruf=21.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Phänomen der &amp;quot;gendered vulnerability&amp;quot; als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert “at all levels of decision making regarding climate change” (Kaijser &amp;amp; Kronsel, p.418). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''(Die folgenden drei Paragraphen habe ich alle zu unterschiedlichen Bearbeitungs-Zeitpunkten geschrieben, weshalb sie inhaltlich alle sehr ähnlich sind, aber nicht wirklich ineinander überleiten.  In jedem steckt noch mal ein neuer Kritikpunkt, weshalb ich sie noch so ausformuliert lasse, aber bei Gelegenheit muss ich das mal ein bisschen umsortieren und komprimieren.)'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist die Tatsache, dass aktuelle Ansätze unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können (Gaard, S.13), während stattdessen antifeministischen Lösungsansätzen wie Populationskontrolle, Militarisierung und Anti-Immigrationsmaßnahmen Tür und Tor geöffnet wird (Gaard, S.14). Der maskulinistische Charakter der Analyse der Klimakrise (&amp;quot;masculinist character of climate change analyses&amp;quot;, Gaard, S.25) lässt sich einerseits durch die hauptsächliche Teilnahme von Männern in politischen Entscheidungsprozessen ('''Statistik noch einsetzen''') zurückführen, andererseits steckt dahinter auch die historische Privilegiertheit des Standpunkts weißer Männer in der Wissensproduktion (&amp;quot;master subject&amp;quot;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. &lt;br /&gt;
Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt. Dadurch werden weibliche Perspektiven ausradiert und Forschungsergebnisse, beispielsweise aus der Medizin, stammen meist aus der Forschung an Männern. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’” Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion.  Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. &lt;br /&gt;
Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu sollte im Rahmen dieser intersektionalen Betrachtung ergänzt werden, dass auch Menschen, die vom eurozentrischen Bild des weißen, heterosexuellen Cis-Mannes abweichen, von der Wissensproduktion ausgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei hat die Klimakrise Auswirkungen auf das Leben einer jeden Person. Trotzdem werden die Effekte auf die private Sphäre (Allison, p.153) und die verschiedenartigen, lokalen Ausprägungen des Klimawandels vernachlässigt. Es gibt in der Debatte um die Klimakrise wenig bis keine Aufmerksamkeit für die Art und Weise, wie der Klimawandel (eig. “climate governance”) erlebt und “enacted” wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahrnehmung der Klimakrise als größtenteils wissenschaftlich-politisches Problem ermöglicht es, die konkreten Erfahrungen der Betroffenen auszublenden. Dies ist problematisch, da die Menschen, die in einem bestimmten Gebiet leben, über spezifisches Wissen (“situated knowledge”, Kajiser and Kronsell p. 423) verfügen, das ihre Lebensweise generiert und welches “highly valuable for addressing climate change issues” (ebd.) sein kann. Dieses ‘Opfern’ von situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint” (Allison, p.153). Der westliche Denkstil operiert unter dieser Annahme, dass es einen perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt gibt, von dem aus man Wissenschaft betreiben kann. Feministische Epistemolog*Innen lehnen dies allerdings ab, da historisch weiße, reiche Männer durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt allerdings zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] macht sich in der Debatte um die Klimakrise bemerkbar, wenn der globale Norden beispielsweise technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise für den globalen Süden fordert, ohne spezifische Kenntnisse von der Situation vor Ort zu haben oder anstelle diese eigene Konzepte entwickeln zu lassen. Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, ''mitunter partiell gültige Forschungsergebnisse gewonnen werden''. Es wird des Weiteren kritisiert, dass technologische Lösungsversuche das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur, ignorieren und somit nicht an der Wurzel des Problems ansetzen. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser,Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser,Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter{{Quellen-Literatur|Autor*in=Asmae Ourkiya|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]] Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie, im common sense, gemacht werden. [DIESE COMMON SENSE STELLE IST IRGENDWIE UNSCHÖN; ABER HALT GENAU DAS WORUM ES DA WOHL GEHT] Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kathy Davis|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[DER FOLGENDE ABSCHNITT IST NOCH ZIEMLICH ROH]&lt;br /&gt;
Über den bereits zu Beginn kritisch betrachteten [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen hinweg ist der Ökofeminismus in einigen Bereichen auszubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen.&lt;br /&gt;
https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/ -&amp;gt; Ökofeminist*innen könnten davon profitieren, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4757</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4757"/>
		<updated>2022-03-21T15:11:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung Diskriminierung auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Vulnerabilität von maginalisierten Gruppen feststellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie auf die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Des weiteren wird Kritik an Ökofeminsmus und Intersektionalität angeführt und auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]''Nele'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=10| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 + Beispiel Hurrikane Katrina. Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut (&amp;quot;inequities produced through gendered social roles, discrimination, and poverty&amp;quot; Gaard, S.9) entsteht. Weitere Faktoren der Gefährdung von Frauen sind &amp;quot;residence on marginal land susceptible to subsidence, erosion, or flooding; precarious or informal employment; increasing exposure to waterborne and vector-borne disease&amp;quot; (Allison, p.152)&lt;br /&gt;
Dieses Phänomen der &amp;quot;gendered vulnerability&amp;quot; als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert “at all levels of decision making regarding climate change” (Kaijser &amp;amp; Kronsel, p.418). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''(Die folgenden drei Paragraphen habe ich alle zu unterschiedlichen Bearbeitungs-Zeitpunkten geschrieben, weshalb sie inhaltlich alle sehr ähnlich sind, aber nicht wirklich ineinander überleiten.  In jedem steckt noch mal ein neuer Kritikpunkt, weshalb ich sie noch so ausformuliert lasse, aber bei Gelegenheit muss ich das mal ein bisschen umsortieren und komprimieren.)'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist die Tatsache, dass aktuelle Ansätze unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können (Gaard, S.13), während stattdessen antifeministischen Lösungsansätzen wie Populationskontrolle, Militarisierung und Anti-Immigrationsmaßnahmen Tür und Tor geöffnet wird (Gaard, S.14). Der maskulinistische Charakter der Analyse der Klimakrise (&amp;quot;masculinist character of climate change analyses&amp;quot;, Gaard, S.25) lässt sich einerseits durch die hauptsächliche Teilnahme von Männern in politischen Entscheidungsprozessen ('''Statistik noch einsetzen''') zurückführen, andererseits steckt dahinter auch die historische Privilegiertheit des Standpunkts weißer Männer in der Wissensproduktion (&amp;quot;master subject&amp;quot;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. &lt;br /&gt;
Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt. Dadurch werden weibliche Perspektiven ausradiert und Forschungsergebnisse, beispielsweise aus der Medizin, stammen meist aus der Forschung an Männern. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’” Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion.  Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. &lt;br /&gt;
Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu sollte im Rahmen dieser intersektionalen Betrachtung ergänzt werden, dass auch Menschen, die vom eurozentrischen Bild des weißen, heterosexuellen Cis-Mannes abweichen, von der Wissensproduktion ausgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei hat die Klimakrise Auswirkungen auf das Leben einer jeden Person. Trotzdem werden die Effekte auf die private Sphäre (Allison, p.153) und die verschiedenartigen, lokalen Ausprägungen des Klimawandels vernachlässigt. Es gibt in der Debatte um die Klimakrise wenig bis keine Aufmerksamkeit für die Art und Weise, wie der Klimawandel (eig. “climate governance”) erlebt und “enacted” wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahrnehmung der Klimakrise als größtenteils wissenschaftlich-politisches Problem ermöglicht es, die konkreten Erfahrungen der Betroffenen auszublenden. Dies ist problematisch, da die Menschen, die in einem bestimmten Gebiet leben, über spezifisches Wissen (“situated knowledge”, Kajiser and Kronsell p. 423) verfügen, das ihre Lebensweise generiert und welches “highly valuable for addressing climate change issues” (ebd.) sein kann. Dieses ‘Opfern’ von situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint” (Allison, p.153). Der westliche Denkstil operiert unter dieser Annahme, dass es einen perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt gibt, von dem aus man Wissenschaft betreiben kann. Feministische Epistemolog*Innen lehnen dies allerdings ab, da historisch weiße, reiche Männer durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt allerdings zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] macht sich in der Debatte um die Klimakrise bemerkbar, wenn der globale Norden beispielsweise technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise für den globalen Süden fordert, ohne spezifische Kenntnisse von der Situation vor Ort zu haben oder anstelle diese eigene Konzepte entwickeln zu lassen. Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, ''mitunter partiell gültige Forschungsergebnisse gewonnen werden''. Es wird des Weiteren kritisiert, dass technologische Lösungsversuche das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur, ignorieren und somit nicht an der Wurzel des Problems ansetzen. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser,Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser,Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter{{Quellen-Literatur|Autor*in=Asmae Ourkiya|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]] Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie, im common sense, gemacht werden. [DIESE COMMON SENSE STELLE IST IRGENDWIE UNSCHÖN; ABER HALT GENAU DAS WORUM ES DA WOHL GEHT] Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kathy Davis|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[DER FOLGENDE ABSCHNITT IST NOCH ZIEMLICH ROH]&lt;br /&gt;
Über den bereits zu Beginn kritisch betrachteten [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen hinweg ist der Ökofeminismus in einigen Bereichen auszubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen.&lt;br /&gt;
https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/ -&amp;gt; Ökofeminist*innen könnten davon profitieren, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4755</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4755"/>
		<updated>2022-03-21T14:55:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung Diskriminierung auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Vulnerabilität von maginalisierten Gruppen feststellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie auf die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Des weiteren wird Kritik an Ökofeminsmus und Intersektionalität angeführt und auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]''Nele'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot; (Gaard, S.10) + Beispiel Hurrikane Katrina. Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut (&amp;quot;inequities produced through gendered social roles, discrimination, and poverty&amp;quot; Gaard, S.9) entsteht. Weitere Faktoren der Gefährdung von Frauen sind &amp;quot;residence on marginal land susceptible to subsidence, erosion, or flooding; precarious or informal employment; increasing exposure to waterborne and vector-borne disease&amp;quot; (Allison, p.152)&lt;br /&gt;
Dieses Phänomen der &amp;quot;gendered vulnerability&amp;quot; als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert “at all levels of decision making regarding climate change” (Kaijser &amp;amp; Kronsel, p.418). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''(Die folgenden drei Paragraphen habe ich alle zu unterschiedlichen Bearbeitungs-Zeitpunkten geschrieben, weshalb sie inhaltlich alle sehr ähnlich sind, aber nicht wirklich ineinander überleiten.  In jedem steckt noch mal ein neuer Kritikpunkt, weshalb ich sie noch so ausformuliert lasse, aber bei Gelegenheit muss ich das mal ein bisschen umsortieren und komprimieren.)'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist die Tatsache, dass aktuelle Ansätze unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können (Gaard, S.13), während stattdessen antifeministischen Lösungsansätzen wie Populationskontrolle, Militarisierung und Anti-Immigrationsmaßnahmen Tür und Tor geöffnet wird (Gaard, S.14). Der maskulinistische Charakter der Analyse der Klimakrise (&amp;quot;masculinist character of climate change analyses&amp;quot;, Gaard, S.25) lässt sich einerseits durch die hauptsächliche Teilnahme von Männern in politischen Entscheidungsprozessen ('''Statistik noch einsetzen''') zurückführen, andererseits steckt dahinter auch die historische Privilegiertheit des Standpunkts weißer Männer in der Wissensproduktion (&amp;quot;master subject&amp;quot;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. &lt;br /&gt;
Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt. Dadurch werden weibliche Perspektiven ausradiert und Forschungsergebnisse, beispielsweise aus der Medizin, stammen meist aus der Forschung an Männern. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’” Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion.  Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. &lt;br /&gt;
Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu sollte im Rahmen dieser intersektionalen Betrachtung ergänzt werden, dass auch Menschen, die vom eurozentrischen Bild des weißen, heterosexuellen Cis-Mannes abweichen, von der Wissensproduktion ausgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei hat die Klimakrise Auswirkungen auf das Leben einer jeden Person. Trotzdem werden die Effekte auf die private Sphäre (Allison, p.153) und die verschiedenartigen, lokalen Ausprägungen des Klimawandels vernachlässigt. Es gibt in der Debatte um die Klimakrise wenig bis keine Aufmerksamkeit für die Art und Weise, wie der Klimawandel (eig. “climate governance”) erlebt und “enacted” wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahrnehmung der Klimakrise als größtenteils wissenschaftlich-politisches Problem ermöglicht es, die konkreten Erfahrungen der Betroffenen auszublenden. Dies ist problematisch, da die Menschen, die in einem bestimmten Gebiet leben, über spezifisches Wissen (“situated knowledge”, Kajiser and Kronsell p. 423) verfügen, das ihre Lebensweise generiert und welches “highly valuable for addressing climate change issues” (ebd.) sein kann. Dieses ‘Opfern’ von situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint” (Allison, p.153). Der westliche Denkstil operiert unter dieser Annahme, dass es einen perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt gibt, von dem aus man Wissenschaft betreiben kann. Feministische Epistemolog*Innen lehnen dies allerdings ab, da historisch weiße, reiche Männer durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt allerdings zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] macht sich in der Debatte um die Klimakrise bemerkbar, wenn der globale Norden beispielsweise technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise für den globalen Süden fordert, ohne spezifische Kenntnisse von der Situation vor Ort zu haben oder anstelle diese eigene Konzepte entwickeln zu lassen. Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, ''mitunter partiell gültige Forschungsergebnisse gewonnen werden''. Es wird des Weiteren kritisiert, dass technologische Lösungsversuche das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur, ignorieren und somit nicht an der Wurzel des Problems ansetzen. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser,Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser,Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter{{Quellen-Literatur|Autor*in=Asmae Ourkiya|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]] Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie, im common sense, gemacht werden. [DIESE COMMON SENSE STELLE IST IRGENDWIE UNSCHÖN; ABER HALT GENAU DAS WORUM ES DA WOHL GEHT] Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kathy Davis|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[DER FOLGENDE ABSCHNITT IST NOCH ZIEMLICH ROH]&lt;br /&gt;
Über den bereits zu Beginn kritisch betrachteten [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen hinweg ist der Ökofeminismus in einigen Bereichen auszubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen.&lt;br /&gt;
https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/ -&amp;gt; Ökofeminist*innen könnten davon profitieren, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4754</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4754"/>
		<updated>2022-03-21T14:54:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus''' beschäftigt sich mit der Überschneidung Diskriminierung auf Basis von Machtverhältnissen, welche Individuuen in Anbetracht der Klimakriese bereits erfahren und erfahren werden. Dabei lassen sich Unterschiede in der Vulnerabilität von maginalisierten Gruppen feststellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die beiden Begriffe [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Intersektionalit.C3.A4t_und_Geschlechtergerechtigkeit Intersektionalität]und [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Ökofeminismus] definiert, sowie auf die Notwenigkeit einer [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Statistiken.2C_Warum_wir_eine_Feministische_Perspektive_auf_die_Klimakrise_brauchen  Feminstischen Perspektive auf die Klimakriese] erläutert. Des weiteren wird Kritik an Ökofeminsmus und Intersektionalität angeführt und auf den [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Was_kann_der_.C3.96kofeminismus_vom_afrozentrischen_.C3.96kowomanismus_lernen.3F afrozentrischen Ökowomanismus] eingegangen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die Begriffe Ökofeminismus und Essenzialismus ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der [[Tierethik]] oder dem [[Postkolonialismus]] aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Essentialistische Positionen setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist außer Zweifel, dass zahlreiche Vertreter*innen des Ökofeminismus wie Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang aufweisen und ihre Theorien entsprechend der Kritik bedürfen. Der vorliegende Artikel legt jedoch besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurricane_Charley_Damage.jpg|thumb|Luftaufnahme von zerstörten Wohnmobilen in Punta Gorda, Florida, nach dem Hurrikan Charley.]]''Nele'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die [[Klimakrise]] ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei [[Umweltkatastrophen]] betrachtet. Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen: &amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot; (Gaard, S.10) + Beispiel Hurrikane Katrina. Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut (&amp;quot;inequities produced through gendered social roles, discrimination, and poverty&amp;quot; Gaard, S.9) entsteht. Weitere Faktoren der Gefährdung von Frauen sind &amp;quot;residence on marginal land susceptible to subsidence, erosion, or flooding; precarious or informal employment; increasing exposure to waterborne and vector-borne disease&amp;quot; (Allison, p.152)&lt;br /&gt;
Dieses Phänomen der &amp;quot;gendered vulnerability&amp;quot; als Konstrukt zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert “at all levels of decision making regarding climate change” (Kaijser &amp;amp; Kronsel, p.418). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''(Die folgenden drei Paragraphen habe ich alle zu unterschiedlichen Bearbeitungs-Zeitpunkten geschrieben, weshalb sie inhaltlich alle sehr ähnlich sind, aber nicht wirklich ineinander überleiten.  In jedem steckt noch mal ein neuer Kritikpunkt, weshalb ich sie noch so ausformuliert lasse, aber bei Gelegenheit muss ich das mal ein bisschen umsortieren und komprimieren.)'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist die Tatsache, dass aktuelle Ansätze unzureichend sind. Der Mangel einer geschlechtersensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet. Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können (Gaard, S.13), während stattdessen antifeministischen Lösungsansätzen wie Populationskontrolle, Militarisierung und Anti-Immigrationsmaßnahmen Tür und Tor geöffnet wird (Gaard, S.14). Der maskulinistische Charakter der Analyse der Klimakrise (&amp;quot;masculinist character of climate change analyses&amp;quot;, Gaard, S.25) lässt sich einerseits durch die hauptsächliche Teilnahme von Männern in politischen Entscheidungsprozessen ('''Statistik noch einsetzen''') zurückführen, andererseits steckt dahinter auch die historische Privilegiertheit des Standpunkts weißer Männer in der Wissensproduktion (&amp;quot;master subject&amp;quot;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. &lt;br /&gt;
Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt. Dadurch werden weibliche Perspektiven ausradiert und Forschungsergebnisse, beispielsweise aus der Medizin, stammen meist aus der Forschung an Männern. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als „‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’” Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion.  Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. &lt;br /&gt;
Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu sollte im Rahmen dieser intersektionalen Betrachtung ergänzt werden, dass auch Menschen, die vom eurozentrischen Bild des weißen, heterosexuellen Cis-Mannes abweichen, von der Wissensproduktion ausgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei hat die Klimakrise Auswirkungen auf das Leben einer jeden Person. Trotzdem werden die Effekte auf die private Sphäre (Allison, p.153) und die verschiedenartigen, lokalen Ausprägungen des Klimawandels vernachlässigt. Es gibt in der Debatte um die Klimakrise wenig bis keine Aufmerksamkeit für die Art und Weise, wie der Klimawandel (eig. “climate governance”) erlebt und “enacted” wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 '''Die Wahrnehmung der Klimakrise als größtenteils wissenschaftlich-politisches Problem ermöglicht es, die konkreten Erfahrungen der Betroffenen auszublenden. Dies ist problematisch, da die Menschen, die in einem bestimmten Gebiet leben, über spezifisches Wissen (“situated knowledge”, Kajiser and Kronsell p. 423) verfügen, das ihre Lebensweise generiert und welches “highly valuable for addressing climate change issues” (ebd.) sein kann. Dieses ‘Opfern’ von situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint” (Allison, p.153). Der westliche Denkstil operiert unter dieser Annahme, dass es einen perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt gibt, von dem aus man Wissenschaft betreiben kann. Feministische Epistemolog*Innen lehnen dies allerdings ab, da historisch weiße, reiche Männer durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt allerdings zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden. &lt;br /&gt;
'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und [[BIPoC]] macht sich in der Debatte um die Klimakrise bemerkbar, wenn der globale Norden beispielsweise technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise für den globalen Süden fordert, ohne spezifische Kenntnisse von der Situation vor Ort zu haben oder anstelle diese eigene Konzepte entwickeln zu lassen. Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, ''mitunter partiell gültige Forschungsergebnisse gewonnen werden''. Es wird des Weiteren kritisiert, dass technologische Lösungsversuche das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur, ignorieren und somit nicht an der Wurzel des Problems ansetzen. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. Im Fall vom Diskriminierung auf Basis von Geschlecht, Klasse, Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien deren Strukturen mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser,Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Kimberlé_Crenshaw.jpg|thumb|Kimberlé Crenshaw.]] Als Begründerin intersektionaler Theorie wird oftmals [[Kimberlé Crenshaw]] angeführt, welche für ihren Aufsatz ''Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics'' bekannt ist. Die Soziologin Kathy Davis definiert Intersektionalität wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„‘Intersectionality’ refers to the interaction between gender, race, and other categories of difference in individual lives, social practices, institutional arrangements, and cultural ideologies and the outcomes of these interactions in terms of power.“&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Autor*in=Davis, Kathy|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=68| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anna Kaijser und Annica Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kaijser,Anna; Kronsell, Annica|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus Diskriminierung oder z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das betroffene Subjekt ist situiert, auch das Wissen ist historisch geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Oftmals, weil entsprechende Daten nicht in Studien erfasst werden. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und [[LGBTQIA+]] Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Greta Gaard und Catriona Sandilands beschäftigten sich in ihren Beiträgen ''Toward a Queer Ecofeminism'' und ''The Importance of Reading Queerly: Jewetts 'Deephaven' as Feminist Ecology'' mit einer queeren Lesart des Ökofeminismus.&amp;lt;ref&amp;gt;mehr zu diesem Thema unter{{Quellen-Literatur|Autor*in=Asmae Ourkiya|Titel=Queering Ecofeminism: Towards an Anti-Far-Right Environmentalism|Jahr=2020|Website=NiCHE Canada|Online=https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/|Abruf=18.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „There will be no climate justice without [queer] gender justice.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard Greta|Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Geschlechterdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Die Anwesenheit von Frauen und LGBTQIA+ in den Entscheidungsebenen ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen die verschiedenen Klimaschutzstrategien, in Bezug auf ihre Maskulitität und Geschlechterrollen, hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Gaard, Greta |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik an Intersektionalität und Ökofeminismus ==&lt;br /&gt;
''Johanna''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Mikkola, Mari|Titel=Feminist Perspectives on Sex and Gender|Jahr=2022|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Entscheident für diese Kritik an den Identitätskategorien ist, dass ein übermäßiger Fokus auf die Kategorien potenziell zur Homogenisierung von Gruppen führt. Umgekehrt kann bei starker Gewichtung der Erfahrung von Subjekten die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. [[Datei:Demonstration_gegen_steigende_Armut_durch_den_Klimawandels.jpeg|thumb|Eisbären demonstrieren gegen steigende Armut durch den Klimawandel.]] Es gäbe im Extremfall beispielsweise nur eine Erfahrung wie es ist eine Frau zu sein, welche für alle Frauen gilt oder durch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche von niemandem als der Person selbst nachvollziehbar sind, nur einzelne Individuen. Zusammengefasst werden solche Entgegnungen unter dem Begriff der [[Identitätspolitik]].&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intersektionalität wird weiterhin für seine Offenheit und Ambiguität kritisiert. Einige Forscher*innen wie Mieke Verloo und Leslie McCall sprechen sich für klare universal anwendbare Definitionen oder strenge methodische Leitlinien aus. So soll Intersektionalität ergänzt und zu einer 'guten' Theorie, im common sense, gemacht werden. [DIESE COMMON SENSE STELLE IST IRGENDWIE UNSCHÖN; ABER HALT GENAU DAS WORUM ES DA WOHL GEHT] Als wichtig erachtet wird sie von vielen Autor*innen die Bedenken äußern dennoch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Kathy Davis|Titel=Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful|Zeitschrift=Feminist Theory|Band=9|Nummer=1|Jahr=2008|Seite=78| Online=https://www.researchgate.net/publication/240712458_Intersectionality_as_Buzzword_A_Sociology_of_Science_Perspective_on_What_Makes_a_Feminist_Theory_Successful|Abruf=12.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Grundannahme, das Kategorien soziale Konstrukte sind, wird beispielsweise entgegnet, dass es sich nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Heyes, Cressida|Titel=Identity Politics|Jahr=2020|Website=Stanford Encyclopedia of Philosophy|Online=https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden|Abruf=07.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[DER FOLGENDE ABSCHNITT IST NOCH ZIEMLICH ROH]&lt;br /&gt;
Über den bereits zu Beginn kritisch betrachteten [https://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Johanna_Schreiner/_Werkstatt#Einf.C3.BChrung_in_die_Begriffe_.C3.96kofeminismus_und_Essenzialismus Essenzialismus] einiger Vertreter*innen hinweg ist der Ökofeminismus in einigen Bereichen auszubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Anbetracht dieser in anderen Bereichen bereits erkannten Verbindung gilt es auch im Ökofeminismus antifaschistische Positionen auszubauen.&lt;br /&gt;
https://niche-canada.org/2020/06/23/queering-ecofeminism-towards-an-anti-far-right-environmentalism/ -&amp;gt; Ökofeminist*innen könnten davon profitieren, sich ein Beispiel an der der antifaschistischen Bewegung zu nehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
''Andra''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf der pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC&amp;lt;ref&amp;gt; {{Quellen-Literatur|Online=https://www.migrationsrat.de/glossar/bipoc/ |Abruf=11.03.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (Black, Indigenous and People of Color) afrikanischer Herkunft, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt. Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel ''Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism'' beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=349 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348ff. }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund nimmt die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre für Aktivisti*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities vorweg.  Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=352f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles.“&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=348 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Shamara Shantu Rileys |Titel=Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism |Herausgeber*in=Roger S. Gottlieb |Sammelband=This sacred earth: religion,nature, environment |Ort=New York |Verlag=Routledge |Jahr=1996 |Seite=357f. }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schumann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ökofeminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminist*innen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:LGBTQAI+]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kimberlé Crenshaw]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4529</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4529"/>
		<updated>2022-03-11T13:42:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Nele - Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
Einleitungstext hier einfügen &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Andra'' - Einführung in die Begriffe Ökofeminismus, Essenzialismus und Intersektionalität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der Tierethik oder dem Postkolonialismus aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Sie setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Janet Biehl geht so weit, dass sie der gesamten ökofeministischen Strömung vorwirft, die Begriffe Frau und Natur ahistorisch im Sinne einer ihnen innewohnenden Essenz zu gebrauchen. Tatsächlich weisen einige Positionen wie die von Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang auf und bedürfen entsprechend der Kritik. Zu behaupten, dies würde auf die gesamte Strömung zutreffen, ist jedoch nicht minder eine vereinfachende und generalisierende Auffassung.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der folgende Artikel legt besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Nele'' - Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei Umweltkatastrophen betrachtet. So sind Frauen und andere marginalisiert Gruppen am meisten von Klimaveränderungen betroffen / Dies zeigt, dass Frauen und andere marginalisierte Gruppen disproportional gefährdet sind durch die Auswirkungen der Klimakrise {&amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot; Gaard, S.10 + Beispiel Hurrikane Katrina). Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut (&amp;quot;inequities produced through gendered social roles, discrimination, and poverty&amp;quot; Gaard, S.9) entsteht. Weitere Faktoren der Gefährdung von Frauen sind &amp;quot;residence on marginal land susceptible to subsidence, erosion, or flooding; precarious or informal employment; increasing exposure to waterborne and vector-borne disease&amp;quot; (Allison, p.152)&lt;br /&gt;
[Die Konstruktion dieses Phänomens der &amp;quot;gendered vulnerability&amp;quot; zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Verletzlichkeit/Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert “at all levels of decision making regarding climate change” (Kaijser &amp;amp; Kronsel, p.418). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''(Die folgenden drei Paragraphen habe ich alle zu unterschiedlichen Bearbeitungs-Zeitpunkten geschrieben, weshalb sie inhaltlich alle sehr ähnlich sind, aber nicht wirklich ineinander überleiten.  In jedem steckt noch mal ein neuer Kritikpunkt, weshalb ich sie noch so ausformuliert lasse, aber bei Gelegenheit muss ich das mal ein bisschen umsortieren und komprimieren.)'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist die Tatsache, dass aktuelle Ansätze unzureichend sind. Der Mangel einer ''gender''-sensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet (-&amp;gt; inwiefern ermöglicht eine feministische Perspektive ein ideologisches Umdenken?). Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können (Gaard, S.13), während stattdessen antifeministischen Lösungsansätzen wie Populationskontrolle, Militarisierung und Anti-Immigrationsmaßnahmen Tür und Tor geöffnet wird (Gaard, S.14). Der maskulinistische Charakter der Analyse der Klimakrise (&amp;quot;masculinist character of climate change analyses&amp;quot;, Gaard, S.25) lässt sich einerseits durch die hauptsächliche Teilnahme von Männern in politischen Entscheidungsprozessen ('''Statistik noch einsetzen''') zurückführen, andererseits steckt dahinter auch die historische Privilegiertheit des Standpunkts weißer Männer in der Wissensproduktion (&amp;quot;master subject&amp;quot;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''//''' Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Dabei hat die Klimakrise Auswirkungen auf das Leben einer jeden Person. Trotzdem werden die Effekte auf die private Sphäre (Allison, p.153) und die verschiedenartigen, lokalen Ausprägungen des Klimawandels vernachlässigt. Es gibt in der Debatte um die Klimakrise wenig bis keine Aufmerksamkeit für die Art und Weise, wie der Klimawandel (eig. “climate governance”) erlebt und “enacted” wird. Die Wahrnehmung der Klimakrise als größtenteils wissenschaftlich-politisches Problem ermöglicht es, die konkreten Erfahrungen der Betroffenen auszublenden. Dies ist problematisch, da die Menschen, die in einem bestimmten Gebiet leben, über spezifisches Wissen (“situated knowledge”, Kajiser and Kronsell p. 423) verfügen, das ihre Lebensweise generiert und welches “highly valuable for addressing climate change issues” (ebd.) sein kann. Dieses ‘Opfern’ von situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint” (Allison, p.153). Der westliche Denkstil operiert unter dieser Annahme, dass es einen perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt gibt, von dem aus man Wissenschaft betreiben kann. Feministische Epistemolog*Innen lehnen dies allerdings ab, da historisch weiße, reiche Männer durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt allerdings zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden. '''//'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt. Dadurch werden weibliche Perspektiven ausradiert und Forschungsergebnisse, beispielsweise aus der Medizin, stammen meist aus der Forschung an Männern. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als “‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’” Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion.  Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. &lt;br /&gt;
Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Standpunkts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu sollte im Rahmen dieser intersektionalen Betrachtung ergänzt werden, dass auch Menschen, die vom eurozentrischen Bild des weißen, heterosexuellen Cis-Mannes abweichen, von der Wissensproduktion ausgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und BIPoC macht sich in der Debatte um die Klimakrise bemerkbar, wenn der globale Norden beispielsweise technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise für den globalen Süden fordert, ohne spezifische Kenntnisse von der Situation vor Ort zu haben oder anstelle diese eigene Konzepte entwickeln zu lassen. Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, mitunter partiell gültige Forschungsergebnisse gewonnen werden. Es wird des Weiteren kritisiert, dass technologische Lösungsversuche das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur, ignorieren und somit nicht an der Wurzel des Problems ansetzen. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Johanna'' - Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Überschneidungen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. &lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Anna Kaijser, Annica Kronsell|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Fall vom Geschlecht, Klasse, Race/Rasse, Sexualität, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderungen und anderen Formen menschlicher Unterschiede handelt es sich um solche Kategorien mit impliziten Machtstrukturen, welche mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaijser&amp;amp;Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Anna Kaijser, Annica Kronsell|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. Mit ihr lassen sich besonders vulnerable Gruppen identifizieren und Überschneidungen wie die von Geschlecht, Klasse und Race/Rasse einordnen. Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie solche soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das Subjekt ist situiert, sondern auch das Wissen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „These explorations of queer feminist ecology can augment the slogan of the Gender &amp;amp; Climate Change Network (genderCC): There will be no climate justice without [queer] gender justice.”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Greta Gaard |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und LGBTQIA+ Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Greta Gaard |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Genderdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Dies ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen, die bereit sind ihre Geschlechterrollen in Frage zu stellen, die verschiedenen Klimaschutzstrategien hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Greta Gaard |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Johanna'' - Kritik an Intersektionalität ==&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll. (https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden) Innerhalb der jeweiligen Bereiche gibt es anhaltende Diskurse z. B. Wie ist die Kategorie der Frauen, angesichts des Ziels die Unterdrückung von Frauen als Gruppe zu beenden, zu verstehen ist?( mehr in https://plato.stanford.edu/entries/feminism-gender/#WomGro)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[ODER] Da diesen Zugehörigkeiten genutzt werden um Diskriminierung zu identifizieren treffen einige der Vorwürfe von dem was allgemein als Identitätspolitik bezeichnet wird auch intersektionale Ansätze. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[ Entscheidend für Identität ist die Erfahrung des Subjekts, insbesondere die Erfahrung innerhalb sozialer Strukturen, die Ungerechtigkeit erzeugen. Des Weiteren spiel die Möglichkeit einer gemeinsamen und authentischeren oder selbstbestimmten Alternative eine große Rolle. Dieses Identitätsverständnis wird für seine Intransparenz der Erfahrungen kritisiert. Des weiteren ist Erfahrung nie vor Interpretation und immer schon mit einen bedeutungsschaffendem Rahmen wie z.B. den ungleichen Herrschaftsverhältnissen. ]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein starker Fokus auf die Kategorien in der intersektionalen Analyse kann zu Essenzialismus und Homogenisierung von Gruppen (z. B. nur eine Erfahrung wie es ist Frau zu sein) führen. Umgekehrt kann bei einem Primat der Erfahrung von Subjekten (z. B. immer kleiner werdende Gruppen bis zu dem Punkt, dass Gruppen nur noch Individuen sind) die gemeinsame Gruppenzugehörigkeit und so auch die Möglichkeit zum Zusammenschluss im Kampf gegen die Maginalisierung verloren gehen. Dies gefährdet die kritische Haltung der Analyse, weil so Identitäten als feststehend und unveränderlich betrachtet werden. [FINDET IHR DASS DIESE KRITIK INTERSEKTIONALITÄT ÜBERHAUPT DIREKT TRIFFT?] Dabei sind diese historisch gewachsen, veränderlich und beispielsweise bei der Begriffsgeschichte von Race/Rasse durch Kolonialismus, Gewalt und Sklaverei geprägt. Diese Hintergründe gilt es für alle Identitätskategorien zu beachten und bewusst zu halten. Wird die intersektionale Methode kritisch genutzt, kann dies mitreflektiert werden und die Kritik zurückgewiesen werden. Denn die Grundannahme: &amp;gt;Race/Rasse ist sozial konstruiert&amp;lt; , ist noch kein Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik.(https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Andra'' - Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf die pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt.Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel „Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism“ beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen (vgl. S. 349):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.« (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen. (vgl. S. 348ff.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC. (vgl. S. 352) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund impliziert für Aktivist*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities. Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können. (vgl. S. 352f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles. (S. 348)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt. (vgl. 357f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Autor*innen==&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schuhmann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4515</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=4515"/>
		<updated>2022-03-10T19:34:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Nele - Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
Einleitungstext hier einfügen &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Andra'' - Einführung in die Begriffe Ökofeminismus, Essenzialismus und Intersektionalität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen und zur Lösung umweltbezogener Problematiken für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der Tierethik oder dem Postkolonialismus aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Positionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb feministischer Theorien bedeutet Essentialismus, dass von einer Essenz des Weiblichen bzw. Männlichen ausgegangen wird. Diese wird den Geschlechtern insbesondere anhand von biologischen Merkmalen in antagonistischer Manier zugeschrieben. Sie setzen damit die Subjekte Mann und Frau fest und haben erhebliche Schwierigkeiten, Abweichungen und Überlappungen zwischen den Geschlechtern erklären zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Janet Biehl geht so weit, dass sie der gesamten ökofeministischen Strömung vorwirft, die Begriffe Frau und Natur ahistorisch im Sinne einer ihnen innewohnenden Essenz zu gebrauchen. Tatsächlich weisen einige Positionen wie die von Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang auf und bedürfen entsprechend der Kritik. Zu behaupten, dies würde auf die gesamte Strömung zutreffen, ist jedoch nicht minder eine vereinfachende und generalisierende Auffassung.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der folgende Artikel legt besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die den Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Nele'' - Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise ergibt sich, wenn man beispielsweise Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei Umweltkatastrophen betrachtet. So sind Frauen und andere marginalisiert Gruppen am meisten von Klimaveränderungen betroffen / Dies zeigt, dass Frauen und andere marginalisierte Gruppen disproportional gefährdet sind durch die Auswirkungen der Klimakrise {&amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot; Gaard, S.10 + Beispiel Hurrikane Katrina). Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch vergeschlechtlichte soziale Normen, Diskriminierung und Armut (&amp;quot;inequities produced through gendered social roles, discrimination, and poverty&amp;quot; Gaard, S.9) entsteht. Weitere Faktoren der Gefährdung von Frauen sind &amp;quot;residence on marginal land susceptible to subsidence, erosion, or flooding; precarious or informal employment; increasing exposure to waterborne and vector-borne disease&amp;quot; (Allison, p.152)&lt;br /&gt;
[Die Konstruktion dieses Phänomens der &amp;quot;gendered vulnerability&amp;quot; zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Verletzlichkeit/Betroffenheit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert “at all levels of decision making regarding climate change” (Kaijser &amp;amp; Kronsel, p.418). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''(Die folgenden drei Paragraphen habe ich alle zu unterschiedlichen Bearbeitungs-Zeitpunkten geschrieben, weshalb sie inhaltlich alle sehr ähnlich sind, aber nicht wirklich ineinander überleiten.  In jedem steckt noch mal ein neuer Kritikpunkt, weshalb ich sie noch so ausformuliert lasse, aber bei Gelegenheit muss ich das mal ein bisschen umsortieren und komprimieren.)'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist die Tatsache, dass aktuelle Ansätze unzureichend sind. Der Mangel einer ''gender''-sensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet (-&amp;gt; inwiefern ermöglicht eine feministische Perspektive ein ideologisches Umdenken?). Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können (Gaard, S.13), während stattdessen antifeministischen Lösungsansätzen wie Populationskontrolle, Militarisierung und Anti-Immigrationsmaßnahmen Tür und Tor geöffnet wird (Gaard, S.14). Der maskulinistische Charakter der Analyse der Klimakrise (&amp;quot;masculinist character of climate change analyses&amp;quot;, Gaard, S.25) lässt sich einerseits durch die hauptsächliche Teilnahme von Männern in politischen Entscheidungsprozessen ('''Statistik noch einsetzen''') zurückführen, andererseits steckt dahinter auch die historische Privilegiertheit des Standpunkts weißer Männer in der Wissensproduktion (&amp;quot;master subject&amp;quot;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''//''' Der Klimawandel wird meist als ein hauptsächlich wissenschaftliches Problem verstanden, welches es mithilfe neuer technologischer Innovationen zu lösen gilt. Dabei hat die Klimakrise Auswirkungen auf das Leben einer jeden Person. Trotzdem werden die Effekte auf die private Sphäre (Allison, p.153) und die verschiedenartigen, lokalen Ausprägungen des Klimawandels vernachlässigt. Es gibt in der Debatte um die Klimakrise wenig bis keine Aufmerksamkeit für die Art und Weise, wie der Klimawandel (eig. “climate governance”) erlebt und “enacted” wird. Die Wahrnehmung der Klimakrise als größtenteils wissenschaftlich-politisches Problem ermöglicht es, die konkreten Erfahrungen der Betroffenen auszublenden. Dies ist problematisch, da die Menschen, die in einem bestimmten Gebiet leben, über spezifisches Wissen (“situated knowledge”, Kajiser and Kronsell p. 423) verfügen, das ihre Lebensweise generiert und welches “highly valuable for addressing climate change issues” (ebd.) sein kann. Dieses ‘Opfern’ von situated knowledge geschieht zugunsten der Aufrechterhaltung der “objective view”: “a romantic belief in the possibility of connection-free knowledge from an outside-of-nature, perspective-free viewpoint” (Allison, p.153). Der westliche Denkstil operiert unter dieser Annahme, dass es einen perspektivlosen, absolut neutralen Standpunkt gibt, von dem aus man Wissenschaft betreiben kann. Feministische Epistemolog*Innen lehnen dies allerdings ab, da historisch weiße, reiche Männer durch ihren sozialen Status in der Wissensproduktion privilegiert sind. Das Betreiben von Wissenschaft von diesem Standpunkt aus führt allerdings zu einer Verzerrung vieler Forschungsergebnisse (Stichwort gender data gap), welche allerdings unter dem Deckmantel der Neutralität fälschlicherweise oft als universell verstanden werden. '''//'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wissenschaftliche Betrachtung erfolgt allerdings historisch aus der Position eines maskulinen Subjekts, welches kulturell die Norm darstellt. Dadurch werden weibliche Perspektiven ausradiert und Forschungsergebnisse, beispielsweise aus der Medizin, stammen meist aus der Forschung an Männern. Feministische Epistemolog*innen sprechen daher von einer maskulinistischen Beschaffenheit der Wissenschaft. Michèle Le Deouff definiert den Begriff des Maskulinistischen als “‘work which, while claiming to be exhaustive, forgets about women’s existence and concerns itself only with the position of men.’” Aufgrund dieses Anspruchs auf Exhaustivität entsteht ein Ausschluss nicht-männlicher Menschen von der Wissensproduktion.  Der Geltungsanspruch des so gewonnenen Wissens bezieht sich auf ein männliches Subjekt, wird allerdings auf alle anderen Personen generalisiert und als für alle gültig befunden, weshalb davon ausgegangen wird, dass es das einzig mögliche Wissen sei. &lt;br /&gt;
Diese postulierte Universalität der wissenschaftlichen Betrachtung verdeckt allerdings die Voreingenommenheit des Betrachters. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu sollte im Rahmen dieser intersektionalen Betrachtung ergänzt werden, dass auch Menschen, die vom eurozentrischen Bild des weißen, heterosexuellen Cis-Mannes abweichen, von der Wissensproduktion ausgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unter anderem epistemologische Marginalisierung von Frauen und BIPoC macht sich in der Debatte um die Klimakrise bemerkbar, wenn der globale Norden beispielsweise technologische Innovationen zum Bekämpfen der Klimakrise für den globalen Süden fordert, ohne spezifische Kenntnisse von der Situation vor Ort zu haben oder anstelle diese eigene Konzepte entwickeln zu lassen. Das Bestehen auf technologische Lösungsansätze zur Klimakrise wird des Weiteren von vielen Ökofeminist*innen als kritisch gesehen, da durch den privilegierten eurozentrischen Standpunkt, von dem aus Wissenschaft “gemacht&amp;quot; wird, mitunter partiell gültige Forschungsergebnisse gewonnen werden. Es wird des Weiteren kritisiert, dass technologische Lösungsversuche das eigentliche Problem, und zwar die Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung der Natur, ignorieren und somit nicht an der Wurzel des Problems ansetzen. Anstelle alternative Konzepte zur Nutzung von Ressourcen zu entwicklen, verharren technologische Ansätze meist in der Dominanzlogik und rechtfertigen den Verbrauch weiterer Ressourcen (beispielsweise des Lithium-Abbaus zum Bau von Akkus für Elektro-Autos) im Namen des Umweltschutzes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Johanna'' - Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Ebenen finden sich Überschneidungen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal Geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionellen Praxis vorgefunden. [HIER NOCH MEHR ZU INTERSEKTIONALITÄT - BEISPIEL FÜR ÜBERLAPPEN VON VULNERABILTITÄT]&lt;br /&gt;
Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Anna Kaijser, Annica Kronsell|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=419| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Fall vom Geschlecht als System handelt es sich um solche implizten Machtstrukturen, welche mithilfe von Intersektionalität hinterfragt werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaijser&amp;amp;Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Anna Kaijser, Annica Kronsell|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In sofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. &lt;br /&gt;
Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das Subjekt ist situiert, sondern auch das Wissen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „These explorations of queer feminist ecology can augment the slogan of the Gender &amp;amp; Climate Change Network (genderCC): There will be no climate justice without [queer] gender justice.”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Greta Gaard |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klimakriese und Geschlecht sind miteinander verwoben, jedoch gibt es bisher wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie können die Standpunkte von Frauen und LGBTQIA+ Individuen zum Klimawandel verglichen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Greta Gaard |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel erforderlich um Genderdiversität und ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Dies ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Um die Machtverhältnisse in der Klimapolitik in Bezug auf Geschlecht sichtbar zu machen ist es notwendig, dass Menschen, die bereit sind ihre Geschlechterrollen in Frage zu stellen, die verschiedenen Klimaschutzstrategien hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Greta Gaard |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=26| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Johanna'' - Kritik an Intersektionalität ==&lt;br /&gt;
Kritik an Intersektionalität richtet sich oftmals gegen die Identitätskategorien, welche die Intersektionale Analyse als Werkzeug nutzt. Die Frage wie Gruppenidentitäten verstanden werden sollen ist also auch für Intersektionalität relevant, insofern es darum geht wie mit ihnen verfahren werden soll. (https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[ODER] Da diesen Zugehörigkeiten genutzt werden um Diskriminierung zu identifizieren treffen einige der Vorwürfe von dem was allgemein als Identitätspolitik bezeichnet wird auch intersektionale Ansätze. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[ Entscheidend für Identität ist die Erfahrung des Subjekts, insbesondere die Erfahrung innerhalb sozialer Strukturen, die Ungerechtigkeit erzeugen. Des Weiteren spiel die Möglichkeit einer gemeinsamen und authentischeren oder selbstbestimmten Alternative eine große Rolle. Dieses Identitätsverständnis wird für seine Intransparenz der Erfahrungen kritisiert. Des weiteren ist Erfahrung nie vor Interpretation und immer schon mit einen bedeutungsschaffendem Rahmen wie z.B. den ungleichen Herrschaftsverhältnissen. ]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein starker Fokus auf die Erfahrung von Subjekten in der intersektionalen Analyse kann zu Essenzialismus und Homogenisierung von Gruppen (z. B. nur eine Erfahrung wie es ist Frau zu sein) führen. Dieser gefährdet die kritische Haltung der Analyse, weil so Identitäten als feststehend und unveränderlich betrachtet werden. [KEINE AHNUNG MEHR VOHER ICH DIESE ERSTEN BEIDEN SÄTZE HABE - NEUSCHREIBEN FINDE DIE QUELLE NICHT!] Dabei sind diese historisch gewachsen, veränderlich und beispielsweise bei der Begriffsgeschichte von &amp;gt;Rasse&amp;lt;  durch Kolonialismus, Gewalt und Sklaverei geprägt. Diese Hintergründe gilt es für alle Identitätskategorien zu beachten und bewusst zu halten. [JA IM SINNE VON DEM WIE WIR DAS IM VORTRAG VON JONATHAN MCKINNEY GEHÖRT HABEN]&lt;br /&gt;
Wird die intersektionale Methode kritisch genutzt, kann dies mitreflektiert werden und die Kritik zurückgewiesen werden. Denn die Grundannahme: &amp;gt;Rasse ist sozial konstruiert&amp;lt; , ist noch kein Hinweis auf eine bestimmte Identitätspolitik.(https://plato.stanford.edu/entries/identity-politics/#PhilIden)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Andra'' - Was kann der Ökofeminismus vom afrozentrischen Ökowomanismus lernen? ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie andere afrozentrische Perspektiven auch, kann der afrozentrische Ökowomanismus als ein der eurozentristischen Perspektive entgegengesetzter Standpunkt betrachtet werden. Afrozentrische Ansätze können demnach als Selbstermächtigung in einem europäisch dominierten Diskurs um Deutungshoheit verstanden werden. Der Fokus afrozentrischer Ansätze liegt auf die pan-afrikanische Kultur, Philosophie und Geschichte. Der Womanismus legt großen Wert auf die Perspektive von BIPoC, die im Feminismus oftmals zu kurz kommt.Der afrozentrische Ökowomanismus sollte demnach nicht unter dem Begriff Ökofeminismus subsumiert werden, sondern vielmehr als eine Denkweise verstanden werden, von der der Ökofeminismus lernen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Shamara Shantu Rileys Artikel „Ecology Is A Sistah´s Issue Too: The Politics Of Emergent Afrocentric Ecowomanism“ beschreibt die Autorin den afrozentrischen Ökowomanismus als klare Position gegen die eurozentrisch maskulinistische Ideologie der Dominanz, aus der sich der Natur-Kultur Dualismus entwickelt hat. Bezugnehmend auf die Anthropologin und Afrikawissenschaftlerin Marimba Ani wird der Dualismus als Erbe des Juden- und Christentums angesehen (vgl. S. 349):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.« (Genesis 1,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So heißt es im ersten Buch Mose. Diese Weltsicht erlaubt dem Menschen seine Herrschaft über die nicht-menschliche Natur auszuüben. Der Mensch sieht sich in seinem Verhältnis zur Natur, als von ihr gespalten und in einer Hierarchie stehend, die ihn als überlegen kennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ökofeministin Ynestra King macht darauf aufmerksam wie die Kategorie des Natürlichen bzw. der Natur als Projektionsfläche zur Kontrolle von Frauen genutzt wird. Dasselbe Prinzip greift jedoch ebenfalls für BIPoC, deren Nähe zur Natur betont wird, um sie als Andere zu kennzeichnen. Dabei werden ihnen u.a. Attribute wie Wildheit, Unberührtheit, Reinheit oder Instinkthaftigkeit attestiert. Die Konstruktion der Anderen legitimiert insbesondere die Herrschaft von weißen Männern gegenüber Frauen und BIPoC, die nach dieser Logik der Kontrolle bedürfen und kultiviert werden müssen. Dieser Ideologie folgend ist auch die rassistische Praxis der Kolonisierung und Versklavung zu verstehen. (vgl. S. 348ff.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Afrozentrische Positionen des Ökowomanismus kritisieren am Ökofeminismus, die Behandlung der Kategorie Frau als homogene Masse. Denn Hierarchien bestehen nicht lediglich zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frauen untereinander, beispielsweise aufgrund ihrer Klasse, Herkunft oder Hautfarbe, aber auch zwischen weißen Frauen und BIPoC. (vgl. S. 352) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die exorbitante Betroffenheit von BIPoC, wobei weibliche BIPoC eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, mitbedacht, so geht es hier radikal ausgedrückt um das pure Überleben. Aus diesem Grund impliziert für Aktivist*innen, Philosoph*innen und Schriftsteller*innen wie bell hooks, Esther Iverem und Robert Bullard die Bürgerrechtsbewegung in Amerika der 60er Jahre die in den 80er Jahren einsetzende Umweltbewegung der schwarzen Communities. Dies ist eine logische Schlussfolgerung: denn für Bürgerrechte zu kämpfen, heißt auch für den Rahmen zu kämpfen, in dem diese zum Tragen kommen können. (vgl. S. 352f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Vertreter*innen des afrozentrischen Ökofeminismus fordern bringt Rileys treffend auf den Punkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„However, what we need is not a total disassociation of people from nature, but rather a reformulation of everyone´s relationship to nature by socially reconstructing gender, class, and ethnic roles. (S. 348)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Überwindung des Natur-Kultur Dualismus wird eine Rückbesinnung auf bestimmte vorkoloniale spirituelle Konzepte wie beispielsweise das aus der westafrikanischen Tradition stammende Nyam vorgeschlagen.  Wird die Interdependenz zwischen Menschen untereinander und nicht-menschlichen Natur anerkannt, respektier und wertgeschätzt, so ergibt sich ein grundlegend anders Verständnis von Machtverhältnissen. Macht wird nicht über, sondern mit anderen Kreationsformen ausgeübt. (vgl. 357f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der afrozentrische Ökowomanismus adressiert Problematiken der Klimakrise sowie damit einhergehende sozioökonomische Ungleichheiten aus einer konkreten Position heraus. Diese Position weist eine spezifische Betroffenheit auf, die nicht subsumiert werden kann und daher für die eigenen Interessen eintreten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Autor*innen==&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schuhmann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=3508</id>
		<title>Intersektionalität im Ökofeminismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Intersektionalit%C3%A4t_im_%C3%96kofeminismus&amp;diff=3508"/>
		<updated>2022-01-13T19:46:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Nele Fuchs: /* Nele - Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
= Intersektionalität im Ökofeminismus = &lt;br /&gt;
Einleitungstext hier einfügen &lt;br /&gt;
'''Intersektionalität im Ökofeminismus'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Andra'' - Einführung in die Begriffe Ökofeminismus, Essenzialismus und Intersektionalität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ökofeminismus entstand Mitte der 1970er Jahre. Angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen wurde in ökofeministischen Theorien die Frage nach der Verbindung zwischen der Dominanz und Ausbeutung von Natur sowie der Dominanz und Ausbeutung von Frauen adressiert. Der Ökofeminismus ist somit eine Strömung innerhalb der Umweltphilosophie, die feministische Perspektiven zur Analyse von Machtverhältnissen für unerlässlich hält. Je nach Ausprägung kann der Ökofeminismus Schwerpunkte anderer Strömungen wie beispielsweise der Tierethik oder dem Postkolonialismus aufgreifen und behandeln. Nicht alle Positionen innerhalb des Ökofeminismus sind miteinander vereinbar. Zum Beispiel besteht eine Diskrepanz zwischen essentialistischen und intersektionalen Position.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Janet Biehl geht so weit, dass sie der gesamten ökofeministischen Strömung vorwirft, die Begriffe Frau und Natur ahistorisch im Sinne einer ihnen innewohnenden Essenz zu gebrauchen. Tatsächlich weisen einige Positionen wie die von Brian Swimme, Kay Salleh oder Vandana Shiva essentialistische und/oder generalisierende Charakteristika in ihrem Argumentationsgang auf und bedürfen entsprechend der Kritik. Zu behaupten, dies würde auf die gesamte Strömung zutreffen, ist jedoch nicht minder eine vereinfachende und generalisierende Auffassung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der folgende Artikel legt besonderen Augenmerk auf diejenigen Positionen, die Essentialismus zugunsten einer intersektionalen Perspektive ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Nele'' - Statistiken, Warum wir eine Feministische Perspektive auf die Klimakrise brauchen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise wird deutlich durch Statistiken zur Gefährdung verschiedener Personengruppen bei Umweltdesastern. So sind Frauen und andere marginalisiert Gruppen am meisten von Klimaveränderungen betroffen {&amp;quot;women and children are 14 times more likely to die in ecological disasters than men&amp;quot; Gaard, S.10 + Beispiel Hurrikane Katrina). Intersektionale Ökofeminist*innen wie Gaard stellen dabei heraus, dass diese Verletzlichkeit von Frauen nicht angeboren ist, sondern ein Resultat von Ungleichheit ist, die durch gegenderte soziale Normen, Diskriminierung und Armut (&amp;quot;inequities produced through gendered social roles, discrimination, and poverty&amp;quot; Gaard, S.9) entsteht. Weitere Faktoren der Gefährdung von Frauen sind &amp;quot;residence on marginal land susceptible to subsidence, erosion, or flooding; precarious or informal employment; increasing exposure to waterborne and vector-borne disease&amp;quot; (Allison, p.152)&lt;br /&gt;
[Die Konstruktion dieses Phänomens der &amp;quot;gendered vulnerability&amp;quot; zu entlarven und aufzulösen fällt in das Aufgabenfeld des intersektionalen Ökofeminismus.] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz ihrer Verletzlichkeit sind Frauen und andere marginalisierte Gruppen unterrepräsentiert “at all levels of decision making regarding climate change” (Kaijser &amp;amp; Kronsel, p.418). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive auf die Klimakrise verdeutlicht, ist die Tatsache, dass aktuelle Ansätze unzureichend sind. Der Mangel einer ''gender''-sensitiven Betrachtung und Diskussion der Klimakrise führt dazu, dass diese hauptsächlich aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive analysiert wird, welche technologische und wissenschaftliche Lösungen befürwortet (-&amp;gt; inwiefern ermöglicht eine feministische Perspektive ein ideologisches Umdenken?). Dieses Primat technischer Lösungsansätze verzerrt die eigentlichen Ursachen der Klimakrise, welche in Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen liegen. Gleichzeitig werden so Daten und Perspektiven ausgeschlossen, die zum Abwenden der Klimakrise beitragen können (Gaard, S.13), während stattdessen antifeministischen Lösungsansätzen wie Populationskontrolle, Militarisierung und Anti-Immigrationsmaßnahmen Tür und Tor geöffnet wird (Gaard, S.14). Der maskulinistische Charakter der Analyse der Klimakrise (&amp;quot;masculinist character of climate change analyses&amp;quot;, Gaard, S.25) lässt sich einerseits durch die hauptsächliche Teilnahme von Männern in politischen Entscheidungsprozessen ('''Statistik noch einsetzen''') zurückführen, andererseits steckt dahinter auch die dualistische Trennung von Natur und Verstand (-&amp;gt; warum ist technisches Wissen männlich kodiert?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Johanna'' - Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit ==&lt;br /&gt;
In Beziehungen auf allen Eben finden sich Intersektionen von Macht, dabei bilden soziale Kategorisierungen bzw. ihre Kombination die Basis zur Ein- und Ausgrenzung. So wird z. B. Erstrebenswertes, Attraktives, Abweichendes und als normal geltendes definiert und in Individuelle Handlungen und der institutionelle Praxis vorgefunden. Zu Grunde gelegt werden dafür implizite Machtmuster. Dargestellt werden diese Machtstrukturen häufig als natürliche Unterschiede und müssen nicht konkret genannt werden. (S.416 Kaijser) Auch im Fall vom Geschlecht als System handelt es sich um solche implizten Machtstrukturen, welche mithilfe Intersektionalität hinterfragt werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaijser&amp;amp;Kronsell formulieren als das Ziel einer intersektionalen Analalyse die Perspektive zu erweitern und darüber nachzudenken, welche Faktoren in einem bestimmten Umfeld relevant sein könnten und das ohne dabei das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Anna Kaijser, Annica Kronsell|Titel=Climate change through the lens of&lt;br /&gt;
intersectionality|Zeitschrift=Environmental Politics|Band=23|Nummer=3|Jahr=2014|Seite=417-433| Online=https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09644016.2013.835203?scroll=top&amp;amp;needAccess=true|Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; In sofern geht die intersektionelle Analyse darüber hinaus z. B. die hier besprochenen Geschlechterverhältnisse zu kritisieren. &lt;br /&gt;
Entscheidend ist es, zu berücksichtigen, wie soziale Kategorien ausgehandelt und konstruiert werden und auf welche Weise sie sich unterscheiden. Nicht nur das Subjekt ist situiert, sondern auch das Wissen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt; „These explorations of queer feminist ecology can augment the slogan of the Gender &amp;amp; Climate Change Network (genderCC): There will be no climate justice without [queer] gender justice.”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Greta Gaard |Titel=Ecofeminism and climate change|Zeitschrift=Women's Studies International Forum |Band=49|Nummer=1|Jahr=2015|Seite=27| Online=https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277539515000321 |Abruf=06.01.2022 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;/blockquote&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es lassen sich nicht nur Verbindungen von Geschlecht und Klimakrise finden, sondern darüber hinaus weiter Vermutungen aufstellen. Bisher gibt es jedoch wenige Studien die eine ökologische Queer-Perspektive berücksichtigen. (S.27 Gaard, sie zitiert Somera 2009 am ende vom der Quelle auf die ich hier Bezug nehme) Angesichts der Korrelation und gegenseitigen Verstärkung von Sexismus und Homophobie (S.27 Gaard bezieht sich hier auf Pharr 1988) können die Standpunkte von Frauen und LGBTQIA+ Individuen zum Klimawandel verglichen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Fall der Klimakrise ist ein umfangreicher Wandel ist erforderlich um ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung zu erreichen. Dies ist jedoch keine automatische Garantie für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Es ist notwendig ... &amp;quot;&amp;quot;progressive Männer [und genderqueere Personen] einbezieht, die bereit sind, ihre Männlichkeit und ihre Geschlechterrollen zu hinterfragen&amp;quot; und zusammenzuarbeiten, um &amp;quot;die eingebetteten geschlechtlichen [Sexualitäts-] und Machtverhältnisse in der Klimapolitik und den Klimaschutzstrategien&amp;quot; aufzudecken&amp;quot; (S.26 Gaard bezieht sich hier auf in beiden Zitaten auf Rohr 2012)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Johanna'' - Kritik an Intersektionalität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ''Andra'' - Afrocentric Womanism ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Autor*innen==&lt;br /&gt;
{{Autor*innenschaft-Gruppe|Vorname=Nele |Nachname=Fuchs |Vorname2=Johanna |Nachname2=Schreiner |Vorname3=Andra |Nachname3=Schuhmann |Tag=09 |Monat=09 |Jahr=2021 |Bearbeitung-Vorname= | Bearbeitung-Nachname= |Bearbeitung-Vorname= |Bearbeitung-Tag= |Bearbeitung-Monat=| Bearbeitung-Jahr= }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Über Klimawandel nachdenken‏‎]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissen in der Klimakrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intersektionalität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Nele Fuchs</name></author>
	</entry>
</feed>